Hamburger Kreditbarometer 2016 Ergebnisse der Sonderbefragung zur Kreditversorgung im Rahmen der Handelskammer-Konjunkturumfrage, I.

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1 2016 Ergebnisse der Sonderbefragung zur Kreditversorgung im Rahmen der Handelskammer-Konjunkturumfrage, I. Quartal 2016 Bestnoten für Fremdkapitalzugang von Kreditklemme keine Spur Was die größten Risiken für die eigene Geschäftsentwicklung in den kommenden zwölf Monaten anbelangt, benennen 8,4 % der von unserer Handelskammer befragten Hamburger Unternehmen den Punkt Finanzierungsschwierigkeiten. Dieser Wert entspricht in etwa dem Durchschnittswert der Quartalsbefragungen der letzten drei Jahre (ø 8,2 % seit dem 1. Quartal 2013). Im Vergleich zu anderen Geschäftsrisiken wie vor allem ungünstige wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, Inlandsnachfrage oder Fachkräftemangel wird deutlich, dass der Punkt Finanzierung seit Jahren eher eine untergeordnete Rolle spielt (s. Grafik 1). Grafik 1: Herausgeber: Handelskammer Hamburg Adolphsplatz Hamburg Tel. 040 / Bearbeitung: Dr. Torsten König und Andreas Müller Die aktuellen Ergebnisse des Hamburger Kreditbarometers und die Resultate der vorangegangenen Erhebungen stehen unter Dok. Nr als Download bereit. Zusätzliche Informationen zur Entwicklung der Hamburger Konjunktur finden Sie unter

2 Die Hamburger Wirtschaft zeigt sich auch im Frühjahr 2016 in einer insgesamt soliden Verfassung. Bei den Beurteilungen der gegenwärtigen und künftigen Geschäftslage, bei den Personal- und Investitionsplanungen sowie bei den Exportaussichten gibt es unter den von unserer Handelskammer befragten Unternehmen jeweils mehr positive als negative Stimmen. Alles in allem treten bei den meisten Hamburger Unternehmen seit Jahren keine Finanzierungsschwierigkeiten auf. Dennoch gilt es, insbesondere die Situation kleinerer Unternehmen und bestimmter Branchen im Blick zu behalten. Daher gibt es derzeit in jedem ersten Quartal eines Jahres eine Sonderbefragung zu Kreditkonditionen im Rahmen der vierteljährlichen Konjunkturerhebungen unserer Handelskammer. Hinweise zur Systematik des Kreditbarometers: Von den 637 Teilnehmern an der Konjunkturumfrage unserer Handelskammer ( Hamburger Konjunkturbarometer ) im I. Quartal 2016 haben sich 537 Unternehmen (84,3 %) im Rahmen der Sonderbefragung auch zu Finanzierungskonditionen geäußert. Das dargestellte Gesamtbild der Finanzierungskonditionen für die Hamburger Wirtschaft ergibt sich aus den nach Unternehmensgrößen gewichteten Stimmen der von unserer Handelskammer befragten Unternehmen der Real- und der Kreditwirtschaft. Die Realwirtschaft wird nach ihrem aktuellen Finanzierungszugang befragt, die Kreditinstitute nach ihrer Kreditvergabe. Ergebnisse für das Hamburger Kreditbarometer liegen für Befragungen zu folgenden Quartalsenden vor: III. und IV. 2008, III. und IV. 2009, I. bis IV. 2010, I. 2011, I. und III sowie jeweils für das I. Quartal der Jahre 2013 bis Ab dem I. Quartal 2012 wurden erstmals die Kategorien keine externe Finanzierung erhalten und keine externe Finanzierung benötigt abgefragt. Dies ist in den Grafiken entsprechend gekennzeichnet. 2

3 I. Finanzierungssituation aus Sicht der Hamburger Unternehmen 1. Zufriedenheit mit Kreditversorgung erreicht neuen Spitzenwert Was den Zugang zu externer Finanzierung betrifft, erhöht sich der positive Spitzenwert aus dem letzten Jahr erneut um knapp 5 Prozentpunkte: Im 1. Quartal 2016 hat fast jedes zweite Unternehmen den Zugang mit gut bewertet. Gleichzeitig ist bei den Ergebnissen für die Antwortmöglichkeiten befriedigend und schlecht ein leichter Rückgang abzulesen. Die Zahl der Unternehmen, welche keine externe Finanzierung erhalten haben, hat sich im Vergleich zu 1,7 % im Vorjahr auf nunmehr 0,9 % beinahe halbiert. Andererseits verringerte sich der Anteil jener Unternehmen, die keine externe Finanzierung benötigten, nur unwesentlich. Der Saldo aus der Differenz der Prozentanteile gut und schlecht / keine Finanzierung erhalten erreicht mit +42,2 den höchsten Wert der letzten Jahre. Grafik 2: Obwohl der Anteil an Unternehmen mit schlechtem oder keinem Zugang zu externer Finanzierung nach wie vor relativ gering ist, soll an dieser Stelle dennoch genauer aufgeführt werden, wo die Ursachen hierfür liegen. Folgende Haupthindernisse haben die betroffenen Betrieben genannt: eigener Finanzierungsanteil (33,5 %), Sicherheiten (32,4 %), Dokumentationspflichten (6,4 %) und Zinsen (6,1 %). Demnach scheinen Zinsen sowie Dokumentationspflichten für den Zugang zu Fremdfinanzierung für die Unternehmen insgesamt keine großen Probleme darzustellen. 3

4 2. Weiterhin große Unterschiede zwischen den Branchen Bei der Analyse des Zugangs zu externer Finanzierung lassen sich teils deutliche Unterschiede zwischen den Branchen erkennen. Das verarbeitende Gewerbe führt mit einem Saldo von +58,9 (Differenz der Prozentanteile gut und schlecht / keine Finanzierung erhalten ) die Liste an. Der aktuelle Saldo liegt damit noch höher als der bereits sehr positive Vorjahreswert (+51,2). Auch im Handel (Saldo von +47,4) ist der Zugang zu externer Finanzierung im 1. Quartal 2016 besser als für die Hamburger Wirtschaft insgesamt (+42,2). Der Saldo im Gastgewerbe (+8,8) liegt demgegenüber nicht ganz so deutlich im positiven Bereich. Zudem ist er im Vergleich zum Vorjahr (+13,7) noch einmal gesunken. Sowohl im Gastgewerbe als auch in der Medien- und IT-Branche fällt der relativ hohe Anteil an Unternehmen auf, die keine externe Finanzierung benötigen (40,3 bzw. 48,9 %). Grafik 3: 4

5 3. Spürbare Größenvorteile beim Fremdkapitalzugang Große Unternehmen ab 300 Mitarbeitern bewerten zum Ende des I. Quartals den Finanzierungszugang insgesamt am besten. Einem Anteil von 66,5 %, die ihn als gut beurteilen, stehen keine schlechten Bewertungen entgegen. Daraus resultiert mit ebenfalls +66,5 ein Saldo, der noch einmal spürbar über dem bereits hohen Wert des Vorjahres (+59,2) liegt. Auch der Saldo der mittelgroßen Unternehmen mit 50 bis 299 Beschäftigten liegt mit +45,6 klar im positiven Bereich und ist im Vergleich zum Vorjahr (+35,2) ebenfalls deutlich gestiegen. Nahezu unverändert fällt der Saldo mit aktuell +25,1 (Vorjahr: +25,5) bei den kleinen Unternehmen bis 49 Beschäftigten aus. Im Vergleich zu den mittelgroßen und großen Unternehmen ist zudem der Anteil der kleinen Unternehmen, der keine externe Finanzierung benötigt mit 39,5 % relativ hoch (Vorjahr: 40,8 %). Grafik 4: Bei Betrieben mit bis zu drei Beschäftigten ist der Saldo mit einem Wert von +17,9 zwar etwas geringer, aber wie schon im Vorjahr ebenfalls deutlich positiv. Interessanterweise ist der Anteil der Unternehmen in dieser Gruppe, der den Zugang zur externen Finanzierung als schlecht einschätzt (5,6 %) oder gar keine externe Finanzierung erhalten hat (1,2 %), sogar geringer als in der Gruppe aller Unternehmen bis 49 Beschäftigte (5,9 % und 1,7 %). Ausschlaggebend für den niedrigeren Saldo bei den kleinsten Unternehmen ist folglich der geringere Anteil an gut -Bewertungen (24,7 %). 5

6 4. Hamburger Existenzgründer greifen wieder mehr auf Fremdkapital zurück Fast 400 Existenzgründer haben im Jahr 2015 die individuelle Existenzgründungsberatung der Handelskammer Hamburg in Anspruch genommen. In einer anschließenden Umfrage (Rücklaufquote 15 %) gaben sie u. a. Auskunft darüber, ob sie für ihre Gründung ein Darlehen eines Kreditinstitutes beantragt haben (s. Grafik 5). Zum Zeitpunkt der Befragung hatten bereits 89 % der Umfrageteilnehmer ihren Geschäftsbetrieb aufgenommen. Dennoch hatten 61,5 % der befragten Existenzgründer noch kein Darlehen beantragt. Im Vergleich zum Vorjahr ist dieser Anteil allerdings um 13,5 Prozentpunkte deutlich gesunken. Demgegenüber ist der Anteil der Existenzgründer, die eine Finanzierung beantragt und diese auch erhalten haben, auf rund ein Drittel gestiegen (im Vorjahr knapp ein Fünftel). Ebenfalls gestiegen ist der Anteil derer, die ein Darlehen beantragt, aber nicht erhalten haben. Waren es im Vorjahr noch 5,4 %, so sind es aktuell 7,7 %. Grafik 5: 6

7 II. Entwicklung der Kreditvergabe aus Sicht der Kreditinstitute Insgesamt weiterhin positive Entwicklung bei leichter Abwärtstendenz Die Kreditvergabe für Investitionen ist bei 17,8 % der Hamburger Kreditinstitute im 1. Quartal 2016 im Vergleich zum Vorquartal gesunken. Im Gegensatz dazu verzeichnen 27,7 % eine Steigerung. Gleich geblieben ist die Kreditvergabe für Investitionen bei 54,5 % der Banken. Die Differenz zwischen dem Prozentanteil der gesunken -Antworten und dem Anteil der gestiegen -Antworten ergibt einen Saldo von +9,9, der sich im Vergleich zum Vorjahr (+26,4) erneut verringert hat. Die Entwicklung der Salden im Zeitverlauf ist Grafik 6 zu entnehmen. Grafik 6: Ein Saldo von +22,5 ergibt sich bei der Kreditvergabe für Betriebsmittel, da der Prozentanteil der gestiegen -Antworten (34,3 %) jenen der gesunken -Antworten (11,8 %) deutlich übersteigt. Als etwa gleich geblieben bewerten die Kreditvergabe für Betriebsmittel 53,9 % der Kreditinstitute. Wie schon in den Vorquartalen liegt der Saldo damit aktuell stabil auf einem relativ hohen Niveau. 7

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