Exkurs: John Law`s System: (I)

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1 Wechsel, Münzen Exkurs: John Law`s System: (I) (vgl. R. Velde, AER 2007): Tausch (kursgefährdeter) Aktien gegen sichere Staatschuldpapiere Tausch (nur anfangs) in Gold konvertiblen Papiergeldes gegen Münzen und Wechsel 1716: Banque Generale Aktien Staatanleihen Banknoten Publikum Geschichte der ökonomischen Theorie, Prof. Dr. van Suntum 1

2 Staats- Anleihen, Banknoten John Law`s System: (II) Tausch (wertloser) Aktien gegen Staatschuldpapiere und Banknoten 1717: Mississippi Company: Tabakmonopol Luisiana-Goldschätze Aktien Publikum Geschichte der ökonomischen Theorie, Prof. Dr. van Suntum 2

3 Staat- Anleihen John Law`s System: (III) Tausch (wertloser) Aktien gegen Banknoten Tilgung Staatsschuld mit diesen Banknoten 1719: Indies Company (Mississippi- Gesellschaft): Eintreibung direkter und indirekter Steuern Münzprägung (seignorage) Kredit 3% Staat (Krone) Aktien Banknoten Banknoten, Staats anleihen Publikum Geschichte der ökonomischen Theorie, Prof. Dr. van Suntum 3

4 John Law`s System: (IV) Fusion von Bank und Company Law Finanzminister und Notenbankchef Kursentwicklung der Aktie Mai 1719 Dezember 1719 Geschichte der ökonomischen Theorie, Prof. Dr. van Suntum 4

5 John Law`s System: Das Ende Kursverlust des livre ab 1720 Versuch der Geldmengenreduzierung durch Senkung des Notenwerts in Gold massiver Vertrauensverlust, Kassenhaltung sinkt drastisch, Bankpanik, Aktienverfall Konvertibilität in Gold wird aufgehoben, weiterer Wertverfall Versuch des Notenrückkaufs, Flucht Laws erfolgreiche Klagen auf Rückgabe der Staatsschuldpapiere, Deflation verdoppelt Staatschuld Rückkehr zu Gold und Silberwährung Geschichte der ökonomischen Theorie, Prof. Dr. van Suntum 5

6 John Law`s System: Was waren die Fehler? Glaube an Banking Theory: Geldangebot stimuliert Wirtschaft und damit Geldnachfrage In Wirklichkeit: Inflation und Vertrauensverlust Glaube an Zinssenkung durch mehr Geld: Inflation erhöht Zinsen (Gibson Paradoxon) Irrtum, durch Abwertung sinke Geldmenge: Vertrauensverlust erhöht Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes v Verkennung spekulativer Blase und ihres unvermeidlichen Platzens (siehe heute!) Geschichte der ökonomischen Theorie, Prof. Dr. van Suntum 6

7 John Laws System auf einen Blick:: Rückkauf von Staatsschulden mit gedrucktem Geld Aktien, Papiergeld Banque Generale, Mississippi- Gesellschaft Bürger John Law Frankreich 1720 Staatsschulden Entschuldung über Kursverfall der Aktien und Inflation Aufhebung der Goldkonvertibilität => Vertragsbruch U.van Suntum, CAWM Ulrich van Suntum

8 Aktuelle Euro-Rettungpolitik: Rückkauf von Staatsschulden mit gedrucktem Geld Eurogeldmenge EZB ESM, EFSF Banken Monti und Draghi Europa 2012 Staatspapiere U.van Suntum, CAWM Ulrich van Suntum

9 U.van Suntum, CAWM Extrem expansive Geldpolitik im Euroraum

10 Monetisierung von Staatschulden nicht nur bei der EZB Kurzfristig: geldwertunschädlich durch Sterilisierung und Liquiditätspräferenz Langfristig: Anreiz zu noch mehr Staatsschulden => Inflation und hohe Zinsen U.van Suntum, CAWM

11 Die Geldschwemme wird derzeit durch Bilanzverlängerung sterilisiert EZB-Bilanz vorher EZB-Bilanz nachher Aktiva Passiva Aktiva Passiva Kredite an Banken Bargeldumlauf Bargeldumlauf Bankreserven Kredite an Banken Bankreserven Banken legen Geld gleich wieder bei EZB an Kein Inflationseffekt solange Unsicherheit anhält Aber erhebliches Inflationspotential für die Zukunft U.van Suntum, CAWM

12 U.van Suntum, CAWM Geld wird derzeit gehortet => Mittelfristig Gefahr für Preisstabilität

13 Auch Monetisierung von Staatsschulden muß nicht inflationär wirken EZB-Bilanz vorher EZB-Bilanz nachher Aktiva Passiva Aktiva Passiva Kredite an Banken Bargeldumlauf Kredite an Banken Bargeldumlauf Bankreserven Staatspapiere Bankreserven Vorher von Banken vergebene Staatskredite kommen nun von der EZB Weder Inflationseffekt noch Verdrängung privater Kredite Voraussetzung: Staatsschulden werden nicht erhöht Andernfalls: Inflation und/oder Wachstumseinbußen U.van Suntum, CAWM

14 Zusatzproblem monetärer Staatsfinanzierung in einer Währungsunion: Moral Hazard Entlastung für Schuldnerstaaten, Kosten (Inflation, EZB-Verluste) für alle Extreme Fehlanreize, Umgehung des non-bailout-prinzips U.van Suntum, CAWM

15 Fazit: Führt Staatsfinanzierung durch die Notenpresse notwendigerweise zu Inflation und/oder höheren Zinsen? Kredit- Fenster der EZB Gleich starke Zunahme Geldbasis Ankauf von Staatsschulden Kredit- Fenster der EZB Aber: Staatsverschuldung wird erleichtert => Negative Auswirkungen auf Wachstum und Geldwert U.van Suntum, CAWM

16 Vorwurf: EZB wird zunehmend zur Bad Bank für Staaten, Banken und Unternehmen Zentralbank Finanzmärkte Wirtschaft Staat

17 Geldbasis ist deutlich gestiegen, Anteil der Anleihen hat sich erhöht Quelle: SVR JG 2014

18 Dennoch bisher nur moderates Geldmengenwachstum Quelle: SVR JG 2014

19 Entlastet der EZB-Ankauf von Staatschulden die Regierung? Beispiel: EZB kauf Staatsanleihen in Höhe von 300 Bilanz der Banken Vorher: Unternehmens Kredite 600 Kredite an den Staat 400 Schulden bei Zentralbank 300 Schulden bei Privaten 700 Zinsbelastung des Staates: 1% * 400 = 4./. Zentralbankgewinn 1% * 300 = 3 Nettobelastung Staat = 1 Bilanz der Banken Nachher Unternehmens Kredite 600 Kredite an den Staat 100 Schulden bei Zentralbank = 0 Schulden bei Privaten 700 Zinsbelastung des Staates: 1% * 100 = 1./. Zentralbankgewinn 1% * 0 = 0 Nettobelastung Staat = 1 Der Rückkauf von Staatschulden ist möglich, aber der Zinsentlastung des Staates steht ein rückläufiger Zentralbankgewinn gegenüber

20 Problematische Verteilungs- und Anreizwirkungen, vor allem in einer Währungsunion verteilungswirkung monetärer Staatsfinanzierung in WU.xlsx Selbst wenn Griechenland die gleichen Zinsen für Staatschulden hätte wie Deutschland, würde es durch die Monetisierung aller Staatschulden gewinnen (weil es höhere Schulden/BIP hat, aber der gesunkene Zentralbankgewinn im Verhältnis zu den BIP-Anteilen verteilt wird) In der Realität gewinnt Griechenland noch erheblich stärker, da die Monetisierung ihren zuvor hohen Zins auf die Staatsschulden senkt. Die Monetisierung von Staatschulden belastet daher die soliden Länder selbst ohne Schuldenausfall oder offiziellen Schuldenschnitt, nämlich durch die niedrigeren EZB-Gewinne (wegen der Sterilisierung des Geldes, das für die Staatsschuldenankäufe in den Kreislauf gelangt) Die Monetisierung von Staatschulden gibt damit Anreize für die Mitgliedsländer einer Währungsunion, sich möglichst stark zu verschulden und die Lasten dann per Ankauf der Schulden durch die gemeinsame Zentralbank auf andere zu wälzen. An diesen Probleme ist bereits die lateinische Münzunion gescheitert (1865 von Frankreich, Belgien, Italien und der Schweiz gegründet, 1868 trat Griechenland bei, zerbrach nach dem Ersten Weltkrieg ebenso wie skandinavische Münzunion)

21 Verteilungswirkungen monetärer Staatsfinanzierung Deutschland Griechenland Verteilung in Währungsunion Währungsunion ohne monetäre Staatsfinanzierung ohne mon. Staatsfin. Deutschland Griechenland BIP Staatschulden V Zinssatz auf Staatsschulden i 1% 1% => Zinslast aus Staatsschulden 0,7 1 1,7 0,7 1 Geldmenge M Zentralbankzins z 1% 1% => Zentralbankgewinn 2 1,2 3,2 2 1,2 ZBG./. Zinslasten aus Staatsschulden 1,3 0,2 1,5 1,3 0,2 Wenn die Zentralbankgewinne nach BIP-Anteilen verteilt werden, hat eine Währungsunion ohne Ankauf von Staatschulden keine fiskalischen Verteilungswirkungen Geschichte der ökonomischen Theorie, Prof. Dr. van Suntum 21

22 Verteilungswirkungen monetärer Staatsfinanzierung Annahme: i sinkt auf z Annahme: i sinkt auf z Verteilung in Währungsunion Verteilung in Währungsunion Währungsunion ohne Währungsunion monetäre Staatsfinanzierung mit monetärer Staatsfinanzierung Deutschland Griechenland ohne mon. Staatsfin.mit mon. Staatsfin. Deutschland Griechenland BIP Staatschulden V Zinssatz auf Staatsschulden i 1% 1% => Zinslast aus Staatsschulden 0,7 1 1, Geldmenge M Zentralbankzins z 1% 1% => Zentralbankgewinn 2 1,2 3,2 1,5 0,9375 0,5625 ZBG./. Zinslasten aus Staatsschulden 1,3 0,2 1,5 1,5 0,9375 0,5625 Mit Ankauf von Staatschulden begünstigt die Währungsunion das stärker verschuldete Land (das die Zinslast/BIP dort stärker sinkt, die Zentralbankgewinne aber gemäß dem BIP verteilt werden). Das gilt selbst dann, wenn beide Länder gleiche Zinsen zahlen müssen. Geschichte der ökonomischen Theorie, Prof. Dr. van Suntum 22

23 Verteilungswirkungen monetärer Staatsfinanzierung Deutschland Griechenland Verteilung in Währungsunion Währungsunion ohne monetäre Staatsfinanzierung ohne mon. Staatsfin. Deutschland Griechenland BIP Staatschulden V Zinssatz auf Staatsschulden i 1% 2% => Zinslast aus Staatsschulden 0,7 2 2,7 0,7 2 Geldmenge M Zentralbankzins z 1% 1% => Zentralbankgewinn 2 1,2 3,2 2 1,2 ZBG./. Zinslasten aus Staatsschulden 1,3-0,8 0,5 1,3-0,8 Wenn die Zentralbankgewinne nach BIP-Anteilen verteilt werden, hat eine Währungsunion ohne Ankauf von Staatschulden auch dann keine fiskalischen Verteilungswirkungen, wenn ein Land höhere Zinsen zahlen muss Geschichte der ökonomischen Theorie, Prof. Dr. van Suntum 23

24 Verteilungswirkungen monetärer Staatsfinanzierung Annahme: i sinkt auf z Annahme: i sinkt auf z Verteilung in Währungsunion Währungsunion mit monetärer Staatsfinanzierung Deutschland Griechenland mit mon. Staatsfin. Deutschland Griechenland BIP Staatschulden V Zinssatz auf Staatsschulden i 1% 2% => Zinslast aus Staatsschulden 0, Geldmenge M Zentralbankzins z 1% 1% => Zentralbankgewinn 2 1,2 1,5 0,9375 0,5625 ZBG./. Zinslasten aus Staatsschulden 1,3-0,8 1,5 0,9375 0,5625 Mit Ankauf von Staatschulden begünstigt die Währungsunion das stärker verschuldete Land um so stärker, je höher seine Zinslast vorher war. Der Zinssenkungseffekt geht allerdings nicht auf Kosten des anderen Landes, sondern ist ein Nettovorteil der Monetisierung von Staatsschulden. Geschichte der ökonomischen Theorie, Prof. Dr. van Suntum 24

25 Targetsalden: Vor der Krise praktisch Null EZB Kredite Deutsche Banken Griechische Banken Kredite Deutsche Wirtschaft Griechische Wirtschaft Griechischer Staat Exporte

26 National Central Bank Target balances vis-à-vis the Eurosystem 800 billion euros billion euros Source: Compilation by the Ifo Institute. Geschichte der ökonomischen Theorie, Prof. Dr. van Suntum Germany Luxembourg Finland Netherlands Estonia Malta Slovenia Slovakia Cyprus France Belgium Ireland Austria Portugal Greece Italy Spain 26

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