Frühe Regulationsstörungen

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1 Frühe Regulationsstörungen Schrei-, Schlaf- und Fütterstörungen Präverbale Interaktionen in alltäglichen Situationen Zentrale psychische Bereiche: Arousal Aktivität Affekt Aufmerksamkeit Fehlanpassung durch zu starke Aktivierung zu starke Hemmung Barth: Schreiambulanz 18.Mai

2 Ambulanz für Schreibabys Ein Angebot für Kinder von 0-3 Jahren und ihren Eltern mit folgenden Problemen: Probleme der Schlaf-Wach-Regulation (innerhalb des ersten Lebenshalbjahres) Schlafstörungen (nach dem 6.Lebensmonat) Fütterstörungen Exzessives Schreien Dysphorische Unruhe Exzessives Klammern Exzessives Trotzen Aggressives/oppositionelles Verhalten Barth: Schreiambulanz 18.Mai

3 Phasenspezifität der Störungsbilder - Adaptive Entwicklungsaufgaben Alter Adaptive Entwicklungsaufgaben Phasentypische Probleme 0-3 Monate Nahrungsaufnahme Verdauung Energiehaushalt Regulation der Verhaltenszustände Schlaf-Wach-Organisation Exzessives Schreien Probleme der Schlaf- Wach-Organisation Fütterstörungen Barth: Schreiambulanz 18.Mai

4 Phasenspezifität der Störungsbilder - Adaptive Entwicklungsaufgaben Alter Adaptive Entwicklungsaufgaben Phasentypische Probleme 3-7 Monate Zufüttern Schlaf-Wach-Rhythmus Nachtschlaf Regulation von Aufmerksamkeit, Selbstwirksamkeit, Affekt Motorische Unruhe Dysphorie Spielunlust Fütterstörungen Schlafstörungen Barth: Schreiambulanz 18.Mai

5 Phasenspezifität der Störungsbilder - Adaptive Entwicklungsaufgaben Alter Ab 7-9 Monate Adaptive Entwicklungsaufgaben Beginn der eigenständigen Fortbewegung Bindungssicherheit Exploration Fremde Abstillen Phasentypische Probleme Exzessives Klammern Übermäßige Fremdenangst Trennungsangst Fütterstörungen Schlafstörungen Barth: Schreiambulanz 18.Mai

6 Phasenspezifität der Störungsbilder - Adaptive Entwicklungsaufgaben Alter Ab Monate Adaptive Entwicklungsaufgaben Selbständige Fortbewegung Selbst Essen Abhängigkeit und Autonomie Regeln und Grenzen Reifung präfrontaler inhibitorischer Prozesse Phasentypische Probleme Exzessives Trotzen Aggressivoppositionelles Verhalten Fütterstörungen Schlafstörungen Barth: Schreiambulanz 18.Mai

7 Entwicklungsphasen in der frühen Kindheit Barth: Schreiambulanz 18.Mai

8 Frühkindliche Regulation Die Herausforderungen der frühen Kindheit sind von Eltern und Baby gemeinsam im Sinne einer Co-Regulation zu bewältigen. Elterliche Seite Eltern unterstützen das Baby mit ihren eigenen intuitiven Kompetenzen, sie kompensieren, was das Baby noch nicht allein bewältigen kann sowohl physisch als auch psychisch. Kindliche Seite Das Baby erlebt sich als gehalten, gesehen, beruhigt, angeregt etc. und entwickelt auf dieser Basis das Gefühl der Selbstwirksamkeit und selbstregulatorische Fähigkeiten. Funktionierender Anpassung und Kommunikation zwischen Eltern und Baby entsteht ein positives kindliches Feedback an Mutter oder Vater. Barth: Schreiambulanz 18.Mai

9 Frühkindliche Dys-Regulation Es kommt zu einem negativen kindlichen Feedback, welches die Eltern an ihren eigenen Kompetenzen zweifeln lässt, es entstehen Gefühle der Hilflosigkeit, Ohnmacht, Frustration, Wut, Angst vor Ablehnung, Depression, Aggression, etc.. Es entsteht somit ein Teufelskreis aus negativer Gegenseitigkeit bestehend aus negativem kindlichem Feedback auf die Eltern, die in ihrem Selbstvertrauen geschwächt werden und sich selbst als inkompetent erleben, was wiederum auf das Kind zurückwirkt. Barth: Schreiambulanz 18.Mai

10 Modell zur Genese frühkindlicher Regulations- und Beziehungsstörungen Barth: Schreiambulanz 18.Mai

11 Häufige Manifestationsformen frühkindlicher Regulationsstörungen Barth: Schreiambulanz 18.Mai

12 Definition: Exzessives Schreien Dreier-Regel von Wessel et.al. (Pediatrics,1954) Ein ansonsten gesunder Säugling mit Schreianfällen von mehr als 3 Stunden am Tag, an mehr als 3 Tagen der Woche seit mehr als 3 Wochen Unterscheidung von Frühkindlicher Regulationsstörung mit exzessivem Schreien innerhalb der ersten 3 Lebensmonate, meist selbstlimitierend ( 3- Monatskoliken ) und Persistierendem exzessivem Schreien über den 3.Lebensmonat hinaus Barth: Schreiambulanz 18.Mai

13 Exzessives Schreien Prävalenz: Im ersten Trimenon bei ca. 20% in repräsentativen Stichproben, (Quengeln und Schreien mehr als 3 Stunden pro Tag). Bei diesen Babys persistiert die Schreiproblematik bei fast 40% über den 3.Lebensmonat hinaus. Bei einer Gesamtprävalenz von ca. 20% im Alter von 6 Wochen werden wiederum ca. 20 % davon klinisch vorstellig, d.h. etwa 4% aller Säuglinge. Barth: Schreiambulanz 18.Mai

14 Auswirkungen des unstillbaren Schreiens auf die Eltern Barth: Schreiambulanz 18.Mai

15 Schlafstörungen Definition: Eine allgemeingültige Definition für die Schlafstörung in der frühen Kindheit hat sich bisher nicht durchgesetzt! Gründe rasche altersabhängige Veränderungen hohe individuelle Variabilität Unterscheidung von Einschlafstörung Durchschlafstörung Barth: Schreiambulanz 18.Mai

16 Schlafstörungen Kriterien zur Beurteilung der Schlafstörung Aufwachhäufigkeit in der Nacht Nächtliche Wachzeit Einschlafdauer Unfähigkeit, alleine einschlafen zu können Einschlafhilfen (kindliche elterliche) Wachbefindlichkeit tagsüber (Kind-Eltern) Barth: Schreiambulanz 18.Mai

17 Schlafstörungen Störungsspezifische Anamnese 24-h Protokoll Schlafgewohnheiten der Familie Schlafsetting, Wer schläft wo?, räumliche Voraussetzungen,etc Stillen und nächtliches Füttern Einschlafrituale Genauer Ablauf und Form von Beruhigungs- und Einschlafhilfen Prävalenz: Je nach verwendeten Kriterien und Alter schwanken die Prävalenzraten zwischen 15-25% Barth: Schreiambulanz 18.Mai

18 Fütterstörungen Definition: Vorübergehende Fütterprobleme im Säuglingsalter sind häufig, deshalb sollte man von Fütterstörung erst sprechen, wenn die Füttersituation über einen längeren Zeitraum (>1 Monat) als von den Eltern problematisch erlebt wird. Objektive Hinweise: durchschnittliche Dauer einzelner Fütterungen > 45 min und/oder ab dem 2. Lebensjahr Intervall zwischen den Mahlzeiten < 2 Stunden Barth: Schreiambulanz 18.Mai

19 Erscheinungsbild: Fütterstörungen hartnäckige kindliche Nahrungsverweigerung oder Essunlust Füttern nur mit Ablenkung, Theater Füttern im Schlaf bzw. Halbschlaf Zu lange/kurze Intervalle zwischen den Mahlzeiten Zu lange Dauer der Füttersituation Eltern erkennen beim Kind schlechter sowohl Hunger- wie auch Sättigungsanzeichen Das kindliche Essverhalten ist nicht altersgemäß Nach traumatischen Füttererfahrungen oder traumatisierenden Eingriffen im Mund-Rachenbereich angstvolle bis panische Abwehr Häufige Nahrungswechsel in der Vorgeschichte Nicht-altersentsprechende Nahrungsangebote Barth: Schreiambulanz 18.Mai

20 Fütterstörungen Oft in Kombination mit anderen regulatorischen Problemen chronische Unruhe unstillbare Schreiphasen Schlafprobleme Typischer Teufelskeis mit der Symptom-Trias kindliche Probleme der Verhaltensregulation (bei der Nahrungsaufnahme) damit einhergehende dysfunktionale Fütter- Interaktionsmuster und elterliche Anpassungsstörung mit Erschöpfung und Überforderung Barth: Schreiambulanz 18.Mai

21 Fütterstörungen Prävalenz: Breit gestreut aufgrund erheblich divergierender diagnostischer Kriterien und Stichproben. Vorübergehende Fütterprobleme im Säuglingsalter häufig In unausgelesener Stichprobe Fütterstörung im klinischen Sinne in 3-10%. Gedeihstörungen treten einer umfangreichen epidemiologischen Studie zufolge sowohl in stark benachteiligten (7,5%) als auch in wohlhabenden (8,2%) Bevölkerungsschichten, weniger in der Mittelschicht (3,8%). Fütter- und Gedeihstörungen neigen zur Persistenz. Barth: Schreiambulanz 18.Mai

22 Therapeutisches Angebot Entwicklungsdynamisches, systemisches Konzept der Eltern-Säuglings-/Kleinkind-Beratung und Psychotherapie Im Mittelpunkt sowohl der Diagnostik als auch der therapeutischen Unterstützung steht die Kommunikation in der alltäglichen Eltern-Kind- Interaktion sowie das Zusammenspiel der intuitiven elterlichen Kompetenzen und der selbstregulatorischen Kompetenzen des Kindes. Interdisziplinarität wichtiger Baustein der Patientenzuweisung und Behandlung Barth: Schreiambulanz 18.Mai

23 Diagnostik im Rahmen einer Schreiambulanz 24-Stunden Protokoll von 5 aufeinander folgenden Tagen mit Dauer und tageszeitlicher Verteilung von Schreien, Quengeln Schlafen Füttern gemeinsames Spiel ausführliches diagnostisches Interview mit Erhebung der genauen Anamnese, Familienanamnese, Schwangerschaftsanamnese, etc. Belastungsfaktoren und Ressourcen der Familie Psychodynamische und familiendynamische Anamnese Pädiatrische Untersuchung Fragebögen (Temperament, Befindlichkeit der Mutter, etc.) Spontane und videogestützte Interaktionsbeobachtung von Kind und Eltern bei der ärztlichen Untersuchung sowie in störungsrelevantem Kontext (Beruhigung beim Schreien und Schlafenlegen, Wickeln, Füttern, entspanntes Zwiegespräch, Spiel) Ergänzt durch störungsspezifische Diagnostik z.b. > Laboruntersuchungen bei Gedeihstörungen > Anamnese mütterlich Essstörung? > Home-Videos Schlafstörung Barth: Schreiambulanz 18.Mai

24 Therapeutisches Angebot Grundelemente der Behandlung: Psychische und physische Entlastung der Eltern mittels Entwicklungsberatung Entlastende psychotherapeutische Gespräche; Zeit, Halt und Raum geben Kommunikationsanleitung, eventl. mit videogestützter Verhaltensbeobachtung Psychodynamisch orientierte Gespräche, die unbewusste Blockaden, Fixierungen, Konflikte der Eltern aufgreifen Immer auch Einbeziehung des Kleinkindes Barth: Schreiambulanz 18.Mai

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