Fachkräfte sichern. Jugendliche mit Behinderung in der Ausbildung

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1 Fachkräfte sichern Jugendliche mit Behinderung in der Ausbildung

2 Impressum Herausgeber Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) Öffentlichkeitsarbeit 1119 Berlin Redaktion Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung Düsseldorfer Straße Eschborn Autorinnen/Autoren: Dr. Vera Erdmann, Dr. Susanne Seyda Stand Februar 212 Gestaltung und Produktion PRpetuum GmbH, München Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie ist mit dem audit berufundfamilie für seine familienfreundliche Personalpolitik ausgezeichnet worden. Das Zertifikat wird von der berufundfamilie ggmbh, einer Initiative der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, verliehen. Diese Broschüre ist Teil der Öffentlichkeitsarbeit des Bundes ministeriums für Wirtschaft und Technologie. Sie wird kostenlos abgegeben und ist nicht zum Verkauf bestimmt. Nicht zulässig ist die Verteilung auf Wahlveranstaltungen und an Informationsständen der Parteien sowie das Einlegen, Aufdrucken oder Aufkleben von Informationen oder Werbemitteln.

3 Jugendliche mit Behinderung in der Ausbildung 1 Das Wichtigste in Kürze Jugendliche mit Behinderung finden sich derzeit in knapp drei Prozent der ausbildungsaktiven Unternehmen als Auszubildende. Wegen ihrer überdurchschnittlichen Motivation und ihres Engagements ist diese Zielgruppe ein nicht zu unterschätzendes Potenzial für die Ausbildung. Durch die Förderung von Jugendlichen mit Behinderung durch die Aufnahme in Maßnahmen der Berufsvorbereitung können ihre Motivation und Engagement zusätzlich weiterentwickelt werden. Durch Nachhilfeunterricht können deren Kenntnisse aufgefrischt werden. Daher fördert etwa jedes vierzehnte ausbildungsaktive Unternehmen Jugendliche mit Behinderung durch Nachhilfe und rund jedes elfte durch die Teilnahme in der Berufsvorbereitung. 1. Jugendliche mit Behinderung als Auszubildende Zu den behinderten Jugendlichen zählen die Jugendlichen, die einen anerkannten Grad der Behinderung (GdB) aufweisen. Dies trifft zum Beispiel auf Körperbehinderte, geistig Behinderte, Sprach-, Seh- oder Hörbehinderte sowie psychisch Beeinträchtigte zu. Die Gruppe der behinderten Jugendlichen ist also sehr heterogen. Während einige von ihnen stark eingeschränkt sind, stehen viele auch nur wenigen Restriktionen in Bezug auf mögliche berufliche Tätigkeiten gegenüber. Derzeit bilden knapp drei Prozent der ausbildungsaktiven Unternehmen Jugendliche mit Behinderung aus (Abbildung 1). Die Unterschiede nach Größenklassen sind enorm: Große Unternehmen mit mindestens 25 Beschäftigten bilden fast viermal so häufig Jugendliche dieser Zielgruppe aus wie mittlere Unternehmen und gut sechzehnmal so häufig wie kleine Unternehmen mit höchstens 49 Beschäftigten. Dies liegt zum einen daran, dass große Unternehmen im Durchschnitt mehr Auszubildende beschäftigen als kleine und mittlere Unternehmen. Sie bilden häufig viele verschiedene Zielgruppen in unterschiedlichen Berufen aus. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich darunter auch Jugendliche mit Behinderung befinden, ist also vergleichsweise hoch. Zum anderen sind für Jugendliche mit Behinderung oft spezielle Arbeitsplatzvorrichtungen oder eine besondere Art der Vermittlung der Ausbildungsinhalte notwendig. Diese sind aufgrund der dort verfügbaren Ressourcen von größeren Unternehmen möglicherweise einfacher zu bewerkstelligen. Von allen Branchen bilden Unternehmen der Gesellschaftsnahen Dienstleistungen am häufigsten Jugendliche mit Behinderung aus (Abbildung 2). Etwa vier Prozent der Unternehmen dieser Branchen haben behinderte Jugendliche als Auszubildende. Am seltensten kommen diese Jugendlichen in Unternehmen der Unternehmensnahen Dienstleistungen unter. Weniger als ein Prozent der entsprechenden Unternehmen beschäftigt behinderte Jugendliche in der Ausbildung. Offensichtlich sind die Potenziale behinderter Jugend- Abb. 1: So viele Unternehmen bilden Jugendliche mit Behinderung aus (ausbildungsaktive Unternehmen nach Größenklassen, 211, in %) Abb. 2: So viele Unternehmen bilden Jugendliche mit Behinderung aus (ausbildungsaktive Unternehmen nach Branchen, 211, in %) 33,6 4 3,6 3 2,7 2, , 1 bis 49 8,6 5 bis 249 ab 25 2,7 alle Unternehmen 1,8 Gesellschaftsnahe Dienstleistungen Gesamt Industrie Unternehmensnahe Dienstleistungen

4 2 Jugendliche mit Behinderung in der Ausbildung licher bislang am besten in der Industrie und den Gesellschaftsnahen Dienstleistungen nutzbar. Die Heterogenität der Gruppe der Jugendlichen mit Behinderung legt jedoch nahe, dass diese grundsätzlich ein Potenzial für alle Branchen und Unternehmensgrößenklassen darstellen. Erläuterung der Branchenzuordnungen Abb. 3: Einschätzung von Jugendlichen mit Behinderung in Bezug auf Motivation und Engagement im Vergleich zu einem durchschnittlichen Auszubildenden (ausbildungsaktive Unternehmen, 211, in %) ,7 Industrie: Chemie/Gummi und Kunststoff, Metallerzeugung und -bearbeitung, Maschinenbau, Elektroindustrie, Fahrzeugbau, andere Branchen des Verarbeitenden Gewerbes, Bauwirtschaft 2 1 2,8 18,1 gleich 11,9 8, Unternehmensnahe Dienstleistungen: Verkehr, Logistik, Nachrichtenübermittlung, Großhandel, Wirtschaftsnahe Dienste (zum Beispiel Rechts-, Steuer- und Unternehmensberatung, Werbung, Marktforschung, Vermietung beweglicher Sachen, Arbeitnehmerüberlassung, Reinigung, Bewachung, Architekten und Ingenieure), Banken, Versicherungen, Finanzdienstleistungen, Datenverarbeitung und Datenbanken, Forschung und Entwicklung Gesellschaftsnahe Dienstleistungen: Einzelhandel, Gastgewerbe, Gesellschaftsnahe Dienste (zum Beispiel Erziehung und Unterricht, Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen, Dienstleistung im Bereich Kultur, Sport und Unterhaltung, Abwasser und Abfallbeseitigung, sonstige Entsorgung) 2. Einschätzung von Jugendlichen mit Behinderung als Auszubildende Die Einschätzung der Fähigkeiten und der Motivation der Jugendlichen mit Behinderung ist aufgrund der Heterogenität der Gruppe schwierig zu interpretieren. Rund die Hälfte der ausbildungsaktiven Unternehmen schätzt diese Jugendliche hinsichtlich Motivation und Engagement etwa gleich ein wie einen durchschnittlichen Auszubildenden (Abbildung 3). Dabei gibt es nur geringfügige Unterschiede nach Unternehmensgröße und Branchen. Diesbezüglich auffällig ist, dass große Unternehmen diese Zielgruppe häufiger und seltener bewerten als kleine und mittlere Unternehmen. Außerdem schätzen Unternehmen der Gesellschaftsnahen Dienstleistungen behinderte Jugendliche häufiger ein als einen durchschnittlichen Auszubildenden. Unternehmen dieser beiden Kategorien haben jeweils zu vergleichsweise hohen Anteilen Jugendliche mit Behinderung als Auszubildende beschäftigt. Das zeigt, dass Unternehmen, die eine bestimmte Zielgruppe häufiger beschäftigen, diese in der Regel bewerten als Unternehmen, die keine Erfahrung in der Ausbildung der Zielgruppe haben. Insgesamt ist die Einschätzung der Motivation und des Engagements von Jugendlichen mit Behinderung durch Unternehmen als die eines durchschnittlichen Auszubildenden, da ein gutes Fünftel der Unternehmen diese Jugendlichen überdurchschnittlich bewertet und nur ein knappes Fünftel unterdurchschnittlich. Die Bewertung der Kenntnisse und Fähigkeiten behinderter Jugendlicher fällt im Vergleich aus. Zwar schätzt auch hier fast die Hälfte der ausbildungsaktiven Unternehmen Jugendliche mit Behinderung genauso gut ein wie einen durchschnittlichen Auszubildenden (Abbildung 4, siehe S. 3). Jedoch ist der Anteil der unterdurchschnittlichen Bewertungen hinsichtlich der Kenntnisse und Fähigkeiten wesentlich höher als der Anteil der überdurchschnittlichen Einschätzungen.

5 Jugendliche mit Behinderung in der Ausbildung 3 Abb. 4: Einschätzung von Jugendlichen mit Behinderung in Bezug auf Kenntnisse und Fähigkeiten im Vergleich zu einem durchschnittlichen Auszubildenden (ausbildungsaktive Unternehmen, 211, in %) 6 Abb. 5: So viele Unternehmen fördern und unterstützen Jugendliche mit Behinderung (ausbildungsaktive Unternehmen nach Größenklassen, 211, in %) ,6 3, ,1 8,6 6,5 1,5 16,2 19,8 7,2 8,8 1,8 3,2 gleich 9,4 5 1 bis 49 5 bis 249 ab 25 alle Unternehmen Nachhilfe/Stützunterricht Teilnahme in der Berufsvorbereitung 3. Besondere Förderung von Jugendlichen mit Behinderung Durch die eigene Gestaltung der Ausbildung versuchen Unternehmen, den unterschiedlichen Eingangsvoraussetzungen und Potenzialen ihrer Auszubildenden gerecht zu werden. Der Förderbedarf dürfte bei behinderten Jugendlichen sehr unterschiedlich sein, abhängig von der erworbenen Schulbildung und möglicherweise der Art der Behinderung. Insgesamt fördert etwa jedes vierzehnte ausbildungsaktive Unternehmen Jugendliche mit Behinderung durch Nachhilfe oder Stützunterricht (Abbildung 5). Kleine und mittlere Unternehmen liegen diesbezüglich leicht unter dem Durchschnitt. Fast jedes sechste große Unternehmen mit mindestens 25 Beschäftigten fördert seine behinderten Auszubildenden jedoch auf diese Weise. Neben dem direkten Einstieg in eine Ausbildung bieten Unternehmen für Jugendliche mit Behinderung die Teilnahme in Maßnahmen der Berufsvorbereitung an. Rund jedes elfte ausbildungsaktive Unternehmen fördert behinderte Jugendliche auf diese Weise. Auch diese Förderung wird häufiger in Großunternehmen angeboten als in KMU: Während etwa jedes fünfte Großunternehmen mit mindestens 25 Beschäftigten ein solches Angebot vorhält, sind es bei kleinen und mittleren Unternehmen zwischen neun und elf Prozent der Unternehmen.

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