Begriffsdefinitionen
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- Eike Stieber
- vor 9 Jahren
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1 Begriffsdefinitionen Sozialisation: Unter Sozialisation versteht man die Entstehung und Bildung der Persönlichkeit aufgrund ihrer Interaktion mit einer spezifischen materiellen, kulturellen und sozialen Umwelt (Geulen). Sozialisation ist der Prozess der Entstehung und Entwicklung der Persönlichkeit in wechselseitiger Abhängigkeit von der gesellschaftlich vermittelten sozialen und materiellen Umwelt. Lernen Unter Lernen verstehen wir alle nicht direkt zu beobachtenden Vorgänge in einem Organismus, vor allem in seinem zentralen Nervensystem (Gehirn), die durch Erfahrung (aber nicht durch Reifung, Ermüdung, Drogen o.ä.) bedingt sind und eine relativ dauerhafte Veränderung bzw. Erweiterung des Verhaltensrepertoires zur Folge haben. Mit anderen Worten: Lernen ist eine erfahrungsbedingte Veränderung der Möglichkeiten eines lebenden Systems, in einer Umwelt einen Zustand einnehmen zu können (Alfred K. Tremel 1995, S. 97). 1
2 Bildung und Erziehung Erziehung ist das uralte Geschäft des Menschen, Vorbereitung auf das, was die Gesellschaft für ihn bestimmt hat Im Begriff der Erziehung ist die Zucht schon erhalten, sind Einfügung, Unterwerfung, Herrschaft des Menschen über den Menschen eingeschlossen Mit dem Begriff der Bildung wird die Antithese zum Erziehungsprozess entworfen Bildung begreift sich als entbundene Selbsttätigkeit, als schon vollzogene Emanzipation. Erziehung vermittelt also das gesellschaftlich relevante Wissen und die gesellschaftlichen Normen und Ansprüche. Bildungsprozesse hingegen setzen auf die emanzipatorische Möglichkeit der Entwicklung von Selbstbewusstsein und Selbstbestimmung. (Heydorn) Utilitaristischer Blick: Im Zentrum steht gesellschaftliche Brauchbarkeit Ziele von Entwicklung, die benannt werden liegen außerhalb des Subjekts. Freiheit von normativen Vorgaben und somit Chance auf individuelle Autonomie und Möglichkeit zur Entfaltung der Persönlichkeit 2
3 Zunächst genauer zum Begriff der Erziehung: - Hintergrund und hier wird Erziehung nicht so negativ gesehen: Der Mensch ist qua seiner biologischen Grundausstattung auf lernen ausgelegt, er ist instinktoffen! Er ist biologische auf Kultur ausgerichtet. Die Sicht vom Menschen/Kind als ein sich entwickelndes Wesen (stark beeinflusst von der Entwicklungspsychologie) zeigt sich in der Definition von Bernfeld: Die Erziehung ist die Summe der Reaktionen einer Gesellschaft auf die Entwicklungstatsache. - War bisher ein stark generativer Blick auf Erziehung vorherrschend soll hier noch eine viel breitere Definition auch erwähnt sein: Der Begriff Erziehung ist auf alle Handlungen anwendbar, die der Absicht entspringen (und vom Handelnden als Mittel dazu angesehen werden), die Persönlichkeit anderer Menschen einem für sie gesetzten Ideal so weit wie möglich anzunähern. (Brezinka) - Funktionale und intentionale Erziehung (intentionales, geplantes, normativ orientiertes Handeln) (Zusammenhang von Sozialisation und funktionaler Erziehung???) Jetzt zum klassischen Begriff der Bildung (Humboldt): Was Bildung nicht ist oder nicht nur ist: - Ausmaß und Qualität des Wissens, über die ein Mensch verfügen kann - Kompetenzerwerb - Das, was man in Einrichtungen des Bildungswesens erwirbt - Abschlüsse im Bildungssystem (was dort geleistet wird: Humankapitalbildung) 3
4 Das soll aber die Bedeutung dieser Form von Bildung nicht schmälern: Warum ist diese Art von Bildung wichtig? Weil sie ein Einfallstor in die Berufstätigkeit darstellt Nochmals: Was soll dann Bildung sein? - wendet sich explizit gegen eine Verzweckung des Menschen im Interesse von Gesellschaft und Ökonomie (Humboldt: Fähigkeiten zur Anwendung) - Ziel der Bildung ist bestmögliche Förderung / Anregung (und nicht Zwang oder Vorschrift) der Kraft und Selbständigkeit der Subjekte (= subjektorientierter Bildungsbegriff) (alle Kräfte sind gemeint: die kognitiven, emotionalen und ästhetischen) - Zielt auf die Eigentätigkeit des Subjekts - Aneignung von Welt. Ich setze mich in eine Beziehung zu etwas!!! Bildung als ein sich-in-bezug-setzen-zur-welt-und-zu-sich-alseinem-teil-von-welt! Dinge bekommen eine Bedeutung und Wertigkeit es geht auch um Wertebildung (Behandlung vom Nationalsozialismus im Schulunterricht) - Es gibt keine allgemeingültigen, vor-bestimmten Bildungsinhalte oder -ziele denn es geht um die Ausbildung der im je einzelnen Menschen wohnenden Kräfte (eigene Potentiale / Talente) - Erwachsene sind auch aktiv: Im Sinne eines anregenden, ermöglichendem Handeln aber Bildung kann nicht erzeugt oder gar erzwungen werden - Bildung ist... wenn Euch etwas berührt! 4
5 Bildung bzw. Bildungsprozesse nach Laewen Bildungsprozesse sind in diesem Verständnis Konstruktionsprozesse, die sich auf die Wahrnehmung des Kindes von sich selbst und seiner Umwelt der dinglichen und der personalen stützen und zur Errichtung eines inneren Weltmodells führen, eines Arbeitsmodells von der Welt und sich selbst. Dieses Arbeitsmodell dient dem Kind zur Deutung seiner Erfahrungen und zugleich als Ort, in den seine Erfahrungen integriert und wo sie aufbewahrt werden. - Es kommt bei dieser Definition schön raus, dass Bildung ein inner Prozess eines Individuums ist auf den von außen nicht unbedingt eingegriffen werden kann. - Hintergrund eine positive Anthropologie: Sie glauben nicht nur an die Bildungsbedürftigkeit sondern auch an den Bildungswillen des Kindes. Erziehung nach Laewen Erziehungshandeln kann dabei unter den beschriebenen Bedingungen nur noch zwei Formen annehmen: die Gestaltung der Umwelt des Kindes und die Gestaltung der Interaktion mit ihm. 5
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