Lärm und seine Wirkungen auf Belästigung und Schlaf Mark Brink, PD Dr. phil. D-MTEC, D-USYS

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1 Lärm und seine Wirkungen auf Belästigung und Schlaf Mark Brink, PD Dr. phil. D-MTEC, D-USYS M. Brink Slide 1

2 Gliederung Einleitung Belästigung Lärm und Gesundheit: Einführung Belastung durch Lärm in der Schweiz Expositions-Wirkungsbeziehungen Übersicht, Methoden Beispiel: Belästigung durch Fluglärm (ZH) Moderatoren / Nicht-akustische Faktoren Lärminduzierte Schlafstörungen Ursachen, Pathways Untersuchungstrategie: Ambulante Polysomnographie Beispiel: Aufwachreaktionen durch Kirenglocken (ZH) Ansätze zur Prävention von Lärmwirkungen M. Brink Gliederung Slide 2

3 Lärm - Definitionsversuche Gebräuchlichste Definition: Lärm ist unerwünschter Schall unerwünscht, weil: Lärm belästigend oder störend ist und die subjektive Befindlichkeit beeinträchtigt Lärm die Leistung mindert und die Kommunikation stört Lärm die Gesundheit schädigt Lärm ist (auch): ein Umweltproblen (akustische Umweltverschmutzung) ein sehr häufig unterschätztes Problem ein menschengemachtes Problem M. Brink Einleitung Slide 3

4 Lärm und Gesundheit Einteilung Lärmwirkungen "aural" vs. "extra-aural" Schall ("Lärm") Aurale Wirkungen Extra-aurale Wirkungen Beeinflussung psychischer und physiologischer Regulationsmechanismen (mental, emotional, vegetativ, endokrin) "Physische" Wirkungen Arbeitsplatzlärm, Konzerte, Musik aus Kopfhörern etc. Hörschädigungen Verschiebung der Hörschwelle Psychisch und verhaltensseitig Belästigungen/Störungen Kognitive Beeinträchtigungen... Umweltlärm Physiologisch Neuroendokrine Stressreaktionen Aufwachreaktionen... M. Brink Einleitung Slide 4

5 Lärm und Gesundheit Pyramide der biologischen und psychologischen Reaktionen auf Lärm Bsp. Herzinfarkt mit Todesfolge Bsp. Herz Kreislauferkrankungen Mortalität Morbidität somatisch medizinische Endpunkte Bsp. Aufwachen Bsp. Belästigung Abnorme Veränderungen physiologischer Funktionen Natürliche physiologische Reaktionen Psychologische Bewertungen und Verhaltensanpassungen Anzahl Betroffene WHO, 1972, leicht adaptiert M. Brink Einleitung Slide 5

6 Übersicht: Belastung durch Verkehrslärm Betroffene Personen in der Schweiz (Quelle: BAFU, Stand 2005) Personen über Immissionsgrenzwert ES II Tag Nacht M. Brink Einleitung Slide 6

7 Lärmwirkung: Untersuchungsstrategien chronisch.. Lärm-Ereignisse Experimente Feldstudien Laborstudien Akute Reaktionen Epidemiologische Untersuchungen Bevölkerungsbefragungen Medizinisch-somatische und andere Gesundheits- Endpunkte Erhebung subjektiver Tatbestände: - Fragebögen - Experience Sampling Erhebung objektiver Tatbestände: - Physiologische Registrierungen - Leistungstests -... Kohortenstudien Fall-Kontrollstudien Querschnittstudien und 'Sozioakustische' Umfragen M. Brink Einleitung Slide 7

8 Expositions-Wirkungsbeziehungen Grundlagen Wirkungsvariable Wirkung Quelle A Quelle B Quelle C Belastung Belastungs-Mass M. Brink Einleitung Slide 8

9 Belästigung Belästigung in der Bevölkerung nach Quelle Deutschland (2004): Männer Frauen gar nicht etwas mittel stark äusserst gar nicht etwas mittel stark äusserst gar nicht etwas mittel stark äusserst gar nicht etwas mittel stark äusserst gar nicht etwas mittel stark äusserst % der Bevölkerung aus Ortscheid und Wende (Umweltbundesamt), 2006, Zt. f. Lärmbekämpfung Strasse Schiene Luft Industrie/Gewerbe Nachbarn M. Brink Belästigung Slide 9

10 Belästigung Standardisierte Skala zur Erfassung der Belästigung (ICBEN-Skala) "Wenn Sie einmal an die letzten 12 Monate hier bei Ihnen denken, wie stark haben Sie sich durch <Lärmart> insgesamt gestört oder belästigt gefühlt?" überhaupt nicht ewas mittel stark äusserst pas du tout légèrement moyennement fortement extrêmement not at all slightly moderately very extremely = highly annoyed (HA) M. Brink Belästigung Slide 10

11 Belästigung Fluglärm-Belästigung in der Schweiz (Zürich) Anteil Stark Belästigter %HA (Fluglärm) "Lärmstudie 2000" Befragungen 2001/2003 Zürich Ldn [db(a)] "Lärmstudie 90" Zürich, Genf Miedema et al., Daten ( EU-Kurve ) M. Brink Belästigung Slide 11

12 Belästigung Welche Faktoren beeinflussen die Wirkung von Lärm? Schallereignis Als "Lärm" bewertetes Hörereignis Pegel Informationsgehalt Zeitstruktur... Situationale u. individuelle Faktoren Einstellungen gegenüber der Quelle Lärmempfindlichkeit... M. Brink Belästigung Slide 12

13 Belästigung Welche Faktoren beeinflussen die Wirkung von Lärm? Moderatoren Co-Determinanten Schallpegel (z.b. Leq) Beispiele: - Einstellung - Lärmempfindlichkeit - Umweltorientierung - Vertrauen in Behörden /3 1/3 M. Brink Belästigung Slide 13

14 Lärminduzierte Schlafstörungen Wichtige Ursachen-Kategorien Individuell... Alter, Geschlecht Lärmempfindlichkeit,... Akustisch... Schallpegel, Schallpegeländerung Dauer,... Situational... Aktuelles Schlafstadium Bereits "geschlafene" Zeitdauer Primäre Reaktionen Aufwachen Arousals Anstieg Herzrate, Blutdruck.. Schlafstörungen Lärminduzierte Schlafstörungen = wichtigster Gesundheits- Effekt des Lärms (WHO: 903'000 verlorene Lebensjahre [DALY] pro Jahr in Europa) M. Brink Lärminduzierte Schlafstörungen Slide 14

15 Lärminduzierte Schlafstörungen Schlafanalyse mit ambulanter Polysomnographie EEG EOG EMG EKG Atmung M. Brink Lärminduzierte Schlafstörungen Slide 15

16 PSG-Analyse EEG EOG EMG Arousal EKG Aufwachreaktion 30 sec M. Brink Lärminduzierte Schlafstörungen Slide 16

17 Lärminduzierte Schlafstörungen EEG-Aufwachreaktionen durch Kirchenglocken im Kanton Zürich Polysomnographie DCF77 Audio-Aufnahme Berechnung der akustischen Pegel M. Brink Lärminduzierte Schlafstörungen Slide 17

18 Aufwachreaktionen durch Kirchenglocken Expositions-Wirkungsfunktion, nach 6 h Schlaf 50% 45% Aufwachwahrscheinlichkeit 40% 35% 30% 25% 20% 15% 10% 5% 0% Maximalpegel L AF,max L AF,max innen am [db] Ohr [db] aus Brink et al. (2011), Science of the total environment M. Brink Lärminduzierte Schlafstörungen Slide 18

19 Anz. zusätzlicher AWR als Funktion des Kirchturm-Abstands Modellrechnung (Monte-Carlo Simulationen) für den Kanton Zürich 6 12'000 Anzahl zusätzlicher Aufwachreaktionen N AWR,zus pro Nacht Sommer Winter 11'000 10'000 9'000 8'000 7'000 6'000 5'000 4'000 3'000 2'000 1'000 Anzahl Einwohner pro Kreisring Distanzkategorie (Untergrenze des Kreisrings) [m] aus Brink et al. (2011), Zt. Lärmbekämpfung M. Brink Auswirkungsanalyse Slide 19

20 Ansätze zur Prävention von Lärmwirkungen Massnahmen auf dem Ausbreitungsweg - Schallschutzfenster M. Brink Prävention Slide 20

21 Ansätze zur Prävention von Lärmwirkungen Optimales "Timing" von Sperrzeiten (hier am Beispiel Fluglärm) Nacht Nacht Nacht Lärm-Ruhe-Lärm Ruhe-Lärm Lärm-Ruhe aus Griefahn et al. (2008), Somnologie M. Brink Prävention Slide 21

22 Ansätze zur Prävention von Lärmwirkungen Reduktion von AWR durch betriebliche Massnahmen und Massnahmen an der Quelle Hier: Reduktionspotenzial von Aufwachreaktionen bei Kirchenglocken als Beispiel Sperrzeit / Pegelreduktion 0 db -3 db -5 db -10 db Anzahl Pers. > 1 Anzahl Pers. > 1 Anzahl Pers. > 1 Anzahl Pers. > 1 AWR AWR AWR AWR AWR AWR AWR AWR ohne Sperrzeit 0% 0% -37% -51% -55% -73% -82% -95% Uhr (6 h) -72% -100% -82% -100% -87% -100% -95% -100% Uhr (7 h) -83% -100% -89% -100% -92% -100% -97% -100% Uhr (8 h) -90% -100% -94% -100% -96% -100% -98% -100% Uhr (8 h) -63% -99% -76% -100% -82% -100% -93% -100% Uhr (8 h) -78% -100% -85% -100% -89% -100% -95% -100% Uhr (8 h) -88% -100% -92% -100% -94% -100% -98% -100% aus Brink et al. (2011), Zt. Lärmbekämpfung M. Brink Prävention Slide 22

23 Ansätze zur Prävention von Lärmwirkungen (v.a. bei Belästigung) Einige Stichworte zur "Psychologischen Lärmbekämpfung" Bedeutung des sozialen Kontextes beachten, paraphrasiert in "You expose Me" (Stallen, 1999) "Procedural Fairness" (Maris, 2007) Kontrollierbarkeit der Situation, Verfügbarkeit von Bewältigungsstrategien (Stallen, 1999) Keine falschen Erwartungen wecken (Southgate, 2000) Information, Kommunikation, Visualisierung, "Meaningfully respond to complaints" (Southgate, 2000) Vertrauen in Behörden und Politik (Schreckenberg, 2001; Brink et al. 2005) M. Brink Prävention Slide 23

24 Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit! M. Brink Slide 24

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