Web-Services wie kleine und mittlere Unternehmen strategisch profitieren können

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1 Web-Services wie kleine und mittlere Unternehmen strategisch profitieren können Autoren: Andreas Krammer, Universität Augsburg, Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik II, Augsburg Oliver Luft, Universität der Bundeswehr, Lehrstuhl für Internationales Management, München Mit Unterstützung von: Werner Gatzemeier, Presales Consultant, Hewlett Packard GmbH, Taufkirchen Frank Hilderts, IT-Manager, HUENGSBERG AG, Hallbergmoos Michael Hoppe, Geschäftsführer mgate GmbH, Wolfratshausen Robert Lechner, President and Managing Partner, Lechner & Partner, München Karl Leutschaft, Universität der Bundeswehr, Lehrstuhl für Internationales Management, München Dr. Andreas Philipp, Partner der PhilOs Managementberatung GbR, München Dr. Charles Savage, President, Knowledge Era Enterprises Inc., München Prof. Dr. Klaus Turowski, Universität Augsburg, Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik II, Augsburg Mike Ullrich, Professional Services, ontoprise GmbH, Karlsruhe Zusammenfassung: Beleuchtet werden Einsatzmöglichkeiten von Web Services und resultierende Chancen für klein und mittlere Unternehmen. Zunächst wird der Munich Web Service Circle vorgestellt und die Technologie und Bedeutung von Web Services erläutert. Im Folgenden werden unternehmensinterne und im Schwerpunkt unternehmensexterne Einsatzmöglichkeiten dargestellt, bevor mögliche Anknüpfungspunkte und ein Fazit den Artikel abschließen. Stichworte: Web-Services, Kooperation, KMU, Mittelstand, Virtuelles Unternehmen, semantische Technologien Web-Services how small and medium size companies can profit Summary: In this article various applications of Web Services are reviewed, especially as they provide support for small and medium size enterprises. We introduct the work of the MWSC, then describe the technology and meaning of Web Services. The internal and external applications of Web Services are reviewed and ways they can be used facilitate connections between companies are explored. We conclude with a few words about the possible connection to semantic technologies. Keywords: Web-Services, Cooperation, SME, Virtual Enterprises, Semantic Technologies

2 1 Der Munich Web Services Circle Der Munich Web Service Circle (MWSC) ist ein Kreis von Fachleuten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, der im Oktober 2001 von Dr. Charles Savage gegründet wurde und das Ziel verfolgt, die Nutzung von Web Services zu fördern und die Wettbewerbsfähigkeit insbesondere von kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) durch den Einsatz von Web Services zu erhöhen. Hierzu stellt der MWSC einen Pool von Kernkompetenzträgern in den Bereichen technische Infrastruktur/Umsetzung und Change Management im Zusammenhang mit Web Services dar, aus dem sich projektindividuell eine virtuelle Beratungsfabrik konkretisiert. Dies ermöglicht die freie Kombination unterschiedlicher Kompetenzen zur kooperativen, problemangepassten Auftragsbearbeitung. Abbildung 1 zeigt das Vorgehensmodell des MWSC. Unternehmenskulturelle Implementierung strategische Analyse Bestimmung Einsatzpotenzial Technische Umsetzung Abbildung 1: Vorgehensmodell für Web Service-Projekte 2 Technologie und Bedeutung von Web Services 2.1 Begriffsabgrenzung Web Services Zur Klärung des begrifflichen Gehalts von Web Services wird zunächst eine allgemeine Definition anhand seiner charakteristischen Eigenschaften gegeben, die anschließend im Hinblick auf den aktuellen Stand der Technik und der laufenden Standardisierungsbemühungen weiter konkretisiert wird. Allgemein wird unter einem Web Service eine abgeschlossene (gekapselte) Anwendung zur Erfüllung einer definierten Aufgabe verstanden, die über wohldefinierte Schnittstellen angesprochen werden kann und vorwiegend für die Kommunikation zwischen Anwendungssystemen geschaffen ist. Hierbei erfolgt die Kommunikation mit anderen Anwendungen durch Nachrichtenaustausch per Remote Procedure Call (RPC), wodurch eine lose Kopplung der Anwendungen erreicht wird. Implementierungsdetails bleiben dem Dienstnehmer verborgen. Web Services können jederzeit und von jedem Ort aus aktiviert werden, vorausgesetzt Benutzer bzw. Anwendungen haben entsprechende Zugriffsrechte.

3 Ein Web Service basiert auf der Internet Protokoll Suite und umfasst Daten über die vom Web Service angebotenen Dienste, Aufrufkonventionen etc. Diese Metadaten können während der Laufzeit durch Programme, die Dienste des Web Service nutzen wollen, ausgelesen werden. Web Services können während der Laufzeit kombiniert werden. Damit kann aus den einzelnen Basisdiensten mehrerer Web Services eine komplexe Gesamtleistung generiert werden [1]. Betrachtet man die Architektur eines Web Services, so lassen sich drei Architkturbestandteile identifizieren: Der Dienstnehmer, der Dienstgeber und ein Verzeichnis (Registry). Der Dienstgeber beschreibt seinen Web Service in einem standardisierten Format und veröffentlicht diese in einem internen oder öffentlichen Verzeichnis. Der Dienstnehmer (menschlich oder ein Anwendungsprogramm) kann den Service in einem Verzeichnis auffinden und anhand der im Verzeichnis enthaltenen Information aufrufen [2]. Eine Übersicht dieses Prozesses zeigt Abbildung 2. 2 Dienstnehmer Verzeichnis (Registry) Veröffentlichung Suche nach Diensten Rückgabe passender Dienste Dienstaufruf Dienstleistung Dienstgeber Abbildung 2: Architekturbestandteile und Nutzungsprozess für Web Services 2.2 Stand der technischen Standardisierungsbemühungen Zum heutigen Zeitpunkt sind für die technischen Teile der Web Service Architektur bereits Standards vorgeschlagen bzw. verabschiedet. Als Auszeichnungssprache für die Nachrichteninhalte hat sich die Extensible Markup Language (XML) [3] durchgesetzt. Zur Beschreibung von Web Services wird die Web Services Description Language (WSDL) [4] verwendet, die eine Anwendung von XML darstellt. Zum Aufbau eines Registries kommt

4 der Standard Unified Desrciption, Discovery and Integration (UDDI) [5] zum Einsatz und zur Realisierung der Plattformunabhängigkeit des Datenaustausches beispielsweise das Simple Object Access Protocol (SOAP) [6] über gängige Internetprotokolle wie das Hypertext Transfer Protocol (HTTP) [7]. Derzeitige Web Service Implementierungen sind zueinander nicht vollständig kompatibel. Für Verschlüsselung, Authentifizierung, Zahlungsverfahren und Komposition von Web Services sind derzeit proprietäre Lösungsansätze vorherrschend [8]. Eine Reihe wichtiger Hersteller von Infrastruktursoftware haben sich zu einer Allianz [9] zusammengeschlossen, die sich die Förderung technischer Standards und der Interoperabilität von Web Services zum Ziel gesetzt hat. Dadurch wird für die Nutzer der Infrastruktursoftware ein verbesserter Investitionsschutz ermöglicht und es entstehen geringere Kosten beim Wechsel auf eine andere Infrastruktursoftware. 2.3 Möglichkeiten zur Entstehung fachlicher Standards Neben den Bemühungen zur Standardisierung technischer Aspekte von Web Services ist die Entwicklung von fachlichen Standards notwendig. Fachliche Standards beziehen sich hierbei auf einheitliche Nachrichteninhalte, die zwischen Nutzer und Web Service ausgetauscht werden und auf Standards für Dienste, die vom Web Service angeboten werden. Sollen beispielsweise Börsenkurse von unterschiedlichen Börsenstandorten als Web Service angeboten werden, so ist die Verwendung eines einheitlichen Nachrichtenformates (Tickersymbol, Preis, Währung, Kurszeit,...) sinnvoll, um eine Konvertierung auf ein einheitliches Format bei jedem Nutzer zu vermeiden. Unter einem proprietären Standard wird der Versuch eines Herstellers verstanden, aus seiner spezifischen Implementierung einen Standard abzuleiten. Diese Ausprägungsform ist vor allem bei dominanten Markstellungen eines Anbieters zu beobachten. Setzt sich eine herstellerspezifische Lösung am Markt als allgemein akzeptierte Lösung durch, so bezeichnet man sie als Industriestandard. Dieser Weg der Entstehung eines verbreiteten Standards ist mit geringerem Abstimmungsaufwand und in der Regel kürzerer Zeit möglich als die Entwicklung eines öffentlichen Standards, bei dem die Entwicklung in einem öffentlichen Gremium stattfindet. Bei der Entwicklung von Web Services ist nicht immer die Verwendung globaler Standards wie XML für den elektronischen Geschäftsverkehr (ebxml) [10] die beste Lösung. Häufig ist die Entwicklung proprietärere, aber erweiterbarer Lösungen einfacher, kostengünstiger

5 und mit der Perspektive verbunden, zum Industriestandard in einem begrenzten Bereich zu avancieren. 2.4 Einsatzgebiete von Web Services Web Services ermöglichen durch ihren hohen Grad der technischen Standardisierung, ihre Plattformunabhängigkeit und die Verfügbarkeit von Werkzeugen eine problemlose und schnelle Entwicklung. Dadurch wird sowohl eine Integration bestehender unternehmensinterner Anwendungen als auch eine Integration über Unternehmensgrenzen hinweg ermöglicht. Im Folgenden werden die Einsatzmöglichkeiten von Web Services innerhalb von Unternehmen bzw. im Kontakt mit Kunden beleuchtet. Anschließend werden Web Services als Instrument zur Kooperationsunterstützung zwischen Unternehmen betrachtet. Als Spezialform der Kooperation soll abschließend auf das Virtuelle Unternehmen eingegangen werden, das für die Unterstützung durch Web Services idealtypisch geeignet ist und besonders für KMUs interessante Chancen bietet. 3 Unternehmensinterner Einsatz von Web Services 3.1 Integration heterogener Anwendungslandschaften Die Betrachtung von Geschäftsprozessen als zielgerichtete, zeitlich-logische Abfolge von Aufgaben, die arbeitsteilig von mehreren Organisationseinheiten bearbeitet werden, ist in KMUs nach wie vor von großer Bedeutung. Die Arbeitsmittel speziell die zur Unterstützung einer Einzelaufgabe verwendeten Anwendungen sind jedoch in vielen Unternehmen als Insellösungen nicht miteinander verbunden. Dies führt zu hohen Kosten durch Mehrfacherfassung von Daten oder vermeidbaren Wechseln zwischen Anwendungssystemen. Das Ziel der Integration heterogener Anwendungslandschaften ist die enge Verzahnung von Anwendungen, um oben genannte Kosten zu vermeiden. Web Services bieten die Möglichkeit einzelne Anwendungen mit einer Schale zu versehen, die das Innere verbirgt und die Dienste der Anwendung über wohldefinierte Schnittstellen nach Außen für andere Anwendungen zur Verfügung stellt. Die so gekapselte Anwendung steht anschließend für den zeitlich koordinierten, plattformübergreifenden und programmiersprachenunabhängigen Aufruf im Laufe eines Geschäftsprozesses zur Verfügung. Dies ermöglicht hohen Investitionsschutz, da bereits vorhandene Anwendungen erhalten bleiben. Durch die lose Kopplung der Anwendungen mittels Kommunikation über Schnittstellen entsteht gleichzeitig hohe Flexibilität bei der Änderung von Geschäftsprozessen.

6 3.2 Beziehung Unternehmen Kunden Die Geschäftsbeziehungen zwischen Kunden und Unternehmen können sich aufgrund des Einsatzes von Web Services durch das Unternehmen verändern. Durch die Veröffentlichung von Diensten in standardisierter Form wird Nachfragern die Möglichkeit gegeben, passende Anbieter schnell und kostengünstig zu finden. Damit verbunden ist andererseits eine schnelle Wechselmöglichkeit zwischen identischen Angeboten und damit eine größere Wettbewerbsintensität - die Kundenbindung an einen spezifischen Anbieter wird geringer. Bietet ein Unternehmen mehrere Einzelleistungen über Web Services an und sind diese durch den Kunden oder Intermediäre kombinierbar, entsteht für den Kunden eine höhere Variantenvielfalt. Der Kunde nimmt stärkeren Einfluss auf die angebotene Gesamtleistung. Gegebenenfalls wird der Kunde Teile der Gesamtleistung bei anderen Anbietern nachfragen. Somit ist eine Verschiebung vom Anbieter von Leistungsbündeln hin zum Anbieter von Einzelleistungen denkbar. 4 Kooperationen - Einsatz von Web Services im zwischenbetrieblichen Bereich Ein mögliches Unterscheidungsmerkmal von Kooperationsformen ist die Art der Vernetzung. Hierbei sind drei Kooperationsrichtungen zu unterscheiden die in Tabelle 1 zusammengefasst sind [11]. Kooperationsrichtung Vertikal Horizontal Diagonal Beschreibung Unternehmen arbeiten entlang der Wertschöpfungskette zusammen, beispielsweise die Beziehung zwischen Zulieferern und Abnehmern Unternehmen der gleichen Wertschöpfungsstufe bzw. mit einem ähnlichen Tätigkeitsbereich kooperieren Branchenübergreifende Vernetzung von Unternehmen unterschiedlicher Wirtschaftszweige Tabelle 1: Kooperationsformen differenziert nach Kooperationsrichtung [11] Unter Kooperation im Sinne dieses Beitrags wird eine Zusammenarbeit von mehreren wirtschaftlich und rechtlich selbstständigen Unternehmen verstanden, die Teile ihrer Ressourcen zu einem gemeinsamen Handeln veranlassen und diese abstimmen, wobei in der Regel eine Begrenzung der Zusammenarbeit auf betriebliche Teilbereiche vorliegt. Die Zusammenarbeit basiert auf einem in unternehmerischer Gestaltungsfreiheit gefälltem Entschluss und auf einer bewusst geschlossenen formellen oder informellen Vereinbarung.

7 Als Hemmnisse von Kooperationen zwischen Unternehmen können mangelnde Möglichkeiten der Datenübertragung bzw. Datenintegration und Prozessintegration festgestellt werden. Im Folgenden werden für jede der Kooperationsformen Verbesserungspotenziale aufgezeigt, die mit Web Services erschlossen werden können. 4.1 Vertikale Kooperation Größere Unternehmen investieren seit langem in die Integration ihrer Zulieferer und Kunden mittels Electronic Data Interchange (EDI). Unter Nutzung standardisierter Nachrichtenformate wie EDIFACT kann bei relativ geringen Investitionen ein elektronischer Datenaustausch zwischen kooperierenden Unternehmen realisiert werden. Allein durch das Versenden von Daten in elektronischer Form statt Papierform wird jedoch nur wenig Nutzenpotenzial erschlossen. Erst die automatische Weiterverarbeitung von eingegangenen Daten durch die Anwendungssysteme des Empfängers und das automatische Generieren von Ausgangsnachrichten durch die Anwendungssysteme des Senders ermöglichen Einsparungen wie geringeren Erfassungsaufwand, kürzere Lieferzeiten, geringere Lagerhaltungskosten oder höhere Liquidität [12]. Web Services hingegen bieten kooperierenden Unternehmen die Möglichkeit direkt auf dafür vorgesehene Teile der Anwendungssysteme des Partners zuzugreifen. Auf dem Markt sind Tools zur Entwicklung und Veröffentlichung von Web Services verfügbar, mit denen sich auch bereits vorhandene Anwendungen zu Web Services erweitern lassen. Beispiele: Durch die Veröffentlichung von Teilen des Lagerverwaltungssystems eines Herstellers als Web Service und direkten Zugriff des Lieferanten auf die Lagerbestände könnte dieser seine eigene Produktion und die Anlieferung zum Hersteller wesentlich besser planen. In der entgegengesetzten Richtung könnten die Mitarbeiter des Herstellers die Bestellungen direkt über das per Web Service offen gelegte Auftragserfassungssystem des Lieferanten tätigen und damit eine echte Prozessintegration zwischen den Kooperationspartnern realisieren (siehe Abbildung 3).

8 Hersteller Lieferant Lagerverwaltung direkter Zugriff Produktionsplanung Produktionsplanung Bestände Auftragserfassung Aufträge direkte Erfassung Abbildung 3: Zugriff auf Web Services des Partners bei der vertikalen Kooperationsform Werden Web Services auf der Basis des HTTP-Protokolls verwendet, ist auch die Interaktion über Firewalls hinweg problemlos möglich. Als Kommunikationsverbindung kann bei geringer Übertragungsdatenmenge ein vorhandener Internet-Anschluss verwendet werden. Die einfache, toolunterstützte Modellierung und Konvertierung von XML- Nachrichten zwischen unterschiedlichen Formaten erlaubt sowohl eine Nutzung existierender und akzeptierter Nachrichtenformate [vgl. z.b. ebxml] als auch die Verwendung proprietärer Formate im bilateralen Bereich. Bei Verwendung von proprietären Nachrichtenformaten muss der Nachteil der starren Bindung an einen Partner gegenüber der schnellen und kostengünstigen Realisierung der Integration abgewogen werden. 4.2 Horizontale Kooperation Auch Kooperationen zwischen Unternehmen, die auf der gleichen Wertschöpfungsstufe innerhalb der gleichen Branche tätig sind, können mittels Web Services unterstützt werden. In dieser Kooperationsform können vor allem Skalen- und Spezialisierungseffekte erreicht werden. So könnte eine Vertriebskooperation zwischen mehreren Unternehmen, die sich jeweils auf eine besondere Produktvariante spezialisiert haben, in einem gemeinsamen Angebot aller Varianten durch einen gemeinsamen Web Service bestehen. Über den Web Service eingehende Bestellungen würden dann an das entsprechend spezialisierte Unternehmen weitergeleitet. Neben Spezialisierungsgründen kann auch eine effektive Kapazitätssteuerung erreicht werden. Bieten mehrere Unternehmen identische Leistungen über Web Services an, so kann im Fall einer Kapazitätsüberlastung des einen Unternehmens die Leistung beim Kooperationspartner angefordert und ggf. mit einer Provision an den Kunden weitergegeben werden (vgl. Abbildung 4).

9 Kunde Anbieter A Auftragsannahme Web Service Kapazitätsplanung Auftragsannahme Web Service Anbieter B Abbildung 4: Nutzung des Angebots von horizontalen Kooperationspartnern zum Kapazitätsausgleich 4.3 Diagonale Kooperation Diese Form der Kooperation beinhaltet für den Kunden die größten Nutzenpotenziale. Hierbei ist vor allem an die Bündelung von Einzelleistungen zu kundenindividuellen Leistungen zu denken, wobei für den Kunden allein durch die Kombination ein Mehrwert entsteht. Dieser kann beispielsweise in den geringeren Suchkosten bestehen. Denkt man an die Form wie Leistungen heute im World Wide Web angeboten werden, kann es für den Nachfrager von kombinierten Produkten mit großem Aufwand verbunden sein, die einzelnen Komponenten bei den unterschiedlichen Anbietern zu lokalisieren und zu bestellen. Ein Beispiel ist eine kundenindividuelle Compunteranlage, deren einzelne Komponenten wie Rechner, Drucker, Monitor, Spezialsoftware, Installation usw. auf der jeweiligen Web Seite des Spezialanbieters geordert werden müssen. Ein Angebot von allen Leistungen durch ein Unternehmen steht aus Sicht der Unternehmen jedoch häufig im Widerspruch zur angestrebten Konzentration auf Kernkompetenzen. Hier stellt ein Netz aus Web Services, die ihre Leistungen je nach Kundenwunsch zu einer komplexen Gesamtleistung integrieren können, eine Lösungsmöglichkeit dar, die gerade für KMUs, welche aus Ressourcengründen keine komplette Gesamtleistung anbieten können, attraktiv erscheint. Umgekehrt kann es sogar wirtschaftlich sinnvoll sein, in der Vergangenheit gebildete starre Leistungsbündel zu entflechten, da die kundenindividuelle Kombination durch Web Services wesentlich vereinfacht werden kann. Dadurch wird einerseits größere Variantenvielfalt durch Kombination von Einzelleistungen und andererseits Konzentration

10 auf tatsächliche Kernkompetenzen möglich. So ist heute der Kauf einer Maschine beispielsweise meist mit dem Abschluss eines Vertrags über die Lieferung und die Versicherung der entsprechenden Anlage zu einem starren Leistungsbündel verschmolzen. Vorstellbar wäre, diese Abläufe durch Web Services abbilden zu lassen. Der Hersteller wird per Web Service mit der Produktion der Maschine beauftragt, ein Spediteur wird mit der Lieferung betraut und bei einer Versicherung wird um Übernahme des Risikos angefragt. Alle Leistungen werden von Web Services angeboten und erst beim Einholen des Angebotes für die Gesamtleistung erfolgt für den Kunden die Kombination, Wahl des geeigneten Spediteurs, der günstigsten Versicherung usw. (siehe Abbildung 5). Der Hersteller erlangt hierdurch die Möglichkeit sich auf die Herstellung der Maschine zu konzentrieren und die für ihn sekundären Prozesse wie die Logistik, denjenigen Unternehmen zu überlassen, die hierin ihre Kernkompetenz sehen. Kunde Hersteller Einzelleistung Antragsannahme Web Service Versicherung Leistungsbündel Auftragsannahme Web Service Einzelleistung Auftragsannahme Web Service Spediteur Abbildung 5: Kombination der Einzelleistungen von Partnern unterschiedlicher Branchen zu einem Leistungsbündel 5 Web Services in Virtuellen Unternehmen Neben den klassischen bisher dargestellten Kooperationsformen können Unternehmen auch in Form einer virtuellen Netz-Wert-Partnerschaft kooperieren und Aufträge mit Hilfe von Virtuellen Unternehmen gemeinsam bearbeiten. Unter einem Virtuellen Unternehmen verstehen wir im Folgenden einen Pool freiwillig, temporär kooperierender i.d.r. unabhängiger Partner. Auf der Basis eines gemeinsamen Geschäftsverständnisses und einer ausgeprägten Vertrauenskultur stellen die Kooperationspartner ihre Kernkompetenzen in Form von Ressourcen und Fähigkeiten zur Verfügung, mit dem Ziel, besser, kostengünstiger, schneller, flexibler und kompetitiver zu werden.

11 Aus den Kernkompetenzen des Virtuellen Unternehmens werden auftragsindividuell die benötigten Kernkompetenzen zu einer Virtuellen Fabrik gebündelt. Aus Kundensicht tritt diese wie ein einheitliches Unternehmen auf [13]. 5.1 Voraussetzungen für ein Virtuelles Unternehmen Bevor man sich für die Kooperationsform eines Virtuellen Unternehmens entscheidet sollten diverse grundlegende Voraussetzungen von den beteiligten Unternehmen erfüllt werden. Die wichtigsten davon sind in Tabelle 2 dargestellt. Problembezogene, dynamische Kompetenzbündelung und - vernetzung Zeit- und standortunabhängige Aufgabenbewältigung Kein organisatorischer Überbau Offenheit und Flexibilität Win-win-Orientierung Jeder Netzwerkpartner verfügt über kompetitive Kernkompetenz Ausschließlich Kernkompetenz muss in Virtuelles Unternehmen eingebracht werden Entstehung einer best-of-everythingorganization Zusammenarbeit häufig temporär über Unternehmens- und Standortgrenzen hinweg Erweiterung des Virtuellen Unternehmens um zusätzliche Kernkompetenzen ohne Verlust der Flexibilität Interne Koordination des Virtuellen Unternehmens durch Kommunikationstechnologien und Kultur gegenseitigen Vertrauens Austauschbarkeit der Netzwerkpartner, dadurch Anpassungsbereitschaft der Netzwerkpartner Offenheit in der Zusammensetzung der Virtuellen Fabrik Vorteile für Netzwerkpartner und Kunden Ist sowohl Ursprung als auch Ziel sämtlicher Virtueller Unternehmen Tabelle 2: Grundlegende Voraussetzungen für die Kooperation in Form eines Virtuellen Unternehmens [14] Web Services können zur Erfüllung der in Tabelle 2 identifizierten Voraussetzungen beitragen. Für die prolembezogene, dynamische Kompetenzbündelung ist die Publikation der Kernkompetenzen aller Netzwerkpartner innerhalb des Virtuellen Unternehmens nötig. Diese Publikation kann durch Nutzung eines UDDI-Verzeichnisses realisiert werden, in dem zu jedem Netzwerkpartner sowohl Dienste als auch Ansprechpartner und Zugriffspunkte abgelegt werden können. Weiterhin bietet sich ein Angebot von geeigneten Kernkompetenzen als Web Services an, dessen Nutzung auf die Netzwerkpartner

12 beschränkt bleibt. Bei einzelnen Netzwerkpartnern vorhandene Werkzeuge zur Unterstützung von Projektmanagement und planungsaufgaben können zur zeit- und standortunabhängigen Auftragsbearbeitung als Web Service veröffentlicht und von allen Partnern benutzt werden. Die oben bereits genannte Publikation von Kernkompetenzen in Form eines UDDI-Verzeichnisses trägt zu einer Vereinfachung der Integration neuer Netzwerkpartner (Flexibilität) bei. Durch die Netzwerkpartner angebotene Web Services sind ad-hoc und auftragsindividuell kombinierbar, wodurch eine große Offenheit für neue Kombinationen der Leistungen entsteht. 5.2 Vorteile und Nutzen eines Virtuellen Unternehmens Im Vergleich zu herkömmlichen Kooperationsformen bietet die Form des Virtuellen Unternehmens gerade für KMUs eine Reihe von Vorteilen. Diese ergeben sich zum einen aus der neuen unternehmenskulturellen Haltung, die dieser Kooperationsform zugrunde liegt und zum anderen aus der verwendeten Strukturform. Durch die ausgeprägte Vertrauenskultur, die sowohl für Web Services als auch für die Funktionsfähigkeit eines Virtuellen Unternehmens Vorraussetzung ist, ergeben sich eine Vielzahl von Vorteilen, die in Tabelle 3 kurz skizziert werden Komplexitätsreduktion Verbesserung der Kooperation Motivationswirkung Verbesserung der Kommunikation Reputationsaufbau Netzwerkpartner wählt aus dem Kontinuum der potenziellen Handlungen nur bestimmte aus, die man ebenfalls für vorteilhaft hält Vertrauen als Voraussetzung für jegliche kooperative Beziehung Partner verhalten sich nicht opportunistisch dadurch Realisierung einer Win-win-Situation zwischen den Netzwerkpartnern Motivation der Netzwerkpartner durch hohe individuelle Verantwortung und Sichtbarkeit des eigenen Beitrags zum Unternehmenserfolg Bereitwilliger Austausch von Informationen Abbau von Transaktionskosten verursachenden Informationsasymmetrien und -filterungen Hohe Reputation der einzelnen Netzwerkpartner führt zu hoher Reputation des Virtuellen Unternehmens und umgekehrt Tabelle 3: Unternehmenskulturelle Vorteile durch Vertrauen [15]

13 Neben den kulturell bedingten Vorteilen ergeben sich auch Vorteile aus der Struktur des virtuellen Netzwerkes. Die Wichtigsten werden in Tabelle 4 nun kurz genannt. Synergien Aquisition von Aufträgen Kostenersparnis Lerneffekte Spezialisierungseffekte Abschirmbarkeit der Produkte Entlang der gesamten Wertschöpfungskette Durch die Optimierung des Wertschöpfungsprozesses Aufträge können generiert werden, die ein Einzelunternehmen nicht erlangt hätte Durch gemeinsame Nutzung von Ressourcen und Fähigkeiten Mögliche Skaleneffekte Know-how-Austausch Transfer der Erfahrungen auf Aktivitäten der Netzwerkpartner außerhalb des Virtuellen Unternehmens Konzentration auf die Kernkompetenzen Zusammensetzung der Produkte aus Komponenten, die von spezialisierten Netzwerkpartnern erstellt werden Tabelle 4: Unternehmensstrukturelle Vorteile [16] 6 Anknüpfungspunkte und Fazit 6.1 Semantic Web Services Parallel und zunächst unabhängig zu den Standardisierungsbemühungen für Web Services treibt das World Wide Web Consortium die Standardisierung des Semantic Web [17] voran. Unter dem Semantic Web versteht man die Kombination von XML als Auszeichnungssprache und dem Ressource Description Framework (RDF) [18] unter Nutzung von Ontologien. Dabei wird Ausdrücken, die mit XML ausgezeichnet sind, mittels RDF eine eindeutige Referenz zugewiesen, die innerhalb eines Fachbereichs durch eine Ontologie definiert ist. Dadurch wird es Computern beispielsweise möglich, unterschiedliche Begriffe als Synonyme zu erkennen. Ein Zusammenwachsen der beiden Technologien Web Services und Semantic Web ist notwendig und mittelfristig wahrscheinlich [19].

14 Besonders deutlich werden die Vorteile bei der Nutzung einer Kombination beider Technologien, wenn man die ad-hoc Komposition von Web Services betrachtet. Web Services können nur gegeneinander substituiert werden, wenn ihre Schnittstellenbeschreibungen identisch sind und auch die angebotenen Dienste auf fachlicher Ebene einander entsprechen. Dies zu prüfen ist momentan nur durch menschliche Arbeitsleistung möglich. Durch die Nutzung von Semantischen Technologien ist es möglich, Web Services in die Lage zu versetzen ohne menschliches Eingreifen nach Alternativangeboten in UDDI- Verzeichnissen zu suchen und diese ad-hoc mit weiteren Angeboten zu kombinieren. Beispielsweise könnte im Beschaffungsbereich mit einem überschaubaren Wissensmodell über die zu bestellenden Artikel (welche Merkmale sind relevant), die Einkaufsbedingungen (wie z.b. Konditionen) und -restriktionen (welche Bedingungen muss ein Anbieter erfüllen) ein Semantic Web Service selbständig die Registrierungsdatenbanken nach zulässigen und relevanten Angeboten durchsuchen. 6.2 Fazit Wie in diesem Beitrag gezeigt, sind Web Services sowohl unternehmensintern als auch bei Kooperationen zwischen Unternehmen als Integrationsinstrument einsetzbar. Besonders in KMUs lassen sich hierdurch große Nutzenpotenziale erschließen.

15 Literaturverzeichnis [1] Bettag, U. Web Services [2] Max Hendricks, u.a.: Professional Java Web Services.Birmingham S.8 [3] World Wide Web Consortium (W3C) (Hrsg.): Extensible Markup Language (XML) [4] World Wide Web Consortium (W3C) (Hrsg.): Web Services Description Language (WSDL) [5] UDDI Organisation (Hrsg.): UDDI Technical White Paper [6] World Wide Web Consortium (W3C) (Hrsg.): SOAP Version 1.2 Part 1: Messaging Framework [7] World Wide Web Consortium (W3C) (Hrsg.): Hypertext Transfer Protocol HTTP/ [8] Bloomberg, J. und Schmelzer, R.: The Pros and Cons of Web Services [9] Web Services Interoperability Organization [10] UN/CEFACT, OASIS (Hrsg.): ebxml Business Process Specification Schema Version 1.01, [11] Meckl, R.: Unternehmenskooperationen im EG-Binnenmarkt. Wiesbaden [12] Deutsch, M.: Unternehmenserfolg mit EDI; Strategie und Realisierung des elektronischen Datenaustausches. Braunschweig/Wiesbaden S.96ff [13] Philipp A. F.: Vortrag beim Microsoft Forum, Zürich, Mai 1998 [14] Wüthrich, H. A.; Philipp A. F.: Vortrag beim Unternehmerforum Lilienberg (CH), [15] Gilbert, D.,U.: Vertrauen in virtuellen Unternehmen, In: iomanagement, Nr. 12/99, S. 33 [16] Wüthrich, H. A.; Philipp A. F. und Frentz M. H.: Vorsprung durch Virtualisierung. Wiesbaden.1997 [17] Decker, S. und Sintek, M.: Semantic Web.org [18] World Wide Web Consortium (W3C) (Hrsg.): RDF Vocabulary Description Language1.0: RDF Schema [19] Fensel, D.: Semantic Web Enabled Web Services (SWWS)

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