Betriebliches Eingliederungsmanagement

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Transkript:

Institut für Qualitätssicherung in Prävention und Rehabilitation Betriebliches Eingliederungsmanagement Konzeption und Stand der Umsetzung Matthias Mozdzanowski Berlin, 10. Oktober 2012 1

Warum BEM? Nach längerer AU Nach 6 Monaten AU nach 12 Monaten AU kehren so viele Beschäftigte nicht mehr zurück: 50 % 90% 2

Warum BEM? Demografischer Wandel Notwendigkeit zu längerer Lebensarbeitszeit Zuviele vorzeitige Abgänge aus dem Erwerbsleben durch Erwerbsminderung, Arbeitslosigkeit, Vorruhestand Internationale Bemühungen, den Umgang mit Krankheit und Behinderung bei der Arbeit zu verbessern (ILO der Vereinten Nationen; Kanadische Standardisierung) Stärkung der Verantwortung der Unternehmen zum Ende der Lohnfortzahlungpflicht Arbeitsfähigkeit älterer Beschäftigter erhalten 3

Warum BEM? 4

5

Eskalation der Erwerbsminderung AU (krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit) AU > 6 Wochen längere und wiederkehrende AU Erwerbsminderung/Schwerbehinderung vorzeitiges Ausscheiden aus dem Arbeitsleben Zu spät! Früheres Eingreifen erforderlich! 6

Konzept des BEM Frühwarnsystem (6-Wochen-Kriterium) Verantwortung des Arbeitgebers über die 6-Wochen- Grenze hinaus Problemlösungssuchverfahren unter Vertrauensschutz Dialog und Konsens Einbezug aller in- und externen Kompetenzen BEM gilt für alle 7

Ziele des BEM 84 Abs. 2 SGB IX: Arbeitsunfähigkeit möglichst überwinden mit Leistungen oder Hilfen erneuter Arbeitsunfähigkeit vorbeugen Arbeitsplatz erhalten Sowie aus der Begründung zur Gesetzesinitiative: durch Gesundheitsprävention dauerhafte Sicherung des Arbeitsverhältnisses Rehabilitation vor Entlassung Vermeidung von Frühverrentung 8

84 Abs. 2 SGB IX: BEM wer macht was? Arbeitgeber Beschäftigte/Betroffene Interessenvertretung (Betriebs- /Personalrat) Schwerbehindertenvertretung Werks- bzw. Betriebsarzt Gemeinsame Servicestellen und Integrationsamt ist für die Durchführung verantwortlich beteiligt am Prozess; wird informiert über Ziele, gibt/verweigert Zustimmung; dto. zu Art und Umfang der Datenerhebung beteiligt am Prozess; kann Klärung verlangen; Überwachung der Verpflichtung des AG Bei SB: beteiligt am Prozess; kann Klärung verlangen; Überwachung der Verpflichtung der AG beteiligt an Beurteilung und Maßnahmen soweit erforderlich Beratung; sind zu beteiligen, wenn Teilhabeleistungen in Frage kommen Gemeinsame Servicestellen http://www.reha-servicestellen.de. 9

Kernprozesses 10

BEM-Gespräch Vorstellung der der Gesprächspartner (mit (mit ihren Rollen im im BEM) Zeitlichen und und sachlichen Rahmen des des Gesprächs klären Die Die eigene Verpflichtung zum zum Datenschutz verdeutlichen (Dokument zeigen) Freiwilligkeit: Einverständnis einholen (Bereitschaft zum zum BEM, Datenerhebung ) und und dokumentieren; Einverständnis auf auf jeder Stufe deutlich machen ggf. ggf. fehlende Info Info zu zu BEM geben Ziele des des Gesprächs vorstellen ( Problemlösungs- Suchverfahren ) Erwartung des des Mitarbeiters erfragen Lösungsoptionen suchen, falls falls möglich Lösungen erarbeiten Ggf. Ggf. Maßnahmen planen Weiteres Vorgehen vereinbaren 11

Was tun? - Maßnahmen 12

Maßnahmen Technische Veränderungen am Arbeitsplatz zum Beispiel Werkzeug, Arbeitsmittel, Gegenstände, Bedienteile Technik Organisation Person Veränderungen in der Arbeitsumgebung zum Beispiel Beleuchtung, Lautstärke Anschaffung von technischen Arbeitshilfen zum Beispiel zur Lastenhandhabung oder Kraftverstärkung Veränderungen der Arbeitszeit Veränderung der Pausenregelung Veränderung Schichtdienst Veränderung von quantitativen Leistungsvorgaben zum Beispiel Stückzahl Stufenweise Wiedereingliederung Veränderung der Tätigkeit zum Beispiel bestimmte Teil-Tätigkeiten weglassen, mit Kollegen tauschen Ver-/Umsetzung Qualifizierung, um andere Einsatzmöglichkeiten im Betrieb erschließen zu können Weitere gesundheitliche Abklärung, Rehamaßnahme (Betriebs-, Haus- oder Facharzt) iqpr/mozdzanowski 2011

Personalakte und BEM-Akte Personalakte Nachweis der Pflichterfüllung durch AG gemäß 84 Abs. 2 SGB IX Einladung zum BEM Beendigung des BEM BEM-Akte Dokumentation des gesamte BEM Anschreiben Rückantwort Gesprächsprotokolle, Datenschutzdokumente ggf. Arbeitsplatzanalysen Maßnahmepläne Stellungnahme Betriebsarzt Beendigung des BEM Bewertung durch Betroffene etc. 14

Stand der Umsetzung 48% der befragten Betriebe führen BEM durch 67% werten AU-Daten aus. 73% nehmen Kontakt mit erkrankten Beschäftigten auf aus: Niehaus, M. et al. (2008). Betriebliches Eingliederungsmanagement. Bei KMU 66% kennen den Begriff BEM nicht 82% haben keinen BEM-Beauftragten aus: Targetreport (2008). Befragungsprojekt Gesunde Arbeit. Institut für Qualitätssicherung in Prävention und Rehabilitation GmbH (iqpr) 15

Quelle: Hans Böckler Stiftung 2011 16

Stand der Umsetzung Stufenweise Wiedereingliederung ist die häufigste Maßnahme im Einzelfall aus: Niehaus, M. et al. (2008). Betriebliches Eingliederungsmanagement. 17

Professionalisierung 1137 CDMP / CRTWC Zertifikatsprüfungen (inklusive nicht erfolgreiche) Davon sind 770 aktive CDMP s iqpr/mozdzanowski 2011

Professionalisierung 770 CDMP s sind aktiv, in oder für Unternehmen tätig Personalsachbearbeiter, SBV, Betriebs- und Werksärzte, Betriebs-/Personalräte iqpr/mozdzanowski 2011

Professionalisierung z.b.: Gesprächsführung, Casemanagement Sozialleistungsrecht Vernetzung, Einbezug externer Kompetenzen Analyse- und Steuerungs-Methoden Profilvergleich von Anforderungen und Fähigkeiten Beschäftigtenbefragung, Gesundheitszirkel etc. (BGM) iqpr/mozdzanowski 2011

Fazit BEM ist unverzichtbar, nicht nur aber auch im Hinblick auf alternde Belegschaften. Erfolgsfaktoren sind: Unterstützung der Leitung (Ressourcen) Konsens der Sozialpartner Vertrauen in der Belegschaft Eindeutige Strukturen und transparente Prozesse (z.b. Betriebs- /Dienstvereinbarung) Datenschutz Kompetenz der Haupt-Akteure 21

Danke für die Aufmerksamkeit 22