Preisbildung am Rohölmarkt. Mineralölwirtschaftsverband e.v.

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1 Preisbildung am Rohölmarkt Mineralölwirtschaftsverband e.v.

2 Preisbildung am Rohölmarkt

3 Inhaltsverzeichnis Preisbildung bis zur zweiten Ölpreiskrise 1979/80 _ 5 Die Organisation Erdöl exportierender Staaten (OPEC) _ 5 Die Internationale Energieagentur (IEA) als Organisation der Öl importierenden Staaten 9 Die Neustrukturierung des Ölhandels 11 Der Ölmarkt in den 1980er und 1990er Jahren 11 Sinkender Einfluss der OPEC _ 15 Der internationale Ölmarkt heute: Termingeschäfte, Optionen und Terminkontrakthandel _21 Handel mit physischem Öl ( wet barrels ) _ 25 Handel mit Papieröl ( paper barrels ) 35 2

4 Energierohstoffe wie Rohöl finden sich häufig nicht an den Orten, an denen sie benötigt werden. So liegt der größte Teil der Ölreserven fernab von den Industriestaaten, in denen Öl in großen Mengen ge- und verbraucht wird. Die weitaus höchste Konzentration der heute wirtschaftlich förderbaren Ölreserven rund 55 Prozent findet sich in den Staaten des Mittleren Ostens, vor allem in Saudi Arabien, Irak, Kuwait, Iran und in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Zu den wichtigsten Öl- Exportländern der Welt zählen daneben vor allem Russland, Venezuela und Norwegen. Industriestaaten wie die USA, Deutschland oder Japan müssen den überwiegenden Teil ihres Ölbedarfs importieren. Die Preise für den Rohstoff Öl sind weltweit von Bedeutung. Das Thema Ölpreise lässt viele Menschen an die Organisation Erdöl exportierender Staaten kurz OPEC denken. Diese Organisation löst noch immer negative Gefühle aus: Das Klischee beinhaltet das Bild mächtiger Ölscheichs, die Ölmengen und Ölpreise kontrollieren leere Autobahnen an autofreien Sonntagen in den 1970er Jahren sind vielen noch in Erinnerung. Die Vielzahl der Einflussfaktoren auf die Ölpreisbildung hat zudem dazu geführt, dass der Ölmarkt im Allgemeinen als wenig transparent und undurchschaubar angesehen wird. Im Folgenden wird ein kurzer Blick auf die Entwicklung des Ölmarktes geworfen und versucht, Einflussfaktoren auf Ölmarkt und Ölpreisbildung und die Rolle der Börsen zu veranschaulichen. 3

5 Entwicklung der Weltölreserven 160 Milliarden Tonnen übrige Welt UdSSR/GUS Europa Nordamerika Süd- u. Mittelamerika Naher Osten Die wichtigsten Welthandelsströme 126,1 244,2 25,1 50,1 208,4 102,0 81,5 70,8 36,4 19,7 120,9 154,3 90,6 35,3 51,8 333,7 34,0 28,8 21,4 USA Kanada Mexiko Süd- und Mittelamerika Europa und Eurasien Mittlerer Osten Afrika Ferner Osten, Australien 36,0 4

6 Preisbildung bis zur zweiten Ölpreiskrise 1979/80 Die Organisation Erdöl exportierender Staaten (OPEC) Gründung der OPEC Das Öl im Mittleren Osten und in Südamerika förderten bis in die 1950er Jahre vornehmlich die multinationalen, privatwirtschaftlichen Unternehmen, die jene Vorkommen zumeist auch erschlossen hatten. Bis Anfang der 1970er Jahre richtete sich der Ölhandel am Posted Price (Listenpreis) aus, den die Rohölproduzenten (große Mineralölgesellschaften) gemeinsam festlegten und der die Abgaben an die Förderländer und damit letztlich deren Staatshaushalt bestimmte. Als die Öl besitzenden Staaten zunehmend feststellten, wie hoch die Gewinne waren, die die Konzessionshalter erwirtschafteten, verlangten sie einen höheren Anteil. Die Ölgesellschaften dagegen versuchten, den Posted Price noch zu senken. Um sich gegen die Folgen dieses Preisverfalls für die eigenen Einnahmen zu schützen, gründeten fünf Staaten im Jahr 1960 die OPEC: Iran (damals noch Persien), Irak, Kuwait, Saudi Arabien und Venezuela. Heute umfasst die OPEC 11 Mitgliedstaaten, neben den Gründungsmitgliedern noch Algerien, Libyen, Nigeria, Indonesien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate. Die OPEC hatte sich bei ihrer Gründung das Ziel gesetzt, die Mitgliedstaaten gegen einen Preisverfall beim Rohöl sowie eine Verringerung ihrer Einnahmen aus der Ölförderung abzusichern und im gegenseitigen Interesse eine gemeinsame Ölpolitik zu betreiben. Um die Öleinnahmen ihrer Staaten zu 5

7 Weltmarktpreise ausgewählter Rohölsorten ) $/barrel 2) Großbritannien West Texas OPEC VAE Brent 3) Intermediate (WTI) Korb 4) Dubai 5) 1973 n.a. n.a. n.a. 2, n.a. n.a. n.a. 10, n.a. n.a. n.a. 10, ,80 12,23 n.a. 11, ,92 14,22 n.a. 12, ,02 14,55 n.a. 13, ,61 25,08 n.a. 29, ,83 37,96 36,15 35, ,93 36,08 34,88 33, ,97 33,65 32,38 31, ,55 30,30 29,04 28, ,66 29,39 28,20 27, ,51 27,99 27,01 26, ,38 15,04 13,53 12, ,42 19,19 17,73 16, ,96 15,97 14,24 13, ,20 19,68 17,31 15, ,81 24,50 22,26 20, ,05 21,54 18,62 16, ,37 20,57 18,43 17, ,07 18,45 16,32 14, ,98 17,21 15,52 14, ,18 18,42 16,86 16, ,80 22,16 20,23 18, ,30 20,61 18,75 18, ,11 14,39 12,28 12, ,25 19,31 17,47 17, ,98 30,37 27,60 26, ,77 25,93 23,14 22, ,19 26,16 24,32 23, ,70 31,06 28,18 26,79 Januar ,94 33,95 30,33 28,88 Februar ,86 34,50 29,56 28,61 März ,57 36,53 32,05 30,85 April ,47 36,83 32,75 31,68 Mai ,76 40,24 36,27 34,74 Juni ,24 38,14 34,61 33,43 Juli ,61 40,90 36,29 34,65 August ,16 45,12 40,27 38,64 September ,13 45,68 40,36 35,55 Oktober ,90 53,33 45,37 37,54 November ,82 48,45 39,15 34,76 Dezember 2004 (vorl.) 39,69 43,44 36,22 34,20 1) bis 1985 überwiegend Listenpreise; ab 1986 Spot-Notierungen; 2) ein barrel = 159 Liter = 0,136 Tonnen 3) bis 1984 Notierungen für Forties ; 4) Durchschnittswerte ausgewählter OPEC-Rohöle 5) bis 1979 Notierungen für Arabian Light ; Quelle: OPEC Bulletin, Petroleum Intelligence Weekly (PIW) 6

8 sichern, führten die OPEC-Länder eine Reihe von Verstaatlichungen im Bereich der Ölindustrie durch. Nach dem Kriegsausbruch im Nahen Osten im Jahr 1973 setzten die OPEC-Länder die Rohölpreise hoch und boykottierten Öllieferungen an die USA und die Niederlande. Die Folge war ein sprunghafter Anstieg der Ölpreise die so genannte erste Ölpreiskrise. OPEC dominiert Ölmarkt und Preisbildung Von 1973 bis zum Beginn der 1980er Jahre kontrollierte die OPEC den Ölmarkt und die Preisbildung. Der Posted Price wurde zuerst durch einen Government Selling Price, der von den Regierungen der Öl fördernden Staaten festgesetzt wurde, und später durch den Official Selling Price ersetzt, der von den staatlichen Ölgesellschaften festgelegt wurde. Der OPEC gelang es damit, den Rohölpreis in den 1970er Jahren auf einem deutlich höheren Niveau zu halten, als in den Vorjahren erreicht worden war. Einen weiteren dramatischen Preisschub erlebte die Welt nach dem Umsturz in Iran durch Chomeini im Jahr 1979 und dem folgenden Beginn des Krieges zwischen Iran und Irak. Die Reaktion der Öl importierenden Staaten auf die Preissteigerungen der 1970er Jahre war einerseits die Suche nach Möglichkeiten zur Verringerung ihres Ölbedarfs etwa durch Energieeinsparmaßnahmen oder alternative Energien. Andererseits wurden bei dem hohen Preisniveau Ölfelder erschlossen, in denen die Förderung bei niedrigen Preisen nicht wirtschaftlich war z.b. in der Nordsee und in Alaska. Und schließlich wurde die Internationale Energieagentur gegründet. 7

9 Entwicklung der Rohölförderung in Europa übrige Länder Großbritannien Norwegen 250 Millionen Tonnen

10 Die Internationale Energieagentur (IEA) als Organisation der Öl importierenden Staaten Gründung der IEA Als Folge der ersten Ölpreiskrise zu Beginn der 1970er Jahre beschlossen die Verbraucherländer, sich besser gegen Versorgungsstörungen abzusichern. Im Jahre 1974 gründeten daher die Staaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD, derzeit 25 Mitgliedstaaten) zur Vermeidung künftiger Versorgungskrisen die Internationale Energieagentur (IEA). Die OPEC bekam damit quasi ein Gegenüber auf Seiten der Erdöl importierenden Staaten. Aufbau einer Krisenvorsorge Um vorübergehende Ausfälle der Rohölversorgung aus einzelnen Lieferregionen ggf. überbrücken zu können, wurde ein System der internationalen Ölbevorratung aufgebaut. Zusätzlich wurden zur Sicherung der Energieversorgung Notstandspläne und Informationssysteme geschaffen. Die IEA beobachtet und bewertet die internationalen Energiemärkte, vor allem den Ölmarkt. Die regelmäßige Veröffentlichung der fundamentalen Marktdaten trägt zur Transparenz des Ölmarktes bei. Eine zeitnähere und umfassendere Berichterstattung über weltweite Angebots- und Nachfrageentwicklungen ist anzustreben. Zentraler Baustein der IEA-Maßnahmen war die Einführung einer Pflicht-Bevorratung. Die Mitgliedsländer verpflichten sich, Vorräte an Mineralölprodukten oder ersatzweise Rohöl in der Höhe von 90 Tagesverbräuchen zu halten. Damit soll die heimische Energieversorgung im Falle einer vorübergehenden Versorgungsstörung längerfristig überbrückt werden können. 9

11 Bevorratung in Deutschland In Deutschland schreibt das Erdölbevorratungsgesetz ausreichende Vorräte an Erdölerzeugnissen für Krisenzeiten vor. In diesem Zusammenhang wurde 1978 der Erdölbevorratungsverband (EBV) errichtet. Im EBV besteht eine Pflichtmitgliedschaft für alle Hersteller und Importeure bevorratungspflichtiger Produkte in Deutschland (zurzeit etwa 115 Mitglieder). Die Krisenvorräte können auf der Basis einer Freigabe-Verordnung des Bundeswirtschaftsministeriums freigegeben werden, wenn durch die Internationale Energieagentur ein mindestens siebenprozentiger Ausfall der Ölversorgung prognostiziert wird. Die Bedingungen zur Freigabe der Ölprodukte sind rechtlich detailliert geregelt. Die Kosten für dieses Sicherungssystem werden von allen Käufern bevorratungspflichtiger Produkten mitbezahlt: Zurzeit entfällt etwa auf jeden Liter Kraftstoff knapp ein halber Cent Bevorratungsabgabe. Für detaillierte Informationen siehe 10

12 In Phasen hoher Ölpreise wird von manchen Politikern die Forderung erhoben, die Krisenvorräte teilweise freizugeben, um die Preise zu drücken. Dies haben bislang nur die USA einmal getan, während der Regierungszeit von Präsident Clinton. Bei solchen Forderungen wird allerdings übersehen, dass zum einen ein einmaliges zusätzliches Angebot von Rohöl mengenmäßig äußerst begrenzt ist und damit auch der Effekt auf den Rohölpreis eher als gering einzuschätzen ist. Zum anderen sollen die Vorräte der Überbrückung physischer Lieferausfälle dienen. Diese Funktion können sie aber nicht mehr erfüllen, wenn sie mit dem Ziel der Preisbeeinflussung verkauft werden. Die Neustrukturierung des Ölhandels Der Ölmarkt in den 1980er und 1990er Jahren Rohöllieferung zu Net back -Bedingungen Als die Ölnachfrage Anfang der 1980er Jahre zurückging, wurde zur Sicherung des Ölabsatzes den Öl verarbeitenden Raffinerien eine feste Marge garantiert und das Preisrisiko von den Ölförderern getragen Rohölverkauf zu Net back -Bedingungen. Der Rohölproduzent erhält vom Raffineur den Betrag, der beim Verkauf der aus dem Rohöl erzeugten Produkte nach Abzug einer Marge für den Raffineur übrig bleibt. Dieses Verfahren, das dem Verarbeiter das Preisrisiko abnimmt und eine Gewinnspanne garantiert, führte bei den Raffinerien zu vermehrtem Produktenausstoß. Das wiederum verschärfte die Konkurrenz. Die Produktenpreise fielen und ließen die Rohölpreise innerhalb kurzer Zeit deutlich auf etwa 10 Dollar pro Barrel sinken. 11

13 Steigender Ölbedarf erfordert hohe Investitionen Energieexperten rechnen damit, dass die weltweite Ölnachfrage von derzeit rund 80 Mio. Barrel pro Tag (mbd) auf etwa 121 mbd im Jahr 2030 steigen wird ein Plus von rund 50 % in 25 Jahren. Die IEA drängt in dieser Situation auf höhere Investitionen in die Erschließung und Förderung von Öl, in die Verarbeitung und Vermarktung von Mineralölprodukten sowohl bei privaten Unternehmen als auch bei Staatskonzernen. Die Investitionen wirken sich erfahrungsgemäß erst mit einigen Jahren Verzögerung am Markt aus. Private Ölunternehmen haben nur einen Anteil von rund 15 % an der weltweiten Ölförderung 85 % liegen im Staatsbesitz. Der Anteil privater Unternehmen an den Investitionen der Ölbranche liegt allerdings höher als ihr Anteil an der derzeitigen Förderung. Zur Deckung der weltweiten Ölnachfrage sind nach Berechnungen der IEA bis 2030 Investitionen in Förderung und Verarbeitung von etwa drei Billionen Dollar erforderlich. 12

14 Einführung von Förderquoten Dies war Anlass für die OPEC-Staaten, Förderquoten einzuführen. Sie verknappten das Ölangebot und teilten die Mengen auf die Mitgliedstaaten auf, um eine Preisstabilisierung zu erreichen. Der Ölhandel musste sich neu strukturieren. Zunächst wurde er über Spotmärkte abgewickelt. Später folgten als Reaktion auf die durch geringe Quotendisziplin der OPEC ausgelösten Ölpreisschwankungen Termingeschäfte und Terminkontrakthandel. Der Ölterminhandel diente den Ölhändlern zur Begrenzung von Preisrisiken, zog aber auch die Beteiligung neuer Gruppen am internationalen Ölhandel nach sich. Dazu gehören Rohstoffhändler und institutionelle Anleger, die über umfassende Kenntnisse aus Rohstoffhandel, Warentermingeschäften und Kapitalmärkten verfügen. Auf den Handel an den Ölbörsen gehen wir unten noch ausführlich ein. Niedrige Ölpreise verhindern Investitionen Der Marktpreis ist der Preis, mit dem ein Ausgleich von Angebot und Nachfrage auf einem Markt herbeigeführt wird. Zugleich stellte dieser Preis und seine Entwicklung in der Vergangenheit einen Indikator für die relative Knappheit des gehandelten Gutes dar. Diese Funktion hat der Marktpreis für Öl unverändert. In den 1990er Jahren war das Ölangebot so reichlich, dass die Rohölpreise nahezu durchweg zum Teil sogar deutlich unter 20 Dollar pro Barrel lagen. Als die OPEC Ende der 1990er Jahre in Erwartung einer stark steigenden Nachfrage in Asien das Ölangebot noch erhöhte, entstand wegen der unerwarteten Asienkrise ein Überangebot an Rohöl 13

15 Investitionshemmnisse Ein erhebliches Hemmnis für einen zügigen Ausbau der weltweiten Ölförderung sieht die IEA darin, dass wichtige Ölförderstaaten keine Investitionen ausländischer Ölkonzerne zulassen. Allen voran ist dies Saudi Arabien, der wichtigste Ölförderstaat der Welt. Die regierende Königsfamilie will die Kontrolle über die Ölförderung und über die Einnahmen nicht mit internationalen Ölgesellschaften teilen. Verschlossen für ausländische Investitionen sind auch die Ölwirtschaft Mexikos und die Kuwaits. In vielen anderen Staaten z.b. in Russland und Iran ist der Zugang eingeschränkt. Die Abschottung vieler Staaten führt dazu, dass Investitionen nicht in die Gebiete mit den größten noch unerschlossenen Feldern fließen können, sondern dass in die Erschließung kleinerer Felder investiert werden muss, was nur bei entsprechend hohen Rohölpreisen geschieht. Entwicklung der Weltölförderung OPEC/Nicht-OPEC Millionen Tonnen Nicht-OPEC OPEC * * geschätzt 14

16 mit der Folge eines drastischen Ölpreisverfalls auf teilweise unter 10 Dollar pro Barrel. Der niedrige Ölpreis bewirkte sowohl eine Rücknahme der Ölförderung als auch eine Reduzierung der Investitionen in die Erschließung neuer Quellen. Die Folgen bekommen wir heute zu spüren: In einer Zeit hoher Ölnachfrage, niedriger Lagerbestände, nahezu ausgeschöpfter Förderkapazitäten und Furcht vor Angebotsverknappungen durch Terroranschläge oder politische Unruhen sind die Ölpreise auf ein sehr hohes Niveau geklettert, mit dem aber auch wieder wirtschaftliche Anreize für Investitionen in die Suche und Erschließung neuer Vorkommen und in den Aufbau neuer Förderkapazitäten entstanden sind. Sinkender Einfluss der OPEC Mengensteuerung zur Preisbeeinflussung Wie groß ist nun der Einfluss der OPEC auf die heutige Ölpreisbildung? Derzeit kontrollieren die OPEC-Staaten knapp 40 Prozent der täglichen Ölförderung; am internationalen Ölangebot haben sie sogar einen Anteil von knapp 60 %, da einige Staaten mit hoher Förderung z.b. die USA die ganze oder den größten Teil der eigenen Produktion im eigenen Land verbrauchen und nicht exportieren. In den Mitgliedsstaaten der OPEC liegen knapp 70 % der gesamten gegenwärtig wirtschaftlich zu fördernden Ölreserven. Damit hat die OPEC noch immer erheblichen Einfluss auf das physische Ölangebot am Weltmarkt. Seit vielen Jahren ist die OPEC bemüht, zu einem ausreichenden Angebot an Rohöl beizutragen. Trotzdem sieht sich die OPEC mit einem sinkenden Einfluss auf die Ölpreisbildung konfrontiert. 15

17 Entwicklung des nominalen und realen Ölpreises in US-$ von 1960 bis 2004 *) (Inflationsrate USA) OPEC-Öl nominal Ölpreis real **) $ 30 US-$ pro Barrel *) *) bisheriger Jahresdurchschnitt **) real: ohne Inflation, in Kaufkraft von

18 Der so genannte OPEC-Korbpreis aus sieben verschiedenen Rohölsorten gebildet ist eine Art Leitgröße für die Branche. Die Organisation strebt so jedenfalls der derzeit gültige Beschluss aus dem Jahre 2000, über den 2005 erneut beraten werden soll einen Korbpreis zwischen 22 und 28 Dollar je Barrel (159 Liter) an, also einen stabilen Durchschnittspreis von rund 25 Dollar. Wie schwierig es ist, den Ölpreis in diese Bahnen zu lenken, zeigt die Erfahrung der letzten Jahre. Die OPEC setzt keinen Preis, sondern versucht mit einer Steuerung des Ölangebots die Preise in das angestrebte Band zu bekommen. Sie kann mit ihrer Förderpolitik jedoch nur einen Teil des Weltölangebots beeinflussen. Markterwartungen preisbestimmender als OPEC-Politik Zudem interessiert die Akteure an den Börsen weniger die aktuelle Versorgungssituation; wichtiger sind die Erwartungen für die Zukunft. So hat ein seit zwei Jahren bestehendes Überangebot an Rohöl auf dem Weltmarkt für die Ölpreisbildung heute nahezu keine Bedeutung. Dagegen wiegt aus Sicht der Akteure an den Börsen schwer, dass etwa die Förderkapazitäten zurzeit weit gehend ausgelastet sind, eine weiter stark wachsende Nachfrage im asiatischen Raum ( China-Boom ) erwartet wird, dass die weltweit steigende Nachfrage nach bestimmten Produkten die Verarbeitungskapazitäten weit gehend auslastet oder dass weitere Terroranschläge die Ölversorgung aus bestimmten Regionen unterbrechen könnten. Darauf gründen Sorgen, es könnte in Zukunft zu Versorgungsengpässen kommen. Die Folge solcher Überlegungen sind hohe Ölpreise, die den Anreiz für eine Ausweitung des Ölangebots und die Schaffung neuer Raffi- 17

19 Deutscher Außenhandelsüberschuss mit den OPEC-Staaten 2003 Saudi-Arabien Iran Indonesien Ver. Ar. Emirate Kuwait Nigeria Venezuela Katar Irak Libyen Algerien Milliarden EURO 18

20 neriekapazitäten geben. Die OPEC hat in dieser Situation trotz dreimaliger Anhebung der Förderquoten im Jahr 2004 und aktuell weit über den offiziellen Quoten liegender Produktion zurzeit keinen nennenswerten Einfluss auf die Ölpreise. Marktanteil der OPEC sinkt Der Anteil der OPEC an der weltweiten Ölförderung ist zudem von 50 % im Jahr 1970 auf unter 40 % gesunken. Bei hohen Ölpreisen ist die Ölförderung auch in Ländern außerhalb der OPEC attraktiv, in denen die Förderkosten tendenziell höher sind als in den OPEC-Staaten. Die Förderung des Nordseeöls Brent etwa wurde erst nach der ersten Ölpreiskrise wirtschaftlich interessant. Somit hat die Politik der OPEC zu einer Verringerung ihres Marktanteils und zur Verbreiterung der Öllieferregionen beigetragen. Seit den 1980er Jahren setzt die OPEC verstärkt auf einen Dialog mit den Ölimportstaaten und auf eine Politik der Verlässlichkeit: Ziel ist es, die Einnahmen der OPEC-Mitgliedstaaten auf einem angemessenen Niveau zu stabilisieren, ohne das Wirtschaftswachstum der Ölimportstaaten damit zu stark zu belasten. OPEC-Staaten in Weltwirtschaft eingebunden Dass die Interessen von Ölförderstaaten und Öl importierenden Industriestaaten gar nicht so gegensätzlich sind, wie es auf den ersten Blick scheint, zeigt ein Blick auf die Handelsbeziehungen Deutschlands mit den OPEC-Staaten. Die weltweite Verteilung der Ölreserven wird zwar häufig als einseitige Abhängigkeit empfunden. Dass Deutschland jedoch seit Mitte der 1980er Jahre regelmäßig hohe Handelsbilanzüberschüsse mit den Staaten der OPEC erwirtschaftet, wird meist übersehen 19

21 Rohölreserven der OPEC-Staaten Saudi-Arabien Iran Irak Kuwait V.A. Emirate Venezuela Libyen Nigeria Katar Algerien Indonesien in Milliarden Tonnen 20

22 (rund 7 Mrd. Euro im Jahr 2003 und fast 60 Mrd. Euro in Summe seit 1986). Die Einnahmen aus dem Ölgeschäft werden von den OPEC-Staaten in Güter und Dienstleistungen aus den Industriestaaten reinvestiert. Welthandel ist eben keine Einbahnstraße. Die Bezeichnung Kartell für die OPEC-Staaten überdeckt gelegentlich, dass dies ein Zusammenschluss aus Staaten mit unterschiedlichen Interessen ist: Die Erdölländer mit geringeren Erdölreserven streben einen möglichst hohen Rohölpreis an, um kurzfristig hohe Einnahmen zur raschen Entwicklung ihrer Volkswirtschaften zu erzielen. Dabei ist es für sie wegen der geringen Reichweite ihrer Erdölreserven unerheblich, ob ein hoher Rohölpreis andere Energieträger wettbewerbsfähig macht, die das Erdöl mittelfristig vom Energiemarkt verdrängen könnten. Die OPEC-Länder mit großen Erdölreserven legen dagegen Wert auf einen Rohölpreis, der eine langfristige Nutzung ihrer Bodenschätze und damit die führende Rolle des Mineralöls auf dem Energiemarkt sichert. Der internationale Ölmarkt heute: Termingeschäfte, Optionen und Terminkontrakthandel In Zeiten stark steigender Rohölpreise wird das Augenmerk verstärkt auf die Bestimmungsfaktoren dieser Preise gelenkt. Als treibende Kräfte in diesem Markt werden immer wieder Spekulanten genannt. Der Frage, wie die Aktivitäten an den Rohstoffbörsen die Preise beeinflussen, soll im Folgenden nachgegangen werden. 21

23 Hedge/Hedging (Engl. Hecke ) Unter Hedging versteht man die Absicherung von Vermögenspositionen gegen Kursrisiken. Bei einem Absicherungsgeschäft handelt es sich um ein Termingeschäft, das zum Schutz gegen eventuelle Verluste durch Preisänderungen im Waren-, Devisen- oder Wertpapierverkehr abgeschlossen wird. Grundgedanke dieses Absicherungsgeschäfts ist die Erzielung einer kompensatorischen Wirkung durch die Einnahme einer entgegengesetzten Position an den Terminmärkten, d. h. es wird beispielsweise versucht, eine Wertminderung einer gegenwärtig gehaltenen Position durch den entsprechenden Wertzuwachs einer Terminposition auszugleichen (Termingeschäft). Hedger Marktteilnehmer, der sich anhand von Futures und Optionen gegen Marktrisiken abzusichern sucht. Im Gegensatz dazu steht der Spekulant. Spekulant Ein Spekulant ist ein Marktteilnehmer, der seine Tätigkeit darauf ausrichtet, einen erwarteten Preisvorteil bei Kontrakten an der Börse zu nutzen. Der Spekulant geht somit ein Risiko ein, um Kursgewinne eher kurzfristiger Art zu realisieren und sorgt somit auch für eine erhöhte Marktliquidität. Broker Engl. Begriff für Personen, die Börsengeschäfte für fremde Rechnung durchführen. 22

24 An den Ölmärkten handeln im Prinzip zwei Gruppen von Marktteilnehmern: Die eine Gruppe besteht aus Produzenten und Verbrauchern, die mit dem physischen Öl arbeiten und über den Börsenhandel Preise absichern und Risiken minimieren wollen. Diese Akteure bezeichnet man als Hedger (hedge = Sicherungsgeschäft). Dazu gehören Ölgesellschaften und Ölhändler, deren Geschäftsbasis der Ankauf und die Lieferung von Öl ist, die also die Märkte mit Öl und Ölprodukten versorgen. Dazu gehören aber auch Unternehmen wie Fluggesellschaften oder Speditionen, die kalkulierbare Treibstoffkosten brauchen und ihre Preiskalkulation gegen Preisschwankungen absichern wollen. Die andere Gruppe besteht aus privaten und institutionellen Anlegern, die über Finanzinstitutionen (Fondsgesellschaften, Banken, Broker) die Risiken übernehmen, die die Hedger abgeben wollen und in dieser Risikoübernahme eine profitable Anlagemöglichkeit sehen. Diese Anleger verdienen am Auf und Ab der Ölpreise, sind aber nicht an einer tatsächlichen Lieferung der Ware interessiert (häufig als Spekulanten bezeichnet). Sie beziehen im Markt eine Gegenposition zu den Hedgern und hoffen, dass der Markt sich zu ihren Gunsten entwickelt. Somit lassen sich die Motive für das Handeln der Marktteilnehmer in zwei Kategorien unterteilen: Auf der einen Seite stehen die Hedger, die den Wunsch nach Absicherung ihrer physischen Position haben, auf der anderen Seite stehen die Spekulanten. Der Hedger gibt Risiko ab, das der Spekulant ganz bewusst übernimmt. 23

25 Spotmarkt Spotmärkte dienen dem kurzfristigen Handel mit Rohöl und Mineralölprodukten. Der Spotmarkt hat verschiedene Entwicklungsstufen durchlaufen. Er war ursprünglich nur ein Restmarkt für Raffinerieprodukte, weniger für Rohöl. In den 70er Jahren weitete der Handel sich langsam auch auf Rohöl aus. Bis Ende der 70er Jahre wurden allerdings höchstens 10 % der internationalen Öllieferungen über die Spotmärkte gehandelt. Ende 1982, nach den Veränderungen, die der zweiten Ölpreiskrise folgten, lief bereits mehr als die Hälfte des international gehandelten Rohöls über den Spotmarkt oder wurde zu Preisen verkauft, die vom Spotmarkt bestimmt waren. Der für Europa und Deutschland relevante Markt ist der Rotterdamer Spotmarkt, ein virtueller Markt Synonym für kurzfristigen Ölhandel in Nordwesteuropa. Seine Akteure sind über ganz Europa verstreut; Geschäfte werden untereinander mittels moderner Kommunikationsmittel abgeschlossen. 24

26 Der Handel mit physischem Öl ( wet barrels ) Direkte Geschäfte zwischen Verkäufern und Käufern Ein großer Teil des realen internationalen Ölhandels läuft direkt zwischen Lieferant und Abnehmer, ohne dass diese Verträge an eine Börse gelangen. Oft bestehen langjährige, bewährte Lieferbeziehungen zwischen Käufern und Verkäufern. Der Anteil dieser Verträge am Weltölhandel wird auf gut 60 % geschätzt. Spotgeschäfte Wer kurzfristig Rohöl oder Mineralölprodukte kaufen oder verkaufen will, nutzt den so genannten Spotmarkt. Über Spotmärkte werden knapp 40 % des weltweiten Ölhandels abgewickelt. Der Spotmarkt basiert in Europa vor allem auf dem Angebot und der Nachfrage im Großraum Rotterdam, Antwerpen, Amsterdam, dem Zentrum der europäischen Ölindustrie. Geliefert wird am Spotmarkt in der Regel innerhalb von zwei Wochen. Die Preise für das physische Öl werden durch die Kurse an den internationalen Ölbörsen bestimmt: Der Ölterminkontrakt mit der nächsten Fälligkeit bestimmt den Spotpreis. Der Nachteil des Spotmarktes ist, dass jeder Akteur den schwankenden Tagespreisen ausgesetzt ist. Das trifft in begrenzterem Umfang auch auf langfristige Lieferverträge zu, die an diese Märkte gekoppelte Preisformeln enthalten. So sind beispielsweise in diesen Verträgen Preisfestlegungen üblich, die sich auf die Notierungen des Energieinformationsdienstes Platt s für 25

27 Termingeschäft Börsliches oder außerbörsliches Geschäft, bei dem die Erfüllung (Preis) zu einem später vereinbartem Zeitpunkt im Voraus festgelegt wurde. Option Vertraglich eingeräumtes Recht, eine Ware unter bestimmten Bedingungen zu einem bestimmten Preis zu erwerben oder zu veräußern. Man unterscheidet nach Kauf- und Verkaufsoptionen. Optionen sind selbstständig an der Börse handelbar. Optionsgeschäft Besondere Form des Termingeschäfts. Der Käufer einer Option erwirbt das Recht, vom Verkäufer (Stillhalter) innerhalb einer festgesetzten Frist entweder die Lieferung einer bestimmten Leistung (Kaufoption) oder ihre Abnahme (Verkaufsoption) zu einem im Voraus vereinbarten Preis (Basispreis) verlangen zu können. Dafür muss der Käufer eine Prämie (Optionspreis) zahlen. Im Unterschied zu Futures oder anderen Termingeschäften kann die Option ausgeführt werden, sie muss aber nicht. OTC Kurz für Over-the-Counter (engl. über den Ladentisch ); Bezeichnung für den außerbörslichen Handel mit börsennotierten Papieren. 26

28 einen bestimmten Zeitraum beziehen, z.b. Durchschnittspreis des Liefermonats. Durch die Bildung eines Durchschnitts über bestimmte Zeiträume werden extreme Schwankungen geglättet. Die Händler erreichen damit insgesamt eine geringere Schwankungsbreite der Preise. Bei Spotgeschäften und bei Verträgen, die preislich an Spotnotierungen orientiert sind, gibt es daher nur geringe Planungssicherheit. Um die Planungssicherheit zu erhöhen und die Risiken unerwarteter Preisveränderungen zu begrenzen, entstand Anfang der 1980er Jahre der Terminhandel. Termin- und Optionshandel zur Absicherung von Preisrisiken Termin- und Optionsgeschäfte werden sowohl von Ölproduzenten und -händlern als auch von Ölverbrauchern genutzt, um sich gegen Preisschwankungen abzusichern. Termingeschäfte Am Terminmarkt werden Kontrakte abgeschlossen, in denen heute schon die Bedingungen für eine Lieferung in der Zukunft festgelegt werden. Dies sichert die Vertragspartner gegen Preisschwankungen zwischen Vertragsabschluss und -ausführung ab. Termingeschäfte werden nahezu ausschließlich im OTC-(over the counter) Handel direkt zwischen zwei Vertragspartnern einer ist i.d.r. eine Bank abgeschlossen. Menge, Preis, Liefer- 27

29 Das Physische Geschäft 1. Schritt: Das physische Geschäft Musterkunde Musterkunde Versorger liefert an Musterkunde Musterkunde zahlt variablen Preis 2. Schritt: Das finanzielle Geschäft Bank Musterkunde erhält variablen Preis von der Bank Musterkunde zahlt festen Preis Musterkunde Musterkunde Optionsprämie/Optionspreis Die Optionsprämie (Optionspreis) ist der Preis für die Kaufoder Verkaufsoption, den der Käufer der Option bei Abschluss des Geschäftes zu zahlen hat. Strike Dies ist der Preis, zu dem vereinbarungsgemäß eine Option ausgeübt werden kann. Volatilität Die Volatilität gibt die Schwankungen von Wertpapierkursen, Zinssätzen und Devisen an. Errechnet wird diese über die Standardabweichung relativer Kursdifferenzen. Unterschieden werden zwei Arten von Volatilität: a) historische Volatilität, die die Schwankungen in der Vergangenheit betrachtet, b) implizite Volatilität, die die erwartete Schwankung in der Zukunft betrachtet. 28

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