Kommunale Stromversorgung im Kanton Thurgau: Eine Herausforderung

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1 Institut für Systemisches Management und Public Governance Kommunale Stromversorgung im Kanton Thurgau: Eine Herausforderung Dr. Roger W. Sonderegger IHK-TG Weinfelden, 17. August 2011 IHK-TG, , Seite 1

2 Inhalte der Präsentation 1. Einleitung und Herausforderungen 2. Ergebnisse der Studie 2009 Betriebliche Steuerung von kommunalen EVU 3. Erkenntnisse bezüglich der Steuerung von kommunalen EVU 4. Handlungsempfehlungen für EVU 5. Ausgangslage im Kanton Thurgau 6. Künftige Rollen von EKT und grossen EVU 7. Bedeutung der Förderung erneuerbarer Energien 8. Chancen für KMU 9. Zusammenfassung und Ausblick IHK-TG, , Seite 2

3 1. Einleitung und Herausforderungen (1) Strommarktliberalisierung auf der Grundlage des Stromversorgungsgesetzes (StromVG) Marktpreise erreichen 2007 einen historischen Tiefstand: Ø 15 % tiefer als 1997 (Studie BSG, 2009) Phase 1: Kunden mit kwh Stromverbrauch pro Jahr sind frei ab Es ist Markt, aber erst wenige gehen hin denn im freien Markt sind die Preise (im Moment) nicht attraktiver StromVG: Phase 2 ab voraussichtlich 2015: Alle Kunden können den Stromlieferanten frei wählen IHK-TG, , Seite 3

4 1. Einleitung und Herausforderungen (2) Bewältigung der Anforderungen der Strommarktliberalisierung der Phase 1 seit inkl. Anforderungen der ElCom Reorganisation / Weiterentwicklung des Betriebs und Sicherstellung der Versorgungssicherheit Vorbereitung für die Phase 2 der Strommarktliberalisierung Stichworte für Versorger im Netzbetrieb: Anreizregulierung, Benchmarking, Smart Metering, Smart Grid, Ø Weitere Professionalisierung in einem Umfeld, in dem der Effizienzdruck (weiter) zunehmen wird! IHK-TG, , Seite 4

5 2. Ergebnisse der Studie EVU 2009 Struktur der Befragung 2003: Befragung EVU (Mitglieder VSE) in CH-D (Vollerhebung mit kantonalen Werken): 266 EVU Beteiligung: 125 EVU (47.0 %) Struktur der Befragung 2009: Befragung EVU (Mitglieder VSE) in CH-D (Vollerhebung ohne kantonale Werke): 225 EVU Beteiligung: 107 EVU (47.5 %) Differenz 2009 zu 2003 (ohne Kantonswerke): ca. 25 EVU durch Fusionen / Übernahmen und Austritte aus dem VSE Anzahl EVU: 1995: > : ca : ca. 800 (z.b. Kanton GL) IHK-TG, , Seite 5

6 2. Ergebnisse der Studie EVU 2009 Rechtsformänderungen: Grosse Veränderungen Rechtsform 1995 Rechtsform 2003 Rechtsform 2009 Ø 40 % der EVU mit nicht zukunftstauglicher Rechtsform (Verträge) IHK-TG, , Seite 6

7 2. Ergebnisse der Studie EVU 2009 Professionalisierung im Rahmen der Liberalisierung Besteht eine Unternehmensstrategie? 2003: 58 % 2009: 55 % Ist ein Funktionendiagramm eingeführt? 2003: 52 % 2009: 65 % Qualitätsmanagement vorhanden? 2003: 21 % (davon 21 % zertifiziert) 2009: 38 % (davon 68 % zertifiziert nach ISO 9001) IHK-TG, , Seite 7

8 2. Ergebnisse der Studie EVU 2009 Kostenschub durch das StromVG Kosten Umsetzung StromVG in CHF 1'000 Gesamt (je Cluster) GWh GWh 1' GWh 1' GWh 4'269 > 300 GWh 8'500 Hochrechnung (kommunale EVU) und: Können die Kosten überwälzt werden? IHK-TG, , Seite 8

9 2. Ergebnisse der Studie EVU 2009 Ist eine Unternehmensstrategie vorhanden? (in %, ja) ja > 300 IHK-TG, , Seite 9

10 3. Erkenntnisse zur Steuerung von kommunalen EVU - Herausforderungen (1) Effizienzdruck nimmt zu: Administrativer Aufwand durch StromVG: + ca.100 Stellen-% (EVU mit ca. 10'000 Zähler) Zusätzliche Aufwendungen durch StromVG: + ca. CHF 30 Mio. pa (kommunale EVU) Minimalgrösse von EVU: Druck nimmt (weiter) zu (These 2004: 10'000 Zähler voraussichtlich weiterhin korrekt) Make or buy-entscheide: Zunehmende Bedeutung Make Buy IHK-TG, , Seite 10

11 3. Erkenntnisse zur Steuerung von kommunalen EVU - Herausforderungen (2) Marktorientierung ist zu steigern: Phase 2 der Strommarktliberalisierung Marketing und Kundenbetreuung: Konzeption, personelle Besetzung (Spezialisten) und zunehmender Aufwand ("Welche Farbe hat der Strom?") Umgang mit externem Druck Politischer Einfluss ist zu beschränken: Können wir mit der heutigen Rechtsform den künftigen Anforderungen gerecht werden? Sind die politischen Vorgaben klar und präzis definiert und von unternehmerischen Aspekten getrennt (Eignerziele / Eignerstrategie)? Besteht bezüglich Personen (möglichst) Unabhängigkeit von der Politik (Exekutive)? IHK-TG, , Seite 11

12 3. Erkenntnisse zur Steuerung von kommunalen EVU - Herausforderungen (3) Zunehmende Bedeutung des Risk Managements: Beschaffung und Verkauf Produktion Preisentwicklung Debitorenbuchhaltung / Inkasso Internes Kontrollsystem Sicherstellung des Controllings (unter Einbezug strategischer Entwicklungen): Auf der Strategischer Führungsebene unter Einbezug aller relevanten Kriterien Auf der Operativen Führungsebene bei der Umsetzung der strategischen Vorgaben IHK-TG, , Seite 12

13 4. Handlungsempfehlungen für EVU Strategische Steuerung: Fit für die Zukunft? (1) Wird die Minimalgrösse schon heute erreicht? ( Zähler) Worin bestehen die individuellen Herausforderungen (z.b. personell, sachlich, finanziell)? Erarbeitung der strategischen Optionen für die künftige Entwicklung (horizontale Optionen, vertikale Optionen; auch in Bezug auf Grösse) Ist die Rechtsform geeignet (selbständige öffentlich-rechtliche Anstalt vs. privatwirtschaftliche Aktiengesellschaft)? Eignerstrategie und Eignerziele als Rahmenbedingung für die Unternehmensstrategie (inkl. Klärung der Vertretung der Exekutive in der strategischen Führungsebene des EVU) IHK-TG, , Seite 13

14 4. Handlungsempfehlungen für EVU Strategische Steuerung: Fit für die Zukunft? (2) Leistungsvereinbarung: Zu erbringende Leistungen und klare Vorgaben der zu erfüllenden Versorgung (in Verbindung mit einem Globalbudget) Besetzung der Strategischen Führungsebene mit den richtigen Personen (Fachkompetenz) und der nötigen Unabhängigkeit Unternehmensstrategie: Steigerung der Marktorientierung und der Fähigkeiten zur umfassenden Kundenbetreuung (inkl. Marketing und Behandlung der Wechselkunden) Controlling / Reporting: Instrumente einführen für ein empfängerorientiertes Controlling / Reporting IHK-TG, , Seite 14

15 5. Ausgangslage im Kanton Thurgau (1) 110 EVU im Kanton versorgen 80 Gemeinden (VTE) Ziel: 1 Versorger pro Gemeinde (EG zum BG über die Stromversorgung, Art. 7 Ziff. 2) Einwohnerzahl: (Statistik TG, ) Grössere Stadt- und Gemeindewerke: 7 EVU, ca Einwohner) Rest: 103 EVU für ca Einwohner = ca Zähler Durchschnitt: ca Zähler > langfristig nicht überlebensfähig IHK-TG, , Seite 15

16 6. Künftige Rollen von EKT und grossen EVU EKT: Steuerung durch den Kanton als Eigentümer: Politischer Einfluss (Stichwort: Wirtschaftsförderung) Inhaltliche Vorgaben (Ziele, Steuerung, Controlling) auf der Grundlage einer Eignerstrategie notwendig Klärung der eigenen strategischen Positionierung bezüglich aller Stakeholder (Beschaffung, Kunden,...) > Partner für kommunale EVU? EVU (Fokus Städte, Auszug): Klärung der eigenen Positionierung (gesamthaft, Produktportfolio) Eigenständig handlungsfähig (Rechtsform)? Verbesserung der Kundenorientierung Partner für kleinere Nachbarwerke IHK-TG, , Seite 16

17 7. Bedeutung der Förderung erneuerbarer Energien Ausgangslage (These): Atomstrom längerfristig nicht mehrheitsfähig (Volksabstimmung) Ø Ablösung Atomstrom durch andere Energieträger notwendig Ansatz für Kanton, Gemeinden und Werke: Chance für die Profilierung und Reduktion der Abhängigkeit Aber: Zu berücksichtigen sind die Bestrebungen des Regulators zur Effizienzsteigerung (Druck auf das Netzentgelt und damit auf die Profitabilität) > Investitionen? Strategische Klärung (alle Player): Verstärkte Dezentralisierung der Stromproduktion unter Einbezug aller Techniken (Wasser, Sonne, Wind, Biomasse,...) IHK-TG, , Seite 17

18 8. Chancen für KMU Verbrauch kleiner 100 MWh pa (Gewerbe und Industrie): Preissituation in der Grundversorgung weiterhin attraktiv (bestehendes StromVG) Situation klären, sobald der Marktpreis tiefer ist als der aktuelle Energiepreis des EVU Aber: Wenig Spielraum für Änderungen Verbrauch grösser 100 MWh pa (Gewerbe und Industrie): Preissituation in der Grundversorgung weiterhin attraktiv (bestehendes StromVG) Handicap: Einmal frei immer frei Situation klären, sobald der Marktpreis tiefer ist als der aktuelle Energiepreis des EVU > Bündelung des Bedarfs und gemeinsamer Einkauf (IHK?) > Aufgabe IHK: Beobachtung Strompreisentwicklung? IHK-TG, , Seite 18

19 9. Zusammenfassung und Ausblick These: Die vollständige Marktöffnung wird kommen; Zeitpunkt noch nicht klar (2015?) Die Revision des StromVG kommt (zu) langsam voran Tiefer Strompreis im AXPO-Gebiet > aktuell wenig Handlungsbedarf aus Endkundensicht (auch in Relation zum Marktpreis) Beobachtung der Strompreisentwicklung (Strombörse) Hausaufgaben für Kanton, EKT und EVU Kleine EVU kommen schnell (noch mehr) unter Druck: Grosser Handlungsbedarf Erneuerbare Energien: Chance zur Reduktion der Abhängigkeit (auf allen Ebenen) Wichtig: Zeit nutzen, solange die Profitabilität noch intakt IHK-TG, , Seite 19

20 Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Für Ihre Fragen stehe ich gerne bereit: Dr. Roger W. Sonderegger IHK-TG, , Seite 20

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