Pemphigoid gestationis

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Transkript:

Pemphigoid gestationis 59. DDG Chapsa M., Heyne S., Schneiderat S., Beissert S., Günther C.

Kasuistik Anamnese I 30-jährige Patientin in der 33. SSW ihrer 2.Schwangerschaft I Seit ca. 6 Wochen stark juckende (VAS 9/10) Hautveränderung I DLQI: 30/30 I Vorgeschichte: ähnliche Symptomatik 2-3 Tage postpartal nach der 1. SS -spontane Abheilung der HV nach 6 Wochen 2

Hautbefund 3

Diagnostik I Labor: -Eosinophilie [1,84GPt/L (RB 0,00-0,49 GPt/L)] -CRP-Erhöhung [18,2mg/dl (RB<5,0mg/dl)] -AP-Erhöhung [1,87 mmol/(s*l) (RB 0,58-1,75 mmol/(s*l)] C3 I IIF: lineare Fluoreszenz von IgG und C3 am Blasendach der Basalmembranzone auf NaCl-separierter Spalthaut I DIF: lineare IgG und C3-Ablagerungen an der dermoepidermalen Juktionszone 4 IgG

Histologie 5

Diagnose: Pemphigoid gestationis 6

Therapie und Verlauf I Prednisolontherapie mit 20mg/d in absteigender Dosierung in Kombination mit glukokortikoidhaltiger Lokaltherapie I Entbindung: in einer Klinik mit pädiatrischer Intensivversorgung auf natürlichem Weg ohne Komplikationen I Säugling: gesunder Junge, normalgewichtig, keine Blasenbildung 7

Therapie und Verlauf I nach Entbindung: -Blasenbildung der Mutter komplett rückläufig -Prednisolontherapie innerhalb der nächsten drei Monate ausgeschlichen I Follow-up nach ½ Jahr: lediglich postinflammatorische Hyperpigmentierungen sichtbar Bekannter Risiko-HLA-Typ 1,2 I Erweiterte Diagnostik: Mutter HLA-DRB1*13 Vater HLA-DR2 8 1)Shornick JK et al.,j Clin Invest 1981; 68: 553 5 2)Eckart MM., [Dissertation], München,2010

Diskussion: Pemphigoid gestationis I sehr seltene autoimmune blasenbildende Hauterkrankung (Inzidenz: 1/2000-1/50.000~60.000) 1 I tritt in der Schwangerschaft auf (meist 2. oder 3. Trimenon 2 ) I frühere Bezeichnung: Herpes gestationis (CAVE: Herpes-Viren nicht beteiligt) I Ätiologie: Autoantikörperbildung gegen -das 180-kDa Protein (BP Antigen 180) -in etwa 20% der Fälle das 230-kDa Protein (BP Antigen 230) im Bereich der Hemidesmosomen der dermoepidermalen Junktionszone 9 1)Jenkins R etal., JEADV, 1993 Aug: 163-193 2) Altmeyer P. Enzyklopädie, https://www.enzyklopaedie-dermatologie.de/dermatologie/pemphigoid-gestationis-2018, 1714

Diskussion: Pemphigoid gestationis I Pathogenese 1,2 : abnorme Expression von HLA Klasse II Antigenen in der Plazenta Bildung von Antikörpern gegen Strukturen der Plazenta Kreuzreaktion der AK mit dem BP180 der mütterlichen Haut Blasenbildung 10 1)Jenkins R etal., JEADV, 1993 Aug: 163-193 2) Altmeyer P. Enzyklopädie, https://www.enzyklopaedie-dermatologie.de/dermatologie/pemphigoid-gestationis-2018, 1714

Diskussion: Pemphigoid gestationis I Prognose: -PG begünstigt die Entwicklung einer Plazentainsuffizienz small-for-date babies 1,2 erhöhte Frühgeburtenrate 1,2 infolge passiven transplazentaren Antikörpertransfers -10% der Neugeborenen milde Hautveränderungen (spontane Abheilung) -nächste Schwangerschaften Rezidive sehr häufig mit früherem Auftreten und ansteigendem Schweregrad Selten (5%): skip pregnancies 11 1)Ambros-Rudolph CM., Ann Dermatol. 2011 Aug;23(3):265-75 2)Chi CC, et al. Br J Dermatol 2009;160:1222 1228.

Diskussion: Pemphigoid gestationis I Therapie: -lokale Glukokortikosteroide der Klasse III oder IV in Kombination mit einer mittelhoch (20-40mg/d) dosierten systemischen Gabe von Prednisolonäquivalent -Wenn keine Besserung: -Immunadsorption -intravenösen Immunglobulinen -Rituximab 1,2 - CAVE: orale Kontrazeptiva kontraindiziert (möglicher Triggerfaktor) 12 1)Jenkins R, et al., Clin Exp Dermatol, 1999 July, 24(4):255-9 2) Cianchin et al., British Journal of Dermatology 2007 157, pp388 431

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Kontakt: Maria Chapsa Telefon: 0351 458-2497 E-Mail: Maria.Chapsa@uniklinikum-dresden.de Adresse: Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der TU Dresden AöR Klinik und Poliklinik für Dermatologie Haus 8 Fetscherstraße 74, 01307 Dresden 13