Agribusiness Marketing



Ähnliche Dokumente
Grundwissen Marketing. Heinz Kormann eidg. dipl. Verkaufsleiter

Grundlagenschulung. Zweck und Ziel der Marktforschung. grundsätzliche Abgrenzung zum Direktvertrieb. Schulungsprototyp

Dipl.-Ökonom Margret Bägel-Witte Dipl.-Betriebswirtin FH Jutta Treutlein. BWL III (Teil Marketing) 2. Semester WS 2005/06

Vignette mit ca. 70 Wörter (Bildmaterial erwünscht)

Gemeinsam zum Erfolg. Vernetzen von Wohnungsbaugesellschaft, Kommune, ÖV und Carsharing

ENTWICKLUNG VON MARKETINGZIELEN UND DIE AUSGESTALTUNG EFFEKTIVER MARKETINGINSTRUMENTE IM TOURISMUSMARKETING. Bad Schmiedeberg 20.

Berufsbegleitendes Studium zur Externenprüfung als Bachelor B.A.

Fit for Fair-Training. Unternehmensberatung. Mit Weitblick & System!

Wer sich informiert, weiss mehr: Q&A Technische Kauffrau/ Technischer Kaufmann.

Dossier Kunden zu Fans Lesen Sie auf nur fünf Seiten, was es mit dem Fanmodell auf sich hat

Business Model Canvas

1 GRUNDLAGEN SMART ENERGY. 1.1 Die Vision Smart Energy Zielsetzung Einführung intelligenter Messsysteme

Konzentration auf das. Wesentliche.

Grundbegriffe des Marketings

Geschäftsprozessmanagement in der Praxis

Von zufriedenen zu treuen Kunden

HANDBUCH WIRTSCHAFTS- PRÜFUNG UND STEUER- BERATUNG 2015

Deutschland-Check Nr. 35

Marketing im Endverkauf

N N O B O X E N C H E C K. Learn more about (your) Innovation Management and how to make it even better! M A R I A T A G W E R K E R - S T U R M

Jack Wolfskin setzt bei internationalem Wachstum auf das Know-how der implexis GmbH.

Strategie ist, die richtigen Dinge zu tun Die Was-zählt-Falle... 21

Portfolio zur Analyse der Personalqualität

Pressemitteilung. Forschungsprojekt gestartet

Greinwalder & Partner. Consulting Marketing. Konzept statt Rezept Für mehr Erfolg von Therapieeinrichtungen im Selbstzahlerbereich

Kostengünstige und effiziente Marketingstrategien für junge Unternehmen

Hrsg: VIS a VIS Agentur für Kommunikation GmbH, Köln

Steigerung der Wertschöpfung durch Individualisierung im Kundenmanagement

Profilfach Marktorientierte Unternehmensführung

Projekt-Ideenskizze. Markt: Telekommunikation

Leseprobe. Thomas Hummel, Christian Malorny. Total Quality Management. Tipps für die Einführung ISBN:

ZUM HANDELN GESCHAFFEN. Stationärer Handel / Multi Channel

Das Ziel ist Ihnen bekannt. Aber was ist der richtige Weg?

ONLINE- UND DIREKTGESCHÄFT AUSBAUEN. Mit dem St. Galler Direktmarketing-Prozess mehr Umsatz im Online- und Direktgeschäft erzielen

Kundenorientierte Produktentwicklung

ORCA Software GmbH Kunstmühlstraße 16 D Rosenheim Telefon +49(0) Fax +49(0)

Anleitung für die Online-Bewerbung über LSF auf Lehrveranstaltungen aller Lehramtsstudiengänge

Kommunikationskongress 2015 Berlin, September 2015

Checkliste für Marketingkonzept

EFQM. European Foundation of Quality Management

PRÜFBERICHT ERSTELLT FÜR:

Erfolgsfaktoren in der Pensionspferdehaltung. Praxisorientierte Kundenzufriedenheitsanalysen für Pferdepensionsbetriebe

Menschen zum Erfolg führen

Europass in Wiener Schulen

Berufsbegleitendes Studium zur Externenprüfung als Bachelor B.A.

Statistische Daten im Geomarketing. Ein Unternehmen der Schober Group

Marketing und Vertrieb als Schwerpunktseminare im Hauptstudium

UNTERNEHMENS-NACHFOLGE PL ANEN. Mit dem St. Galler Nachfolge-Prozess weitsichtig und frühzeitig planen

Spotlight Pharma: NRW

WSO de. <work-system-organisation im Internet> Allgemeine Information

» Sales Excellence. Der Weg zur agilen Vertriebsorganisation. Seminar-Angebot für Entscheider im Vertrieb

UNTERNEHMENSLEITBILD DER WERNSING FOOD FAMILY LEITBILD UND LEITIDEE

Virtuell geht nicht schnell

Folien zum Textbuch. Kapitel 5: Außenwirksame Informationssysteme und Electronic Commerce. Teil 3: Portale, Hilfs- und Zusatzdienste

Führungsinformationssysteme für Universitäten und Hochschulen

Beschäftigte in der BioBranche

Prüfungsausschuss. Fachkraft im Fahrbetrieb. Konstellation & Struktur Prüfungsausschuss. Harald Enderlein

Marketingkonzept als Anregung für ein P-Seminar

Versicherungsplanspiel. TU München / Zentrumfür Mathematik WS 2012/2013

Internationales Marketing-Management

Überlegungen zu einer Vermarktungsschiene Süd im Rahmen des bayerischen Ernährungsclusters

Dossier Kunden zu Fans

Fragebogen zur Erhebung der Zufriedenheit und Kooperation der Ausbildungsbetriebe mit unserer Schule

Analyse der Wertschöpfungskette Apfel von der Produktion bis zum Konsum (Endbericht zum Projekt Agrar- und Ernährungswirtschaft 2008)

Service Excellence Programm im Banking

Prüfungen und deren Benotung erfolgen nach den Regelungen des Fachbereiches Wirtschaftswissenschaften.

Six Sigma. der dynamische Qualitätsansatz bei der Messung und Optimierung Ihrer CVM Strategie. Weltweit führend in Customer Relationship Management

Coop erwirbt Dipl. Ing. Fust AG. Hansueli Loosli, Vorsitzender der Geschäftsleitung Coop Zürich, 29. Mai 2007

Marketing in den Bereitschaften Vortrag: Thomas Hofmann, Dipl. oec. Kreisgeschäftsführer, KV-Ostallgäu

Strategisches Marketing als Herausforderung für Kulturbetriebe

HR-Herausforderungen meistern

Personalentwicklung als DIE Führungsaufgabe im Veränderungsprozess

Inhaltsverzeichnis. Teil 1: Marketing als Vorgang 31

Ergebniszusammenfassung TU Clausthal

Der Schweizer Lammfleischmarkt: Marktanalyse und Wettbewerb

Vorsicht vor den zufriedenen Kunden und Mitarbeitern!

Multimedia und Datenkommunikation

Kathrein & Co. Performance Partnerschaft

Mit den richtigen Menschen zum Erfolg. Iventa. The Human Management Group.

GmbH. Feuer im Herzen. Werbung im Blut.

Internationales. Kundenbeziehungsmanagement

Logistik macht Schule

Herausforderung: Schreiben wissenschaftlicher Texte im Studium

DVB-S Empfangsgerät, Videorecorder und Fernseher (Fernseher mit zwei Scart- (oder HDMI-)Eingängen)

Vorankündigung Die Verlagsleitung und der Erfolgsautor der Blauen Business-Reihe ist auf der Frankfurter Buchmesse 2007 vertreten.

Clever for ever... Verkaufsleiter/-in mit eidg. Diplom

Qualifikationserfordernisse durch das Internet der Dinge in der Logistik

Nachhaltigkeit bei der REWE Group

Marketing: Übungsserie III

Thema: Absatz, Marketing und Vertrieb

Transkript:

Agribusiness Marketing SS 2011 Prof. Dr. Jutta Roosen Lehrstuhl Marketing und Konsumforschung Alte Akademie 16 jroosen@tum.de 08161 / 71-3316 www.mcr.wi.tum.de

Zielsetzung Ziel der Lehrveranstaltung ist es, Studierende mit dem Marketingmanagement im Agribusiness und mit strategischen Überlegungen beim Marketing vertraut zu machen. Dazu werden wesentliche Eigenschaften von Agrargütern und ihre Konsequenzen für die Vermarktung beschrieben. Verständnis von mikroökonomischen Modellen zur Abbildung und Analyse von Marketingstrategien im Agribusiness Verknüpfung mit Methoden der experimentellen Ökonomie und Marktforschung zum besseren Verständnis der Wirkung von Marketing Maßnahmen Auseinandersetzung mit der aktuellen Forschung im Bereich Agribusiness- Marketing 2

Gliederung 1 Einleitung Marktstrukturen und strategische Herausforderungen im Agribusiness Marketing 2 Marktorientierte strategische Planung 2.1 Strategische Planung 2.2 Programmplanung 3 Preisbildung 3.1 Strategien der Preissetzung 3.2 Exkurs: Messung der Zahlungsbereitschaft beim Konsumenten Theorie, Methoden, Ergebnisse 3.3 Preisbildung auf unvollkommenen Märkten 4 Produkt: Qualität im Agribusiness-Marketing 3

Gliederung (2) 5 Kommunikation 5.1 Gemeinschaftswerbung 5.2 Geographische Herkunftsangaben im Agrarmarketing 6 Distribution: Handelsmarketing 6.1 Die Struktur des LEH 6.2 Preisbildung im Lebensmitteleinzelhandel 6.3 Die Handelsmarkenpolitik im Lebensmitteleinzelhandel 7 Marktstruktur der Agrar- und Ernährungswirtschaft 7.1 Vertikale und horizontale Koordination und Integration, Genossenschaftswesen 7.2 Wirkung von Marktinformation auf die Wettbewerbsstruktur 8 Besonderheiten des B2B Marketing 9 Kundenzufriedenheit und Kundenbindung 4

Marketing: Definition Tätigen von Abschlüssen (Verkaufskonzept) - veraltet Zufriedenstellung von Kundenwünschen (Marketingkonzept) Marketing ist ein Prozess im Wirtschafts- und Sozialgefüge, durch den Einzelpersonen und Gruppen ihre Bedürfnisse und Wünsche befriedigen, indem sie Produkte und andere Dinge von Wert erzeugen, anbieten und miteinander austauschen. (Kotler, Keller, Bliemel, 2007; S. 11) Marketing ist eine Funktion in Organisationen und eine Menge an Prozessen, die dazu dient, Werte für Kunden zu erzeugen, zu kommunizieren und zu liefern und Kundenbeziehungen so zu steuern, dass sie die Organisation und ihren Vertretern nützen. (Solomon, Marshall, Stuart, 2006) 5

Definition Marketing Marketing Management soll das langfristige Überleben einer Unternehmung sichern Marketing dient der Befriedigung von Bedürfnissen Bedürfnis: Erkenntnis zwischen dem derzeitigen Zustand des Kunden und einem Wunschzustand Ein Produkt liefert einen Nutzen, wenn es ein Bedürfnis erfüllt Marketing handelt von einer Tauschbeziehung 6

Zeitalter des Marketings Produktionsorientierung: Zeit der Industrialisierung Verkäufermarkt Verkaufsorientierung: Nach 2. Weltkrieg Beseitigung des Mangels,Trend zum Käufermarkt Verbraucherorientierung: In den 60ern und 70ern Zeitalter des Konsumerismus, Total quality management Neues Zeitalter: Profit und Ethik, Customer relationship marketing (CSR, Ethische Produkte) nach Solomon, Marshall, Stuart, 2006 7

Neues Zeitalter des Marketing Ethische & Soziale Verantwortung Domestische Umwelt Entscheidungsprozesse Globale Umwelt Wirtschaftl. u.sozialer Gewinn 8

Die vier»ps«des Marketing-Mix Quelle: Kottler, Bliemel, Keller, Abb. 1.8, S. 25 9

Marktbeziehungen im Agrarmarketing Standardisierte Ware Differenzierte Ware Anbieter Zahl Verteilung Warenausgestaltung/Preis Struktur Börse Geschäfte Kataloge E-Commerce Ware Geld Promotionspreis Einführungspreis Verhandlungspreis Fixpreis Vertragspreis Bartergeschäfte Barkäufe Kreditkäufe Ge- und Verbrauchsgüter Investitions- und Konsumgüter Nachfrager Zahl Typ Menge Qualität Struktur Konsument Weiterverarbeiter 10

Marktabgrenzung Räumlich: Regionale Verfügbarkeit des Produkts Sachlich: Produktspezifika Zeitlich: Saisonale Einflüsse Institutionell: Vertriebsformen Stufen: Handelsstufen 11

Agribusiness Gesamtheit aller Wirtschaftsprozesse, die für die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung ablaufen. (Thimm/Besch, 1971) 12

Agribusiness Zulieferbereich Investitionsgüterindustrie Chemische Industrie Futtermittelindustrie Energiewirtschaft Dienstleistungen (Landhandel, Verkehr, Finanzen etc.) Absatzbereich Vermarktungsbereich Ernährungsindustrie Ernährungshandwerk Lebensmittelgroß- und Einzelhandel Gaststättengewerbe 13

Agribusiness - Kennzahlen Landw. Betriebe Produktions wert in jew Preisen Vorleistunge n in jew. Preisen Einheiten 1991 2000 2004 2005 1000 541,4 421,1 366,0 Mill. Euro 34 833 42 879 38 659 40 071 Mill. Euro 17 690 25 382 25 925 27 223 Produzierendes Ernährungsgewerbe Betriebe Anzahl 5 606 6 136 5 985 5 925 Umsatz Mrd. Euro 109,6 120,4 131,8 133,5 Quelle: StJBMELV, 2007 14

Anbau nachwachsender Rohstoffe (StJBMELV, 2007) Fläche in 1000 ha 2500 2000 1500 1000 insgesamt 500 0 2002 2003 2004 2005 2006 2007 Quelle: StJBMELV, 2010, S.88 15

16

Ernährungsgewerbe in Deutschland (Stat. BA) 17

Zugelassene Pflanzenschutzmittel 1200 1000 800 600 Zusammen 400 200 0 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 Quelle: StJBMELV, 2007 18

Marktanteil der 5 größten Handelsunternehmen 80 70 60 50 40 30 20 10 0 Aldi METRO-Group Rewe-Leibbrand Tengelmann Schwarz METRO-Group REWE-Group Aldi Tengelmann Asko-Group METRO-Group REWE-Group Edeka/AVA Group Aldi Schwarz-Group Edeka Group METRO-Group REWE-Group Schwarz-Group Aldi 1980 1990 2000 2006 19

Marktanteil von Betriebstypen des LEH (Anteil FMCG ) 100% 90% 80% 70% 60% 50% 40% 30% 20% 10% 0% 1997 2007 Sonstige Supermarkt Aldi Discounter ohne Aldi Kleiner Verbrauchermarkt Verbrauchermarkt SB-Warenhaus 20

21

Literaturhinweise Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Hrsg.). Statistisches Jahrbuch über Ernährung, Landwirtschaft und Forsten der Bundesrepublik Deutschland, 2007, Münster. Kotler, P., G. Keller, K. L., Bliemel F. (2007) Marketing Management Strategien für wertschaffendes Handeln, Pearson-Studium, München Metro Group, 2007.Metro Retail Compendium 2007/08. Solomon, M.R., G. Marshall, E. Stuart (2006). Marketing: Real People, Real Choices (5th Edition). Prentice Hall. 22