Mobbing am Arbeitsplatz



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Transkript:

Eberhard G. Fehlau 30 Minuten gegen Mobbing am Arbeitsplatz

Inhalt Vorwort 6 1. Mobbing Psychoterror am Arbeitsplatz 8 Wenn Fairness zur Nebensache wird 9 Anzeichen, die ernst zu nehmen sind 10 Psychoterror hat viele Gesichter 13 Subtiler als Konflikte 19 2. Mobbing und seine Opfer 22 Jeden kann es treffen 23 Das Risiko, gemobbt zu werden 24 3. Mobbing und seine Akteure 28 Täter bleiben meist anonym 29 Vorgesetzte, die versagen 31 Falsch verstandene Solidarität 33 4. Mobbing und seine Folgen 36 Eskalation des Geschehens 37 Existenz wird ruiniert 39 Angst geht um 42 Kosten sind immens 43 5. Vorsorge verhindert Mobbing 46 Problembewusstsein schärfen 47 Kultur fairen Streitens fördern 49 Spielregeln festlegen 50 Neue Mitarbeiter integrieren 55 Hilfsangebote etablieren 56 94

6. Erste Hilfe als Sofortmaßnahme 60 Kommunikation intensivieren 61 Konfliktpotenzial sichten 62 Flüchten oder standhalten 64 Führen und Fürsorge tragen 65 Externes Know-how nutzen 66 Inhaltsverzeichnis 7. Nachsorge bietet neue Perspektiven 68 Persönliche Kompetenzen stärken 69 Soziale Unterstützung entlastet 72 Nicht noch einmal 73 Der Autor 76 Adressen 77 Literaturverzeichnis 78 Stichwortregister 80 59

1. Mobbing Psychoterror am Arbeitsplatz Was ist überhaupt unter dem Begriff Mobbing zu verstehen? Seite 9 Gibt es Anhaltspunkte, die auf unfaire Arbeitsbeziehungen hindeuten? Seite 10 Welche Handlungen sind für Mobbing typisch? Seite 13

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht unfaire und schikanöse Beziehungen am Arbeitsplatz in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit geraten. Ob im Bekanntenkreis oder in den Medien, meist werden tragische Einzelschicksale öffentlichkeitswirksam und reißerisch präsentiert. Zwischen populärer Darstellung und sachlicher Information liegen jedoch oft Welten. Vor diesem Hintergrund ist deshalb zunächst die Frage zu beantworten, was bei seriöser Betrachtung unter Mobbing verstanden wird. Was ist Mobbing? 1 1.1 Wenn Fairness zur Nebensache wird Als Konsens unter Fachleuten gilt: Werden Konflikte bewusst geschürt und dazu genutzt, Mitarbeitern auf subtile Art und Weise zu schaden, so besteht ein begründeter Verdacht, dass es sich um Mobbing (engl.: über jemanden herfallen) handelt. Findet die englische Übersetzung von the mob (dt.: die Horde, der Pöbel) Berücksichtigung, so kennzeichnet Mobbing einen aus dem Ruder laufenden Konflikt zwischen einer Gruppe von Tätern und einigen wenigen oder auch nur einem einzigen Opfer. Den mittlerweile zahlreichen allerdings auch sehr heterogenen Definitionsansätzen gemeinsam ist, dass Mobbing als eine unfaire Form der Auseinandersetzung gesehen wird, die in der Regel anonym und zumeist zielgerichtet erfolgt. Wird ein solches Verhalten von Vorgesetzen initiiert oder auch nur billigend in Kauf genommen, so spricht man von Bossing; ist es die 99

1. Mobbing Psychoterror am Arbeitsplatz Gruppe der Mitarbeiter, die in gleicher Weise und weitestgehend solidarisch gegen ihren Chef vorgeht, so findet die Bezeichnung Staffing eine immer weitere Verbreitung. Mobbing beschreibt das Phänomen unfairer Arbeitsbeziehungen. Mit Bossing (Hauptakteur ist der Vorgesetzte) und Staffing (Hauptakteure sind die Mitarbeiter) haben sich mittlerweile zwei Varianten etabliert. 1.2 Anzeichen, die ernst zu nehmen sind Mobbing beschreibt keinen offen ausgetragenen Konflikt. In der Regel handelt es sich um verdeckte und von anderen kaum wahrzunehmende Intrigen und Schikanen. Mit etwas Erfahrung und Sensibilität lassen sich dennoch Anzeichen erkennen, die auf entsprechende Entwicklungen hindeuten. Hoher Krankenstand und starke Fluktuation Wer ständig Auseinandersetzungen erleben muss, reagiert häufig mit gesundheitlichen Problemen. Reibereien und Rivalitäten nötigen manchen Mitarbeiter dazu, sich krankschreiben zu lassen. Nur durch die Abwesenheit vom Arbeitsplatz gelingt es ihm, sich aus dem Konfliktfeld zu lösen und Ruhe zu finden. Ein hoher Krankenstand ist deshalb nicht selten Ausdruck konfliktreicher Arbeitsbeziehungen. Auch häufige Zu- und Abgänge von Mitarbeitern (Fluktuation) spiegeln zumeist ein hohes Maß an Konflikt- 10

potenzial wider. Ein ständiger Wechsel der Kollegen erschwert den Aufbau vertrauensvoller Arbeitsbeziehungen und führt überdies zu Spannungen. Grundlos werden Mitarbeiter wenn sie sich wohlfühlen ihren Arbeitsplatz nicht gegen einen anderen eintauschen. Dauerhafte Über- oder Unterforderung Angesichts eines verschärften Wettbewerbs mit hohem Erfolgs- und Zeitdruck kommt es in zahlreichen Tätigkeitsbereichen zu einer enormen Arbeitsverdichtung. Infolge permanenten Stresses fühlen sich viele Mitarbeiter ausgebrannt (engl.: burn-out) die Belegschaft zeigt Symptome einer kollektiven Erschöpfung. Andernorts sorgt eine Arbeitsentzerrung für problematische Reaktionen vergleichbarer Art. Fehlende Herausforderungen und eine ständige Unterforderung sorgen für ein allgegenwärtiges Gefühl der Langeweile (engl.: bore-out). Eine ständige Über- oder Unterforderung führt bei den Beschäftigten zu Unmut, senkt die Frustrationstoleranz und erhöht die Bereitschaft, auch auf geringste Probleme unangemessen emotional zu reagieren. Anzeichen für Mobbing 1 Dienst nach Vorschrift und Innere Kündigung Zeigen Beschäftigte kein Interesse (mehr) an ihrer Arbeit und lassen das notwendige Engagement vermissen, kann dies ein ernst zu nehmender Hinweis auf ein schlechtes Betriebsklima und damit der Nährboden für Intrigen und Schikanen sein. Während manche Mitarbeiter durch Dienst nach Vorschrift ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck bringen und pünktlich auf die Minute ihren Arbeitsplatz verlassen, fallen andere durch Disziplinlosigkeit und Streitsucht auf. 11

1. Mobbing Psychoterror am Arbeitsplatz Angst vor Veränderungen Wenn Kollegen sich eher als Konkurrenten wahrnehmen und Vorgesetzte für die Probleme ihrer Mitarbeiter kein Verständnis zeigen, dann wird das Betriebsklima von Angst und Verunsicherung bestimmt. Dies gilt besonders unter dem Druck notwendiger Veränderungen. In einem Umfeld, in dem Abwehrverhalten und Schuldzuweisungen die Arbeitsbeziehungen prägen, scheuen sich Mitarbeiter, bei Neuerungen Fehler zu machen oder sich auf andere Weise zu blamieren. Neue Herausforderungen werden deshalb schnell als Bestrafung empfunden und die Verantwortlichen mit allen, selbst unfairen Mitteln bekämpft. Kommunikations- und Orientierungslosigkeit Vielen Beschäftigten bleiben wichtige Hintergründe und Zusammenhänge ihrer Tätigkeit verborgen, wenn die Kommunikation zwischen den verschiedenen Arbeitsbereichen und Unternehmensebenen zu wünschen übrig lässt. Sie erfolgt unkoordiniert und eher zufällig. Büroklatsch gewinnt an Bedeutung und Gerüchte machen die Runde. Solche Umstände zählen zu den Vorboten eines möglichen Mobbings. Vorgesetzte mit Führungsschwäche Führungsschwache Vorgesetzte vermitteln den Eindruck, dass sie ihrer Aufgabe nicht gewachsen und mit ihrer Verantwortung überfordert sind. Das Büro verlassen sie nur in Ausnahmefällen sie scheuen den Kontakt zu ihren Mitarbeitern. Notwendige Entscheidungen treffen sie spontan oder zu spät. Konflikte werden bagatellisiert und eher ausgesessen als ange- 12

Stichwortregister Stichwortregister Angst 12, 19, 24, 37, 40, 42f., 49f., 56, 69f. Angriffsfelder 14, 18, 21 Ansprechpartner, kompetente 56 Betrieblicher Sozialdienst 57 Betriebsrat 30, 52f. Betriebsvereinbarung 51, 53, 59 Bossing 9f., 31, 33, 35 Coaching 66f. Eigenanteil des Gemobbten 26 Erste Hilfe 47, 60, 67 Führung 48, 65 Führungsverhalten, unfaires 31 Fürsorge 65 Gruppendynamische Prozesse 34 Hilfsangebote 56, 58 Intelligenz, emotionale 69 Know-how, externes 66 Kompetenzen, persönliche 69 Konfliktpotenzial 62f. Kosten 18, 43ff. Leymann Inventory of (LIPT) 14 Mobbing, Anzeichen von 10 Mobbing, Definition von 52 Mobbingbeauftragter 48, 58 Mobbing-Prozess 37ff. Mobbing-Report 23f., 29 Mobbingrisiko 24 Mobbing-Tagebuch 62f. Opfer 9, 23-31, 37ff., 58, 66f., 72f. Persönlichkeitsmerkmale 23, 26f. Personalrat 52f., 56 Selbsthilfegruppen 72 Sofortmaßnahmen 6, 47, 67 Soziale Ansprechpartner (SAP) 58 Soziale Integration 55f., 59 Soziales Netzwerk 72 Spielregeln 20f., 42, 50f., 55 Staffing 10, 33, 35 Streitkultur, faire 49f., 59, 61 Supervision 66f. Täter 9, 26, 29ff., 66 Vorsorge 46, 59 Win-win-Situation 64 80