Sprachwandel durch neue

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Transkript:

Sprachgeschichte und Schule Prof. Dr. Agnes Jäger WS16/17 Sprachwandel durch neue Medien @school Svenja Hügel Jonas Remmert Ksenia Sytschew Stefan van der Burgt Josephine Woltz

Vorstellung einer Unterrichtssequenz

1. Unterrichtsstunde (Einzelstunde) Murmelphase Merkmale: Abkürzungen, Multimedialität, Wortbildungen, Smileys, Satzzeichen, Semantik, neue Textformen, Einfluss auf Sprache generell Sammlung à Sicherung durch Mindmap

2. Unterrichtsstunde (Doppelstunde) Zusammenfassung der vorigen Stunde Bildimpuls Sprachgeschichte

2. Unterrichtsstunde (Doppelstunde) Murmelphase Unterrichtsgespräch Erklärungen und Gruppenbildung Materialmappe inklusive Leitfragen: 1. Definiert euer Merkmal! 2. Welche Bedeutung hat dieses Merkmal in den neuen Medien? 3. Beschreibt die Entwicklung und Verwendung eures Merkmals vor den neuen Medien! Gruppenarbeit

3. Unterrichtsstunde (Doppelstunde) Gruppenarbeit

4. Unterrichtsstunde (Einzelstunde) Gruppenarbeit

Exkurs (1): Storrer (2014): Sprachverfall durch internetbasierte Kommunikation? Fragestellung: Schadet die internetbasierte Kommunikation der Sprache? (Sprachverfall) Theoretische Grundlage: Einordnung in Modell (Koch/Oesterreicher): gesprochene oder geschriebene Sprache [medial mündlich oder medial schriftlich] vs. text- oder gesprächsorientierter Duktus [konzeptionell schriftlich oder konzeptionell mündlich] (S. 174)

Exkurs (1): Storrer (2014): Sprachverfall durch internetbasierte Kommunikation? Korpora zur Untersuchung des Einflusses: 1. Wochenzeitschrift die ZEIT (1991-2009) 2. Wikipedia (Artikelseiten und Diskussionsseiten) Untersuchungsgegenstand in beiden Korpora: Nutzung des Akronyms lol, Inflektive; bei Wikipedia zusätzlich Emotikons à keine echten Belege bei die ZEIT und Artikelseiten; bei Diskussionsseiten hingegen echte Belege

Exkurs (1): Storrer (2014): Sprachverfall durch internetbasierte Kommunikation? Kann verneint werden, da 1. Sprachgeschichtlich: internetbasierte Kommunikation = Ausbau der schriftsprachlichen Handlungsform à interaktionsorientierte Schreibform unter Berücksichtigung neuer medialer Bedingungen à konzeptionell mündlich 2. Kein Einfluss der Merkmale auf die Schreibtradition 3. Im Gegenteil: kompetente Schreiber können sich an unterschiedliche Schreibbedingungen anpassen und jeweils passende Register abrufen (auch Jugendliche)

Exkurs (2): Multimedialität Begriff erst seit 1990er verstärkt in Gebrauch Medienverbund durch Computer/Internet: Symmediale (Frederking) Verknüpfung von Text, Ton, Bild, Film Traditionelle Medien konnten diese Aspekte nicht alle verbinden à Bsp. Buch = Text und (ggf.) Bild, aber keine auditiven Elemente generell: Produktion durch Computer/ Internet Massenphänomen (während Buchdruck die Rezeption einer breiteren Masse öffnete) à aktiverer Umgang

Exkurs (3): Neue Wörter Benennungslücken müssen geschlossen werden 1. Entlehnung 2. Phraseologiebildung Im Laufe der Jahrhunderte hat das Deutsche viele Wörter aus anderen Sprachen aufgenommen à Fremdwörter à Lehnwörter Neue Medien: viele technische Benennungslücken werden durch Anglizismen geschlossen Wörter wie googeln, skypen, posten und liken werden im Deutschen in konjugierter Form verwendet Neue Komposita durch neue Medien mit besonders intensiver Wirkung (Bsp.: Flüchtlingsflut)

5. Unterrichtsstunde (Doppelstunde) Präsentationsrundgang à Laptop/Tablet

6. Unterrichtsstunde (Doppelstunde) Unterrichtssgespräch Vorbereitung auf Diskussion à Positionen Diskussion (Gruppe, die den Aufsatz behandelt, als Moderatoren) Reihenabschluss

Literaturangaben Beil, Ulrich Johannes: Das Smiley. Der Trickster des World Wide Web. In: Christine Abt, Tim Kammasch (Hg.): Punkt, Punkt, Komma, Strich? Geste, Gestalt und Bedeutung philosophischer Zeichensetzung. Bielefeld: transcript Verlag 2009, S. 229-242. Frederking, Volker, Axel Krommer & Klaus Maiwald: Mediendidaktik Deutsch. Eine Einführung (Grundlagen der Germanistik 44). 2., neu bearb. und erw. Auf. Berlin: Schmidt 2012. Jansen-Tang, Doris: Ziele und Möglichkeiten einer Reform der deutschen Orthographie seit 1901: historische Entwicklung, Analyse und Vorschläge zur Veränderung der Duden-Norm, unter besonderer Berücksichtigung von Gross- und Kleinschreibung und Interpunktion (Europäische Hochschulschriften). Frankfurt a. M.: Peter Lang 1988. Kuzminykh, Ksenia: Das Internet im Deutschunterricht. Ein Konzept der muttersprachlichen und der fremdsprachlichen Lese- und Schreibdidaktik (Germanistik, Didaktik, Unterricht 3). Frankfurt a. M.: Peter Lang 2009. Marx, Konstanze; Weidacher, Georg. Internetlinguistik: Ein Lehr- und Arbeitsbuch. Tübingen: Narr Francke Attempto Verlag 2014. Schmidt, Wilhelm: Geschichte der deutschen Sprache. Ein Lehrbuch für das germanistische Studium. 11., verb. und erw. Aufl. Stuttgart: Hirzel 2013. Storrer, Angelika: Sprachverfall durch internetbasierte Kommunikation? Linguistische Erklärungsansätze empirische Befunde. In: Albrecht Plewina (Hg.): Sprachverfall? Dynamik Wandel Variationen (Jahrbuch des Instituts für deutsche Sprache 2013). Berlin u.a.: de Gruyter 2014, S. 171-196. Zimmermann: Themenheft Tendenzen der Gegenwartssprache. In: Deutsch betrifft uns: aktuelle Unterrichtsmaterialien 5/2006.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit!