Betriebswirtschaftliche Untersuchung zur eidgenössischen Analysenliste im Auftrag der FMH

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1 Study protocol Betriebswirtschaftliche Untersuchung zur eidgenössischen Analysenliste im Auftrag der FMH Holger Auerbach, Sylvia de Boni, Klaus Eichler,Sascha Hess WIG Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kontaktadresse: Dr. med. Klaus Eichler, MPH WIG Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften St. Georgenstrasse 70 CH-8401 Winterthur / Web-Version

2 Inhaltsverzeichnis 1 Hintergrund Ziel der Untersuchung Methodik Design der Untersuchung Untersuchung im Überblick Eingeschlossene Arztpraxen mit Praxislabors Eingeschlossene Patienten Eingeschlossene Laboranalysen Outcome Datenerhebung Methoden zur Erzielung einer hohen Datenqualität Auswertung Datenschutz und Anonymisierung Zeitplan der Untersuchung Erwartete Ergebnisse Literatur

3 1 Hintergrund Seit dem 1. Juli 2009 gilt die neue revidierte eidgenössische Analysenliste (EAL) des Bundesamts für Gesundheit (BAG). 1 Mit dieser EAL wurde die Höhe der Abgeltungen für ambulante Laborleistungen in der Schweiz nach KVG als behördlich erlassener Tarif neu festgelegt 2. Ziel der Revision der EAL durch das BAG war es, die Tarife der zunehmenden Automatisierung im Labor und dem technischen Fortschritt in der Analysentechnik anzupassen und betriebswirtschaftlich zu bemessen sowie sachgerecht auszugestalten 2. Zur Erstellung einer betriebswirtschaftlichen Studie durch eine unabhängige Institution, die auf den oben beschriebenen Tarifierungsprozess Bezug nimmt, hat die FMH Kontakt aufgenommen mit dem Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie (WIG) der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). In der vorliegenden Studienprotokoll wir die geplante Untersuchung des WIG im Auftrag der FMH skizziert, welche die Abläufe und internen Kosten im Praxislabor und die Tarifgestaltung der EAL zum Inhalt hat. 2 Ziel der Untersuchung Das Ziel der geplanten Untersuchung ist die Beantwortung folgender Fragestellung: Sind die Tarife der revidierten eidgenössischen Analysenliste (EAL) kostendeckend für das ärztliche Praxislaboratorium? 3

4 3 Methodik 3.1 Design der Untersuchung Prozesskostenanalyse unter Verwendung empirischer, prospektiv erhobener Daten aus einer gewichteten Stichprobe von Praxislabors. 3.2 Untersuchung im Überblick Das Vorgehen zur Beantwortung der Fragestellung lässt sich in sechs Schritte aufteilen (siehe Abbildung): 1. Schritt Auswahl der Arztpraxen und Laboranalysen 2. Schritt Aufnahme und Darstellung theoretischer Prozessabläufe 3. Schritt Erfassung der praktischen Prozessabläufe 4. Schritt Hinterlegung der praktischen Prozesse mit internen Kosten 5. Schritt Gegenüberstellung der internen Kosten und der Tarife 6. Schritt Analyse und Diskussion von pos. und neg. Abweichungen 3.3 Eingeschlossene Arztpraxen mit Praxislabors Aus Zeit- und Kostengründen können Daten nur in einer Zufallsauswahl von repräsentativen Praxislabors näher analysiert werden. Grundlage zur Auswahl von Arztpraxen mit Praxislabors sind Abrechnungsdaten der Ärztekasse, die nach typischen Verteilungsmustern analysiert wurden. Die Auswahl von Arztpraxen mit eigenen Praxislabors erfolgt aus folgenden vier Profilen: Grundversorgung (Grundversorger Allgemeinärzte, Grundversorger Allgemeine Innere Medizin) Fachärzte für Gynäkologie Fachärzte für Pädiatrie Fachärzte Subspezialitäten Innere Medizin (die drei häufigsten Facharztgruppen: Kardiologen, Pneumologen, Gastroenterologen) 4

5 Die ausgewählten Praxen befinden sich alle in der Deutschschweiz. Per Zufallsstichprobe werden pro Profil eine gewisse Anzahl repräsentativer Arztpraxen mit Praxislabor ausgewählt, in welchen die internen Kosten erhoben werden. Um Skaleneffekten durch Grössenunterschiede Rechnung zu tragen, wurde eine stratifizierte Zufallsstichprobe nach Grösse der Arztpraxis (definiert nach Umsatz) und Alter des Praxislaborinhabers (Angabe des Geburtsjahres) pro Profil durchgeführt. 3 Es befinden sich 176 Arztpraxen in der Stichprobe. Bei einer Teilnahmerate von geschätzten 33% werden als Zielgrösse etwa 60 Teilnehmer an der Studie erwartet. Die Randomisierung erfolgte stratifiziert mit dem Statistikprogramm SPSS für Windows, Version 18 (SPSS Inc., Chicago. IL). 3.4 Eingeschlossene Patienten Eingeschlossen sind alle Patienten der ausgewählten Praxislabors, bei denen im Praxislabor eine Probenentnahme (Blut, Urin) stattfindet und eine oder mehrere der ausgewählten Laboranalysen (siehe Eingeschlossene Laboranalysen ) im Praxislabor durchgeführt werden. Patienten, bei denen die Probenentnahme (Blut; Urin) während eines Hausbesuchs stattfindet, sind ausgeschlossen. 3.5 Eingeschlossene Laboranalysen Unter Einbezug verschiedener Kriterien (z.b. Umsatzstärke, Häufigkeit der Durchführung, Analyse diente als Tracer-Analyse bei der Berechnung der Tarife der EAL) wurden 6 Analysen für diese Studie ausgewählt: Eingeschlossene Analyse EAL-Code Hämatogramm III mittels automatisierter Methode 1372 C-reaktives Protein (CRP), qn 1245 Aspartat-Aminotransferase (ASAT) 1093 Glykiertes Hämoglobin (HbA1c) 1363 Thromboplastinzeit nach Quick/INR 1700 Urin-Teilstatus, 5-10 Parameter

6 Für jede Laboranalyse sollen pro Praxislabor während des Messzeitraums mindestens 4 Datenerhebungen durchgeführt werden. Ziel sind somit insgesamt 24 erhobene Laboranalysen (4 x 6 Laboranalysen) pro Praxislabor. 3.6 Outcome Die Datenerhebung dient der Berechnung folgender Ergebnisgrösse: Durchschnittliche praxis-interne Vollkosten pro Analysenerstellung (inkl. Material-, Personal- und Fixkosten). Diese praxis-internen Vollkosten werden dann den Tarifen gegenüber gestellt (siehe Auswertung ). 3.7 Datenerhebung Mittels eines schriftlichen Erhebungsbogens werden von den MPAs (und ggf. den Praxislaborbesitzern) Daten aus folgenden Bereichen erhoben: Ablauf der Laboranalyse (z.b. Zeitintervalle; Art der Laboranalyse, Art des Laborgeräts) Verbrauchsmaterial (z.b. Mengenangaben; Preise) Fixkosten im Praxislabor (z.b. Zeit- und Materialbedarf für Qualitätskontrollen; Betriebskosten der Praxis; Lohnkosten) 3.8 Methoden zur Erzielung einer hohen Datenqualität Zur Ermöglichung einer hohen Datenqualität kommen folgende Massnahmen zum Einsatz: Schulungsveranstaltung (Angebot einer 2-stündigen Schulung in Winterthur; Teilnahme für die messenden Praxismitarbeitenden, MPAs, empfohlen) 6

7 Messmanual (in elektronischer Version; enthält wichtige Messinformationen, z.b. Sinn der Messung; Studienfragen; Informationen zum Erhebungsbogen; Flussdiagramm; eingeschlossene Analysen; Beantwortung häufig gestellter Fragen; Kontaktadressen für Rückfragen) Installation einer Hotline (zur zeitnahen Beantwortung von aktuellen Fragen während der Messung) Messcontrolling (zur zeitnahen Information des Messzentrums über den Datenfluss und die Anzahl eingegangener Erhebungsbogen; Feedback-Kontakte des Messzentrums mit den Praxislabors bei fehlenden oder nicht plausiblen Daten) 3.9 Auswertung Die Einheit der Auswertung ist die Laboranalyse, nicht der Patient. Die durchschnittlichen internen Erstellungskosten je Laboranalyse werden dem dafür vergüteten Tarif nach eidgenössischer Analysenliste (inkl. Taxen und Zuschläge) gegenüber gestellt. Hierbei werden positive oder negative Differenzen ausgewiesen Datenschutz und Anonymisierung Das Studienzentrum (Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie) ist verpflichtet vertrauliche Daten geheim zu halten. Um eine effiziente Schulung und allfällige Rückfragen zu ermöglichen, werden dem Studienzentrum die Adressen der teilnehmenden Praxislabors mitgeteilt. Die Auswertung erfolgt anonymisiert und aggregiert. Rückschlüsse auf die Daten einzelner Praxislabors sind im Schlussbericht nicht möglich. 7

8 3.11 Zeitplan der Untersuchung Die folgenden Zeitangaben stellen den geplanten Ablauf der Untersuchung dar und können allenfalls noch geringfügige Änderungen erfahren. Projektschritt Zeit Rekrutierung der Praxislabors Ab März 2011 Schulung der Praxislabors Termin 1: Donnerstag, 14. April 2011 Zeit: Uhr; Ort: Winterthur Termin 2: Donnerstag, 28. April 2011 Zeit: Uhr; Ort: Winterthur (Detaillierte Einladung ergeht jeweils an die teilnehmenden Praxislabors) Messperiode 02. Mai bis 15.Mai 2011 Auswertung der Ergebnisse Juni

9 4 Erwartete Ergebnisse Die Ergebnisse werden neutral und transparent dargestellt. Die internen Entstehungskosten je Laboranalyse sind in der Auswertung dem dafür vergüteten Tarif nach eidgenössischer Analysenliste (inkl. Taxen und Zuschläge) gegenüber gestellt. Hierbei sind positive oder negative Differenzen (Kosten minus Erträge) ausgewiesen. Die Ergebnisse stellen für die FMH eine Diskussionsgrundlage für weitere Schritte dar. 5 Literatur 1. Bundesamt für Gesundheit. Analysenliste: Eidgenössisches Departement des Inneren, Bundesamt für Gesundheit. Faktenblatt: Revision der Analysenliste mit Tarif. 29. Januar 2009 ed. Bern: Eidgenössisches Departement des Inneren, Beller EM, Gebski V, Keech AC. Randomisation in clinical trials. Med J Aust 2002;177(10):

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