Sportbeteiligung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund an schulisch- und vereinsorganisierten Sportangeboten

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1 Michael Mutz und Ulrike Burrmann Sportbeteiligung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund an schulisch- und vereinsorganisierten Sportangeboten *Das Projekt Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Sport und Gesellschaft wird gefördert mit Forschungsmitteln des Bundesinstituts für Sportwissenschaft.

2 Überblick Sportbeteiligung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund an schulisch- und vereinsorganisierten Sportangeboten 1. Forschungsstand 2. Theoretischer Rahmen 3. Zur Untersuchung 4. Forschungsbefunde 5. Resümee und Ausblick

3 Integrationspotenziale des Sports Integration in den Sport flächendeckende Angebote Regelgebundenheit nonverbaler Charakter Ethos des Sports Integration durch Sport soziale Beziehungen kulturelle Normalitätsmuster alltagspolitische Erfahrungen nützliche Fähigkeiten und Kontakte Sport übt mehr Anziehungskraft auf junge Menschen mit Migrationshintergrund aus als jedes noch so wissenschaftlich begründete Bildungsprogramm. (Thomas Bach)

4 Integration in den Sport: Forschungsstand Forschungsstand wenige Studien kleine Fallzahlen Fokus: benachteiligte Gruppen Fokus: Vereinssport Befunde* hohes Sportinteresse, geringe Beteiligung am Sportverein geringe Unterschiede zwischen Jungen mit und ohne Migrationshintergrund große Unterschiede zwischen Mädchen mit und ohne Migrationshintergrund türkische Mädchen als Problemgruppe *vgl. z. B. Boos-Nünning & Karakasoglu, 2005; Brettschneider & Kleine, 2002; Fussan & Nobis, 2007; Gaiser & de Rijke, 2006; Kleindienst-Cachay, 1991

5 Integration in den Sport: Erklärungslinien Kulturelle Differenzen Art und Weise des Sporttreibens (z. B. Präsentationsweisen des Körpers) Wertschätzung sportlicher Aktivitäten traditionelle Geschlechterrollen, patriarchalisch geprägte Familienstrukturen Hängt eine Beteiligung an schulisch- und vereinsorganisierten Sportangeboten von der kulturellen Integration der Familie ab? Sind türkische Mädchen (und Jungen) eine sportabstinente Gruppe? Sozioökonomische Ungleichheit Umfang und Kontexte des Sporttreibens stärkerer Effekt auf die sportliche Aktivität der Mädchen Wird die Teilnahme am schulisch- und vereinsorganisierten Sport von der sozioökonomischen Integration der Familie mitdefiniert?

6 Integration in den Sport: Kontextbedingungen kulturelle, soziale, individuelle Voraussetzungen Sportengagements Kontextbedingungen z. B. Kosten, Betreuung,Gruppenzusammensetzung, Sportarten, Trainingszeiten, Wettkampforientierung Findet das Sporttreiben in der schulischen Sport-AG in günstigeren Rahmenbedingungen statt als im Verein?

7 Zur Untersuchung: Datengrundlage PISA 2000 Nationale Ergänzungserhebung Auskünfte von mehr als Schülerinnen und Schülern Migrationshintergrund (Herkunftsland) Geburtsland des Schülers und beider Elternteile Russland / Kasachstan Türkei 840 Polen 375 Jugoslawien 297 Italien 127 Griechenland andere Herkunftsländer = Jugendliche mit Migrationshintergrund

8 Zur Untersuchung: Sportengagements Beteiligung am Sportverein Machst du in deiner Freizeit aktiv in einem Verein oder in einer organisierten Jugendgruppe mit? Antwortvorgaben: Sportverein, Musikverein, kirchliche Jugendgruppe usw. Teilnahme an einer schulischen Sportarbeitsgemeinschaft Gibt es an deiner Schule Angebote, an denen du außerhalb des normalen Unterrichts freiwillig teilnehmen kannst? Antwortvorgaben: Sport-AG, Theater-AG, Musik-AG, Computer-AG usw.

9 Zur Untersuchung: Kultureller und sozioökonomischer Hintergrund Kulturelle Integration der Familie Welche Sprache sprecht ihr normalerweise zu Hause? Kodierung: deutsch, andere Sprache Sozioökonomische Integration der Familie Verfügbarkeit von ökonomischem Kapital und kulturellem Kapital im Elternhaus z. B. Autos, Badezimmer, Computer, Geschirrspülmaschine, klassische Literatur, Gedichtbände, Musikinstrumente etc.

10 Organisationsgrad von Jungen und Mädchen im Sportverein ohne Migrationshintergrund 54% mit Migrationshintergrund 57% 42% 28% Mädchen Jungen Mädchen Jungen

11 Organisationsgrad von Jungen und Mädchen im Sportverein Jugendliche mit deutscher Herkunft

12 Organisationsgrad von Jungen und Mädchen im Sportverein Jugendliche mit ausländischer Herkunft

13 Organisationsgrad von Jungen und Mädchen im Sportverein

14 Zwischenfazit I Geschlechterspezifische Interaktionseffekte Sprachlich-kulturelle und sozioökonomische Integration der Familie wirkt sich kaum auf die Beteiligung der Jungen am Sportverein aus aber sehr stark auf die Beteiligung der Mädchen! Sportvereine erreichen nahezu alle Jungen mit Migrationshintergrund, aber nur die Mädchen aus gut integrierten Familien.

15 Teilnahme von Jungen und Mädchen an der Sport-AG ohne Migrationshintergrund mit Migrationshintergrund 30% 20% 15% 11% Mädchen Jungen Mädchen Jungen

16 Teilnahme von Jungen und Mädchen an der Sport-AG Jugendliche mit deutscher Herkunft

17 Teilnahme von Jungen und Mädchen an der Sport-AG Jugendliche mit ausländischer Herkunft

18 Teilnahme von Jungen und Mädchen an der Sport-AG

19 Zwischenfazit II Sport-AG als ethnisch und sozial anschlussoffenes Setting Die sozioökonomische Integration der Familie wirkt sich nicht auf die Teilnahmequote aus. Jungen und Mädchen nehmen besonders häufig teil, wenn die Familie sprachlich-kulturell (noch) nicht gut integriert ist. Der Sport-AG gelingt es genau die jungen Migranten mit einzubeziehen, die aus Sicht der Sportvereine eine schwer zu erreichende Problemgruppe markieren.

20 Jungen und Mädchen mit türkischer Herkunft ein Sonderfall? Mitgliedschaft im Sportverein

21 Jungen und Mädchen mit türkischer Herkunft ein Sonderfall? Teilnahme an einer Sport-AG

22 Zwischenfazit III Türkische Jugendliche im Sportverein und in der Sport-AG türkische Jungen sind besonders oft in Sportvereine involviert türkische Mädchen gehören besonders selten einem Sportverein an; das gilt aber auch für Mädchen aus anderen Herkunftsländern türkische Jungen und Mädchen nehmen oft an Sport-AGs teil Die Sportbeteiligung der türkischen Jungen und Mädchen weicht nicht wesentlich von den Beteiligungsmustern der Jugendlichen aus anderen Herkunftsländern ab.

23 Resümee und Ausblick Differenzierungen statt pauschaler Aussagen Sportengagements sind in Relation zu den sozioökonomischen und kulturellen Bedingungen zu sehen, in denen die Jugendlichen aufwachsen. Vermittlung von Geschlechterrollen in der Familie fortschreitender Integrationsprozess egalitäre Rollenerwartungen zunehmende Beteiligung der Töchter am (Vereins-)Sport Kostenseite eines Sportengagements im Verein Mitgliedsbeiträge, Kosten für Fahrten und Ausrüstungsgegenstände treffen ärmere Familien stärker. Kontexte sind wichtig Der Vergleich von Sport-AG und Sportverein deutet an: den Rahmenbedingungen kommt eine entscheidende Rolle zu!

24 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Michael Mutz (M. A.) Freie Universität Berlin Institut für Soziologie Garystr Berlin Prof. Dr. Ulrike Burrmann Technische Universität Dortmund Institut für Sport und Sportwissenschaft Otto-Hahn-Str Dortmund

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