KRISE ALS CHANCE QUALIFIZIERUNGSOFFENSIVE FÜR BESCHÄFTIGTE UND ARBEITSLOSE

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1 KRISE ALS CHANCE QUALIFIZIERUNGSOFFENSIVE FÜR BESCHÄFTIGTE UND ARBEITSLOSE Bundesminister Rudolf Hundstorfer Wien, 2. Februar 2009

2 1 QUALIFIZIERUNGSOFFENSIVE FÜR BESCHÄFTIGTE UND ARBEITSLOSE Die globale Wirtschaftskrise ist in Österreich immer stärker spürbar. Das lässt sich an der aktuellen Entwicklung der Zahl der Arbeitslosen deutlich ablesen. Die Situation am Arbeitsmarkt wird auch in den nächsten Monaten sehr angespannt bleiben. Von Seiten der Bundesregierung wird alles unternommen, um den Anstieg an Arbeitslosen so gering wie möglich zu halten und die Menschen in Beschäftigung zu halten. BESCHÄFTIGUNGSREKORD TROTZ KRISE Man darf aber in diesem Zusammenhang nicht vergessen, dass trotz der krisenhaften Situation die Beschäftigung in Österreich weiter steigt. Mit 3,343 Millionen unselbständig Beschäftigten wird ein neuer Höchststand erreicht. Das ist eine Steigerung von immerhin ArbeitnehmerInnen oder 0,3 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Ein kleiner Lichtblick in dieser für viele Menschen schwierigen Zeit ist auch die sinkende Inflation, die derzeit bei 1,3 Prozent liegt und wahrscheinlich noch weiter sinken wird. Durch die guten Lohnabschlüsse mit deutlich über drei Prozent ergibt sich für die Beschäftigten eine spürbare Steigerung der Kaufkraft. Die im Frühjahr zu beschließende Senkung der Steuertarife wird ebenfalls zu mehr Kaufkraft führen. Ein wesentlicher Faktor, der die Chancen der Menschen am Arbeitsmarkt verbessern bzw. verschlechtern kann, ist Bildung. Umso besser die Ausbildung ist, umso besser sind die Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Eine bessere Ausbildung der ArbeitnehmerInnen bzw. der Arbeitssuchenden ist daher ein wichtiger Schlüssel zur Vermeidung von Arbeitslosigkeit und zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und der Beschäftigung. In der Krise liegt auch die Chance, den österreichischen Wirtschaftsstandort und Arbeitsmarkt noch konkurrenzfähiger zu machen.

3 2 Wie entscheidend der Bildungsgrad für die Gefahr arbeitslos zu werden ist, zeigt der Blick auf die Zahlen: So haben im Jahr ,7 Prozent aller Arbeitslosen bloß einen Pflichtschulabschluss. Höchste abgeschlossene Ausbildung Arbeitslosenbestand Anteil Pflichtschule ,7% Lehre ,7% Mittlere technisch-gewerbliche Schule ,5% Mittlere kaufmännische Schule ,5% Sonstige mittlere Schule ,9% AHS ,9% Höhere technisch-gewerbliche Schule ,5% Höhere kaufmännische Schule ,5% Sonstige höhere Schule ,3% Akademie (Pädak u.ä.) 885 0,4% Fachhochschule 743 0,4% Universität, Hochschule ,3% Ungeklärt 913 0,4% Insgesamt ,0% Quelle: AMS

4 3 Die Gefahr arbeitslos zu werden ist daher bei Menschen mit lediglich einem Pflichtschulabschluss am höchsten. Die Arbeitslosenquote liegt in diesem Segment bei 14,1 Prozent. Bei UniversitätsabsolventInnen liegt diese Quote hingegen nur bei 1,9 Prozent. Arbeitslosenquoten nach Bildungsabschluss*) 16% 14,1% 12% 8% 5,0% Gesamt: 5,8% 4% 2,8% 3,0% 3,1% 1,9% 0% Pflichtschule Lehre BMS (kaufm., techn., sonst.) AHS BHS (kaufm., techn., sonst.) Uni, FH, Akademie Quellen: AMS, HV *) Vorgemerkte Arbeitslose einer Bildungsebene bezogen auf das Arbeitskräftepotential (= Arbeitslose + unselbständig Beschäftigte) der selben Bildungsebene; die Gliederung der Beschäftigtenbasis nach Bildungsabschluss wurde nach Ergebnissen der Arbeitskräfteerhebung 2007 (unselb. Erwerbstätige nach LFK) errechnet. GRÖSSTE QUALIFIZIERUNGSOFFENSIVE Bildung zahlt sich also aus. Zu den wichtigen Neuerungen bei der Kurzarbeit, die rückwirkend mit 1. Februar beschlossen werden sollen, gehört daher die Möglichkeit, die frei gewordene Zeit zur Qualifizierung der in Kurzarbeit befindlichen MitarbeiterInnen zu nützen. Mit dieser größten Qualifizierungsoffensive für Beschäftigte, die in Österreich jemals durchgeführt wurde, eröffnen sich den Menschen bessere Zukunftschancen auf den Arbeitsmärkten. Heuer wird für Qualifizierungsmaßnahmen dreimal soviel Geld ausgegeben wie 2008.

5 4 Jährliche Ausgaben für Qualifizierungsmaßnahmen in Mio. Euro ,14 16, * *Schätzung (20 Mio. für allgemeine QfB und 25 Mio. Für Qualif. während KUA) Datenquelle: AMS Tausende ArbeitnehmerInnen können in den kommenden Monaten das Angebot für eine weiterführende Ausbildung nützen, um ihre Qualifikationen zu verbessern. Das Angebot soll weit gefächert sein und soll sowohl ArbeitnehmerInnen wie auch dem Betrieb nützen. Befindet sich ein Betrieb längere Zeit in der Kurzarbeitsphase soll es ArbeitnehmerInnenn ohne FacharbeiterInnenausbildung möglich sein, diese Ausbildung nachzuholen. Somit kann die Kurzarbeit, die ein Instrument zur Krisenbewältigung ist, mithelfen, künftigem FacharbeiterInnenmangel vorzubeugen. Einzelbeispiele für Qualifikation während der Kurzarbeit: - Ein MetallarbeiterIn absolviert während der Kurzarbeit eine Höherqualifizierung zum CNC-Dreher (Dauer: 13 Wochen) - Eine Angestellte eines international tätigen Elektronikbetriebs absolviert während der Kurzarbeit einen 6-wöchigen Technik-Englischkurs

6 5 - Ein(e) junger Hilfsarbeiter(in) in der Autoindustrie absolviert während der Kurzarbeit einen berufsbegleitenden Vorbereitungslehrgang für einen Lehrabschluss im Metallbereich (Dauer 10 Wochen), um die Lehrabschlussprüfung absolvieren zu können. Die ArbeitnehmerInnen, die in der Kurzarbeit das Angebot einer Weiterbildung nützen, erhalten eine Qualifizierungsbeihilfe, deren Höhe von den Sozialpartnern festzulegen ist. Die Weiterbildung soll in der inaktiven Arbeitszeit erfolgen. KURZARBEIT NIMMT STARK ZU Die Zahl der Unternehmen und der ArbeitnehmerInnen, die kurzarbeiten nimmt beständig zu. Mit Stand gibt es in 113 Betrieben Kurzarbeit das betrifft ArbeitnehmerInnen. Im Laufe des Februars kommen fix 11 Betriebe mit ArbeitnehmerInnen hinzu. In Summe sind das betroffene ArbeitnehmerInnen. Weiters finden derzeit Beratungsgespräche mit 22 Betrieben mit einem möglichen Beginn der Kurzarbeit im Zeitraum Februar bis Anfang April 2009 statt, wobei ArbeitnehmerInnen betroffen wären. Die bisher angefallenen Kosten für die Kurzarbeit für das Jahr 2009 belaufen sich derzeit auf 54,91 Millionen Euro. Damit sind die Kosten für Kurzarbeit im Vergleich zu den vergangenen Jahren stark gestiegen (siehe Grafik). Die Alternative, die ArbeitnehmerInnen in die Arbeitslosigkeit zu entlassen, kommt aber noch viel teurer. Denn ein Arbeitsloser kostet der öffentlichen Hand so viel wie drei KurzarbeiterInnen. Von der Neuregelung der Kurzarbeit profitieren also ArbeitgeberInnen, ArbeitnehmerInnen und die öffentliche Hand.

7 6 60 Budgetärer Aufwand für Kurzarbeit 1995 bis 2009 in Mio. Euro 54, ,5 4,6 0,1 1,7 2,4 2,3 2,0 6,6 3,2 0,9 2,6 0,8 0,4 1, Stand 1.2. MEHR CHANCEN FÜR ARBEITSLOSE REGIONALE FACHKRÄFTEAUSBILDUNG Neben den neu eingeführten Qualifizierungsmöglichkeiten während der Kurzarbeit, sind einige andere Förderprogramme im Laufen, um dringend benötigte Fachkräfte auszubilden. Besonders hervorzuheben ist das Programm Regionale Fachkräfteausbildung durch das im heurigen Jahr Arbeitslose zu Fachkräften in den unterschiedlichsten Branchen ausgebildet werden sollen. Ausschlaggebend ist hier der regionale Bedarf, sodass je nach Region ganz unterschiedlich Fachkräfte ausgebildet werden. Dabei wird besonders auf Frauen Rücksicht genommen. Von den Menschen, die durch dieses Programm ausgebildet werden, sind Frauen, das sind 64 Prozent. Für das Jahr 2010 wird die Ausbildung von Fachkräften angestrebt. Insgesamt stehen für das Programm der Regionalen Fachkräfteausbildung 35 Millionen Euro zur Verfügung wie im Regierungsprogramm vereinbart.

8 7 VERTEILUNG NACH QUALIFIZIERUNGSBEREICHEN Qualifizierungsbereiche Abs. Bau-/Nebengewerbe 335 Büro/Verwaltung 2254 Dienstleistungen 165 EDV 342 Gastronomie/Tourismus 903 Gesundheit/Soziales 715 Handel/Verkauf 644 Holz 42 Kunststoff 27 Sprachen 70 Sonstiges % 0,5% 1% 10% 11% 14% 14% 5% 5% 3% 36% Bau-/Nebengewerbe Büro/Verwaltung Dienstleistungen EDV Gastronomie/Tourismus Gesundheit/Soziales Handel/Verkauf Holz Kunststoff Sprachen Sonstiges FACHKRÄFTEQUALIFIZIERUNG FÜR METALL Durch die Qualifizierungsoffensive Metallfachkräfte sollen Fachkräfte für den Metall- und Elektrobereich ausgebildet werden. Derzeit befinden sind Personen in diesem Qualifizierungsprogramm. Im 1. Halbjahr 2009 sollen insgesamt Personen zu Metallfachkräften ausgebildet werden. Die Qualifizierungsoffensive umfasst zum einen Ausbildungen mit Lehrabschluss und zum anderen Anlern- und Höherqualifizierungen. Die Maßnahmen werden im Rahmen von AMS-Kursen, individuellen Kurskostenförderungen am externen Bildungsmarkt und Implacementstiftungen durchgeführt. Für dieses Programm stehen 74 Millionen Euro zur Verfügung. FRAUEN IN HANDWERK UND TECHNIK Mit dem Qualifizierungsprogramm Frauen in Handwerk und Technik (FIT) werden Frauen zur Ausbildung in nicht-traditionellen Berufen motiviert. Hervorzuheben am Programm ist, dass neben einer Lehrausbildung auch der Besuch von Fachschulen, HTLs oder Fachhochschulen vom AMS gefördert wird. Denn nur so kann das Ziel, Frauen in hochwertige technischhandwerkliche Ausbildungen zu bringen, erfolgreich umgesetzt werden. Teil des Programms sind auch vorbereitende und unterstützende Maßnahmen, wie eine Berufsorientierung, Beratung (auch hinsichtlich der Kinderbetreuung) und Be-

9 8 gleitung während der Ausbildung. Derzeit befinden sich Frauen in diesem Qualifizierungsprogramm. Im Laufe des heurigen Jahres sollen insgesamt Frauen über dieses Programm ausgebildet werden. UMSETZUNG DER AUSBILDUNGSGARANTIE Für das Ausbildungsjahr 2008/2009 wurden seitens des Arbeitsmarktservice Österreich Ende Dezember 2008 rund Lehrgangsplätze geplant. Es ist vorgesehen, diese Lehrausbildungsplätze im Rahmen der überbetrieblichen Lehrausbildung auf im Ausbildungsjahr 2009/2010 zu erhöhen. Sollte im Zusammenhang mit der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung die Ausbildungsbereitschaft der Lehrbetriebe sinken, ist auch eine Erhöhung der Lehrausbildungsplätze auf möglich. Rückfragehinweis: Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (BMASK) Mag. Norbert Schnurrer Pressesprecher des Sozialministers Tel. (01)

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