Wertstromdesign POCKET POWER

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Transkript:

Wertstromdesign POCKET POWER

3 Inhalt 1 Einleitung 7 2 Wertstromanalyse 13 2.1 Die Vorbereitungsphase 14 2.2 Der Ablauf 19 2.3 Exkurs: Verschwendung 26 3 Wertstromdarstellung 31 3.1 Symbole im Wertstrom 31 3.2 Wertstromquotient 42 3.3 Kaizen-Blitze 43 3.4 Hilfsmittel 44 4 Wertstromdesign 46 5 Erfolgsfaktoren und Anwendungsfelder der Wertstrommethode mit Beispielen 56 5.1 Erfolgsfaktoren 56 5.2 Beispiel aus der Produktion 59 5.3 Beispiel aus dem Bereich Lean Administration 68 6 Unterstützende Methoden und Werkzeuge 75 6.1 Fließproduktion 75 6.2 Push und Pull 78

4 Einleitung 6.3 Engpassmanagement 83 6.4 Rüstzeitoptimierung 88 6.5 Der Begriff EPEI als Kennzahl der Flexibilität 92 6.6 TPM 94 6.7 Tätigkeitsanalyse 97 6.8 KVP 99 6.9 Standardisierung 102 6.10 Visuelles Management 104 6.11 Sankey-Diagramm 107 6.12 Lean Administration 109 7 Anlagen 114 Literatur 120

7 1 Einleitung WORUM GEHT ES? Der sich in immer kürzeren Abständen wandelnde Markt macht flexibles und schnelles Reagieren notwendig darauf sind Unternehmen und ihre Zulieferanten nicht immer und nicht wirklich eingestellt. Abhilfe schafft hier die Wertstrommethode, sie ist das richtige Instrument, um sämtliche Abläufe in Produktion und Dienstleistung ganzheitlich verbessern zu können. Viele europäische und amerikanische Unternehmen sowie Berater haben in den letzten Jahrzehnten den Blick auf Toyota und die dortigen Erfolgsgeheimnisse geworfen. Methoden wie Gruppenarbeit, KVP (Kontinuierlicher Verbesserungsprozess) und Kanban kamen in den Fokus. Seit Mitte der 1990er-Jahre suchen immer mehr Unternehmen nach Möglichkeiten, ihr Unternehmen ganzheitlich weiterzuentwickeln, weil sie erkannt haben, dass es dazu mehr braucht als nur den Einsatz einzelner Methoden. Auch hier konnte man Anleihen bei Toyota machen, genauer gesagt beim Toyota-Produktionssystem (TPS). Die Erkenntnis, dass das Zusammenspiel von gemeinsamen Wertvorstellungen und sich ergänzenden Methoden und Leitsätzen ein Unternehmen erfolgreich machen kann, prägte den Begriff Ganzheitliches Produktionssystem (GPS). Aber was macht solche Produktionssysteme erfolgreich? Darüber sind in den letzten Jahren viele Bücher geschrieben worden. Vielleicht bringt es Taiichi Ohno (erfolgreicher, ehemaliger Toyota-Manager) mit diesen zwei Sätzen auf den Punkt:

8 Einleitung Wir konzentrieren uns auf die Durchlaufzeit, und zwar von dem Moment an, in dem wir einen Kundenauftrag erhalten, bis zum Zahlungseingang. Dabei verkürzen wir diese Durchlaufzeit, indem wir alle Bestandteile eliminieren, die keinen Mehrwert generieren. Also Durchlaufzeitreduzierung in den Unternehmensprozessen und nicht nur in der Produktion als Schlüssel zum Erfolg? Stellen Sie sich einen Ablauf vor, den Sie gut kennen. Warum braucht er so lange? Vielleicht liegt die Auftragsmappe erst mal eine Woche beim Sachbearbeiter im Eingangskorb, weil dieser andere Prioritäten hat. Die eigentliche Bearbeitung dauert dann nur zehn Minuten und endet mit einer ergänzenden Eingabe im EDV-System. Anschließend muss die Mappe zum Chef zur Unterschrift. Dieser ist aber meist nur selten am Platz bzw. oft auf Dienstreisen, und so wartet der Auftrag wieder mehrere Tage. Inzwischen ruft vielleicht eine andere Abteilung an und fragt nach dem Auftragsstand. Sie hat ein anderes EDV-System und muss deshalb telefonisch den Sachbearbeiter ausfindig machen. Der ist beim Anruf nicht am Platz, ruft später wieder zurück. Anschließend geht er ins Sekretariat seines Chefs, um nach dem Auftrag zu fragen. Dann eilt er wieder ans Telefon und ruft die anfragende Abteilung an. Nein werden sie sagen, das ist kein optimaler Fluss, sondern eher ein Stop-and-go-Betrieb.

Einleitung 9 Ein Wertstrom fasst alle Aktivitäten zusammen, um ein Produkt/eine Dienstleistung vom Lieferanten zum Kunden zu bringen (Bild 1). Tätigkeiten (wertschöpfend, unterstützend, nicht wertschöpfend) sowie Material- und Informationsflüsse prägen ihn. Lieferant Wert Produk on / Dienstleistungen strom Kunde Bild 1: Wertstrom WAS BRINGT ES? Ziel der Wertstrommethode ist es, ein Unternehmen dabei zu unterstützen, dass die Fähigkeit, Material, Produkte, Dienstleistungen und Informationen durch die Prozessketten fließen zu lassen, ständig besser wird. Und dies verschwendungsarm und auf hohem Qualitätsniveau. Häufig versteht man unter Optimierung in der Produktion vor allem das Reduzieren der Bearbeitungszeit. Dabei werden beispielsweise neue Werkzeuge eingesetzt oder technologisch bessere Maschinen gekauft. Das kann unbestritten Vorteile bringen, aber es reduziert die Gesamtdurchlaufzeit oft nur unwesentlich. Unter Wertstromaspekten stellt man sich beispielsweise die Frage, warum Werkstücke oft viele Stunden, ja Tage benötigen, bis sie zur Folgeoperation gelangen. Da wird die Hauptzeit durch ein Sonderwerkzeug um 30 Sekunden für ein Drehteil reduziert, aber es fragt keiner, warum es anschließend erst vier Tage später auf einer Schleifmaschine fertig bearbeitet werden kann. Nicht nur dass die

10 Einleitung Auftragszeit dadurch groß wird, es muss auch viel Handlingaufwand betrieben werden (Wegfahren Einlagern Auslagern Bereitstellen usw.). Man spricht von der Wertstromanalyse, wenn es zunächst um die transparente Darstellung und das Aufzeigen von Schwachstellen im Istprozess geht. Wenn daraus ein neuer Sollprozess gestaltet werden soll, dann erfolgt dies mit dem Wertstromdesign (Bild 2). Eingangslager Prozess 1 Prozess 2 Bodenlager vor Ort Prozess 3 Prozess 4 Versandlager Wertstromanalyse Zwischenlager 1 Zwischenlager 2 Lange Durchlaufzeiten, viel Lagerfläche und Handlingaufwand Wertstromdesign Eingangslager Prozess 1+2 FIFO- Band Prozess 3+4 Bild 2: Durchlaufzeitreduzierung im Fokus Versandlager Kurze Durchlaufzeiten, weniger Lagerfläche und Handlingaufwand FIFO-Prinzip: First In First Out WIE GEHE ICH VOR? Die Wertstrommethode ist sehr nahe am eigentlichen Prozess, d. h., sie lebt vom Linewalk und von strukturierten Interviews mit Prozesskennern und weniger von Hypothesen der Manager, wie Prozesse laufen oder zu laufen haben.

Einleitung 11 Wenn es darum geht, Bestände zu erfassen, dann nicht nur in das Produktionsplanungs- und Steuerungssystem (PPS- System) blicken, sondern auch vor Ort gehen. Da fällt dann beispielsweise auf, dass die Lagerbereiche gar nicht ausreichen und dass Material auf Hilfsflächen lagert. Oder dass die Sachnummern in falschen Behältern angeliefert wurden, dass die Entsorgung des Verpackungsmaterials nicht klappt usw. Die Wertstrommethode lässt sich skaliert auf verschiedenen Ebenen einsetzen, d. h., man kann große Lieferströme zwischen Zulieferanten und Kunden genauso analysieren und optimieren wie den kleinen Ablauf auf einer Montageinsel. Auch das macht die Methode so interessant, weil man sie an einfachen Prozessen üben und sie dann mit mehr Praxiswissen bei immer komplexeren Themen anwenden kann. Die Methode schafft nicht nur Transparenz (Bestände und Durchlaufzeiten) und zeigt Potenziale von Prozessketten auf, Wertstromregeln und Designhilfen unterstützen auch bei der Optimierung oder Neugestaltung. Erprobte Standards (z. B. Abläufe, Symbole, Regeln ) erleichtern den Einstieg. Es kann aber sinnvoll sein, sich zu Beginn von einer Beraterfirma, die sich auf die Wertstrommethode spezialisiert hat, unterstützen und schulen zu lassen, um dann später selbst aktiv alleine damit zu arbeiten. Wertstromdenken ist letztlich eine Philosophie, die Unternehmen entscheidend unterstützen kann, um schnell und reaktionsfähig zu werden bzw. zu bleiben. Damit ist die Wertstrommethode auch mehr als nur ein Werkzeug, sie kann auch zum Managementinstrument werden.

POCKET POWER Mit Wertstromdesign lassen sich Durchlauf zeiten reduzieren und Verschwendung vermeiden. Dabei können Informations- und Material flüsse zwischen einzelnen Produktionsab schnitten genauso optimiert werden wie werksübergreifende Prozess- und Lieferketten oder Verwal - tungs prozesse. Dieser Pocket Power-Band liefert eine Einführung und zeigt, wie die Wertstrommethode im Unter - nehmen erfolgreich eingesetzt werden kann. Durchlaufzeiten reduzieren und Verschwen - dung vermeiden In allen Bereichen anwendbar Direkt in die Praxis umsetzbar Mit vielen Beispielen ISBN 978-3-446-42189-9 9 7 8 3 4 4 6 4 2 1 8 9 9 www.hanser.de/pp