Typ-2-Diabetes. Krankheitsbilder. Das metabolische Syndrom. Entstehung des Typ-2-Diabetes A1 5

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1 In Deutschland gehören etwa 95 % der Diabetiker zum Typ 2, wobei in den letzten Jahren eine Zunahme der Häufigkeit zu beobachten ist. Die Manifestation erfolgt meistens nach dem 40. Lebensjahr. Früher wurde deshalb vom Altersdiabetes geredet. In letzter Zeit ist aber eine Zunahme auch bei Kindern und Jugendlichen festzustellen. Kennzeichen ist eine genetisch bedingte Insulinresistenz der Körperzellen. Erste Folge davon ist eine Überproduktion von Insulin, die die Blutzuckerwerte im Normbereich hält. Nach und nach erschöpft sich die Insulinproduktion, über das Zwischenstadium einer gestörten Glukosetoleranz entsteht ein manifester Diabetes. Die Veranlagung, an einem Typ-2- Diabetes zu erkranken, ist von hoher Erblichkeit: Ist ein Elternteil erkrankt, so beträgt das Erkrankungsrisiko für die Kinder 40 %. Die Insulinresistenz wird sogar mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 % vererbt. Die Entwicklung zum Diabetes wird ausgelöst und beschleunigt, wenn andere Risikofaktoren wie Übergewicht und Bewegungsmangel hinzukommen. tritt als Teil eines Komplexes von Symptomen auf, der als metabolisches Syndrom bezeichnet wird (Tabelle 1.3). Entstehung des Tabelle 1.3 Das metabolische Syndrom Hyperglykämie Nüchternblutzucker (Plasma) > 126 mg/dl (7 mmol/l) Nüchternblutzucker (Kapillarblut) > 110 mg/dl (6,1 mmol/l) Fettstoffwechselstörungen Triglyzeride > 150 mg/dl (> 1,7 mmol/l) HDL-Cholesterin < 40 mg/dl (1,09 mmol/l) Männer < 50 mg/dl (1,29 mmol/l) Frauen Bluthochdruck RR > 130/85 mmhg erhöhter Taillenumfang > 102 cm Männer / > 88 cm Frauen A1 5

2 Problem: unerkannter Aufgrund der schleichenden Entwicklung des Typ-2- Diabetes fehlen meist die für den Typ 1 charakteristischen Symptome; oft zeigen sich lediglich Störungen des Allgemeinbefindens: erhöhte Infektanfälligkeit, Juckreiz, leichte Ermüdbarkeit, Schwindel. Die Diagnose eines wird häufig erst nach jahrelangem Verlauf eher zufällig gestellt (Abbildung 1.1). Zu diesem Zeitpunkt können sich allerdings bereits erhebliche Folgeerkrankungen ausgebildet haben: massive Arteriosklerose, mikroangiopathische Veränderungen insbesondere an Auge und Niere, Nervenveränderungen. a) Altersgruppe Jahre b) Altersgruppe über 65 Jahre 15% 5% 5% 75% 10% 10% 30% 50% bekannter Diabetes unbekannter Diabetes gestörte Glukosetoleranz (Vorstufe eines Diabetes) normaler Blutzucker Abbildung 1.1: Häufigkeit eines unerkannten. In der Altersgruppe der über 65-Jährigen haben vier von zehn Personen einen unerkannten Diabetes oder eine Vorstufe A1 6

3 Sind die oben genannten Risikofaktoren wie erbliche Belastung und Teile des metabolischen Syndroms zusammen mit untypischen Symptomen feststellbar, sollte ein entsprechendes Screening veranlasst werden: 1. Harnzuckerbestimmung (s. Seite A3-11), 2. Blutzuckerbestimmung, nüchtern oder 1 bis 2 Stunden postprandial (s. Seite A3-2), 3. oraler Glukosetoleranztest bei nicht eindeutigem Befund (s. Seite A3-18). Die primäre Therapie des hat die Senkung der Insulinresistenz zum Ziel. Sie besteht zunächst aus den Basismaßnahmen Gewichtsreduktion mit einer unterkalorischen, fettreduzierten Vollwertkost, unterstützt durch Bewegungstherapie. Erst bei Versagen der Ernährungs- und Bewegungstherapie wird zusätzlich eine Behandlung mit oralen Antidiabetika durchgeführt. Reicht dies nicht, um den Blutzucker niedrig zu halten, muss Insulin gespritzt werden. Alternativ könnte zunächst eines der neuen Inkretin-Analoga oder einer der neuen Inkretin-Verstärker eingesetzt werden (s. Seite A4-10 bis A4-12). Auch beim ist inzwischen eine umfassende Schulung Grundlage der Therapie. Sehr vielversprechend ist die Prävention eines Typ-2- Diabetes. Durch Ernährungsumstellung und vermehrte körperliche Betätigung lässt sich die Krankheitsentwicklung hinauszögern. Dieses Ziel der Deutschen Diabetes-Stiftung wird nun auch von der Politik verfolgt. Therapie: Basismaßnahmen im Vordergrund LADA Etwa 10 bis 15 % der Typ-2-Diabetiker haben einen relativen Insulinmangel ohne Übergewicht sie wurden in Deutschland früher als Typ IIa bezeichnet. Im A1 7

4 Welche Therapie gibt es? Vordergrund steht eine langsam nachlassende Insulinproduktion, keine Insulinresistenz. Möglich ist, dass sich dahinter ein besonders mild manifestierender Typ 1 verbirgt. Man spricht dann von der LADA-Form (englisch: Latent Autoimmune Diabetes in Adults). Die Therapie zielt darauf ab, das noch vorhandene körpereigene Insulin so lange wie möglich zu nutzen, z.b. durch eine Aufteilung der Kohlenhydrate auf zahlreiche kleinere Mahlzeiten. Lebensmittel, die den Blutzucker sehr schnell ansteigen lassen, werden besser gemieden. Da die Betroffenen normalgewichtig sind, muss die Kalorienaufnahme nicht eingeschränkt werden; auch eine besondere Bewegungstherapie ist nicht notwendig. Bei einer weiter abnehmenden Insulinsekretion sollte eine Vorstellung beim Diabetologen erfolgen, um den Diabetes-Typ zu bestimmen. Lassen sich Antikörper gegen Bestandteile der B-Zelle und/oder Insulin nachweisen, kann von einem Typ 1 ausgegangen werden. Die Behandlung erfolgt dann mit Insulin. Anderenfalls kann ein Therapieversuch mit oralen Antidiabetika unternommen werden. Vor allem übergewichtige Jugendliche betroffen MODY Der MODY (englisch: Maturity Onset Diabetes in the Young) wurde früher dem Kreis des zugerechnet. Die neue Klassifikation trennt dagegen dieses Krankheitsbild vom Typ 2 ab (s. Seite A1-2, Tabelle 1.2). Ursache sind Genmutationen, die letztlich zu eingeschränkter Insulinsekretion führen. MODY betrifft wahrscheinlich 1 % aller Diabetiker, wobei die Manifestation meist mit ausklingender Pubertät erfolgt. Die Betroffenen sind häufig, aber nicht immer übergewichtig. Es wurden bisher 6 genetische Unterformen identifiziert. Die Vererbung erfolgt autosomal-dominant. A1 8

5 Der Stoffwechselverlauf kann unter Ernährungs- und Bewegungstherapie in der Regel sehr ausgeglichen gehalten werden, Entgleisungen sind selten. Der häufige MODY 3 kann dagegen den Einsatz oraler Antidiabetika und im weiteren Verlauf auch von Insulin erfordern. Bei unzureichender Behandlung drohen diabetische Folgeerkrankungen. Gestationsdiabetes Ein erstmals während der Schwangerschaft diagnostizierter Diabetes wird als Gestationsdiabetes bezeichnet. Im Verlauf der Schwangerschaft treten hormonelle Umstellungen auf, die zu einem höheren Insulinbedarf führen. Dadurch können bei 2 bis 5 % aller Schwangeren pathologische Blutzuckerwerte auftreten. Nach Ende der Schwangerschaft bleibt der Diabetes bei etwa 4 % der Betroffenen bestehen; das Risiko, im weiteren Leben einen manifesten Typ-2- Diabetes zu entwickeln, liegt bei etwa 40 %. Zur Vermeidung von Missbildungen und Komplikationen ist eine konsequente Behandlung unumgänglich. Reicht eine Umstellung der Ernährung nicht zur Normalisierung der Blutzuckerwerte aus, erfolgt eine Insulintherapie, da sämtliche oralen Antidiabetika in der Schwangerschaft kontraindiziert sind. Ein Gestationsdiabetes verursacht in der Regel keine Beschwerden, so dass er leicht übersehen werden kann. Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft empfiehlt deshalb ein Screening in der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche, gegebenenfalls ergänzt durch einen oralen Glukosetoleranztest (s. Seite A3-18). Wie häufig ist ein Gestationsdiabetes? Welche Therapie gibt es? A1 9

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