14. September 2012 AKTUELL Aktienmärkte: Von Dicken Berthas, Panzerfäusten und anderen Kursbeschleunigern Strategie

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1 14. September 2012 Strategie Aktienmärkte: Von Dicken Berthas, Panzerfäusten und anderen Kursbeschleunigern... 3

2 Marktdaten im Überblick Schlusskurs Vortag Änderung Deutschland DAX 7.310, ,70 1,34% MDAX , ,88 0,28% TecDAX 806,90 803,55 0,42% Bund-Future 140,38 140,32 0,04% 10j. Bund in % 1,54 1,55 0,00 3M-Zins in % 0,26 0,26 0,00 Europa Euro Stoxx , ,53 1,15% FTSE , ,20-0,02% SMI 6.503, ,87-0,07% Welt Dow Jones , ,29 0,52% Nasdaq 3.104, ,02 0,02% Nikkei 8.959, ,38 1,73% Rohstoffe und Devisen Gold (US-Dollar je Feinunze) 1.732, ,25 0,34% Brent-Öl (US-Dollar je Barrel) 114,61 114,69-0,07% Euro in US-Dollar 1,2855 1,2758 0,76% DAX (Kurs und 90 Tage moving average) Bund-Future (Kurs und 90 Tage moving average) 2

3 Strategie Aktienmärkte: Von Dicken Berthas, Panzerfäusten und anderen Kursbeschleunigern Während der vergangenen Monate haben wir an dieser Stelle mehrfach deutlich gemacht, dass wir mittelfristig eine weitere Ausweitung der gesamtwirtschaftlichen Liquidität durch die internationalen Notenbanken erwarten. In der vergangenen Woche vollzog die Europäische Zentralbank (EZB) einen strategischen Schwenk und gab ihre Absicht prinzipiell unbegrenzter Ankäufe von Staatsanleihen aus der europäischen Peripherie bekannt ( Dicke Bertha ). Der gestrige Tag brachte in den USA die erwartete weitere Ausweitung dieser Politik. Die US-amerikanische Notenbank läutete eine neue Runde ihrer als quantitative Lockerung bezeichneten Geld- und Kreditpolitik ein, mittlerweile die dritte seit Beginn von Finanz- und Fiskalkrise. Die ebenfalls martialische Begriffsfindung für diese Aktion ( Bazooka ) kennzeichnet Wesen und Vorgehen der US-Notenbank: Die Währungshüter wollen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln dabei helfen, das schleppende Wirtschaftswachstum zu beschleunigen und die Stagnation am US-Arbeitsmarkt zu durchbrechen. Zu diesem Zweck sollen auf unbestimmte Zeit jeden Monat hypothekarisch besicherte Wertpapiere im Gegenwert von 40 Mrd. USD von der Notenbank angekauft werden. Der zu erwartende Liquiditätsimpuls erreicht bis zum Jahresende 2012 eher ca. 85 Mrd. USD je Monat, da in der Vergangenheit beschlossene liquiditätssteigernde Maßnahmen ebenfalls fortgeführt werden. Dazu zählen die Operation Twist genannte Veräußerung kurz laufender und der Erwerb lang laufender Staatsanleihen durch die Notenbank ebenso wie die Neuanlage des Gegenwertes fälliger Staatsanleihen. Zudem gaben die US-Währungshüter bekannt, dass der Leitzins (Federal Funds Target Rate) nunmehr bis Mitte 2015 auf einem extrem niedrigen Niveau gehalten werden soll. Bislang galt hier das Jahr 2014 als Limit. Es fällt auf, dass die US-Währungshüter gleich drei Verhaltensweisen an den Tag legen, die sie noch nie zuvor beobachten ließen und die ahnen lassen, wie ernst es ihnen ist, der US-Wirtschaft durch Liquiditätszufuhr weiter aufzuhelfen. Zum ersten ist das beschriebene Programm zum Ankauf von hypothekarisch besicherten Wertpapieren weder zeitlich noch betragsmäßig begrenzt. Mehr noch als das, die Fed stellte in Aussicht, dass sie weitere geld- und kreditpolitische Instrumente nutzen werde, und zwar so lange, wie sich die US-amerikanische Wirtschaft nur unterdurchschnittlich entwickele. Diese Aussage steht mit jener der d Dicken Bertha der EZB auf Augenhöhe. Ein zweites Novum stellt die Bedingtheit der Maßnahmen in ihrer Wirkung auf den Arbeitsmarkt dar: Die Notenbank bekundete ihre Absicht, ihre Politik so lange in der geschilderten Weise fortzuführen, bis der US-Arbeitsmarkt eine substantielle Erholung zeige. Eine solche explizite Verknüpfung zwischen Geld- und Kreditpolitik einerseits und Beschäftigungslage andererseits hat es bislang ebenfalls noch nie gegeben. Das dritte Novum zeigt sich schließlich darin, dass die monetäre Expansion über eine beginnende Beschleunigung der US-Konjunktur hinaus beibehalten werden wird. Und der Arbeitsmarkt reagiert auf eine wirtschaftliche Erholung üblicherweise mit einer deutlicheren Verzögerung. An der Inflationsfront zeigen sich die US-Notenbanker hingegen unbeeindruckt: Die mittel- und langfristigen Inflationserwartungen zeigten sich als unverändert wohl verankert auf niedrigem Niveau. An diesem Punkt angelangt, bedarf es nur mehr wenig Phantasie, um auch für Japan eine weitere Lockerung der Geld- und Kreditpolitik vorauszusagen. Die japanische Zentralbank befindet sich seit Monaten unter Druck der Regierung, der hartnäckigen Deflation in Japan entgegenzuwirken. Dieser Druck verstärkt sich jetzt noch dadurch, dass der japanische Yen im Zuge der Aktionen von EZB und Fed weiter aufwertet. Dadurch wird den ohnehin mit Schwierigkeiten im Exportgeschäft kämpfenden japanischen Unternehmen das Leben noch schwerer gemacht als bislang. Die japanische 3

4 Regierung reduzierte soeben ihre Wachstumsschätzungen zum zweiten Mal binnen zweier Monate und warnte vor der Gefahr eines Einbruchs des schon niedrigen Expansionstempos. Während der kommenden Wochen wird die Bank of Japan mit hoher Wahrscheinlichkeit darauf reagieren. Interventionen gegen den zunehmenden Außenwert des Yen sind ebenso wahrscheinlicher geworden wie die Vornahme einer japanischen Form der mengenmäßigen Lockerung nach Fed- bzw. EZB-Vorbild. Was heißt all dies für die Zukunft der globalen Aktienmärkte? Mit der Öffnung der monetären Schleusen rund um den Globus ist eine der wesentlichen notwendigen Bedingungen für das mittelfristige Anziehen der Aktienkurse erfüllt. Zwar bleiben die bekannten Störfaktoren (europäische bzw. globale Fiskalkrise, G3-Wachstumsschwäche) erhalten. Aber die geschilderte Entwicklung stellt einen an Bedeutsamkeit kaum zu überschätzenden Beitrag dar, die globale Wachstumsschwäche mittelfristig zu überwinden und damit den G3-Aktienmärkten ihr Kurspotential zu bewahren, bzw. es möglicherweise sogar zu erhöhen. Aus heutiger Sicht dürfte einem Anstieg der G3-Aktienindices auf ihre historischen Höchstständen während der kommenden sechs bis zwölf Monate nun kaum noch etwas im Wege stehen. Bevor allerdings neue All-Time Highs in den Blick des Möglichen geraten, muss die Politik der jeweils j betroffenen Länder liefern : Die als notwendig erachteten Schritte zur Überwindung insbesondere der europäischen Fiskalkrise müssen vollzogen werden. Die USA und Japan müssen Wege finden, um den vielzitierten Sturz über die Fiskalklippe zu vermeiden, denn auch hier drohen jeweils Fiskalkrisen, die jener in Europa nicht unbedingt unähnlich erschienen. Und die Weltkonjunktur muss ihre seit Beginn der Fiskalkrisen beklagte Schwäche überwinden. An diesen genannten Fronten zeigen sich allenfalls erste Lösungsansätze. Deshalb bekräftigen wir aus heutiger Sicht den Rat, Aktienpositionen bei Annäherung an die bzw. Erreichen der All-Time Time- Highs der Aktienindices aufzulösen (S&P 500-Index: Punkte, DAX-Index: Punkte). Für den risikoaverseren Anleger empfiehlt sich die Konzentration auf Werte mit hoher abgesicherter Dividendenrendite oder der Erwerb entsprechender Fonds. Auch die Aktien familiengeführter Gesellschaften erscheinen empfehlenswert, da sie ein ähnliches Chance-Risiko-Profil aufweisen. Der risikogeneigtere Anleger sollte ein Engagement in den Emerging Markets in seine Überlegungen einbeziehen, vorzugsweise über geeignete Fonds. Analyst: Ekkehard Link, CFA Tel

5 WICHTIGE INFORMATION: BITTE TE LESEN! Die in dieser Ausgabe enthaltenen Angaben, verwendeten Zahlen und Informationen beruhen auf eigener Kenntnis und/oder dritten Quellen, die wir hinsichtlich der Recherche und Prüfung für verlässlich halten. Obwohl wir mit größtmöglicher Sorgfalt die Angaben und Quellen ausgesucht haben, können wir weder für deren Richtigkeit und Vollständigkeit noch deren Aktualität die Gewähr übernehmen. Diese Ausgabe stellt keine Anlageberatung dar, sondern dient ausschließlich dem Zweck, eine Hilfe für die eigene und selbständige Anlageentscheidung zu bieten. Die Aussagen dieser Veröffentlichung stellen keine Garantie dar. Die Meinungsaussagen der Autoren geben deren aktuelle Einschätzung wieder, die sich ohne Ankündigung ändern kann, und stimmen nicht notwendigerweise mit der Auffassung der National-Bank AG überein. Die National-Bank AG übernimmt keinerlei Haftung für den Fall der Verwendung der veröffentlichten Informationen oder deren Inhalt. Sollten Sie Zitate aus dieser Ausgabe anderweitig verwenden wollen, bitten wir Sie darum, die Quelle anzugeben. Weder diese Ausgabe noch ihr Inhalt darf ohne vorherige Erlaubnis der National-Bank AG in irgendeiner Weise verändert oder an Dritte verteilt oder übermittelt werden. Die Verteilung dieser Ausgabe im Geltungsbereich bestimmter Rechtsordnungen kann gesetzlichen Beschränkungen unterliegen. Empfänger, die in den Besitz dieser Ausgabe gelangen, sollten sich über bestehende Vorschriften informieren und diese befolgen. Aufsichtsbehörde: Die National-Bank AG unterliegt der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Graurheindorfer Str. 108, Bonn. Mögliche Interessenkonflikte: Diese Ausgabe wurde in Übereinstimmung mit den internen Regeln der National-Bank AG zum Umgang von möglichen Interessenkonflikten (Richtlinie Kapitalmarkt-Research) erstellt. Danach sind in einer Anlageempfehlung mögliche Interessenkonflikte der National-Bank AG zur Information der Anleger offen zu legen. Im einzelnen sind dies: 1) Der Verfasser einer Anlageempfehlung oder einer seiner Mitarbeiter bzw. Kollegen hält unmittelbar die den Gegenstand der Anlageempfehlung bildenden Wertpapiere oder hierauf bezogene Derivate 2) Ein Mitglied der Geschäftsleitung oder ein Mitarbeiter der National-Bank AG ist Mitglied im Vorstand oder Aufsichtsrat der zur Anlage empfohlenen Gesellschaft 3) Die National-Bank AG hält eine Beteiligung in Höhe von mindestens einem Prozent des Grundkapitals der zur Anlage empfohlenen Gesellschaft 4) Die National-Bank AG hält unmittelbar die den Gegenstand der Anlageempfehlung bildenden Wertpapiere oder hierauf bezogene Derivate für eigene Rechnung (Handelsbestand). Die Überwachung der korrekten Handhabung möglicher Interessenkonflikte obliegt dem Compliance Officer der National-Bank AG. Erläuterung der Bewertungsparameter B und der Risikoeinschätzung: Sofern nichts anderes angegeben ist, werden die in dieser Ausgabe genannten Kursziele durch einen Vergleich der Bewertungskennzahlen, die der Analyst als vergleichbar betrachtet, ermittelt. Ferner können auch Aspekte der technischen Analyse von Finanzinstrumenten Berücksichtigung finden. Das Ergebnis dieser Bewertung wird vom Analysten unter Berücksichtigung der möglichen Entwicklung des Börsenklimas angepasst. Unabhängig von der verwendeten Bewertungsmethode besteht immer ein deutliches Risiko, dass das Kursziel nicht innerhalb des erwarteten Zeitrahmens erreicht wird. Zu den Risiken gehören unvorhergesehene Änderungen im Hinblick auf die Wettbewerbssituation oder bei der Nachfrage nach den Produkten eines Unternehmens. Solche Nachfrageschwankungen können sich durch Veränderungen im Bereich Technologie, der gesamtkonjunkturellen Entwicklung oder in einigen Fällen durch Änderungen bei gesellschaftlichen Wertevorstellungen ergeben. Veränderungen im Steuerrecht, bei den Wechselkursen und in einigen Branchen auch der geltenden Vorschriften können sich ebenfalls auf die Bewertungen auswirken. Anlagen in internationalen Märkten und Instrumenten können mit höheren Risiken verbunden sein, bedingt durch die Auswirkung von Wechselkursen, Devisenkontrollen, Besteuerung sowie von politischen und sozialen Gegebenheiten. Die vorliegende Erläuterung von Bewertungsmethoden und Risikofaktoren erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Weitere Informationen sind auf Anfrage erhältlich. Bei der Einstufung von Anlageempfehlungen stellen die Analysten die von ihnen erwartete Wertentwicklung innerhalb des folgenden 6-12-Monatszeitraums ihrer Einschätzung der gesamten erwarteten Kursentwicklung auf dem jeweiligen Markt gegenüber. Dabei fließt das vorstehend Beschriebene und ganz allgemein ihre Sicht der künftigen Markt- und Konjunkturentwicklung in die Bewertung ein. Innerhalb dieses allgemeinen Rahmens bedeutet die Einstufung "Kaufen", dass die erwartete Wertentwicklung des Gegenstands der Anlageempfehlung über dem Kursverlauf des Marktes liegt. "Halten" bedeutet, dass die erwartete Wertentwicklung des Gegenstands der Anlageempfehlung im Marktdurchschnitt liegt. "Verkaufen" bedeutet, dass die erwartete Wertentwicklung des Gegenstands der Anlageempfehlung unter dem Kursverlauf des Marktes liegt. Zeitliche Bedingungen vorgesehener Aktualisierungen: Im Regelfall existiert keine zeitliche Bedingung vorgesehener Aktualisierungen einer Anlageempfehlung, da diese laufend überprüft wird. Ein Datum für eine Aktualisierung dieser Ausgabe kann daher im Regelfall nicht angegeben werden. Falls eine zeitliche Bedingung vorgesehener Aktualisierungen einer Anlageempfehlung existiert bzw. eine Änderung bereits angekündigter derartiger Bedingungen eintritt, so wird dies in der Anlageempfehlung genannt. Eine Auflistung der Zeitpunkte innerhalb der zurückliegenden zwölf Monate, an denen eine gegenüber dem vorangegangenen Votum abweichende Empfehlung erfolgte, kann unter eingesehen werden. 5

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