S Ü D W E S T R U N D F U N K F S - I N L A N D R E P O R T MAINZ S E N D U N G:

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1 Diese Kopie wird nur zur rein persönlichen Information überlassen. Jede Form der Vervielfältigung oder Verwertung bedarf der ausdrücklichen vorherigen Genehmigung des Urhebers by the author S Ü D W E S T R U N D F U N K F S - I N L A N D R E P O R T MAINZ S E N D U N G: Abzocke mit Vermittlungsgutscheinen Wie windige Unternehmer auf Kosten der Beitragszahler Kasse machen Autor: Kamera: Eric Beres Andreas Deinert Dennis Heinemann Gerald Volp Schnitt: Jörg Hommer Moderation Fritz Frey: Das Gegenteil von Gut ist nicht Böse, sondern gut gemeint, wahre Worte von Kurt Tucholsky. Wir haben Ihnen schon etliche Kapitel von dieser unendlichen Geschichte erzählt. Eric Beres schlägt ein weiteres auf. In der Hauptrolle, der sogenannte Vermittlungsgutschein, und der ist bares Geld wert. Mit ihm sollen sich Arbeitssuchende unter anderem an private Jobvermittler wenden. Wenn es gut läuft, werden sie vermittelt, und der Vermittler bekommt Geld dafür. Soweit die gut gemeinte Theorie. Wie aber sieht die Praxis aus? Sie ahnen es Tucholsky wird Recht behalten.

2 2 Bericht: Mit Hunden kennt sich Rolf Winterscheid aus. Deshalb war er auch ganz glücklich, als er im vorigen Jahr nach Monaten der Arbeitslosigkeit einen neuen Job bekam als Wachmann und Hundeführer bei einer Sicherheitsfirma. Doch der Job dauerte nicht allzu lange. O-Ton, Rolf Winterscheid:»Kurz vor dem Ende der Probezeit von einem halben Jahr habe ich dann nachts um elf Uhr die Kündigung gekriegt.«ein Schock für ihn und seine Lebensgefährtin. Seine Vorgesetzten waren immer zufrieden mit ihm, erzählt er. Den Job bekam Rolf Winterscheid durch einen privaten Arbeitsvermittler. Voraussetzung: ein so genannter Vermittlungsgutschein. Der Vermittlungsgutschein, privaten Arbeitsvermittlern bringt er bares Geld. Von den Arbeitsagenturen und Jobcentern kassieren sie bis zu Euro, wenn sie einen Arbeitslosen in einen Job vermitteln. Ziel: eine dauerhafte Beschäftigung. Doch wird das auch erreicht? Wilhelm Adamy vom DGB sitzt im Verwaltungsrat der Bundesagentur für Arbeit. Ihm liegen alle Daten zum Thema Vermittlungsgutscheine vor. Das ernüchternde Ergebnis: O-Ton, Wilhelm Adamy, Deutscher Gewerkschaftsbund:»Private Vermittler vermitteln meistens nur in sehr kurzfristige Arbeitsverhältnisse. Nur etwa die Hälfte davon dauert länger als sechs Monate.«Rolf Winterscheid und etliche seiner Kollegen gehören zur anderen Hälfte. Sie sind ohne erkennbaren Grund nach kurzer Zeit gekündigt worden. Nachdem der Vermittler Geld durch den Vermittlungsgutschein kassiert hatte. Wer aber profitiert am Ende von den Scheinen, wenn nicht die Arbeitslosen? Im Internet finden wir das Video eines privaten Arbeitsvermittlers. Der Chef erklärt Unternehmern ganz offen, wie sie dank des Vermittlungsgutscheins viel Geld sparen können.

3 3 O-Ton, Firmenvideo:»Guck mal, wenn einer sagt, wie Herr Klunker neulich, suche mir mal drei Reinigungskräfte. Und ich bezahle nix dafür, sondern suche mir Leute mit dem Vermittlungsgutschein, kosten wir bis auf eine kleine Grundgebühr nichts.«ein verlockendes Angebot für Firmen aller Art. Mitnahmeeffekte, die der Wirtschaftswissenschaftler Stefan Sell für grotesk hält. O-Ton, Prof. Stefan Sell, FH Koblenz-Remagen:»Der Arbeitgeber hat für diese Leistung zu bezahlen, und mit dem Vermittlungsgutschein haben sie das Geschäftsmodell völlig auf den Kopf gedreht: Jetzt zahlt der Staat dafür, dass ein privater Arbeitsvermittler das gleiche macht, wofür der Arbeitgeber vorher bezahlen musste, also der große Gewinner ist hier in diesem Fall der Arbeitgeber.«Schön also für den umtriebigen Herrn Schuh und seine Kunden. Mit etwa 60 Firmen arbeitet er nach diesem Muster schon erfolgreich zusammen. Warum aber soll eigentlich der Beitragszahler dafür aufkommen?»ohne den Gutschein würde es wahrscheinlich auch gehen. Wir haben ein politisches Instrument.«Frage: Und das kann man dann ja auch nutzen? Frage: Und Sie helfen dann ja auch dabei?»so ist es. Arbeitgeber nutzen das gerne, Arbeitsagentur bietet das an.so ist es. Wir sind ja im Grunde, sind wir ja nur unterstützend dabei, dass wir sagen, okay wenn einer einen Vermittlungsgutschein hat, dann freut sich mein Arbeitgeber. Sie können sich das Strahlen im Gesicht wahrscheinlich

4 4 vorstellen, wenn ich sage, der hat einen Gutschein.«Lukrative Geschäfte mit Vermittlungsgutscheinen. Mit den gesetzlichen Regelungen allerdings nehmen es viele nicht so genau. Klar ist, die privaten Arbeitsvermittler müssen unabhängig von den Firmen sein, an die sie vermitteln. Doch ist das immer so? Wir gehen einem Fall in Berlin nach. Eine Filiale von Dunkin Donuts. Ein privater Arbeitsvermittler lädt Bewerber direkt hierher zum Vorstellungsgespräch. Wir begleiten einen von ihnen mit versteckter Kamera. Der Vermittler scheint beste Kontakte zu Dunkin Donuts zu haben. Sein Bruder ist Filialmanager. Während drinnen das Vorstellungsgespräch läuft, sprechen wir mit der Begleiterin des Vermittlers. Gedächtnisprotokoll:»Also, er sucht die Leute für Dunkin Donuts. Nur durch ihn kann man den Chef erreichen.«frage: Nur durch ihn kann man den Chef erreichen? Gedächtnisprotokoll :»Ja.«Von den Bewerbern verlangt der private Arbeitsvermittler einen Vermittlungsgutschein. Doch liefert er dafür wirklich eine unabhängige Vermittlungsleistung? Fest steht: Wir finden ihn in einer Datenbank der Bundesagentur für Arbeit, die REPORT MAINZ exklusiv vorliegt. Hier sind 33 überregionale Missbrauchswarnungen aufgelistet. Bezogen auf den Vermittler in Berlin heißt es: Arbeitnehmer gingen davon aus, direkt mit dem Arbeitgeber in Kontakt getreten zu sein. Von Betrugsverdacht ist die Rede. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft. Mit den Vorwürfen konfrontiert, streitet der private Arbeitsvermittler am Telefon alles ab. Fakt ist: Das Geschäft mit den Vermittlungsgutscheinen lässt sich nur schwer kontrollieren. O-Ton, Wilhelm Adamy, Deutscher Gewerkschaftsbund:»Wir sehen systematischen Missbrauch. Die Missbrauchsmöglichkeiten sind massiv. Und nur die Spitze des Eisbergs ist bisher offengelegt worden.«

5 5 Doch das Bundesarbeitsministerium glaubt noch immer an den Erfolg des Vermittlungsgutscheins. Gegenüber REPORT MAINZ heißt es: Zitat:»Jeder eingelöste Vermittlungsgutschein steht ( ) für eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt.«Dass viele Arbeitslose den Job schon nach kurzer Zeit wieder los sind, der Schein eine Einladung zum Missbrauch ist, und vor allem Unternehmer profitieren, scheint das Ministerium nicht weiter zu kümmern. Der Bürger zahlt dafür 80 Millionen Euro jährlich. Ein Hohn für Arbeitslose wie Rolf Winterscheid. O-Ton, Rolf Winterscheid:»Für mich selber hat das gar nichts gebracht. Für mich ist das eine Abzocke gewesen.«

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