Argumentationstheorie 10. Sitzung
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- Tomas Becke
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1 Argumentationstheorie 10. Sitzung sind Schlüsse wie Alle Säugetiere sind Tiere. Alle Hunde sind Säugetiere. Alle Hunde sind Tiere. Prof. Dr. Ansgar Beckermann Wintersemester 2004/5 Alle S sind M Alle S sind P Alle S sind M Alle S sind P Grundsätzliches In jedem Syllogismus kommen nur drei Begriffe vor: der Subjektbegriff S der Prädikatbegriff P und der Mittelbegriff M Alle S sind M Alle S sind P Grundsätzliches In können Prämissen und Konklusion nur eine von vier Formen haben: Alle A sind B. Kein A ist B. Einige A sind B. a e i A a B A e B A i B Einige A sind nicht B. o A o B
2 Einige gültige Einige gültige barbara darii M a P M a P Alle S sind M S a M Einige S sind M S i M Alle S sind P S a P Einige S sind P S i P celarent ferio Kein M ist P M e P Kein M ist P M e P Alle S sind M S a M Einige S sind M S i M Kein S ist P S e P Einige S sind nicht P S o P Einige ungültige Einige ungültige a o i a M a P Einige M sind P M i P Einige S sind nicht M S o M Alle S sind M S a M e o o a Kein M ist P M e P Einige M sind nicht P M o P Einige S sind nicht M S o M Alle S sind M S a M
3 Das logische Quadrat Das logische Quadrat subaltern a kontradiktorisch konträr kontradiktorisch e subaltern p und q sind konträr, wenn nicht beide wahr, aber beide falsch sein können. p und q sind kontradiktorisch, wenn nicht beide wahr und nicht beide falsch sein können. (Wenn die eine Aussage wahr ist, ist die andere falsch, und umgekehrt.) q ist zu p subaltern, wenn q aus p folgt, aber nicht p aus q. i subkonträr o p und q sind subkonträr, wenn beide wahr, aber nicht beide falsch sein können. Äquivokation Quaternio terminorum Äquivokation Quaternio terminorum Only men are rational. Nur Menschen sind vernunftbegabt. No woman is a man. Keine Frau ist ein Mensch. No woman is rational. Keine Frau ist vernunftbegabt. men im Sinne von Menschen men im Sinne von Männer
4 Äquivokation Quaternio terminorum Äquivokation Quaternio terminorum Nur Männer sind vernunftbegabt. Nur Menschen sind vernunftbegabt. Keine Frau ist ein Mann. Keine Frau ist ein Mann. Keine Frau ist vernunftbegabt. Keine Frau ist vernunftbegabt. Äquivokation Mehrdeutigkeit Generell spricht man von einem Fehlschluss aufgrund von Äquivokation (Mehrdeutigkeit), wenn ein Argument ungültig ist, weil in ihm zumindest ein Begriff an verschiedenen Stellen nicht in derselben Bedeutung verwendet wird. Lexikalische Mehrdeutigkeit a) Hein geht zur Bank. Hein begibt sich zu einem Geldinstitut. Hein begibt sich zu einer Parkbank. b) Ein Bauer darf eine Dame nicht schlagen. Etiketteregel Schachregel c) Laster kosten viel. Lastkraftwagen sind teure Fahrzeuge. Die lasterhaften Gewohnheiten eines Menschen können ihn viel Geld kosten.
5 Mehrdeutigkeit Syntaktische Mehrdeutigkeit a) Die Wahl des Vorsitzenden fand Zustimmung. Der Vorsitzende wurde gewählt, und diese Wahl fand Zustimmung. Der Vorsitzende hat gewählt, und diese Wahl fand Zustimmung. b) Karlchen mag Logik lieber als Luise. Karlchen mag Logik lieber als er Luise mag. Karlchen mag Logik lieber als Luise Logik mag. Mehrdeutigkeit Beispiele 1. Der Absatz gefiel ihr nicht. lexikalisch 2. Er nahm seinen Hut. lexikalisch 3. Klaus stritt nie mit seinem Vater, wenn er betrunken war. syntaktisch 4. Er ist schon wieder geflogen. lexikalisch 5. Ich muss die Klausur in einer Stunde schreiben. syntaktisch Äquivokationen Ein weiteres Beispiel für eine Äquivokation Was notwendig wahr ist, ist wahr. Was wahr ist, ist möglich. (P3) Was möglich ist, kann falsch sein. Was notwendig wahr ist, kann falsch sein. Auf den ersten Blick scheinen P1 bis P3 wahr zu sein. Auf den ersten Blick scheint das Argument sogar logisch gültig zu sein: Alle A sind B, alle B sind C, alle C sind D, also sind alle A D. ) Äquivokationen Ein weiteres Beispiel für eine Äquivokation Was notwendig wahr ist, ist wahr. Was wahr ist, ist möglich. (P3) Was möglich ist, kann falsch sein. Was notwendig wahr ist, kann falsch sein. Auf den zweiten Blick erkennt man, dass P2 und P3 nur dann beide wahr sind, wenn möglich in P2 etwas anderes bedeutet als in P3. möglich in P2: nicht notwendig falsch möglich in P3: kontingent oder kontingent wahr
6 notwendig wahr wahre Aussagen NW: notwendig wahr KW: kontingent wahr KF: kontingent falsch NF: notwendig falsch Äquivokationen kontingent wahr kontingent falsch falsche Aussagen notwendig falsch (z. B. Ein Quadrat hat vier Seiten. ) (z. B. Manche Tische sind rund. ) (z. B. Ich habe volles Haar. ) (z. B. Jörgs Vater hatte keine Kinder. ) verschiedene Bedeutungen von möglich : nicht notwendig falsch (NW & KW & KF) kontingent wahr (KW) kontingent (KW & KF) Ein Zirkelschluss ist ein Schluss, in dem die Konklusion in offener oder versteckter Form schon in den Prämissen auftaucht. Ein Zirkelschluss hat also ungefähr die Form: A B (P3) C B Solche Schlüsse sind natürlich deduktiv gültig. (Denn wenn B wahr ist, muss B wahr sein.) Ein Zirkelschluss ist ein Schluss, in dem die Konklusion in offener oder versteckter Form schon in den Prämissen auftaucht. Ein Zirkelschluss hat also ungefähr die Form: A B (P3) C B Ihr Fehler besteht darin, dass sie keine unabhängige Begründung für die Konklusion liefern. Ein Zirkelschluss ist ein Schluss, in dem die Konklusion in offener oder versteckter Form schon in den Prämissen auftaucht. Ein Zirkelschluss hat also ungefähr die Form: A B (P3) C B Denn hier wird eine Aussage letztlich auf sich selbst zurückgeführt.
7 Der Trick bei vielen Zirkelschlüssen besteht darin, dass die Konklusion nicht offen, sondern mehr oder weniger gut verkleidet unter den Prämissen vorkommt. Jedes vierbeinige Tier hat ein Fell. Kein Tier mit vier Beinen ist ohne Fell. Wenn wir Jonas einladen, müssen wir auch Susanne einladen. Wir können Jonas nicht einladen, ohne auch Susanne einzuladen. Der Trick bei vielen Zirkelschlüssen besteht darin, dass die Konklusion nicht offen, sondern mehr oder weniger gut verkleidet unter den Prämissen vorkommt. Jedermann ein unbegrenztes Rederecht zuzugestehen, muss für den Staat letztendlich immer von Vorteil sein; denn es ist in hohem Maße von Vorteil für die Interessen der Gemeinschaft, dass jedes Individuum eine völlig unbegrenzte Freiheit genießt, seinen Ansichten Ausdruck zu verleihen. (I.M. Copi Einführung in die Logik, München: Fink 1998, 65) Der Trick bei vielen Zirkelschlüssen besteht darin, dass die Konklusion nicht offen, sondern mehr oder weniger gut verkleidet unter den Prämissen vorkommt. nur, wenn man meint, dass ich hätte anders handeln können, werde ich für mein Tun moralisch verantwortlich gemacht. Man hält nämlich den Menschen nicht für moralisch verantwortlich für eine Handlung, die zu vermeiden nicht in seiner Macht stand. (Copi, op.cit., 66f.)
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