Mit einem Rucksack voller Kompetenzen.

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Transkript:

Mit einem Rucksack voller Kompetenzen. Glarus, Rolf Gollob Zentrum IPE, PH Zürich Lagerstrasse 2 8090 Zürich

Inhalt 1. (M)Ein Bild der Schule. 2. Warum lernen? Wie lernen? 3. Lernen als Schock-Therapie? 4. Kompetenz: was steckt in der (Black) Box? 5. Kompetenz und Performanz. 6. Was ändert? Was ist schon da? 7. Merkmale des kompetenzorientierten Unterrichtes. 8. Aufgaben und Settings Lernen und Lehren 9. Der Kernsatz zum Schluss. 2

Mein Bild der Schule mein Bild des Lernens - Welches Bild, welche Bilder prägen mich? - Welches Lehr- Lernverständnis steckt dahinter? - Wie bewusst ist das (mir)? 3

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Was soll das mit dem Lernen? - Was ist gut? - Was ist schlecht? - Warum ist was nötig? - Und wo/wie/mit wem? 7

Gut schlecht: falsche Frage! - Was ist an die Lebensumstände angepasst? - Wie überlebt eine Gruppe, eine Gesellschaft am besten? - Was muss man können, um zu leben/überleben? - Wer bringt es mir bei? 8

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Claude Lévi-Strauss (1908 2009) Brasilien 1930/Frankreich 2008 10

Kalte und heisse Optionen gemäss Lévi-Strauss: Kalte oder heisse Kulturen: Wie gross ist die Notwendigkeit und Bereitschaft zum Wandel? Je kälter eine Gesellschaft auf der Skala ist, desto ausgeprägter ist ihr Bestreben, ihre traditionellen Kulturmerkmale möglichst unverändert zu bewahren. Eine Kultur wird als umso heisser eingeordnet, je grösser ihr Antrieb zu tiefgreifender und schneller Modernisierung der Gesellschaft ist. 11

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Winzer im 19. Jahrhundert Wandel in Sicht. Das Weinanbaugebiet Burgund im Jahr 1808: Der junge Winzer Sobran Jodeau träumt davon, den größten Wein, den Frankreich je gesehen hat, anzubauen. Doch seine Familie besitzt zwar Land, dennoch arbeiten sein Vater und er ausschließlich für den Comte de Vully und sein Weingut. Und der Wein, den sie für das Château anbauen, schmeckt gewöhnlich. Auch in der Liebe muss Sobran Enttäuschungen hinnehmen. Sein Vater untersagt ihm die Hochzeit mit der jungen Bäuerin Celeste. 16

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Ausbildung Winzer/in Ausbildung (Dauer der Lehre, Abschluss, Berufsmaturität) Die Lehre dauert drei Jahre. Grundlage ist die Verordnung über die berufliche Grundbildung und der Bildungsplan für das Berufsfeld Landwirtschaft und deren Berufe vom 8.5.2008. Die praktische Ausbildung erfolgt auf einem Winzerbetrieb (siehe dazu das Lehrstellenverzeichnis). Es besteht die Möglichkeit, einen Teil der Lehre in der Westschweiz zu absolvieren mit dem Besuch der Berufsfachschule in Au / Wädenswil. Die Berufsfachschule wird in Blockkursen im Strickhof Au/Wädenswil besucht und dauert insgesamt 45 Wochen. Der Besuch der Berufsmittelschule ist möglich. Abgeschlossen wird die Lehre mit dem eidg. Fähigkeitszeugnis als "gelernter Winzer/gelernte Winzerin". Es besteht die Möglichkeit mit abgeschlossener Berufslehre oder Mittelschule eine verkürzte 2-jährige Lehre zu absolvieren. 18

Weiterbildung Weiterbildungsmöglichkeiten Zusatzlehre (2 Jahre) als Weintechnologe/in oder Obstfachfrau / Obstfachmann Berufsprüfung (Eidg. Fachausweis) Höhere Fachprüfung (Meisterprüfung) zum Winzer/in mit Meisterdiplom. Höhere Fachschule Weinbautechniker (3 Jahre, berufsbegleitend) Landwirtschaftliche Berufsmittelschule (NBMS) (mit Berufsmatura): 1 Jahr Vollzeitausbildung in Lindau (ZH), Zollikofen (BE), Gränichen (AG) oder Landquart (GR) - Voraussetzung für ein Studium an einer Fachhochschule. Studium an der ZHAW Life Sciences und Facility Management in Wädenswil oder Changins (VD) mit Abschluss als Bachelor of Science ZFH in Umweltingenieurwesen, Vertiefung Hortikultur. 19

Lernen in einer heissen Gesellschaft: Grundsatz in einer statischen Gesellschaft: Wenn ich das Wissen und Können meiner Vorfahren NICHT übernehme, ist das Überleben meiner Gruppe in Gefahr: Copy & Paste. Grundsatz in einer Innovationsgesellschaft: Wenn ich das Wissen und Können meiner Vorfahren KRITIKLOS ÜBERNEHME, ist das Überleben meiner Gruppe in Gefahr. Bereit sein für neue soziale, wirtschaftliche, persönliche Situationen: Kompetent sein für unbekannte Situationen. 20

Wann lernt eine Gesellschaft? Wenn sie muss. Sputnik Schock: 4. Oktober 1957 Pisa Schock: 4. Dezember 2001 21

Kompetenzorientierung als Bildungspolitik «Pisa Schock 2001»: Dezember 2001 - Schweizer Schülerinnen und Schüler unter dem OECD-Durchschnitt. Traditionelle Unterrichtsformen stossen an ihre Grenzen. Nach obligatorischer Schulzeit: viel Wissen. Nur begrenzt anwendbar. Transfer in die Berufswelt fällt schwer. 2006 Abstimmung über neuen Bildungsartikel in der Bundesverfassung. Harmonisierung des Schweizer Volksschulsystems. Volk und Stände stimmen mit 86% zu. Das wichtigstes Harmonisierungsprojekt: Lehrplan 21. 22 Kompetenzorientiert unterrichten Mai 16

Unterschiedliche Ebenen! Bildungssystem Bildungspolitik, Bildungsverwaltung, Bildungswissenschaft Schulebene Schulleitung, Schulteams, Schulpflege Unterrichtsebene Lehrpersonen, Schülerinnen und Schüler 23

Welches Verständnis prägt den Unterricht? 24

Definition Kompetenz «Unter Kompetenzen versteht man die bei Individuen verfügbaren oder durch sie erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, um bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbunden motivationalen, volitionalen und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten, um die Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können.» (Weinert, 2001) 25

Kompetenzen sind...... verfügbare oder erlernbare kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten, - um bestimmte Probleme zu lösen, - sowie die damit verbunden motivationalen, volitionalen und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten, - um die Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreich - und verantwortungsvoll nutzen zu können. 26

Also nochmals: Kompetenz «Kompetenzen sind die bei Individuen verfügbaren oder durch sie erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, um bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbunden motivationalen, volitionalen und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten, um die Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können.» (Weinert, 2001) 27

Umsetzen Kompetenz = Wissen + Können + Wollen Kompetenz = handelnder Umgang mit Wissen Kompetenz schliesst die Performanz mit ein. Kompetenzen lernt man im Handeln und man zeigt sie im Handeln. 28

Wissen, Können und Wollen In bestimmten Situationen Gelerntes und Erfahrenes aktivieren Anwendung des erworbenen Wissens in unterschiedlichen Situationen Zielorientierung und Motivation, welche einem antreibt, eine Aufgabe oder Herausforderung zu lösen 29

Performanz Kompetenz: die latente Fähigkeit einer Person, eine bestimmte Aufgabe ausführen zu können (z.b. Spanisch zu sprechen) Performanz: tatsächliche Ausführung dieser Aufgabe (z.b. jemanden auf Spanisch begrüssen) Kompetenz kann nie direkt, sondern stets indirekt über deren Performanz diagnostiziert und beurteilt werden (Schott und Azizi Ghanbari, 2012). 30

Kompetenz und Performanz 31

Was ändert sich? Was bleibt sich gleich? unbewusste Kompetenz bewusste Kompetenz bewusste Inkompetenz unbewusste Inkompetenz 32

Was bringt der LP21 Neues? Kompetenzorientierung: Anwendbarkeit von Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten im Fokus Systematischer Kompetenzaufbau über die ganze Volksschulzeit einschliesslich Kindergarten Individualisierung: Grundanspruch sowie weiterführende Kompetenzen 33

Kompetenzverständnis im Lehrplan 21 Kompetenzorientierter Unterricht beginnt bei der Unterrichtsplanung und endet idealerweise bei der Vergegenwärtigung, ob die angestrebten geistigen Vorstellungen, Begriffe und Fähigkeiten auch tatsächlich durch die Schülerinnen und Schüler erworben wurden. (Lehrplan 21, Lern- und Unterrichtsverständnis, November 2014) 34

Inhalte Lernziele - Kompetenzen bisherige Lehrpläne: welche Inhalte sollen Lehrerinnen und Lehrer unterrichten? Lehrplan 21: was sollen Schülerinnen und Schüler am Ende von Unterrichtszyklen wissen und können? 35

Kompetenzorientierter Unterricht als didaktische Aufgabe Kompetenzorientiert unterrichten heisst, nicht nur an den Stoff zu denken, sondern dezidiert danach zu fragen: «Was will ich eigentlich machen? Warum mache ich das? Was soll bei den Schülerinnen und Schülern hängen bleiben?» Nicht einfach: «Jetzt nehmen wir die Römer durch», sondern: «Was sollen die Schülerinnen und Schüler - fachlich und überfachlich - lernen, wenn wir uns mit den Römern beschäftigen?» (Reusser, 2014) 36

Was bleibt gleich? 37

Upps... 38

Was bleibt gleich? Die Lehrperson hat eine zentrale Rolle. Lernziele und Unterrichtsqualität bleiben von Bedeutung. Es werden im Unterricht verschiedene Beurteilungsformen (summativ, formativ, prognostisch) eingesetzt. Die Schülerinnen und Schüler erwerben Wissen (und können dieses in Situationen anwenden). Die Reflexion über Unterricht und Lernen bleibt bedeutsam. Die Schülerinnen und Schüler sollen möglichst selbstgesteuert lernen. 39

Merkmale kompetenzorientierten Unterrichts 40

Kompetenzorientiert unterrichten heisst spezifische Inhalte und Gegenstände so auszuwählen und als Lerngelegenheiten zu gestalten, dass erwünschte Kompetenzen daran erworben oder gefestigt werden können über die Stoffvorgaben hinaus explizit an die Wissensstrukturen und Fähigkeiten denken, die an einem Inhalt, einer Aufgabe erschlossen oder sich daran aufbauen, festigen oder anwenden lassen. (Lehrplan 21, S. 6) 41

Aufgaben und Settings knüpfen an Erfahrungen und (Vor-) Wissen an (adaptiv) wecken Interesse, regen an, fordern heraus sind anwendungsorientiert sind vielfältig, beziehen verschiedene Medien ein ermöglichen gemeinsame Erkenntnisprozesse werden bewusst genutzt für den Aufbau von Kompetenzen ermöglichen Lernstandserfassungen, Lernprozesse und Lernüberprüfungen 42

Lernen und Lehren Lernende profitieren vom verfügbaren Wissen, den Vorerfahrungen und den vorhandenen Strategien der Klasse Sammeln, Dokumentieren, Analysieren, Verstehen, Anwenden, Üben und Reflektieren von Wissen den Lernprozess mitgestalten und für diesen zunehmend Verantwortung übernehmen variable Unterrichtsmethoden und Organisationsformen (kooperativ, dialogisch, selbstständig, entdeckend) passend zu den anzustrebenden Kompetenzen 43

Reflexion und Beurteilung beinhaltet Gespräche und Vergleiche über das Erreichte und den Kompetenzzuwachs beinhaltet die Dokumentation von Erkenntnissen nutzt Fehler als Lerngelegenheiten setzt neben Prüfungen auch Portfolios, Lerntagebücher, Selbstbeurteilungen, Beobachtungen etc. als Beurteilungsinstrumente ein liefert anhand der Ergebnisse Hinweise für die weitere Planung des Unterrichts 44

Nochmals: ein Vergleich Lernziele in bisher gültigen Lehrplänen:... orientieren sich an Situationen, Handlungen, Inhalten.... beschreiben Aktivitäten der SuS und können nur mit Hilfe von Feinzielen beurteilt werden. Kompetenzerwartungen im Lehrplan 21... orientieren sich am Können der SuS.... beschreiben konkret das Ergebnis schulischen Lernens und sind Grundlagen für die Überprüfung der erreichten Kompetenzstufen 45

Ein Kernsatz: Im kompetenzorientierten Unterricht steht das Handeln der Schülerinnen und Schüler im Vordergrund. 46

47

Mit einem Rucksack voller Kompetenzen.. 48

Und was Obama meint: 49