Es gibt für die Implementierung von Ethikmaßnahmen innerhalb von Unternehmen grundsätzlich zwei Ansätze. Den Compliance Ansatz, welcher eher einseitig schließende Maßnahmen verfolgt und den Integrity Ansatz, welcher eher einseitig öffnende Maßnahmen verfolgt. [1] Da Ethik-Kodizes meist keine operativen Handlungsanweisungen geben können und eher allgemein formuliert sind, ist eine strategische Ausrichtung notwendig. [2] Die Wahl des Implementierungsansatzes muss von der Unternehmensleitung getroffen werden, da es sich dabei um eine strategische Grundsatzentscheidung handelt. [3] Compliance Ansatz Der Compliance Ansatz verfolgt eine restriktive und regulierende Strategie Ethikmaßnahmen innerhalb des Unternehmens zu etablieren. Dabei wird versucht opportunistisches Verhalten der Belegschaft zu verhindern indem sehr detaillierte Verhaltensrichtlinien vorgegeben werden. Es werden diese zusätzlich über Schulungen und Kontrollmechanismen abgesichert. Damit der Compliance Ansatz verfolgt werden kann, müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, dies beinhaltet die Durchführung folgender Aufgaben: [4] - Überwachungsstandards zu definieren, - geeignete Mechanismen der Fremdkontrolle zu entwickeln, - Sanktionsmaßnahmen zu installieren. [5] Die Basis des Compliance Ansatzes ist ein eher skeptisches, passives Menschenbild. [6]. Er baut auf äußere Anreize auf und beinhaltet somit die Mittel der Belohnung und Bestrafung um ethisches Verhalten sicherzustellen. Die Motivation wird als extrinsisches Phänomen gesehen. Deswegen kommt dieser Ansatz eher den traditionellen Managementmodellen nahe. [7] Integrity Ansatz Der Integrity Ansatz verfolgt genau einen gegenteiligen Ansatz als der Compliance Ansatz. Die Basis ist die Annahme einer intrinsischen Motivation der Mitarbeiter, d.h. es werden die Werte der Mitarbeiter als Anknüpfungspunkt für die ethische Entscheidungsfindung innerhalb des Unternehmens herangezogen. Das Menschenbild des Integrity Ansatzes versucht bereits bestehendes moralisches Verhalten der Mitarbeiter zu stützen und diese für unternehmensethische Werte zu sensibilisieren. Diese werden zusätzlich durch die Schaffung organisationsstruktureller und kultureller Maßnahmen unterstützt und so zu einem eigenverantwortlichen Verhalten animiert. Der Ansatz verfolgt das Ziel eine Vertrauenskultur 1 / 5
innerhalb des Unternehmens zu etablieren. [8] Der Integrity Ansatz kommt neuen Managementmodellen nahe und ist geeignet für Marktgegebenheiten mit komplexen Umfeld und einer zukünftigen Ungewissheit. Da dieser vor allem die Potentiale und Flexibilität der Mitarbeiter nutzt, da im Gegensatz zum Compliance Ansatz eine starke Selbststeuerung dieser möglich ist. Trotz des besseren Menschenbildes muss allerdings auch beim Integrity Ansatz für die Sicherstellung ethischer Zielsetzungen, Verhaltensstandards mit entsprechenden Kontrollen und Sanktionen eingeführt werden. [9] Compliance-Ansatz Integrity-Ansatz Zielsetzung Konformität mit externen Verhaltensstandards herstellen Selbststeuerung des Mitarbeiters Steuerungsphilosophie Begrenzung diskretionärer Handlungsspielräume 2 / 5
Ermöglichung moralischen Verhaltens Verhaltensannahme, Menschenbild Vom materiellen Eigeninteresse geprägtes Wesen (extrinsische Motivation); opportunistisches Verhalten Von eigenen und sozialen Interessen geprägtes Wesen (intrinsische Motivation), verantwortungsbewuss Maßnahmen Misstrauenskultur: Überwachung, Fremdkontrolle, Sanktionsmaßnahmen Vertrauenskultur: Freiräume für Eigenverantwortung schaffen Merkmale des Compliance- und Integrity-Ansatzes (Noll, Bernd (2002) S. 121) Zusammenfassend werden in der oben angeführten Tabelle nochmals die Merkmale des jeweiligen Ansatzes dargestellt. Literatur: Friske, Cindy; Bartsch, Elmar; Schmeisser, Wilhelm (2005): Einführung in die 3 / 5
Unternehmensethik: Erste theoretische, normative und praktische Aspekte. Kehrbuch für Studium und Praxis. Schriften zum Internationalen Management. Band 12. München, Mering: Rainer Hampp Verlag. Noll, Bernd (2002): Wirtschafts- und Unternehmensethik in der Marktwirtschaft. Stuttgart, Berlin, Köln: Kohlhammer Verlag. [1] Vgl. Friske, Cindy; Bartsch, Elmar; Schmeisser, Wilhelm (2005) S. 110 [2] Vgl. Noll, Bernd (2002) S. 118 [3] Vgl. Friske, Cindy; Bartsch, Elmar; Schmeisser, Wilhelm (2005) S. 110 [4] Vgl. Noll, Bernd (2002) S. 119-120 [5] Noll, Bernd (2002) S. 120 [6] Noll, Bernd (2002) S. 120 [7] Vgl. Noll, Bernd (2002) S. 120 4 / 5
[8] Vgl. Noll, Bernd (2002) S. 120 [9] Vgl. Noll, Bernd (2002) S. 120-121 5 / 5