3 Der Außenhandel der EU als Teil des Welthandels. 3.1 Entwicklung des Welthandels nach Industrie- und Entwicklungsländern

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1 1 3 Der Außenhandel der EU als Teil des Welthandels 3.1 Entwicklung des Welthandels nach Industrie- und Entwicklungsländern Literatur: Dieckheuer (2001), S Wagner (2003), S. 4 7

2 2 (1) Entwicklung des Welthandels insgesamt (a) Entwicklung bis starke Intensivierung der weltwirtschaftlichen Beziehungen zunächst in Europa dann in Nordamerika und Japan - u.a.: schnelle Zunahme des Welthandels (b) starke Abnahme des Welthandels - Ursachen: 1. Weltkrieg Weltwirtschaftskrise 1928/33 allein in dieser Periode Rückgang des Welthandelsvolumens um 2/3 des Stands von 1928/29 Protektionismus 2. Weltkrieg (c) starkes Wachstum des Welthandels - Ursachen: Abbau staatlicher Handelshemmnisse: Liberalisierung des Außenhandels insbes. durch multilaterale Abkommen, welche Protektionismus reduzierten (i) GATT (II) Währungssystem von Bretton Woods (III) EWG Abbau natürlicher Handelshemmnisse durch technischen Fortschritt (Kommunikations- und

3 3 Informationstechnik; Transporttechnik) Senkung der Informations- und Transaktionskosten Wirtschaftswachstum (d) Seit anhaltendes Wachstum - insbesondere: robustes Wachstum, denn globale Probleme wurden verkraftet Ölpreisanstieg 1973/74 und 1979/80 Zusammenbruch des Währungssystems von Bretton Woods - gemessen am Exportvolumen ist der Welthandel zwischen 1970 und 2000 um etwa 350 % gestiegen. Quelle: Dieckheuer (2001), S. 19

4 4 (2) Entwicklung des Welthandels nach Regionen (a) Wachstum der regionalen Exportvolumina - Industrieländer: ca. 350 % wie Welthandel insgesamt - stärkstes Wachstum: Asien (nur Entwicklungs- und Schwellenländer ohne Japan) Beginn Mitte der 70er mit vier kleinen Tigern (Singapur, Taiwan, Hongkong, Südkorea) ab Mitte der 80er auch andere asiatische Länder aber: gebremst durch sog. Asienkrise Lateinamerika: starkes Wachstum (fast wie Asien) seit Anfang der 90er Jahre Gründe: (i) (ii) Überwindung der Schuldenkrise politische und binnenwirtschaftliche Stabilisierung (iii) Integration Mexikos in die NAFTA (iv) Errichtung der südamerikanischen Freihandelszone MERCOSUR - Afrika: nur 2 % Wachstum der Exporte p.a. im Durchschnitt

5 5 (b) Regionale Anteile am Welthandel - die unterschiedlichen Wachstumsraten der regionalen Exporte führten zu einer Verschiebung der regionalen Exportanteile hier: Vergleich des Anteils im Durchschnitt der Jahre mit dem der Jahre Industrieländer (25 Länder) praktisch unverändert mehr als zwei Drittel aller Exporte! - Lateinamerika: unverändert - Afrika: gesunken - Asien: stark gestiegen - Rest: deutlich gesunken OPEC: Ölpreis gesunken COMECON: Zusammenbruch des Wirtschaftssystems Quelle: Dieckheuer (2001), S. 20

6 6 (3) Handelsquoten Vgl zum Folgenden Wagner (2003), S. 4 7 (a) Definition: Anteil der Exporte oder der Importe oder von deren Summe am BIP EX IM EX IM,, + BIP BIP BIP hier: nur Exporte und Importe von Waren (b) Interpretation: EX BIP : Bedeutung des Auslands als Absatzmarkt IM BIP : Bedeutung des Auslands als Anbieter, Lieferant EX + IM BIP : Offenheitsgrad

7 7 (c) Welt - weltweit gilt EX = IM es reicht, nur Exportquote zu betrachten Quelle: Wagner (2003), S : BIP: von 4400 Mrd. US-Dollar auf auf gut das Zehnfache gestiegen um 962 % gestiegen im gesamten Zeitraum im Durchschnitt pro Jahr um 7,9 % gestiegen EX: von 302 auf auf fast das 25-fache gestiegen um % gestiegen im gesamten Zeitraum im Durchschnitt pro Jahr um 10,9 % gestiegen

8 8 EX 302 : von BIP = 6,9 % auf = 16,0 % gestiegen mehr als verdoppelt beachte: dies gilt dann auch für die Importe, denn für die Welt als Ganzes stimmen Importe und Exporte überein - Interpretation: Offenheitsgrad hat zugenommen Indikator für Internationalisierung, Integration in die Weltwirtschaft [vgl. Dieckheuer (2001), S. 24] Dieckheuer (2001, S. 20): Indikator für Globalisierung Beachte: nur richtig, wenn es nicht bedeutende Regionen gibt ohne zunehmenden Offenheitsgrad

9 9 (d) Ausgewählte Länder - Deutschland: sehr hoher Offenheitsgrad; insbesondere sehr starke Zunahme der Import- und der Exportquote von 1950 bis 1990; danach Stagnation der Exportquote bei weiterem Anstieg der Importquote wegen deutscher Vereinigung Quelle: Wagner (2003), S. 7 - USA: ebenfalls deutlicher Anstieg; aber geringerer Offenheitsgrad als in Deutschland Grund: Größe der Volkswirtschaft a) breites Güterangebot (Bsp.: Autos, Orangen, Öl) b) differenziertes Güterangebot (Bsp.: viele Autotypen) damit höhere Selbstversorgung c) mehr Möglichkeiten zur internen Arbeitsteilung. - gemessen an Größe des Landes geringer Offenheitsgrad in Japan Fragenkatalog zu Kapitel 1, Aufgabe 1

10 10 (4) Bedeutung des Außenhandels (a) Erhöhung des Offenheitsgrades - verstärkte Integration in die Weltwirtschaft - impliziert Chance: verstärkte Arbeitsteilung und damit Wohlfahrtszuwachs... Gefahr: verstärkte Abhängigkeit vom Ausland (b) Export - steigende Exportquote bedeutet, dass ein größerer Teil der Produktion ins Ausland verkauft wird - Chance: größere Absatzmärkte für einige Güter größere Produktionsmengen (a) Skalenvorteile und damit sinkende Stückkosten (b) Einkommens- und Beschäftigungszuwächse, die insbesondere die Verluste in schrumpfenden Branchen kompensieren können - Gefahr: Abhängigkeit von Nachfrageänderungen im Ausland [vgl. Dieckheuer (2001), S. 22, 24] (c) Import - steigende Importquote bedeutet, dass ein größerer Teil der Güterversorgung aus dem Ausland stammt (sowohl zur Befriedigung der Endnachfrage als auch als Input für die Produktion) - Chance: preisgünstigeres (Kohle), breiteres und stärker diversifiziertes Güterangebot - Gefahr: Abhängigkeit von Angebotsänderungen im Ausland (Mengen- und Preisänderungen)

11 11 (5) Globale Handelsverflechtungen Vgl. zum Folgenden Dieckheuer (2001), S. 20 ff. Indikator: gegenseitige Exportlieferungen Quelle: Dieckheuer (2001), S. 21 (a) Intra- und interregionaler Handel - s.o.: Industrieländer bestreiten zwei Drittel der weltweiten Exporte (3.708,7 von 5.612,1) - von den Exporten der Industrieländer gehen wiederum mehr als 70 % in andere Industrieländer (2.690,6 von 3.708,7): sog. intraregionaler Handel - dagegen liegt der intraregionale Handel der Entwicklungsländer nur bei rd. 40 % (794,8 von 1.903,4)

12 12 (b) Intra- und interregionale Abhängigkeiten - Konsequenz: die Entwicklungsländer hängen mit ihren Exporten stärker von den Industrieländern ab als umgekehrt: dies gilt prozentual: rd. 60 % ihrer Exporte gehen in Industrieländer, aber weniger als 30 % der Exporte der Industrieländer gehen in Entwicklungsländer es gilt sogar absolut: die Entwicklungsländer verkauften 1999 Waren für 1.108,6 Mrd. US-Dollar an Industrieländer, während die Lieferungen in der umgekehrten Richtung nur 1.018,1 Mrd. ausmachten.

13 13 (6) Handelsverflechtungen zwischen Industrieländern und Gruppen von Entwicklungsländern Vgl. zum Folgenden Dieckheuer (2001), S. 22 ff. (a) Intra- und interregionaler Handel - intraregionaler Handel vor allem in Afrika sehr gering: nur gut 10 % der afrikanischen Exporte gehen in afrikanische Länder - Gründe: Protektionismus ähnliches und gering differenziertes Güterangebot - Lateinamerika: ebenfalls sehr geringer Anteil des intraregionalen Handels (17,5 % aller Exporte) Quelle: Dieckheuer (2001), S. 22

14 14 (b) Abhängigkeiten - jede einzelne Gruppe von Entwicklungsländern hängt stärker von Industrieländern ab als umgekehrt - dies gilt vor allem für Afrika, das 70,5 % seiner Exporte in die Industrieländer verkauft, während in umgekehrter Richtung nur 1,8 % fließen.

15 Entwicklung des Welthandels nach Kontinenten (1) Importwert (2) Importanteile (3) Exportwerte (4) Exportanteile (5) Statistische Ursache der unterproportionalen Entwicklung des europäischen Außenhandels (6) Vergleich der Ausfuhr- und Einfuhrwerte s. Fragenkatalog zu Kapitel 1, Aufgabe 2

16 Globale Handelsverflechtung der EU Vgl zum Folgenden Dieckheuer [(2001), S. 21 f.] Vorab: EU hatte 1999 Anteil an Weltexporten von knapp 40 % (2.165,5 von 5.612,1 = 38,6 %) Quelle: Dieckheuer (2001), S. 21 (1) Inter- und intraregionale Exporte der EU (a) Intraregionaler Exportanteil: mehr als 60 % (1.345,8 von 2.165,5 = 62,1 %) (b) Interregionale Exportanteile: - insgesamt: 1 0,621 = 0,379 = 37,9 % - davon: gut 20 % in Entwicklungsländer (21,5 % = 465,0 von 2.165,5) gut 15 % in andere Industrieländer (16,4 % = 354,7 von 2.165,5)

17 17 (2) Abhängigkeit der EU von Absatzmärkten außerhalb der EU - Abhängigkeit ist klar vorhanden: s. die soeben genannten interregionalen Exportanteile - aber: verteilen sich auf eine große Zahl an Ländern und sogar Ländergruppen mindert die Abhängigkeiten! - Beleg: von den erwähnten 16,4 % in andere Industrieländer entfallen 10,2 % auf die NAFTA-Länder und knapp 2 % auf Japan Quelle: Dieckheuer (2001), S. 23

18 18 (3) Abhängigkeit der übrigen Welt von der EU als Absatzmarkt - EU ist vor allem für Japan, aber auch für NAFTA wichtigerer Absatzmarkt als es umgekehrt diese Länder für EU sind - Beleg: Exporte dieser Länder in EU machen größeren Anteil an den jeweiligen Gesamtexporten aus als die anteiligen Exporte der EU in diese Länder - Konsequenz: verringert handelspolitische Abhängigkeit der EU von diesen Ländern, da deren eventuelle protektionistische Maßnahmen von EU glaubhaft gekontert werden könnten. Fragenkatalog zu Kapitel 1, Aufgabe 3

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