Elternanleitung Tracheostoma

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Transkript:

Leitfaden Elternanleitung Tracheostoma Inhaltsverzeichnis Vorwort... 2 1 Absaugen... 3 2 Tracheostomapflege und Trachealkanülenfixierung... 4 3 Kanülenwechsel... 5 4 Atemwegsbefeuchtung, Inhalation und Sauerstoffverabreichung... 6 4.1 Befeuchtung... 6 4.2 Inhalation... 6 4.3 Sauerstoff... 7 5 Begleitende Pflege... 8 5.1 Körperpflege... 8 5.1.1 Nasenpflege... 8 5.1.2 Mund- und Zahnpflege... 8 5.2 Kommunikation / Sprachentwicklung... 9 5.3 Schlucken und Ernährung... 9 6 Notfallsituationen... 10 6.1 Ablauf einer Kinderreanimation... 10 6.2 Notfalltasche... 12 6.3 Reanimationsschema... 13

Vorwort Liebe Eltern Die folgenden Dokumente sollen Ihnen eine Stütze für das Erlernen der Betreuung und Pflege Ihres Kindes mit Tracheostoma sein. Die Dokumente ersetzen nicht das Anlernen und Vorzeigen durch die Pflegefachperson. Sie werden die einzelnen Themen/ Handlungen in verschiedenen kurzen Einheiten mit den Pflegefachpersonen erarbeiten. Dafür werden jeweils genaue Termine abgemacht. Wir unterstützen Sie gerne in der Betreuung Ihres Kindes, um Ihnen damit mehr Selbstständigkeit zu geben. Die Pflegefachpersonen Auf der Homepage tracheostoma-kinder.ch unter der Rubrik "Pflege für Eltern" können Sie ebenfalls Infos zu den hier besprochenen Themen und Handlungen lesen.

1 Absaugen Absaugen ist eine Bezeichnung für das Entfernen von Sekret. Die Kanüle ist ein Fremdkörper, deshalb wird stets etwas Sekret produziert. Das Absaugen dient der Freihaltung der Kanüle und Luftröhre von Sekret. Eine durch Sekret verstopfte Kanüle kann für das Kind lebensbedrohlich werden. Normalerweise ist das Sekret flüssig, glasig oder weißlich. Sollte es plötzlich zähflüssiger, gelb o- der grün sein, muss an eine Infektion gedacht und der zuständige Arzt/ Kinderspitex informiert werden. Ist das Kind krank, wird meistens mehr Sekret gebildet. Bei Fieber muss darauf geachtet werden, dass das Sekret nicht zu zähflüssig wird; deshalb braucht das Kind in dieser Situation eventuell zusätzlich Flüssigkeit. Die Häufigkeit des Absaugens hängt ab von der Sekretmenge sowie der Fähigkeit des Kindes, das Sekret selber auszuhusten. Entsteht viel Sekret (wie beim Spielen oder Weinen) ist häufigeres Absaugen angezeigt. Im Schlaf muss in der Regel weniger abgesaugt werden Zeichen, die ein Absaugen nötig machen: deutlich hörbare Atemgeräusche tiefe Sättigung oder Sättigungsschwankungen schnelle Atmung Sekret/Blasen in der Kanüle sichtbar sind Unruhe oder Wunsch des Kindes Erbrechen Merkpunkte zum Absaugen Beim Absauggerät wird für Kinder ein Sog zwischen 200-300 mbar eingestellt. Die Größe des Absaugkatheters ist von der Größe der Trachealkanüle abhängig. Benutzt wird eine Kathetergrösse in French, die ungefähr dem Doppelten der Kanülengrösse entspricht. Hilfestellung: die Kanülengrösse beträgt 4.0 mm, diese Zahl mit 2 multiplizieren, dies ergibt 8. Verwendet wird also ein 8 French Absaugkatheter Abmessen des Katheters: ein Katheter wird mit der Länge der Kanüle abgeglichen, markiert und als Modell beim Absauggerät aufbewahrt. Es wird nicht tiefer abgesaugt als die Kanüle lang ist, weil sonst jedes Mal eine Verletzung der Luftröhre stattfindet. Stete Verletzungen der Luftröhre können zu Wucherungen der Luftröhrenschleimhaut führen und müssen operativ entfernt werden. Der Katheter wird ohne Sog in die Kanüle eingeführt und unter kontinuierlichem Sog aus der Kanüle herausgezogen. Das Absaugen soll rasch und effizient vor sich gehen, da der Atemweg während des Absaugens behindert ist. Besser ist in Abständen ein paar Mal kurz abzusaugen als einmal lange. Oft reicht es aus, wenn lediglich das Sekret beim Tracheostomaeingang abgesaugt wird. Hygiene: Steriles Arbeiten im Spital - sauberes arbeiten zu Hause. Die Katheterspitze wird nie berührt und berührt nichts bis sie in die Kanüle eingeführt wird. Der Absaugvorgang Kind informieren Material vorbereiten, Sog überprüfen Hände gründlich waschen oder desinfizieren Kind kann dort abgesaugt werden wo es sich gerade befindet, auch auf dem Fussboden Evtl. Sauerstoff erhöhen Kind nochmals informieren und dann gleich Absaugen Kind betreuen bis es sich wieder gut fühlt, resp. gute Sauerstoffsättigung hat evtl. Sauerstoff reduzieren oder stoppen Material versorgen

2 Tracheostomapflege und Trachealkanülenfixierung Das Tracheostoma muss möglichst trocken und sauber gehalten werden. Eine feuchte Trachealkompresse kann die Haut schädigen und Infektionen können entstehen. Die Tracheostomapflege wird sauber und mindestens 1x täglich oder nach Bedarf durchgeführt. Zur Pflege der Haut rund um die Stomie werden die Pflegeprodukte je nach Zustand der Haut gewählt: Bei reizloser Haut Reinigen mit NaCl 0,9%, trocknen und neue Trachealkompresse unterlegen. Bei geröteter Haut Reinigen mit NaCl 0,9%, trocknen, als Hautschutz ein Hautschutzprodukt (Bepanthen Salbe, Cavilon ) auftragen und neue Trachealkompresse unterlegen. Ein gerötetes Stoma kann auf infiziertes Sekret hinweisen. Insbesondere wenn zusätzlich grünlicher, gelblicher Schleim oder auch schlechter Geruch zu beobachten sind. Solch eine Veränderung sollte mit der Kinderspitex oder dem Arzt besprochen werden. Das Trachealkanülenhalteband wird ebenfalls 1x täglich oder nach Bedarf (starkes Schwitzen) gewechselt, stets nach Baden/ Duschen. Dabei ist es wichtig, dass auch die Haut des Hals- und Nackenbereiches genau beobachtet, gewaschen und getrocknet wird. Bei Rötungen kann auch hier 3M Cavilon oder Bepanthen Salbe aufgetragen werden. Druck auf das Tracheostoma vermeiden Druck führt zu Würgen und wird als sehr unangenehm empfunden. Die Eltern beantworten sich bei der Tracheostomapflege folgende Fragen: Ist das Stoma reizlos? Ist die Haut unter der Trachealkompresse gerötet, schmerzhaft? Kann übermäßige Gewebeneubildung beobachtet werden? Ist die Stomagrösse gleichbleibend oder zeigt sich eine Schrumpfungsneigung? Muss aufgrund der Beobachtungen ein Arzt aufgesucht werden? Vorgang: Wechsel von Halteband und Kompresse Kind fortlaufend über die Handlungen informieren Material bereitstellen Kind lagern Hände desinfizieren / waschen Kanüle festhalten Halteband lösen und Kompresse entfernen Stoma säubern, Stoma trocknen und nach Bedarf pflegen ebenfalls Hals waschen, trocknen, pflegen frische Kompresse unterlegen und neues Halteband anlegen Kind nun aufsetzen und kontrollieren ob die Kanüle gut hält. Zwischen Hals und Band sollte ein Finger passen. Weint das Kind während der Pflege oder ist unruhig, muss nach kurzer Zeit der Sitz der Kanüle nochmals überprüft werden.

3 Kanülenwechsel Damit die unbehinderte Atmung gewährleistet bleibt, wird das Stoma durch eine Kanüle offen gehalten. Die Häufigkeit des Kanülenwechsels ist abhängig von der Menge des produzierten Sekrets und der vorhandenen Borkenbildung. Zähes Sekret sowie Borken, die an der Kanüle haften, werden auf diese Weise mitentfernt. Die Kanüle muss alle 1-4 Wochen gewechselt werden und ist Einwegmaterial. Bei jedem Kanülenwechsel wird auch die Tracheostomapflege durchgeführt. Der Kanülenwechsel erfolgt immer zu zweit. Das Kind soll bis 2 Stunden vorher nicht gegessen und getrunken haben. Die Manipulation kann zu Hustenreiz, möglichem Erbrechen und Verschlucken führen. Lässt sich das Tracheostoma nicht einführen, mit der nächstkleineren Kanülengröße versuchen. Misslingt dies, soll mit der Maskenbeatmung begonnen werden. Dabei muss das Tracheostoma mit einem Taschentuch (oder etwas Ähnlichem) zugehalten werden. Atmet das Kind mühsam durch die Kanüle und das Absaugen bringt keine Änderung der Situation, muss an eine verstopfte Kanüle oder ev. an eine verschobene Lage gedacht werden. Ein sofortiger Kanülenwechsel ist nötig. Vorgang des Kanülenwechsels Kind fortlaufend über die Handlungen informieren Material bereitstellen Kind in eine bequeme Rückenlage bringen; Säuglingen wird eine zusammengerollte Stoffwindel unter die Schultern gelegt und die Arme mit einem um den Oberkörper gewickelten Badetuch nach unten fixiert Hände desinfizieren / waschen erste Person hält die Kanüle am Kind fest, zweite Person löst das Halteband entfernt Kompresse, säubert das Stoma, trocknet und pflegt das Stoma nach Bedarf, säubert, trocknet und pflegt ebenfalls den Hals danach nimmt sie die neue Kanüle in die Hand und zählt laut auf "drei" bei "drei" entfernt die erste Person die alte Kanüle und die zweite Person fügt die neue Kanüle sofort wieder ein, falls vorhanden wird Führungsdraht entfernt (evtl. ist ein Absaugen vor dem Kanülenwechsel notwendig) nun hält die zweite Person die Kanüle fest, während die erste Person eine frische Kompresse unterlegt und das Halteband fixiert Nun kontrollieren ob die Kanüle gut hält. Zwischen Hals und Band sollte ein Finger passen. Weint das Kind während der Pflege oder ist unruhig, muss nach kurzer Zeit der Sitz der Kanüle nochmals überprüft werden. Tipps Notfallmaterial wie Sauerstoff und Beatmungsbeutel sind bereitgestellt. Kontrollieren Sie die Aufschrift der neuen Kanüle. Stimmen die Marke, Grösse und der Typ der Kanüle für ihr Kind? Zum Beispiel ist auf folgendem Bild eine Kanüle zu sehen mit: der Marke: Shiley der Grösse: 3.5 des Typ: Neo

4 Atemwegsbefeuchtung, Inhalation und Sauerstoffverabreichung Beim tracheotomierten Kind fallen die physiologischen Funktionen des Nasen-Rachenraumes aus. Erwärmung, Befeuchtung und Reinigung der Einatmungsluft über den Nasen-Rachenraum finden nicht mehr statt. Dies führt zu folgenden Komplikationen: Das Sekret kann eintrocknen und dadurch die mechanische Reinigung durch die Flimmerepithelien in der Luftröhre erschweren. Der nicht abgehustete Schleim verlegt die Bronchien. In der Folge kann es zu Lungeninfektionen kommen. Ein Kanülenaufsatz (Fässli Sprechventil, Kanülendeckel )hat immer auf der Kanüle zu sein. Feuchte Nase Feuchte Nase für Säuglinge für Kinder Sprechventil 4.1 Befeuchtung Wärme- und Feuchtigkeitsaustauscher, sogenannte künstliche Nasen oder auch "Fässli", bestehen aus sehr kleinen und leichten Kunststoffgehäusen, in die ein Befeuchtungsfilter eingearbeitet ist. Beim Ausatmen wird die natürliche Wärme und Feuchtigkeit der Ausatmungsluft im Befeuchtungsfilter gespeichert und dann wieder an die Einatmungsluft abgegeben. Verschiedene Formen und Grössen sind vorhanden. Die Wahl hängt vom Alter des Kindes und seinen Bedürfnissen ab. Die künstliche Nase wird gewechselt, wenn sie verunreinigt oder nass ist, jedoch mindestens einmal täglich. Kleinkinder können teils selbstständig den Aufsatz entfernen. Es sollte darauf geachtet werden, dass dieser wieder aufgesetzt wird. 4.2 Inhalation Eine Inhalation mit Kochsalzlösung kann bei zähem oder dickflüssigem Sekret hilfreich sein und mehrmals täglich durchgeführt werden. Dies ist besonders hilfreich, wenn tagsüber das Sprechventil eingesetzt wird, weil dieses kein Wärme- und Feuchtigkeitsaustauscher ist. Wichtig ist beim Inhalieren am Tracheostoma, dass stets eine Öffnung für die Ausatmungsluft besteht. Dies ist das zusammengestellte Inhaliergerät des AeronebPro. Bei diesem Inhaliergerät ist es wichtig dass der Deckel bei Nummer 3 offen ist. Sonst kann das Kind nicht ausatmen.

Eine weitere Variante zum Inhalieren ist die mit dem Pari Boy. Besprechen Sie mit der Pflegefachperson was bei Ihnen gilt. Geräte und Material für die Inhalationen sind individuell, ebenso die Reinigung und Wartung dieser. 4.3 Sauerstoff Sauerstoffverabreichung Sauerstoff ist zu 21% in unserer Luft vorhanden. Dank Sauerstoffgeräten ist es möglich den Sauerstoffanteil bis auf 100% zu erhöhen. Die Sättigung Ihres Kindes sollte über 92% sein. Zu Hause wird der Sauerstoff an dem Gerät in Literangaben reguliert z.b. 0.1 bis 0.5 Liter. Wie nehmen Sie wahr, dass Ihr Kind nicht genügend Sauerstoff bekommt? Wenn Ihr Kind zusätzlich durch ein Gerät überwacht wird (Monitor), wird das Gerät auch einen Alarm geben. Jedoch sollten Sie trotz Monitor Ihr Kind immer gut beobachten. Bei Atemschwierigkeiten kann es sein, dass der Körper trotz Einatmen der normalen Luft nicht genügend Sauerstoff erhält. Hat Ihr Kind nur einen geringen Sauerstoffmangel, wird es zuerst durch schnelleres Atmen versuchen mehr Sauerstoff zu bekommen. Bei zunehmender Verschlechterung kann es sein das die Farbe der Lippen und Finger Ihres Kindes bläulich (zyanotisch) aussieht. Wird nicht reagiert, können sich auch das gesamte Gesicht und schliesslich der ganze Körper bläulich verfärben. Wieviel Sauerstoff sollten Sie geben? Wenn Ihr Kind einen plötzlichen Sauerstoffmangel hat, können Sie kurzfristig 100% Sauerstoff geben. Sobald sich Ihr Kind erholt hat, drehen Sie die Sauerstoffzufuhr wieder zurück auf die vorherige Einstellung. Hat Ihr Kind eine schnellere Atmung als üblich, und ist immer knapp bei dem Grenzwert seines Überwachungsgerätes, können Sie mit der tiefsten Einstellung des Sauerstoffes beginnen. Erhöhen Sie in den kleinstmöglichen Schritten, bis Ihr Kind fortlaufend über der Alarmgrenze bleibt. Tritt dies erstmals auf, sollten Sie unverzüglich mit einem Arzt sprechen. Hat Ihr Kind üblicherweise Sauerstoff, ist es auch monitorisiert. Das Gerät wird Ihnen den Sauerstoffgehalt im Blut angeben. Ein gesunder Mensch hat zwischen 92 und 100% Sauerstoff im Blut. Wenn Sauerstoff gegeben wird, soll aber nicht zwingend immer 100% erreicht werden. Deshalb soll nur so viel Sauerstoff wie nötig gegeben werden. Atemschwierigkeiten Nebst Sauerstoffmangel kann ein Kind auch fortlaufend minim Atemnot haben. Durch verschiedene Arten kann das Kind die Atemnot eine gewisse Zeit selber ausgleichen. Diese Behelfstechniken sind: schnellere Atmung Atmung in aufrechter Haltung aufgestützte Arme verminderte Körperaktivität bis fast zu stetem Schlaf verweigern von Essen und/ oder Trinken Beobachten Sie aufmerksam die Qualität der Atmung. Ein Kind, das sich fortwährend für das Atmen anstrengen muss, erschöpft sich schneller und will deshalb öfter kurze Schlafphasen einlegen. Ebenso sind diese Kinder häufig kaltschweissig. Wenn zusätzlich bei jedem Atemzug Einziehungen zwischen den Rippen oder unterhalb der Rippen ersichtlich sind, ist die Atmung deutlich erschwert. Tritt dies erstmals oder erneut auf, sollte mit dem Arzt Kontakt aufgenommen werden.

5 Begleitende Pflege 5.1 Körperpflege Wegen der Öffnung in der Luftröhre sind die Lungen eines tracheotomierten Kindes ungeschützt. Es besteht die Gefahr, dass während der Körperpflege Wasser oder reizende Pflegeprodukte in die Trachea gelangen. Es können auch Partikel, wie zum Beispiel Haare aspiriert werden. Das Baden oder Duschen erfolgt ausschliesslich in Begleitung. Um zu verhindern, dass Wasser in die Kanüle eindringen kann, immer eine künstliche Nase, das Sprechventil oder ein Duschschutz aus Gummi tragen (diese Hilfsmittel bieten jedoch nur einen begrenzten Schutz gegen Spritzwasser und gar keinen Schutz beim Untertauchen). Sollten Wasserspritzer versehentlich in die Trachealkanüle geraten, ruhig bleiben und beobachten, ob das Kind das Wasser eigenständig aus den Luftwegen heraus husten kann. Falls dies nicht der Fall sein sollte, das Kind gründlich absaugen. Ein Absauggerät muss im Badezimmer bereit sein. Ein elektrisches Absauggerät darf aber keinesfalls mit Wasser in Kontakt kommen, da es einen Stromschlag auslösen könnte oder beschädigt wird. Deshalb das Gerät unbedingt auf einer stabilen und erhöhten Oberfläche wie zum Beispiel einem Stuhl platzieren und mit einem Handtuch vor Spritzern schützen. Bei Haustieren darauf achten, dass keine Haare durch die Trachealkanüle aspiriert werden können. Deshalb auf eine gute Hygiene achten und Haustiere z.b. nicht in das Bett des Kindes lassen. Feuchte Kanülenfixationen müssen gewechselt werden. Die Fingernägel regelmässig schneiden. 5.1.1 Nasenpflege Normalerweise reinigt sich die Nase zu einem gewissen Teil selber und wir können durch schnäuzen die Nase von Sekret befreien. Doch bei Kindern mit einem Tracheostoma gelangt kaum Atemluft durch die Nase. Das Kind kann sich auch nicht schnäuzen, da es ja keine Atemluft mit Druck durch die Nase ausströmen lassen kann. Die Nase muss also von aussen gesäubert werden. Bei einer trockenen Nasenschleimhaut sollte morgens und abends eine Nasensalbe dünn aufgetragen werden. Hat es Sekret oder Borken in der Nase, sollten diese entfernt werden. Dabei können zuerst einige Tropfen NaCl 0,9% (= Salzwasser) in die Nase geträufelt werden. Informieren Sie das Kind jeweils bevor Sie mit der Pflege beginnen. Da dies unangenehm ist, brauchen Sie eventuell auch Hilfe von einer zweiten Person. Führen Sie die Nasenpflege dann aus, wenn das Kind gerade einen Moment hat, in dem es gut mithilft. Damit helfen Sie dem Kind Nase, Mund und Gesicht nicht nur mit negativen Erlebnissen zu verbinden. 5.1.2 Mund- und Zahnpflege Es sollte auf eine gute Mundhygiene geachtet werden. Auch wenn Ihr Kind nicht trinkt oder isst, sollten Sie mindestens morgens und abends den Mund/ die Zähne reinigen. Solange noch keine Zähne sichtbar sind, wird der Mund mit dicken Wattestäbchen ausgewischt. Diese können mit Muttermilch oder Tee (Salbei, Kamille) getränkt werden. Da der Mund ein sensibler Teil des Körpers ist, sollte man so wenig wie möglich Zwang ausüben. Beim Erscheinen der ersten Zähne wird eine Zahnbürste für das Putzen verwendet. Solange das Kleinkind noch nicht ausspucken kann, sollte auch noch keine Zahnpasta verwendet werden, sondern immer noch Wasser oder Tee. Machen Sie es vor! Denn wenn Sie selber den Mund öffnen, öffnet das Kind den Mund meist auch besser. Lassen Sie dem Kind auch Zeit mit der Zahnbürste zu spielen. Die Zahnbürste wird mit der sanften Seite auf die Lippen gelegt und erst im Mund gedreht, so dass die Borsten auf die Zähne kommen.

5.2 Kommunikation / Sprachentwicklung Die Stimmbildung ist das Resultat einer höchst komplexen Interaktion verschiedener Körperteile und - funktionen. Grundsätzlich werden die Stimmbänder im Kehlkopf während der Ausatmung zum Schwingen gebracht. Die Trachealkanüle in der Luftröhre erschwert diesen Vorgang. Ein grosser Teil der Ausatmungsluft tritt über die Kanüle aus und erreicht daher die Stimmbänder und oberen Atemwege nicht. Die fehlende sprachliche Kommunikation kann die Entwicklung der Sprache beeinträchtigen. Durch die Verwendung von Hilfsmitteln und Techniken gelingt es bei vielen Kindern eine zufriedenstellende Kommunikation zu erreichen. Interventionen zur Förderung der Kommunikation und Sprachentwicklung Auf nonverbale Kommunikation wie Mimik und Gestik achten und reagieren. Dem Kind Möglichkeiten aufzeigen, wie es sich äussern kann, wenn es etwas braucht. Zum Beispiel mit der Zunge schnalzen, in die Hände klatschen, eine Glocke benutzen, etc. Das Kind soll gelobt werden, wenn es die entsprechenden Zeichen gelernt hat und es diese bei Bedarf einsetzt. Überprüfen, ob das Anliegen des Kindes verstanden wurde und ihm entsprechend Rückmeldung geben. Um die passive Sprachentwicklung zu fördern, sollen dem Kind Handlungen laufend erklärt werden (zum Beispiel Ich wechsle dir die Windeln, Ich ziehe dir die Hosen an, etc.). Weiter können mit Hilfe von Büchern, Familienfotos, Fotos von Haustieren, etc. das Sprachverständnis unterstützt und der Wortschatz vergrössert werden. Verwendung von möglichst kleiner Trachealkanüle oder Sprechventil um eine Stimmbildung zu erreichen. Die Kommunikation kann anhand verschiedener Hilfsmittel unterstützt werden. Bei Säuglingen und Kleinkinder lohnen sich Gebärden und Bilder sowie Fragen, die sich mit Ja (Kopf nicken) oder Nein (Kopf schütteln) oder mit Auswählen und zeigen beantworten lassen. Webseiten: deutschen Gebärdensprache (www.sgb-fss.ch) Babyzeichensprache / Zwergensprache (www.babyzeichensprache.com) Verlag Fingershop (www.fingershop.ch/) Computertechnologien (www.activecommunication.ch/index.php/hilfsmittel/kommunikation) (www.fst.ch/) Piktogramme (www.metacom-symbole.de/) verwenden. 5.3 Schlucken und Ernährung Prinzipiell können Kinder mit Kanüle essen und trinken. Das Riechen und Schmecken ist jedoch vermindert. Riechen entsteht durch die Atemluft in der Nase und Geschmack wird zu 80% anhand des Riechens wahrgenommen. Bei Kindern mit Kanüle strömt jedoch die meiste Atemluft durch die Kanüle und nicht durch die Nase. Das verminderte Riechen und Schmecken hat Auswirkung auf die Lust am Essen. Zusätzlich ist das Schlucken ein komplexer Vorgang. Je nach Verhältnissen im Hals wird die Kanüle beim Schlucken als störend empfunden. Grössere Speisestücke können auch eher Brechreiz auslösen. Das Kind kann sich auch vermehrt verschlucken. Das Kind braucht eine gewisse Zeit, um sich an das veränderte Schlucken und Essen zu gewöhnen. Einige Kinder entwickeln eine Abneigung gegen Essen und Trinken. Dies entsteht meist dadurch, dass nach der Operation häufig Sekret in der Nase und im Mund abgesaugt werden musste. Da dies sehr unangenehm ist, lernt das Kind schnell, den Mund gut zu verschliessen, auch gegenüber essen oder trinken. Diese Kinder lernen meist erst zu Hause wieder Essen und Trinken, wenn Ihnen kein Zwang im Bereich des Mundes mehr auferlegt wird. Wichtig dafür ist das gemeinsame Essen am Familientisch und Nahrung mit den eigenen Fingern berühren zu dürfen. Essen und Trinken ist manchmal der einzige Bereich, wo das Kind seinen Willen kundgeben kann. Viele andere Handlungen muss das Kind ohne Wahl über sich ergehen lassen. Durch Verweigern von Essen und Trinken kann es endlich ein "Nein" durchsetzen.

Interventionen zu Schlucken und Ernährung Wenn das Kind Anzeichen von Essensverweigerung zeigt, keinen Druck oder Zwang auf das Kind ausüben Beim Essen muss darauf geachtet werden, dass keine Essensteile in die Kanüle gelangen. Es wird deshalb darauf geachtet dass der Kanülenaufsatz gut sitzt. Massnahmen, um Aspirationen zu verhindern: Falls das Kind erbrechen muss, den Kopf des Kindes von der Tracheostomie weg drehen, damit die Nahrung nicht in die Kanüle geraten kann (wenn dies doch eintreten sollte, die Kanüle unverzüglich absaugen). Symptome von Schluckstörungen erkennen: Husten, Würgen oder Erbrechen während dem Essen, übersensible Reaktion auf Nahrung im Mund; komplette Verweigerung des Essens, stark erhöhter Speichelfluss aus dem Mund. 6 Notfallsituationen Die Trachealkanüle ermöglicht dem Kind, frei und einigermaßen unbeschwert zu atmen. Eine Kanüle, die in ihrer Funktion behindert ist, wird zur sofortigen Lebensgefahr für das Kind. Es ist für das Überleben des Kindes von fundamentaler Bedeutung, sich mit den angemessenen Maßnahmen zur sofortigen Wiederherstellung der freien Atmung gründlich vertraut zu machen. Es gibt im Allgemeinen drei Situationen, die zur Funktionsunfähigkeit einer Trachealkanüle führen und Atemnot hervorrufen können: Eine verstopfte Kanüle Eine Dislokation, bei der die Kanüle versehentlich aus dem Stoma herausrutscht Eine Kanüle, deren Öffnung versehentlich verdeckt ist Weitere mögliche Ursachen von Atemnot können sein: Eine schwere Atemwegsinfektion: z.b. eine Lungenentzündung Ein Kind, welches an Atemnot leidet, zeigt üblicherweise folgende Symptome: Angestrengte Atmung (erhöhte Atemfrequenz, Einziehungen im Brustbereich und/oder unterhalb des Rippenbogens, Stöhnen und/oder andere verstärkte Atemgeräusche, Nasenflügeln) Unruhe und Anzeichen von Angst bis Panik Feuchte Haut, Schwitzen Bläuliche Verfärbung oder starkes Abblassen der Haut, Lippen, Nagelbetten (spätes Zeichen) Auffällig gesteigerte oder als dann zu spätes Zeichen verminderte Herzfrequenz 6.1 Ablauf einer Kinderreanimation Bewusstloses Kind beim Namen rufen und anfassen sowie kontrollieren ob Atmung und Puls vorhanden sind. Wenn keine Reaktion des Kindes geschieht, wird laut um Hilfe gerufen. Bleiben Sie beim Kind und beginnen sofort mit den Reanimationsmassnahmen. Der Rettungsdienst wird idealerweise durch eine zweite Person alarmiert (Tel.:144) oder von Ihnen nachdem Sie eine Minute lang Beatmung und Thoraxmassage durchgeführt haben. Atmung prüfen Sehen - hören - fühlen. Bei genügender Atmung hebt sich der Brustkorb des Kindes. Sie spüren mit der Hand über der Öffnung der Kanüle einen Atemhauch und können auch mit der Hand die Bewegungen des Brustkorbes fühlen. Atmet das Kind genügend gut, hat einen Puls über 60 Mal pro Minute, bleibt aber bewusstlos, bringen Sie es in die stabile Seitenlage und bleiben beim Kind bis der Rettungsdienst kommt. Überprüfen

Sie Puls und Atmung in einem Abstand von zwei Minuten. Wird keine Atmung innert 10 Sekunden wahrgenommen, muss kontrolliert werden ob die Atemwege frei sind. Atemwege frei machen Trachealkanüle überprüfen. - Liegt die Kanüle korrekt im Stoma? - Kanüle absaugen. Bleibt die Kanüle trotz Absaugen verstopft, wird die Kanüle ausgewechselt. Sobald die Atemwege frei sind und das Kind nicht zu atmen beginnt, muss das Kind beatmet werden Beatmen mit 5 Atemhübe Sie haben verschiedene Möglichkeiten das Kind zu beatmen. Wenn sich der Brustkorb leicht sichtbar hebt, ist Ihre Beatmung gut. Beatmungsbeutel mit Gänsegurgel auf Trachealkanüle setzen Mund auf Trachealkanüle setzen Mund zu Mund bei gleichzeitig verschlossen gehaltenem Tracheostoma (Kanüle nicht mehr im Stoma vorhanden). Beginnen Sie mit 5 Atemhübe und kontrollieren Sie danach den Puls. Puls kontrollieren Fühlen Sie maximal 10 Sekunden nach dem Puls. Bei nicht spürbarem Puls oder einem Puls, der langsamer als eine Sekunde geht, beginnen Sie mit der Herzmassage. Herzmassage Legen Sie das Kind auf eine harte Unterlage. Drücken Sie auf die Mitte des Brustkorbes auf der Höhe der Brustwarzen. Drücken Sie so tief, dass der Brustkorb um ein Drittel sich senkt. Lassen Sie nach jedem Druck den Brustkorb sich ganz wieder heben. Drücken Sie zirka 100-mal pro Minute. Das ist ziemlich schnell! Sie sollten abwechslungsweise 15-mal das Herz drücken (=Thorax Kompressionen)und dann 2 mal beatmen (= Beatmungsstösse). Führen Sie diesen Rhythmus so weiter. Merken Sie sich: 15 Thoraxkompressionen gefolgt von 2 Atemhüben Wenn Sie alleine sind sollten Sie jetzt nach der ersten Minute von Beatmen und Herzdruckmassage den Rettungsdienst alarmieren. Die Reanimation wird weitergeführt bis professionelle Hilfe da ist oder sich das Kind erholt hat. Falls zwei Personen anwesend sind, kann die Herzmassage gleichzeitig mit der Beatmung über den Beutel durchgeführt werden. Schematisch verkürzt dargestellt sieht eine Kinderreanimation wie folgt aus: Bewusstloses Kind Hilferuf (zwei Helfer: Notruf 144) Atmung prüfen, Atemwege frei machen 5 Beatmungen Pulskontrolle 15 Thoraxkompressionen 2 Beatmungen gefolgt von 15 Thoraxkompressionen Nach 1min Notruf 144 2 Beatmungen gefolgt von 15 Thoraxkompressionen bis professionelle Hilfe übernimmt

6.2 Notfalltasche Jeder Patient besitzt eine Notfalltasche. Die Notfalltasche mit Zusatzmaterial muss immer mitgenommen werden, wenn der Patient unterwegs ist. Interventionen Inhalt der Notfalltasche: Schere Passende Trachealkanüle Trachealkanüle in der nächst kleineren Grösse Askina PAD Tracheostomahalteband 2ml Spritze NaCl 0,9% à 10ml Händedesinfektionsmittel Reanimationsschema Zusätzliches Material für unterwegs: Transportables Absauggerät mit passenden Absaugkathetern 2 Absauggeräte (eins in Reserve zu Hause) Ev. Sauerstoff mit passendem Schlauch und feuchter Nase Beatmungsbeutel mit passender Maske und Gänsegurgel Pulsoxymeter Telefon und die wichtigsten Telefonnummern Tela Tücher Abfallsäckli Stoffwindeln

6.3 Reanimationsschema für Eltern Bewusstloses oder bläulich verfärbtes Kind Hilfe rufen, Person direkt ansprechen und auffordern die 144 anzurufen Atmung prüfen Atemwege frei machen: -Absaugen -Trachealkanüle verstopft? -Liegt Trachealkanüle richtig? Keine Atmung: Atmung vorhanden: -5 Stösse mit Beatmungsbeutel -Sauerstoff geben -Sauerstoff über Beutel geben -Überwachen bis sich Kind erholt Puls prüfen Kein Puls: -Herzmassage: 15x Herz massieren gefolgt von 2 Hüben mit Beatmungsbeutel Puls vorhanden: -Überwachen bis sich Kind erholt Falls zwei Personen anwesend sind, kann die Herzmassage gleichzeitig mit der Beatmung über den Beutel durchgeführt werden. Alle 2min Puls und Atmung überprüfen während max. 10 Sekunden, danach weiter mit den notwendigen Massnahmen. Wurde der Rettungswagen angerufen? Sonst jetzt nachholen.