Neben den oben beschriebenen Pflegmodellen, haben sich in den letzten Jahrzehnten zusätzliche Modelle entwickelt.

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1 22 Weitere Modelle \ Sunrise Modell nach Madeleine Leininger 6 Weitere Modelle Neben den oben beschriebenen Pflegmodellen, haben sich in den letzten Jahrzehnten zusätzliche Modelle entwickelt. Einige dieser Modelle werden nun exemplarisch beschrieben. 6.1 Sunrise Modell nach Madeleine Leininger Das Ziel der Pflege im Sunrise Modell ist es die Fürsorge und Pflege kulturkongruent zu gestalten. Leininger stellte fest, dass jede Kultur bestimmte Formen, Strukturen, Ausdrucksweisen und Muster der Fürsorge besitzt. Sie leitet daraus ab, dass es ein wesentlicher Teil professioneller Pflege ist, diese zu erkennen, um mit deren Hilfe das Wohlbefinden, die Gesundheit oder das Kranksein eines Menschen zu erkennen und zu erklären. Als Hilfestellung zur Informationsgewinnung hat Leininger unter anderem das Sunrise- Modell entworfen (siehe Abb. 4), in dem die Dimensionen und Faktoren, sowie deren innere Abhängigkeiten und gegenseitigen Beeinflussungen visualisiert. Das Modell beschreibt auch den Zusammenhang zwischen den Entscheidungs- und Handlungsformen. Die Informationssammlung im Sunrise-Prozess dauert so lange, bis alle Teile des Modells berücksichtigt wurden. Die Pfeile beschreiben mögliche Einflussnahmen und sind nicht als lineare Ursache-Wirkung- Prinzipien zu sehen. Für eine reflektierte Interaktion im Rahmen des Pflegeprozesses ist ein komplexer Wissenshintergrund notwendig. Nur so können Phänomene, deren Ausdruck und Bedeutung für den Patienten verstanden und reflektiert werden, und so die Bedürfnisse des Patienten erkannt und berücksichtigt werden. 28, Schröder, Caring Unterschiedliche Konzeptualisierungen und deren Implikationen für die Praxis (2004) Seite Mayer, Optimieren des Pflegeprozesses durch reflektierte Interaktion (2009) Seite 42-49

2 Weitere Modelle \ Sunrise Modell nach Madeleine Leininger 23 Abb. 4: Sunrise-Modell Leininger, Die Theorie der kulturspezifischen Fürsorge zur Weiterentwicklung von Wissen und Praxis der professionellen transkulturellen Pflege (1998) Seite 69

3 24 Weitere Modelle \ Psychobiographisches Pflegemodell nach Erwin Böhm 6.2 Psychobiographisches Pflegemodell nach Erwin Böhm Dieses Modell zielt darauf ab, ein vertieftes Pflegeverständnis zu gewinnen, das durch die Auseinandersetzung mit der Biographie des betroffenen Patienten erreicht wird. Unter reaktivierender Pflege nach Böhm versteht man, dem Patienten vertraute Handlungen über Emotionen wieder anzugewöhnen, damit dieser mobiler, agiler und damit selbständiger wird. Um ältere Menschen besser verstehen zu können, muss man die Prägung, welche im Zeitraum bis zum 25 Lebensjahre entsteht, beachten und berücksichtigen - Biographie. Böhm unterscheidet in seinem Modell sieben Stufen der Demenz, in denen sich ein Mensch befinden kann: 1. Stufe: Sozialisation - der normale Alte ο darunter versteht man ein lebenslanges Lernen, um sich den Normen in der Gesellschaft anpassen zu können ο in dieser Stufe befinden sich Menschen, die noch ein kognitives Gespräch zulassen ο ein Mensch in Stufe 1 hat auch ein Neugedächtnis, er kann sich zeitweise völlig normal zeigen, doch bei Anforderungen, die er nicht so gut bewältigen kann, wird er sich mit den alten Gewohnheiten behelfen 2. Stufe: Mutterwitz Lebensjahr ο unter Mutterwitz versteht man auch man spricht wie einem der Schnabel gewachsen ist ο Menschen in Stufe 1 oder 2 verstehen unser Wort ο wir können sie mittels aktivierender Pflege erreichen 3. Stufe: Seelische, soziale Grundbedürfnisse Lebensjahr ο alle Mangelerlebnisse, also Bedürfnisse werden hier von Bedeutung ο in dieser Stufe beginnt die Notwendigkeit zur Reaktivierung ο eine Person in Stufe 3 hat im Handeln schon vieles abgelegt, was man sonst von Erwachsenen erwartet ο die Impulssetzung muss so gestaltet werden, dass der Patient weder geistig, noch körperlich überfordert wird, sonst besteht die Gefahr des Abrutschens in tiefere Stufen 4. Stufe: Prägungen Lebensjahr ο Verhaltensweisen sind oft in engen zeitlichen Abschnitten erworben ο Prägungen sind erlernte, sich wiederholende, eingespielte Verhaltensnormen, es sind Rituale, die uns Sicherheit geben ο ein Mensch in dieser Stufe ist geprägt von seinen Eigenarten, Macken, Ritualen vieles davon als Kind erlebt und erlernt

4 Weitere Modelle \ Validation nach Naomi Feil Stufe: Triebe Lebensjahr ο bei Menschen in dieser Stufe, muss man darauf achten, was man einem Kind in diesem Alter zumuten kann ο Fördern durch Fordern ist wichtig ο die Mitgestaltung bei den Pflegeverrichtungen ist wichtig, durch die Reaktion kann der Pflegende überprüfen, ob die Anforderung stufengerecht war oder nicht ο es ist wichtig den Menschen psychisch aufleben zu lassen, er soll sich wehren, eine eigene Meinung haben und wieder lachen 6. Stufe: Intuition - Säuglings-/Kleinkindstufe ο in dieser Stufe spielen Märchen, Aberglaube, eine große Rolle ο die orale und anale Phase nehmen hier einen wichtigen Platz ein ο Intuition ist die Fähigkeit, sich in Menschen und Situationen hinein zu versetzen 7. Stufe: Urkommunikation Säuglingsstufe ο die emotionale Erreichbarkeit muss auf die Stufe des Säuglings abgestimmt sein ο die körperlichen Möglichkeiten sind auf diese beschränkt Für die Begleitung eines verhaltensauffälligen Klienten ist es wichtig, die Stufen klar zuzuordnen, um: den Menschen psychisch zu erreichen ihn besser zu verstehen Regression zu verhindern entsprechende Fördermaßnahmen aufbieten zu können reaktivierend eingreifen zu können Validation nach Naomi Feil Validation nach Feil ist eine spezielle Kommunikationsmethode, die Personen aller Professionen hilft, mit desorientierten oder dementen Menschen besser umgehen zu können. Validation ist eine Form des wertschätzenden Umgangs mit alten Menschen und zeigt auf, wie sie dadurch ihre Würde erhalten bzw. wiedererlangen können. In der Validation wird versucht, sich in die Erlebniswelt des sehr alten, desorientierten Menschen einzufühlen. Einen Menschen zu validieren bedeutet, seine Gefühle anzuerkennen, sie als gültig zu sehen. Grundlage der Validation bilden die drei Säulen der Validation: Empathie, die zehn Grundsätze und die 14 Techniken. 31 limitstart=2

5 26 Weitere Modelle \ Validation nach Naomi Feil Abb. 5: 3 Säulen der Validation 32 Unter Empathie versteht man die Fähigkeit, sich in die Gefühle, in die Lage und in die Handlungen anderer Menschen hineinzuversetzen. Empathie wird oft mit Einfühlungsvermögen umschrieben. Im Modell der Validation gibt es zehn Grundsätze und Werte (siehe Abb. 6), sie beschreiben die Kernüberzeugungen, aus denen die Methode Validation auch ihre 14 Techniken ableitet (siehe Abb. 7). 32 Rath, Validation in Theorie und Praxis (2001), Seite 31

6 Weitere Modelle \ Validation nach Naomi Feil 27 Abb. 6: Grundprinzipien der Validation 33 Feil unterscheidet vier verschiedene Stadien der Aufarbeitung der Vergangenheit. Diese vier Stadien sind der Schlüssel zur Klassifikation in der Validation. Die Stadien geben dem Validationsanwender auch Aufschlüsse über die einsetzbaren Techniken (siehe Abb. 7), die von Stadium zu Stadium variieren können. 33 Rath, Validation in Theorie und Praxis (2001), Seite 37

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