Puerperale Mastitis/Abszess

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NEST-Online Minifortbildung 1 März 2017 Puerperale Mastitis/Abszess OÄ Dr. in INGRID ZITTERA Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, IBCLC A.ö. BKH Lienz Baby-friendly Hospital Sektionssprecherin BFHI-Österreich

Puerperale Mastitis Definition Inzidenz Eine in der Stillzeit auftretende Entzündung der Brustdrüse durch Behinderung des effektiven Milchflusses Stauungsmastitis oder infektionsbedingt infektiöse Mastitis 3 % bis 20 % bis 30 % (abhängig von Definition und Follow-up postpartum) Häufigkeitsgipfel 2-3 Wochen pp 74% bis 95% innerhalb ersten 12 Wochen während gesamter Stillzeit möglich WHO (2000). Mastitis. Causes and Mangagement. WHO/FCH/CAH/00 13 Lawrence, Ruth: Breastfeeding - A Guide for the Medical Profession, 8. Auflage, Elsevier, Mosby, Inc., 2016

MASTITIS MILCHSTAU Pathogenese Stauungsmastitis

Zu seltenes und/oder ineffektives Entleeren der Alveolen und Milchgänge Folge inkorrekter Anlegetechnik und Stillposition Gestörter Milchspendereflex Stress, Schmerzen, Erschöpfung Milchbläschen, verstopfter Milchgang Mechanische Ursachen (BH, Trauma, ) Ursachen Milchstau

Überdehnung glatte Muskelzellen Weniger kontraktil Hemmung Milchspendereflex www.thevisualmed.com www.thevisualmed.com Dehnung Alveolarzelle Supressorpeptid FIL Feed back Inhibitor of Lactation Hemmung Milchproduktion Folgen Milchstau

Alveole Druckerhöhung Basalmembran/ Kapillaren Tight-junctions Erhöhung Kapillarpermeabilität Muttermilch in Umgebung Brustgewebe Entzündungsreaktion Pathogenese Stauungsmastitis

Kind Unzureichender Milchtransfer zum Kind Unzufriedenes/unruhiges/ schläfriges Kind Unzureichende Gewichtsentwicklung Weniger Ausscheidungen Symptome Milchstau Mutter Druckempfindliche Resistenzen, Knoten in Brust Mäßige, diffuse oder umschriebene Rötung Überwärmung Gelegentlich Körpertemperatur bis 38,4 C Gutes Allgemeinbefinden Meist unilateral

Lokalsymptome (Haut-) Ödem Calor - Überwärmung Rubor - Rötung (scharf begrenzt) Dolor - Starke Schmerzen Allgemeinsymptome Fieber (> 38,5 C), Schüttelfrost Grippeähnliche Symptomatik (Kopfschmerzen, Gliederschmerzen) Abgeschlagenheit, Schlechter AZ Functio laesa - Funktionseinschränkung (Milchspendereflex, Milchproduktion) Symptome Mastitis

Keimspektrum > 90% Staphylokokken ß-hämolysierende Streptokokken Infektion Brustdrüse Via Milchgänge Via Gewebsspalten E. coli Enterobakterien Pseudomonas aeruginosa Pathogenese infektiöse Mastitis

Differentialdiagnosen Keine Indikation zum Abstillen! Mammaabszess Inflammatorisches Mamma-Ca Die Entleerung der Brust ist bei Mastitis und Milchstau zur Entlastung des Drüsengewebes essenziell. Häufiges Stillen! Eventuell Pumpen Pathogenese infektiöse Mastitis Stillpause bei gleichzeitigem Entleeren nur in Einzelfällen: Frühgeborenes (nur bei bakterieller Mastitis ) Bilaterale Mastitis mit ß-hämolysierenden Streptokokken der Gruppe B (sehr selten)

Antibiose Ruhe, Flüssigkeitszufuhr, Hautkontakt NSAR (z.b. Ibuprofen 600 mg p.o. alle 8 h) Therapie Mastitis Drainage der Brust alle 2-3 Stunden vor allem durch Stillen, eventuell Pumpen, phys. Maßnahmen

Indikationen wunde Mamillen keine deutliche Besserung innerhalb 12-24 h hohes Fieber (> 39,5 C) über 6 h positive Blutkultur Rezidiv (eventuell Milchkultur) Medikamente Cephalosporine 1. und 2. Generation Flucloxacillin Amoxicillin Clindamycin Oberer Dosisbereich Therapiedauer 10-14 d (ansonsten mehr Rezidive) Antibiose

Begleitende Maßnahmen Bettruhe! häufiges Anlegen! günstige Stillposition sanfte! Massage zur Oxytocinausschüttung Vorsicht bei Ausstreichen betroffener Areale, Traumatisierungsgefahr! in Einzelfällen Wärme vor dem Stillen Kälteanwendung nach dem Stillen ausreichend Flüssigkeit, Vitamin C Therapie Mastitis

MASTITIS MILCHSTAU BRUSTDRÜSEN- ABSZESS

Pathogenese Meist Folge von zu spät einsetzender unzureichender falscher Symptome Persistierend lokale Entzündungszeichen Schmerz/Druckschmerz Fieber möglich Therapie einer Mastitis puerperalis! Mammaabszess

Diagnose Anamnese Tastbefund Therapie 1. Wahl: Sonografisch gezielte Punktion 2. Wahl: Chirurgische Inzision Mamma-Sonographie Mammaabszess

Chirurgische Inzision Nach Möglichkeit Schnitt möglichst peripher anschließend spülen (cave Jod) Einlage Drainage Wundheilung dauert ca. 3 Wochen Weiterstillen Sonogr. gezielte Punktion Oberflächliche LA (Emla ) Punktion unter Ultraschallkontrolle mit Kanüle 1,1-1,9 x 80 mm Spülung systemische Antibiose Weiterstillen Therapie Mammaabszess

Chirurgische Inzision AN Wundschmerzen Wundheilung ca. 3 Wochen kosmetisches Ergebnis stationär Sonogr. gezielte Punktion LA weniger Schmerzen raschere Heilung kosmetisches Ergebnis eventuell auch ambulant (Kosten) 2. Wahl Therapie Mammaabszess weniger Rezidive 1. Wahl

Gibt es Evidenz oder gar Leitlinien für unsere Empfehlungen? http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/015-071.html Puerperale Mastitis/Abszess

2. Impulsabend Erkrankungen der Mutter Mögliche Auswirkungen auf das Stillen am Fallbeispiel Gestationsdiabetes Dienstag, den 04.04.2017, 17.15 19.15 Uhr fh gesundheit (AZW), Hörsaal 104, Innrain 98, 6020 Innsbruck Einladung