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1 sofid - Sozialwissenschaftlicher Fachinformationsdienst 02/2007 Allgemeine Soziologie GESIS-IZ Bonn 2007

2 Sozialwissenschaftlicher Fachinformationsdienst sofid

3 Allgemeine Soziologie Band 2007/2 bearbeitet von Helmut M. Artus GESIS-IZ Sozialwissenschaften Bonn 2007

4 ISSN: Herausgeber GESIS-IZ Sozialwissenschaften, Bonn bearbeitet von: Helmut M. Artus Programmierung: Udo Riege, Siegfried Schomisch Druck u. Vertrieb: GESIS-IZ Sozialwissenschaften Lennéstr. 30, Bonn, Tel.: (0228) Printed in Germany Die Mittel für diese Veröffentlichung wurden im Rahmen der institutionellen Förderung der Gesellschaft Sozialwissenschaftlicher Infrastruktureinrichtungen e.v. (GESIS) vom Bund und den Ländern gemeinsam bereitgestellt. Das GESIS-IZ ist eine Abteilung der Gesellschaft Sozialwissenschaftlicher Infrastruktureinrichtungen e.v. (GESIS). Die GESIS ist ein Institut der Leibniz- Gemeinschaft GESIS-IZ Sozialwissenschaften, Bonn. Alle Rechte vorbehalten. Insbesondere ist die Überführung in maschinenlesbare Form sowie das Speichern in Informationssystemen, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Einwilligung des Herausgebers gestattet.

5 Inhalt Vorwort...7 Sachgebiete 1 Allgemeines, allgemeine Theorien Gesellschaft und Gemeinschaft (allgemein) Sozialstruktur I: Struktur Sozialstruktur II: Prozeß Interaktion Soziologie-/Theoriegeschichte, Autoren/Klassiker, Theorien, Debatten etc Sonstiges Register Hinweise zur Registerbenutzung Personenregister Sachregister Institutionenregister Anhang Hinweise zur Originalbeschaffung von Literatur Zur Benutzung der Forschungsnachweise...173

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7 sofid Allgemeine Soziologie 2007/2 7 Vorwort Vorwort zum sofid Allgemeine Soziologie Das GESIS-IZ bietet mit dem Sozialwissenschaftlichen Fachinformationsdienst (sofid) zweimal jährlich aktuelle Informationen zu einer großen Zahl spezieller Themenstellungen an. Jeder sofid hat sein eigenes, meist pragmatisch festgelegtes Profil. Gewisse Überschneidungen sind deshalb nicht zu vermeiden. Quelle der im jeweiligen sofid enthaltenen Informationen sind die vom GESIS-IZ produzierten Datenbanken SOLIS (Sozialwissenschaftliches Literaturinformationssystem) sowie SOFIS (Forschungsinformationssystem Sozialwissenschaften - bisher FORIS). Die Datenbank SOLIS stützt sich vorwiegend auf deutschsprachige Veröffentlichungen, d.h. Zeitschriftenaufsätze, Monographien, Beiträge in Sammelwerken sowie auf Graue Literatur in den zentralen sozialwissenschaftlichen Disziplinen. In SOLIS ist bei einigen Hinweisen unter Standort eine Internet-Adresse eingetragen. Wenn Sie mit dieser Adresse im Internet suchen, finden Sie hier den vollständigen Text des Dokuments. Wesentliche Quellen zur Informationsgewinnung für SOFIS sind Erhebungen in den deutschsprachigen Ländern bei Institutionen, die sozialwissenschaftliche Forschung betreiben. Der Fragebogen zur Meldung neuer Projekte steht permanent im Internet unter zur Verfügung. Literaturhinweise sind durch ein "-L" nach der laufenden Nummer gekennzeichnet, Forschungsnachweise durch ein "-F". Im Gegensatz zu Literaturhinweisen, die jeweils nur einmal gegeben werden, kann es vorkommen, dass ein Forschungsnachweis in mehreren aufeinander folgenden Diensten erscheint. Dies ist gerechtfertigt, weil Forschungsprojekte häufig ihren Zuschnitt verändern, sei es, dass das Projekt eingeengt, erweitert, auf ein anderes Thema verlagert oder ganz abgebrochen wird. Es handelt sich also bei einem erneuten Nachweis in jedem Falle um eine aktualisierte Fassung, die Rückschlüsse auf den Fortgang der Arbeiten an einem Projekt zulässt. * * * Der vorliegende sofid unterscheidet sich prinzipiell von den meisten der übrigen sofids. Anders als bei den Bindestrich-Soziologien, die sich mit einzelnen Bereichen des Sozialen beschäftigen - z.b. Religion, Siedlung, Jugend, Kriminalität usw. -, befasst sich die allgemeine Soziologie mit den kategorialen und theoretischen Grundlagen der Soziologie: Gesellschaft, Struktur, System, Gruppe, Rolle, Schichtung, Mobilität, Wandel, Kontrolle, Anomie usw. usf. Letztlich sind es diese Kategorien, die den spezifisch soziologischen Ansatz definieren, die begrifflich-konzeptionell das umreißen, was Soziologie heißen soll und was nicht dazu gehört. Man könnte versucht sein, allgemeine Soziologie mit reine Soziologie zu übersetzen, als eine Beschäftigung mit Begriffen und Theorien, abgehoben von jedem konkreten empirischen Bezug.

8 8 sofid Allgemeine Soziologie 2007/2 Vorwort Der Idee nach ist das sicherlich nicht abwegig. Fraglich ist jedoch, ob eine solch rigide Interpretation zum Abgrenzungs- bzw. Entscheidungskriterium taugt. Ein Beispiel: Soziale Schichtung ist ein unverzichtbarer Begriff/ Sachverhalt der allgemeinen Soziologie. Aber: Wäre eine Studie zur sozialen Schichtung in Indonesien ebenso unverzichtbar für diesen sofid? Ich habe mich um eine pragmatische Lösung bemüht: Empirische Arbeiten werden (nur) dann berücksichtigt, wenn Kategorien der allgemeinen Soziologie nicht bloß zur Interpretation der Daten angewandt werden, sondern wenn - neben aller Empirie - auch ein Beitrag zur allgemeinen Soziologie geleistet wird. (Dabei gilt freilich immer das Prinzip in dubio pro.) Da es sich bei der allgemeinen Soziologie um eine genuin theoretische Teil-Disziplin handelt, deren Aktivitäten nur in den seltensten Fällen Projektform annehmen, dominieren im vorliegenden sofid die Veröffentlichungen; Forschungsprojekte finden sich nur ganz vereinzelt. Die Lieferung 2/99 hat erstmals eine Kapitelgliederung, die sich soweit wie möglich an der klassischen Lehrform der Allgemeinen Soziologie orientiert, aber trotzdem zuweilen ein wenig zwanghaft oder gar willkürlich erscheinen mag. Die hier vorgelegte Gliederung erschien mir aber von allen, die ich erwogen und in einer Reihe von Versuchen getestet habe, die geeignetste. Ich hoffe also, dass sie sich auch in der Praxis bewährt. Die Kapitel 2-4 beziehen sich im Wesentlichen auf die gesellschaftliche bzw. Makroebene: Kapitel 2 in unspezifischer Weise, Kapitel 3 auf den strukturellen, statischen Aspekt von Gesellschaft (Sozialstruktur, Schichtung, Klassengesellschaft etc.), Kapitel 3 auf den prozessualen, dynamischen Aspekt (sozialer Wandel, Strukturwandel, Transformation, Mobilität usw.). Damit ist die inhaltliche Differenz zum nachfolgenden Kapitel Interaktion wohl trennscharf genug.

9 sofid Allgemeine Soziologie 2007/2 9 1 Allgemeines, allgemeine Theorien 1 Allgemeines, allgemeine Theorien [1-L] Abels, Heinz: Interaktion, Identität, Präsentation: kleine Einführung in interpretative Theorien der Soziologie, (Lehrbuch), Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss. 2007, 208 S., ISBN: INHALT: "Die Einführung macht in verständlicher Sprache mit interpretativen Theorien vertraut. Es werden die wichtigsten Annahmen von George Herbert Mead zum Thema Identität und von Herbert Blumer zur symbolischen Interaktion dargestellt. Anschließend wird die phänomenologische Grundlegung der Soziologie durch Alfred Schütz nachgezeichnet und vor diesem Hintergrund die Theorie der gesellschaftlichen Konstruktion der Wirklichkeit von Peter L. Berger und Thomas Luckmann skizziert. Im letzten Teil wird die Ethnomethodologie nach Harold Garfinkel als eine Theorie des Handelns im Alltag vorgestellt und aus den Arbeiten von Erving Goffman Techniken der Präsentation behandelt." (Autorenreferat) [2-L] Aderhold, Jens; Kranz, Olaf (Hrsg.): Intention und Funktion: Probleme der Vermittlung psychischer und sozialer Systeme, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss. 2007, 351 S., ISBN: INHALT: "In diesem Band rücken Autoren aus den Bereichen der theoretisch und empirisch orientierten Soziologie, der Erziehungswissenschaft sowie aus Beratung und Politik jeweils eine Frage nach Verhältnissen in den Mittelpunkt ihres Interesses: Wie nehmen soziale Systeme auf ihre personale Umwelt Bezug? Wie ist das Selbstverhältnis sinnverwendender Systeme beschaffen? Wie können alltäglich lebende Menschen ihr Verhalten an sozialen Systemen orientieren, und welche Bedeutung ist diesen Orientierungsleistungen für soziale Prozesse beizumessen? Die zunächst in sozial- und interaktionstheoretischer Perspektive entwickelten Antworten werden exemplarisch für Aufklärungen des Erziehungssystems aufgegriffen, in dessen Kontext diese Fragestellungen besondere Brisanz gewinnen. Über diese Problematisierungen führen Beiträge hinaus, die das Verhältnis der funktional differenzierten Gesellschaft zu den Phänomenen der Eliten, der Gewalt des Terrorismus, der ökologischen Risiken, des Gewissens beziehungsweise der Sozialform der Gruppe einer funktionalen Analyse unterziehen. Schließlich geht es vor diesem Hintergrund um das Theorie-Praxis-Verhältnis: Wie werden die in einer spezifischen Praxis der Theorie erstellten Ergebnisse der gesellschaftlichen Praxis vermittelt, und auf welche praktischen Rezeptionsgepflogenheiten und Anschlusschancen treffen dabei theoriegeleitete Reflexionen?" (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Olaf Kranz und Jens Aderhold: Intention und Funktion: Probleme ihrer Vermittlung (7-18); Jürgen Markowitz: Referenz und Emergenz: Zum Verhältnis von psychischen und sozialen Systemen (21-45); Peter Fuchs: Die Grammatik sozialer Systeme (46-64); Olaf Kranz: Pragmatische Verhaltensintegration im Medium sozialer Kontextualität: Ein begriffsgeschichtlicher Rekonstruktionsversuch der soziologischen Analysen von Jürgen Markowitz (65-112); Rudolf Stichweh: Inklusion und Exklusion in der Weltgesellschaft: Am Beispiel der Schule und des Erziehungssystems ( ); Bernhard Koring: Pädagogische Orientierung, Orientierung der Pädagogik: Überlegungen zu den Grundformen pädagogischer Orientierung ( ); Volker Kraft: Operative Triangulierung und didaktische Emergenz: Zur Zeigestruktur der Erziehung ( ); Hartmann Tyrell und Raf Vanderstraeten: Familie und Schule: Zwei Orte der Erziehung ( ); Heinz-Elmar Tenorth: Soziologie als Bildungs-

10 10 sofid Allgemeine Soziologie 2007/2 1 Allgemeines, allgemeine Theorien theorie ( ); Jens Aderhold: Funktion von Eliten ( ); Dirk Baecker: Die Gewalt des Terrorismus ( ); Ortwin Renn: Abschied von der 'Risiko-Gesellschaft'? ( ); Helmut Thome: Luhmanns Reflexionen über das Gewissen: Anregungen für ein empirisches Projekt ( ); Rudolf Wimmer: Die Gruppe - ein eigenständiger Grundtypus sozialer Systembildung? Ein Plädoyer für die Wiederaufnahme einer alten Kontroverse ( ); Maren Lehmann: Systemtheorie als Hypothek ( ); Eckart Pankoke: Feldbeherrschung und Weltverantwortung: 'Strategisches Genie' und ziviles 'Wissensmanagement' ( ); Sven Thomas: Der Staat als politisches Organisationssystem: Was die Praxis von der Theorie lernen kann ( ). [3-L] Akrich, Madeleine; Latour, Bruno: Zusammenfassung einer zweckmäßigen Terminologie für die Semiotik menschlicher und nicht-menschlicher Konstellationen, in: Andréa Belliger, David J. Krieger (Hrsg.): ANThology : ein einführendes Handbuch zur Akteur-Netzwerk-Theorie, Bielefeld: transcript Verl., 2006, S , ISBN: (Standort: USB Köln(38)-33A7299) INHALT: Der Beitrag zur Akteur-Netzwerk-Theorie (ANT) liefert einen Überblick der Schlüsselbegriffe des Netzwerkansatzes mitsamt einer Kurzdefinition. Die Terminologie, die zur Aufhebung der Unterscheidung zwischen Mensch und Nicht-Mensch, also zur Gleichschaltung der Entitäten von Gesellschaft und Technik, beitragen soll, umfasst folgendes Wort- Instrumentarium: (1) Semiotik, (2) Setting, (3) Aktant, (4) Skript, Deskription, Inskription, Transkription, (5) Verschiebung nach außen und innen, (6) Handlungsprogramm, (7) Anti- Programme, (8) Präskription, (9) Subskription, (10) Circumskription, (11) Prä-Inskription, (12) Conskription, (13) Schnittstelle, (14) Re-Inskription, (15) Rückverteilung von Kompetenzen und Performanzen, (16) Menschen und Nicht-Menschen, (17) Askription, (18) Designer und Autor sowie (19) die beiden fundamentalen Dimensionen UND (syntagmatisch, Assoziation; Allianzen) bzw. ODER (paradigmatisch, Substitution, Übersetzung). (ICG2) [4-L] Albert, Gert: Idealtypen und das Ziel der Soziologie, in: Berliner Journal für Soziologie, Bd. 17/2007, H. 1, S (Standort: USB Köln(38)-XG07112; Kopie über den Literaturdienst erhältlich; URL: INHALT: "Michael Schmids Kritik an Webers Methodologie wird zum Anlass genommen, eine rationale Rekonstruktion der Weber'schen Lehre vom Idealtypus und den damit verbundenen Erkenntniszielen zu unternehmen. Schmids Thematisierung scheinbarer Ungereimtheiten der Weber'schen Methodologie dient als Prüfstein der vorgenommenen Rekonstruktion. Idealtypen werden hier rekonstruiert als nicht falsifizierbare, idealisierte theoretische Modelle im Sinne des non-statement view. Diese neuere wissenschaftstheoretische Auffassung trennt theoretische Modelle und theoretische Hypothesen. Erst die Anwendung theoretischer Modelle auf die Wirklichkeit hat hier Hypothesencharakter. Dabei lässt sich bei Weber eine dreistufige Erklärungskonzeption erkennen, die soziale Regeln, Handlungstypen und idealtypische Makrobegriffe umfasst. Das letzte Erkenntnisziel der Soziologie Webers besteht dabei in der makrosozial induzierten Formulierung sozialer Arten, die eine Kategorisierung handlungstheoretisch erklärter sozialer Regeln durch theoretisch vereinheitlichende idealtypische Makrobegriffe wie beispielsweise seine Herrschaftstypen erlaubt. Weber vertritt damit in Bezug auf

11 sofid Allgemeine Soziologie 2007/ Allgemeines, allgemeine Theorien Makrophänomene einen Arten-Realismus, der eine ontologische Ordnung der empirischen Wirklichkeit erlaubt. Objektiv gültige Wahrheit in Webers Kulturwissenschaft besteht damit in der zutreffenden Erfassung der kategorialen Ordnung sozialer Wirklichkeit und der Einordnung historischer Phänomene in diese idealtypischen Kategorien. Während Weber ontologisch einen Individualismus vertritt, zeigt die Rekonstruktion, dass er entgegen der herrschenden Auffassung methodologisch als Holist eingeordnet werden muss." (Autorenreferat) [5-L] Albert, Gert: Keines für alle!: die moderat holistische Alternative zu Hartmut Essers Modell der soziologischen Erklärung, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Jg. 59/2007, H. 2, S (Standort: USB Köln(38)-Haa00277-b; Kopie über den Literaturdienst erhältlich; URL: INHALT: "Der Beitrag stellt eine Antwort auf den in dieser Zeitschrift erschienenen Artikel 'Eines für alle(s)? Das Weber-Paradigma, das Konzept des moderaten methodologischen Holismus und das Modell der soziologischen Erklärung' (Jg. 58, 2006, S ) von Hartmut Esser dar und erläutert die grundsätzlichen Unterschiede zwischen Essers Modell der soziologischen Erklärung und dem Alternativmodell des moderaten methodologischen Holismus. Der Beitrag zeigt, dass Essers Modell das Konzept der Makrodetermination nicht zulässt. Essers Modell der soziologischen Erklärung verlangt im Vergleich mit dem moderat holistischen Alternativmodell eine andere Art der Berücksichtigung makrosozialer Strukturen und einen anderen Einbezug historischer Prozesse. Dies geschieht vor dem Hintergrund unterschiedlicher ontologischer und anthropologischer Grundannahmen." (Autorenreferat) [6-F] Backes, Uwe, Prof.Dr. (Bearbeitung): Typen der Autokratie INHALT: Auf der Grundlage einer allgemeinen Herrschaftssoziologie arbeitet der Autor an einer Typologie autokratischer (nicht-demokratischer) Systeme. Sie soll die Grundlage eines systematischen Vergleichs der Herrschaftsstrukturen autokratischer Systeme in Geschichte und Gegenwart (wie Theokratie, antike Tyrannis, Absolutismus, autoritäre Diktatur, Patrimonialismus, Sultanismus, Totalitarismus) bilden. Der totalitäre Regimetypus lässt sich auf diese Weise präziser in seinen Spezifika wie Gemeinsamkeiten mit anderen autokratischen Systemen erfassen. Auch geht es um eine differenziertere historische Einordnung der Autokratien (oder Diktaturen) des 20. Jahrhunderts. ART: keine Angabe AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe INSTITUTION: Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.v. an der Technischen Universität Dresden (01062 Dresden) KONTAKT: Bearbeiter (Tel , [7-F] Barkleit, Gerhard, Dr. (Bearbeitung): Reichweite und Wirkung von Invarianten bei der Installation totalitärer Herrschaft INHALT: Der Autor will die Reichweite und Wirkung von Invarianten bei der Installation totalitärer Herrschaft am Beispiel des ehemaligen Ostpreußen untersuchen, einer Region, in der ein

12 12 sofid Allgemeine Soziologie 2007/2 1 Allgemeines, allgemeine Theorien kompletter Austausch der Bevölkerung stattfand. GEOGRAPHISCHER RAUM: ehem. Ostpreußen ART: keine Angabe AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe INSTITUTION: Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.v. an der Technischen Universität Dresden (01062 Dresden) KONTAKT: Bearbeiter (Tel , [8-L] Beck, Martin: Rational Choice, in: Harald Barrios, Christoph H. Stefes (Hrsg.): Einführung in die Comparative Politics, München: Oldenbourg, 2006, S , ISBN: (Standort: UB Duisburg(464)-01PDB4600+1) INHALT: Der Autor markiert die wissenschaftstheoretischen und methodologischen Grundlagen des Rational-Choice-Ansatzes und konzentriert seine Darstellung auf die Anwendung dieses Ansatzes zur Lösung konkreter Probleme in der Politikwissenschaft. Der Ansatz des Rational Choice schlägt vor, dass politische Prozesse am besten unter Berücksichtigung der Interessen rationaler Akteure verstanden werden können. Er geht von den Schlüsselkategorien des intentionalen Verhaltens aus und setzt sich mit Theorien über scheinbar intentional bedingte Ereignisse auseinander. Abschließend werden die Chancen und die Grenzen des Konzept des subjektiven Zweckrationalismus thematisiert. (ICG) [9-L] Belliger, Andréa; Krieger, David J. (Hrsg.): ANThology: ein einführendes Handbuch zur Akteur-Netzwerk-Theorie, (Science Studies), Bielefeld: transcript Verl. 2006, 578 S., ISBN: (Standort: USB Köln(38)-33A7299) INHALT: "Der Band präsentiert 20 klassische Beiträge zur Akteur-Netzwerk-Theorie (kurz ANT), die zum ersten Mal gesammelt und in deutscher Sprache vorliegen. Es handelt sich dabei um Texte von Bruno Latour, John Law, Michel Callon und Madeleine Akrich, die über die letzten zwei Jahrzehnte die internationale Wissenschafts- und Technikforschung maßgeblich beeinflusst haben. Ergänzt um einen einführenden Überblicksartikel der Herausgeber bietet der Band eine umfassende Orientierung und Grundlage für das Verständnis einer der bedeutendsten neuen Sozialtheorien." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Andréa Belliger, David J. Krieger: Einführung in die Akteur-Netzwerk-Theorie (13-50); Michel Callon: Die Sozio-Logik der Übersetzung: Auseinandersetzungen und Verhandlungen zur Bestimmung von Problematischem und Unproblematischem (51-74); Michel Callon, Bruno Latour: Die Demontage des großen Leviathans: Wie Akteure die Makrostruktur der Realität bestimmen und Soziologen ihnen dabei helfen (75-102); Bruno Latour: Gebt mir ein Laboratorium und ich werde die Welt aus den Angeln heben ( ); Michel Callon: Einige Elemente einer Soziologie der Übersetzung: Die Domestikation der Kammmuscheln und der Fischer der St. Brieuc-Bucht ( ); Michel Callon: Die Soziologie eines Akteur-Netzwerkes: Der Fall des Elektrofahrzeugs ( ); Bruno Latour: Die Macht der Assoziation ( ); John Law: Technik und heterogenes Engineering: Der Fall der portugiesischen Expansion ( ); Jim Johnson: Die Vermischung von Menschen und Nicht-Menschen: Die Soziologie eines Türschließers ( ); Bruno Latour: Drawing Things Together: Die Macht der unveränderlich mobilen Elemente ( ); Michel Callon: Techno-ökonomische Netzwerke und Irreversibilität ( ); John Law: Monster, Maschinen und soziotechnische Beziehungen

13 sofid Allgemeine Soziologie 2007/ Allgemeines, allgemeine Theorien ( ); Bruno Latour: Technik ist stabilisierte Gesellschaft ( ); Madeleine Akrich, Bruno Latour: Zusammenfassung einer zweckmäßigen Terminologie für die Semiotik menschlicher und nicht-menschlicher Konstellationen ( ; Madeleine Akrich: Die De- Skription technischer Objekte ( ); John Law: Notizen zur Akteur-Netzwerk-Theorie: Ordnung, Strategie und Heterogenität ( ); John Law, Michel Callon: Leben und Sterben eines Flugzeugs: Eine Netzwerkanalyse technischen Wandels ( ); Bruno Latour: Über technische Vermittlung: Philosophie, Soziologie und Genealogie ( ); Bruno Latour: Sozialtheorie und die Erforschung computerisierter Arbeitsumgebungen ( ); Michel Callon: Akteur-Netzwerk-Theorie: Der Markttest ( ); Bruno Latour: Über den Rückruf der ANT ( ). [10-L] Belliger, Andréa; Krieger, David J.: Einführung in die Akteur-Netzwerk-Theorie, in: Andréa Belliger, David J. Krieger (Hrsg.): ANThology : ein einführendes Handbuch zur Akteur-Netzwerk-Theorie, Bielefeld: transcript Verl., 2006, S , ISBN: (Standort: USB Köln(38)-33A7299) INHALT: Der Beitrag zur Technik- und Wissenschaftssoziologie beschreibt die Grundzüge der Akteur-Netzwerk-Theorie (ANT), die sich mit dem Zusammenleben und Zusammenwachsen von Mensch und Technik befasst. Die bekannteste These der ANT ist dabei die methodologische Forderung, sämtliche Entitäten - Mensch wie technische Apparate - als soziale Entitäten zu behandeln. Im ersten Schritt wird zunächst auf die Relevanz der ANT im Zuge der Verwissenschaftlichung und Technisierung der Gesellschaft hingewiesen. Der zweite Schritt beschreibt die ANT als Kritik der Moderne: Als soziologische Wissenschaftsforschung steht sie in der Tradition der Wissenssoziologie, der Ideologiekritik und des Konstruktivismus und teilt somit ihren reflexiven, wissenschaftskritischen Standpunkt. Der dritte Schritt liefert eine wissenschaftliche Verortung, der zu Folge sich die theoretische bzw. methodische Position der ANT weder im Lager der Realisten noch der Konstruktivisten befindet. Die ANT beschreibt weder Gesellschaft noch Natur, sondern einen Prozess der Artikulation. Wissenschaft bildet hier einen besonderen Differenzierungsprozess im Medium von Sinn. Aus der Sicht B. Latours, einem der Protagonisten der ANT, artikuliert sich das Sinnsystem nicht nur in akustischer oder visueller Materialität als verbale oder geschriebene Sprache, sondern in der Bevölkerung der Welt mit Hybriden bzw. heterogenen Akteuren. Der vierte Schritt beleuchtet die Unterscheidung zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Akteuren, während der fünfte Schritt die Frage erörtert, welche Formen kommunikativer Handlungen zur Entstehung, Transformation und Auflösung von Netzwerken führen. Was müssen Akteure sein, damit sie in Netzwerke eingebunden werden können? Im sechsten Schritt werden abschließend die maßgeblichen Konsequenzen einer Anwendung der ANT auf die Gesellschaft skizziert: Gesellschaft wird durch Kollektiv ersetzt und die Subjekt-Objekt-Dichotomie wird ganz umgangen. (ICG2) [11-L] Boatca, Manuela: Die zu Ende gedachte Moderne: alternative Theoriekonzepte in den lateinamerikanischen und osteuropäischen Peripherien, in: Thomas Schwinn (Hrsg.): Die Vielfalt und Einheit der Moderne : kultur- und strukturvergleichende Analysen, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2006, S , ISBN: (Standort: UuStB Köln(38)-33A7512)

14 14 sofid Allgemeine Soziologie 2007/2 1 Allgemeines, allgemeine Theorien INHALT: Die Autorin vertritt die These, dass die US-amerikanische Modernisierungstheorie lediglich ein verhältnismäßig spätes Moment in einer Reihe globaler Designs darstellt, die der Herausbildung des modernen Weltsystems als ideologische Untermauerung gedient haben. Als Beweismaterial analysiert sie den Dependenzansatz und die Modernisierungsdebatte in Rumänien. In beiden Fällen wird die Brauchbarkeit von Dichotomien wie 'Zivilisation und Barbarei', 'Moderne und Feudalismus' in Frage gestellt und die historischen Umstände, die dieses Vokabular auszublenden half, ausgearbeitet. Vor diesem Hintergrund werden die Konsequenzen für eine angemessene Konzeptualisierung der Moderne abgeleitet und theoretischen Ansätze auf ihre Zukunftsfähigkeit hin überprüft. Die Pluralität der Moderne resultiert der Verfasserin zufolge aus ihrem relationalen Charakter, d.h. aus der Tatsache, dass sie seit ihrer Entstehung ein diametral entgegengesetztes 'Anderes' gebraucht und erschaffen hat. (ICG) [12-L] Brunner, Markus: Entfremdete Menschen, verdinglichte Verhältnisse: ein Streifzug durch die Geschichte eines gesellschaftskritischen Konzepts, in: Soz:mag : das Soziologie-Magazin, 2005, Nr. 8, S (URL: INHALT: "Sinn- und Trostlosigkeit, Langeweile, Leere, Einsamkeit, zuweilen überdeckt durch inhaltsleere Happiness oder übertriebene Geschäftigkeit - Entfremdung ist ein großes Thema in Film und Literatur, und sie war auch das Thema für die diesjährige Soziologie-Woche in Cortoi. Wie kaum ein anderer Begriff versucht derjenige der Entfremdung gesellschaftliches und subjektives Elend aufeinander zu beziehen, verkümmerte Existenzen und ihr Bewusstsein als Produkt ihrer sozialen Existenz zu begreifen. Der folgende Artikel unternimmt den Versuch, die wichtigsten Stationen der Begriffsbildung nachzuzeichnen." (Autorenreferat) [13-L] Callon, Michel; Latour, Bruno: Die Demontage des großen Leviathans: Wie Akteure die Makrostruktur der Realität bestimmen und Soziologen ihnen dabei helfen, in: Andréa Belliger, David J. Krieger (Hrsg.): ANThology : ein einführendes Handbuch zur Akteur-Netzwerk-Theorie, Bielefeld: transcript Verl., 2006, S , ISBN: (Standort: USB Köln(38)-33A7299) INHALT: Der Beitrag zur Akteur-Netzwerk-Theorie (ANT) will aufzeigen, was aus der Soziologie wird, wenn man T. Hobbes' zentrale Hypothese aus dem Leviathan beibehält (Beendigung des menschlichen Naturzustands 'Krieg jeder gegen jeden' durch einen Vertrag, den jeder mit allen abschließt) - vorausgesetzt man ersetzt den Vertrag durch ein allgemeines Übersetzungsgesetz. Wie kann man die Gesellschaft beschreiben, wenn das Ziel in der Analyse der Konstruktion von Größenunterschieden zwischen Mikro- und Makro-Akteuren besteht? So wird im ersten Abschnitt versucht, folgendes Paradoxon zu lösen: wenn alle Akteure isomorph sind und keiner von Natur aus größer oder kleiner ist, wieso stellen sie dann entweder Makro-Akteure oder Individuen dar? Im zweiten Abschnitt wird untersucht, wie Akteure zuund abnehmen und wie die vorgeschlagenen Methoden dazu befähigen, ihnen durch ihre verschiedenen Größestadien zu folgen, ohne den Analyserahmen ändern zu müssen. Im dritten Abschnitt wird abschließend die Rolle der Soziologen in solchen Veränderungen der relativen Größe etwas detaillierter betrachtet. (ICG2)

15 sofid Allgemeine Soziologie 2007/ Allgemeines, allgemeine Theorien [14-L] Callon, Michel: Akteur-Netzwerk-Theorie: Der Markttest, in: Andréa Belliger, David J. Krieger (Hrsg.): AN- Thology : ein einführendes Handbuch zur Akteur-Netzwerk-Theorie, Bielefeld: transcript Verl., 2006, S , ISBN: (Standort: USB Köln(38)-33A7299) INHALT: Oft wird argumentiert, die Akteur-Netzwerk-Theorie (ANT) versage, wenn sie eine befriedigende Theorie des Akteurs anbieten soll, der ihr zufolge entweder mit endloser Macht ausgestattet ist oder dem überhaupt jeder Handlungsspielraum vorenthalten wird. Das Ziel des Beitrags ist es nun zu zeigen, dass im Fehlen einer Theorie des Akteurs, wenn sie in der Beschreibung von Handeln mit der Nicht-Menschen zugeschriebenen Rolle verbunden wird, genau eine der Stärken der ANT liegt, deren Erhalt von höchster Wichtigkeit ist. Der Grund dafür ist, dass diese Kombination die Erklärung der Existenz und der Arbeitsweise wirtschaftlicher Märkte ermöglicht. Jeder bestimmte Markt ist die Folge von Entwirrung, Rahmung, Internalisierung und Externalisierung. Die ANT macht es möglich, diese Operationen und die Emergenz berechnender Agenten zu erklären. Der homo oeconomicus ist weder eine pure Erfindung noch der blasse Abklatsch einer realen Person. Er existiert tatsächlich, aber er ist die Konsequenz eines Prozesses, in dem Wirtschaftswissenschaft eine aktive Rolle spielt. Die Ausführungen machen deutlich, dass die ANT einen der anspruchsvollsten Tests bestanden hat: den des Marktes. (ICG2) [15-L] Callon, Michel: Einige Elemente einer Soziologie der Übersetzung: Die Domestikation der Kammmuscheln und der Fischer der St. Brieuc-Bucht, in: Andréa Belliger, David J. Krieger (Hrsg.): ANThology : ein einführendes Handbuch zur Akteur-Netzwerk-Theorie, Bielefeld: transcript Verl., 2006, S , ISBN: (Standort: USB Köln(38)-33A7299) INHALT: Der Beitrag zur Akteur-Netzwerk-Theorie (ANT) umreißt einen neuen Ansatz zur Untersuchung von Machtverhältnissen: die Soziologie der Übersetzung. Ausgehend von drei Prinzipien, (1) vom Agnostizismus (Unparteilichkeit zwischen den in der Kontroverse engagierten Akteuren), (2) von der generalisierten Symmetrie (Verpflichtung, widersprüchliche Gesichtspunkte in der gleichen Terminologie zu erklären) und (3) von der freien Assoziation (Vermeidung aller a-priori-unterscheidungen zwischen dem natürlichen und dem Sozialen) wird eine wissenschaftliche und ökonomische Kontroverse über die Gründe für den Rückgang der Population von Kammmuscheln in der St. Brieuc-Bucht und die Versuche dreier Meeresbiologen, für diese Population eine Regenerationsstrategie zu entwickeln, beschrieben. In den Versuchen dieser Forscher werden im Übersetzungsprozess vier Momente unterschieden, die dazu dienen, sich selbst und ihre Definition der Situation auf andere zu übertragen: (1) Problematisierung - die Forscher versuchen in diesem Drama für andere Akteure unentbehrlich zu werden, indem sie die Natur und deren Probleme definieren und davon ausgehen, dass diese gelöst werden, wenn die Akteure durch den obligatorischen Passagepunkt (OPP) des Forschungsprogramms der Wissenschaftler hindurchgehen; (2) Interessement - eine Reihe von Prozessen, durch die die Forscher die anderen Akteure auf die für sie in diesem Programm vorgesehenen Rollen zu fixieren suchen; (3) Enrolement - ein Set von Strategien, durch welches die Forscher die zahlreichen Rollen, die sie anderen zugewiesen haben, zu definieren und zueinander in Beziehung zu setzen suchen; (4) Mobilisierung - ein Set von Methoden, die von den Forschern angewandt werden, um sicherzustellen, dass ausgewählte Sprecher der verschiedenen relevanten Gruppierungen fähig sind, diese Gruppierungen zu

16 16 sofid Allgemeine Soziologie 2007/2 1 Allgemeines, allgemeine Theorien repräsentieren und nicht von diesen hintergangen werden. Zum Schluss wird darauf hingewiesen, dass Übersetzung niemals eine vollendete Realisierung, sondern ein Prozess ist, welcher (wie in der behandelten empirischen Fallstudie) scheitern kann. (ICG2) [16-L] Callon, Michel: Die Sozio-Logik der Übersetzung: Auseinandersetzungen und Verhandlungen zur Bestimmung von Problematischem und Unproblematischem, in: Andréa Belliger, David J. Krieger (Hrsg.): ANThology : ein einführendes Handbuch zur Akteur-Netzwerk-Theorie, Bielefeld: transcript Verl., 2006, S , ISBN: (Standort: USB Köln(38)-33A7299) INHALT: Der Beitrag zur Akteur-Netzwerk-Theorie (ANT) befasst sich mit der Identifizierung von Problemen im Zuge des Forschungsprozesses und der Frage nach der Trennungslinie zwischen dem, was sozial, und dem, was als technisch betrachtet wird. Während dieser anfänglichen Auseinandersetzungen werden Forschungsprobleme und die Gruppen, die sich ihrer annehmen, gleichzeitig determiniert. Soziale und kognitive Strukturen werden im selben Schmelztiegel definiert. Obwohl sie sehr unterschiedlich sind, sind beide Nebenprodukte derselben Reaktion. Die Ausführungen zeigen die Relevanz dieser Perspektive auf, wobei sich die Untersuchung auf zwei Themen konzentrieren: (1) die Beschreibung der Mechanismen, durch die Realität problematisiert wird, also die 'Kräfte der Problematisierung' und (2) die Analyse der Beziehungen zwischen verschiedenen Kräften der Problematisierung und der allgemeinen Mechanismen, durch die Probleme sich aufdrängen. Die Betrachtung orientiert sich an den französischen Arbeiten über Brennstoffe. Diese Forschungen werden in den späten 1950er Jahren begonnen und beschäftigen zehn Jahre lang viele Wissenschaftler, die innerhalb von Universitäten, in Laboratorien des CNRS und in Forschungszentren von Großfirmen tätig sind. Bei der Rekonstruktion der Entwicklung dieser Forschung wird auf die Berichte verschiedener Laboratorien und die Dokumentensammlung der DGRST zurückgegriffen, ferner werden Interviews mit den Hauptprotagonisten geführt. Unter Verwendung des Konzepts der problematischen Situation mit seiner Unterscheidung zwischen einer Zone der Fusion und einer Zone der Spaltung kann man die natürliche Opposition überschreiten, die oft zwischen dem Sozialen einerseits und dem Kognitiven andererseits wirkt. Zusätzlich ermöglicht das Konzept der Problematisierung eine Diskussion über die Bedeutung der Soziologie des Inhalts. (ICG2) [17-L] Daiker, Christian: Zur Simulation sozialer Systeme mittels systemtheoretischer Mechanismen: eine Makrosimulation mit STELLA, in: Soziale Systeme : Zeitschrift für soziologische Theorie, Jg. 12/2006, H. 1, S (Standort: USB Köln(38)-M XG 07784; Kopie über den Literaturdienst erhältlich) INHALT: "Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, Luhmanns soziologische Systemtheorie in einem Computermodell abzubilden. Aus verschiedenen theoretischen Blickwinkeln werden dazu 'Mechanismen' formuliert und zu einem Modell zusammengeführt, das aus vier sozialen Systemen besteht. Der Ausgangspunkt der Modellierung ist die Beschreibung sozialer Systeme als Bestandsgrößen mit Zu- und Abflüssen. Die Höhe der Zu- und Abflüsse bestimmt sich aus den 'Mechanismen' Systemkonkurrenz, strukturelle Koppelungen, Anschlussfähigkeit, Komplexitätsausgleich und der historischen Ausdifferenzierung. Basierend auf diesen Me-

17 sofid Allgemeine Soziologie 2007/ Allgemeines, allgemeine Theorien chanismen wird das Modell 'Gesellschaft 1', bestehend aus den Systemen Wirtschaft, Recht, Politik und Religion entwickelt und die absolute und relative Bestandsentwicklung untersucht. Das Modell 'Gesellschaft 2' baut auf dem Modell 'Gesellschaft 1' auf und variiert Werte für die Anschlussfähigkeit; außerdem wird getestet, inwieweit die Verhaltensweisen des Modells mit der 'Realität' übereinstimmen könnten." (Autorenreferat) [18-L] Deichsel, Alexander: Soziologie als Führungslehre, in: Tönnis-Forum : Mitglieder-Rundbrief der Ferdinand-Tönnies- Gesellschaft e.v., Jg. 15/2006, H. 1/2, S INHALT: Gegenstand der Soziologie sind für den Autor "soziale Lebewesen". Niemand hat dies aus seiner Sicht klarer herausgearbeitet als Ferdinand Tönnies. Die Soziologie als Lehre von den "hyperorganischen Gestaltsystemen" gewinnt so jenen Gegenstand, den die Sozialwissenschaften systematisch bearbeiten - das Soziale. Soziologie als "Lehre von der Gesellschaft" ist aus dieser Perspektive eine irreführende Einschränkung ihres Geltungsbereiches, "weil die Beschränkung auf dominant gesellschaftliches Wollen die der Soziologie eigene Erkenntnistiefe nicht erreicht". Eine so argumentierende Soziologie wird als "vortoennniesianisch" qualifiziert. Von dieser Bestimmung der Soziologie geht der Autor das Thema "Neuordnung sozialer Leistungen" an. Dazu wird das Wort "sozial" umgangssprachlich verwendet, "um den Soziologen erstens ihren Gegenstand wieder zur Verfügung zu stellen und um sie zweitens auf ihre Expertenrolle und die damit verbundene Professionalität zu verpflichten". Nachdem der Autor "der Soziologie wieder ihren Gegenstand zurückzugeben hat" widmet er sich der "Führung von Sozialen Gestalten". Auch hier wird wieder Tönnies bemüht, "der derartige reale Körper der kulturellen Natur zu kräftigen vermag". Hier soll die Zukunft der "Soziologie als Führungslehre" liegen. (ICA2) [19-L] Deitelhoff, Nicole: Überzeugungen in der Politik: Grundzüge einer Diskurstheorie internationalen Regierens, (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft), Frankfurt am Main: Suhrkamp 2006, 347 S., ISBN: INHALT: Die Diskurstheorie von Jürgen Habermas hat in den vergangenen Jahrzehnten in der Politikwissenschaft eine breite Debatte provoziert, insbesondere in der Politischen Theorie der Internationalen Beziehungen. Das vorliegende Buch führt diese Diskussionen zusammen, um Grundzüge einer Diskurstheorie des internationalen Regierens zu entwickeln. In einer handlungstheoretisch angeleiteten Rekonstruktion der Verhandlungen, die zur Errichtung des Internationalen Strafgerichtshofs geführt haben, identifiziert die Autorin "Inseln" der Überzeugung und Argumentation innerhalb vermachteter Kommunikationsformen, die sich als "gelungene Diskurse" beschreiben lassen und die den Verlauf und das Ergebnis der Verhandlungen folgenreich durchdringen. Die Autorin löst dazu die Handlungstheoriedebatte dahingehend auf, dass der Sozialkonstruktivismus als einzige Metatheorie verbleibt, die aber auf die "Theorie kommunikativen Handelns" umgestellt wird. Die zugrunde liegende primäre Handlungslogik ist folgerichtig die "Logik der Verständigung", während alternative Handlungslogiken, wie die "Logik der Konsequenzen" oder die "Logik der Angemessenheit", bereits Unterformen darstellen, die auf bestimmte Kontextbedingungen bzw. deren Fehlen verweisen. (ICA2)

18 18 sofid Allgemeine Soziologie 2007/2 1 Allgemeines, allgemeine Theorien [20-L] Diaz-Bone, Rainer: Die interpretative Analytik als methodologische Position, in: Brigitte Kerchner, Silke Schneider (Hrsg.): Foucault: Diskursanalyse der Politik : eine Einführung, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2006, S , ISBN: (Standort: UB Bonn(5)-2007/2698) INHALT: Der Beitrag vertritt die These, dass die methodologische Position Foucaults sich als eine fortgeschrittene Form des französischen Strukturalismus verstehen lässt, nicht als dessen Überwindung. Der Strukturalismus ist - entgegen seiner insbesondere deutschen Rezeption - nur anfänglich eine Metaphysik geschlossener und universeller Strukturen. Die "interpretative Analytik" wird dabei als die methodologische Praxis verstanden, die sich in den Arbeiten Foucaults und seinen Haltungen manifestiert, die aber Resultat des französischen Feldes der Geistes- und Sozialwissenschaften in den 1960er und dann 1970er Jahren ist, in welches Foucault eingebettet war und in dem das "Phänomen Foucault" möglich wurde. Der vorliegenden Rekonstruktion der "interpretativen Analytik" geht es also nicht um einen neuen (nun nur methodologisch interessierten) "Biografismus", sondern um eine Berücksichtigung des Diskursraumes, in dem und mit dem die "Autorfunktion Foucault" gearbeitet hat und möglich geworden ist und damit um eine Berücksichtigung des intellektuellen Feldes, in dem Foucault immer dicht vernetzt und integriert war - entgegen einer möglichen anderen Außenwahrnehmung. (ICA2) [21-L] Florian, Michael: Die Self-fulfilling prophecy als reflexiver Mechanismus: Überlegungen zur Reflexivität sozialer Praxis, in: Marco Schmitt, Michael Florian (Hrsg.): Reflexive soziale Mechanismen : von soziologischen Erklärungen zu sozionischen Modellen, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2006, S , ISBN: (Standort: UB Bochum(294)-CXA14336) INHALT: Der Verfasser geht von der Feststellung aus, dass die umfangreiche Literatur zum Konzept sozialer Mechanismen noch keine allgemein anerkannte Definition hervorgebracht hat. Gemeinsamkeiten hinsichtlich einer verbindlichen Bestimmung lassen sich vor allem auf die Aspekte der Prozesshaftigkeit, Kausalrelation und Mehrebenendifferenzierung erkennen. Vor dem Hintergrund des prominentesten Beispiel Mertons eines sozialen Mechanismus', der 'sich selbst erfüllenden Prophezeiung', wird argumentiert, dass die Wirkungsweise der sich selbst erfüllenden Prophezeiungen durch ein Konzept linear wirkender Sozialmechanismen nicht zufriedenstellend erklärt werden kann. Stattdessen benötigt die soziologische Erklärung dieses Phänomens ein Konzept reflexiver Mechanismen, das die Eigendynamik des Selbsterfüllungsprozesses besser berücksichtigt. Es wird der Beitrag von R. Merton und von P. Bourdieu für die Erklärung der sozialen Eigendynamik der Selbsterfüllung analysiert und die Bedeutung sozialer Selbstverstärkungsprozesse für die soziologische Erklärung und die soziale Konstruktion und Destruktion von Vertrauen untersucht. Die Selbsterfüllung ist demnach begründet in der wechselseitigen Stimulation und 'interaktiven Rückkopplung' zwischen den Aktion-Reaktion-Sequenzen der Akteure. Dadurch wird die Unterscheidung von linearen und reflexiven Mechanismen abgeleitet. Schließlich wird nachgewiesen, dass der Schlüssel zum Verständnis und zur Erklärung der Selffulfilling Prophecy die soziale Genese und Wirksamkeit eines kollektiven Glaubens- und Wissenssystems ist, das in der Lage ist, die Akteure dazu zu bringen, fragwürdige oder falsche Realitätsdefinitionen für wahr zu nehmen. (ICG2)

19 sofid Allgemeine Soziologie 2007/ Allgemeines, allgemeine Theorien [22-L] Fuchs, Peter: Die Grammatik sozialer Systeme, in: Jens Aderhold, Olaf Kranz (Hrsg.): Intention und Funktion : Probleme der Vermittlung psychischer und sozialer Systeme, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2007, S , ISBN: INHALT: Der Autor greift den Begriff des Epigramms von Jürgen Markowitz auf, den er im Sinne einer sozialen Wiedererkennbarkeit interpretiert. Die Autopoiesis sinnbasierter Systeme versteht er als Figur der Inszenierung einer Zeitreihe, was seiner Meinung nach folgende Fragen aufwirft: Wie können autopoietische Systeme, welche "Sinnwolken" ohne Zentrum sind, für sich selbst erkennbar sein und sich anderen Systemen desselben Typs zu erkennen geben? Wie können sie eine (Epi-) Grammatik ihrer selbst entwickeln und Wiederansteuerbarkeiten nach innen und nach außen ermöglichen? Der Autor spricht in diesem Zusammenhang auch von einer "Selbstphänomenalisierung" von Sinnsystemen. Er beleuchtet die Strukturen einer Grammatik, mit deren Hilfe Selbstvereinfachungen generiert werden können und welche an die Differenzierungsformen der sozio-kulturellen Evolution gekoppelt ist. Er führt den Ansatz von Jürgen Markowitz weiter, indem er den Begriff des sozialen Epigramms in den Kontext neuerer Theorieentwicklung stellt und dabei stärker den Sinn der Wiedererkennbarkeit im Begriff des Epigramms hervorhebt. (ICI2) [23-L] Galindo, Jorge: Zwischen Notwendigkeit und Kontingenz: theoretische Selbstbeobachtung der Soziologie, (Forschung Gesellschaft), Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss. 2006, 210 S., ISBN: (Standort: USB Köln(38)-33A7302) INHALT: Die Soziologie der Soziologie stellt den weiteren Rahmen der Studie dar. Unter den wissenssoziologischen Grundlagen werden die Beiträge der Klassiker sowie die Institutionalisierung der Wissenssoziologie analysiert. Gesellschaftliche Strukturierung stellt ein weiteres Thema der Untersuchung dar. Hier werden die unterschiedlichen Konzepte zum Problem der Struktur wie das Proletariat als Subjekt der Geschichte (Karl Marx und Friedrich Engels), die Unterscheidung zwischen Form und Inhalt in der Soziologie von Georg Simmel, die Soziologisierung von Immanuel Kant (Emile Durkheim), das Handlungssystem (Talcott Parsons), der Strukturalismus von Claude Levi-Strauss sowie die Muster der Revolten gegen die Struktur anhand der Konzepte von Erving Goffman, Harold Garfinkel und Pierre Bourdieu präsentiert. Anhand der Analyse von zentralen konzeptuellen Bezugsproblemen der soziologischen Theorie zeigt der Autor die rekursiven Verhältnisse, die es in der sozialen Welt zwischen Notwendigkeit und Kontingenz gibt. Sowohl im Fall der Strukturierung als auch im Fall der Differenzierung wird der Raum des Möglichen durch die praktische Dynamik der Kommunikation eingeschränkt. Da in der modernen Gesellschaft eine dramatische Überwindung des lokalen Raumes und eine unglaubliche Steigerung der sachlichen Differenzierung der Gesellschaft stattgefunden hat, wird der körperbezogene Habitus ständig herausgefordert. Die Spannung zwischen dem Tempo des körperbezogenen Habitus und dem Tempo der Kommunikation haben zu qualitativ neuen Verhältnissen zwischen Notwendigkeit und Kontingenz in der sozialen Welt geführt. Im Fall der Gesellschaftsdifferenzierung wird der Raum der Programmierungsmöglichkeiten durch die aus der praktischen Logik der Felder abgeleitete Asymmetrisierung der Kommunikationsmöglichkeiten eingeschränkt. Die Spannung, die es zwischen Notwendigkeit und Kontingenz gibt, lässt sich sehr deutlich anhand der widersprüchlichen Verhältnisse zwischen einer sachlichen Differenzierung funktionaler Art und einer von Un-

20 20 sofid Allgemeine Soziologie 2007/2 1 Allgemeines, allgemeine Theorien gleichheit geprägten sozialen Differenzierung beobachten. Der Autor sieht die kritische Leistung der Soziologie in der permanenten Infragestellung des üblichen Bildes der sozialen Welt. (ICG) [24-F] Gerth, Michael, Dr. (Bearbeitung): Luhmann verstehen INHALT: Das Projekt entwickelt eine interaktive Einführung in Niklas Luhmanns 'Theorie autopoietischer Systeme' (auf CD-ROM). Es füllt damit eine Lücke, deren Existenz seit längerem bekannt ist und beklagt wird: Eines der folgenreichsten theoretischen Konzepte der Gegenwart ist, konventionell gelehrt, zu schwierig, um das Publikum zu erreichen, welches er verdient hätte. ART: gefördert AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: Freistaat Sachsen Staatsministerium für Kultus INSTITUTION: Universität Leipzig, Fak. für Sozialwissenschaften und Philosophie, Institut für Politikwissenschaft (Beethovenstr. 15, Leipzig) KONTAKT: Bearbeiter (Tel , [25-L] Gross, Lucas: Das Aufbrechen des "Subjekts": Identitätskritik und Subjektkonstitution, in: Soz:mag : das Soziologie-Magazin, 2006, Nr. 9, S (URL: gross.pdf) INHALT: "Von 'Subjekt' wird gesprochen, um auf jene Form zu verweisen, in welcher das menschliche Wesen als ein gesellschaftliches erscheint. Das Aufbrechen des 'Subjekts' ist in einem doppeldeutigen Sinne zu verstehen: Es meint einerseits ein Zerbrechen starrer Identitäten und kategorialer Einteilungen und andererseits ein Ausbrechen des Einzelnen aus diesen reglementierenden Umständen. Allerdings wird der Begriff des 'Subjekts' nichts desto trotz als Denkbestimmung oder Reflexionskategorie gebraucht, um überhaupt von gesellschaftsund erkenntnistheoretischen Dingen sprechen zu können und, nicht zu vergessen, um politisches Handeln zu organisieren. Der Versuch, diese Problematik auszuloten, ereignet sich - mittels den Ansätzen von Nietzsche, Marx, Adorno und Foucault - in einem Wechselspiel von Konstitution und Kritik, jenseits von Erstarrung in dogmatischer Identität oder beliebigem Relativismus." (Autorenreferat) [26-L] Hartig-Perschke, Rasco: Kommunikation, Kausalität, Struktur - zur Entstehung sozialer Mechanismen im Modus kommunikativ vermittelter Reflexivität, in: Marco Schmitt, Michael Florian (Hrsg.): Reflexive soziale Mechanismen : von soziologischen Erklärungen zu sozionischen Modellen, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2006, S , ISBN: (Standort: UB Bochum (294)-CXA14336) INHALT: Der Autor analysiert die Strukturemergenz auf der Basis kommunikativer Reflexivität. Er macht darauf aufmerksam, dass es sich bei sozialen Mechanismen, die auf Gesetzmäßigkeiten des Handelns beruhen, nur um 'fungierende Ontologien' handeln kann, die immer erst

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