Weiterbildung Ergebnisse einer IHK-Online-Unternehmensbefragung. Deutscher Industrie- und Handelskammertag

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1 Weiterbildung 2010 Ergebnisse einer IHK-Online-Unternehmensbefragung Deutscher Industrie- und Handelskammertag

2 Der DIHK hat erneut die Unternehmen zu ihren Plänen und -motiven im Bereich Aus- und Weiterbildung befragt. Im Folgenden werden die Fragen zur Weiterbildung ausgewertet. In der Zeit vom 3. bis 19. Februar 2010 konnten sich Unternehmen online an der Befragung beteiligen. Die Auswahl und Ansprache der Unternehmen erfolgte über die Industrie- und Handelskammern. Insgesamt beteiligten sich Unternehmen an der Online-Umfrage. Die Antworten verteilen sich auf die Wirtschaftszweige wie folgt: Industrie (ohne Bau) 26 Prozent, Baugewerbe 4 Prozent, Daseinsvorsorge (Energie, Wasser, Abwasser, Abfall) 2 Prozent, IT/Medien 9 Prozent, Handel 17 Prozent, Gastgewerbe 8 Prozent, Verkehr 4 Prozent, Banken/Versicherungen 7 Prozent, Unternehmensorientierte Dienste 3 Prozent, Sonstige Dienstleistungen 20 Prozent. Nach Größenklassen zeigt sich folgende Verteilung: Unternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten 19 Prozent, Unternehmen mit 10 bis 19 Beschäftigten 14 Prozent, Unternehmen mit 20 bis 199 Beschäftigten 45 Prozent, Unternehmen mit 200 bis 499 Beschäftigten 11 Prozent, Unternehmen mit 500 bis Beschäftigten 5 Prozent, Unternehmen mit mehr als Beschäftigten 6 Prozent. Auf Grund der besseren Lesbarkeit wurde in dieser Publikation jeweils die männliche Form für beide Geschlechter bei der Bezeichnung bestimmter Personengruppen verwendet. Copyright Alle Rechte liegen beim Herausgeber. Ein Nachdruck auch auszugsweise ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Herausgebers gestattet. Herausgeber Deutscher Industrie- und Handelskammertag e. V. Berlin Brüssel DIHK Berlin: Postanschrift: Berlin Hausanschrift: Breite Straße 29 Berlin-Mitte Telefon (030) Telefax (030) Internet: DIHK Brüssel: Hausanschrift: 19A-D, Avenue des Arts B-1000 Bruxelles Telefon Telefax Internet: Redaktion DIHK Bereich Berufliche Bildung, Bildungspolitik, Dr. Günter Lambertz, Anja Schwarz Stand April 2010

3 Ohne Weiterbildung geht auch der Vorteil des bestqualifiziertesten Personalbestandes verloren. Diese Aussage eines Unternehmens im Rahmen der IHK-Online- Unternehmensbefragung findet sich in zahlreichen Unternehmensmeinungen wieder, auch wenn sie nicht immer derart auf den Punkt gebracht wird. Gleichzeitig beschreiben viele Betriebe es aber als Herausforderung, Qualifizierungsbedarf und -bereitschaft der Mitarbeiter mit den Rahmenbedingungen und Bedürfnisse des Unternehmens in Einklang zu bringen. Die Vorstellungen darüber, wie z.b. Weiterbildungsangebote künftig gestaltet sein sollen, sind unterschiedlich: Kleine Wissens-Happen sind gefragt und nicht ein opulentes 7-Gänge-Menü. Dem Grundsatz nach wird diese Aussage von sehr vielen Unternehmen geteilt: Weiterbildung soll zeitlich flexibel, inhaltlich passgenau und finanziell leistbar sein. Unterstützung wollen die Unternehmen dafür leisten, sehen aber vor allem Weiterbildungsanbieter, die Arbeitsverwaltung und die Beschäftigten selbst ebenfalls in der Pflicht. Der Bedarf an gezielter individueller Weiterbildungsberatung kommt immer wieder zum Ausdruck, häufig wünschen sich Unternehmen auch eine verstärkte und flexible Förderung beschäftigungssichernder Weiterbildung. Im Folgenden sollen jedoch die quantitativen Ergebnisse der Umfrage im Mittelpunkt stehen sie stützen das persönliche Votum der Unternehmen für mehr betriebliche Weiterbildung. Fachkräftesicherung: Betriebliche Weiterbildung gewinnt weiter an Bedeutung Neben der dualen Ausbildung ist auch die betriebliche Weiterbildung ein zunehmend wichtiges Instrument der Unternehmen zur Bewältigung des demografischen Wandels. Wie auch in der Befragung des vergangenen Jahres ist Weiterbildung die am häufigsten genannte Option für die Zukunft, um auf das altersbedingte Ausscheiden vieler Mitarbeiter zu reagieren (53 Prozent). Gut ein Viertel der befragten Unternehmen misst in diesem Zusammenhang der verstärkten betrieblichen Erstausbildung eine große Bedeutung bei. Diese Verteilung erklärt sich unter anderem vor dem Hintergrund einer zeitlich eher kurzen Phase der Erstausbildung und der darauf aufbauenden langjährigen Berufstätigkeit und Weiterbildung im Sinne des lebenslangen Lernens. Zudem hilft ein verstärktes Ausbildungsangebot wenig, wenn die Nachfrager fehlen. 2

4 Wie werden Sie mittelfristig auf das altersbedingte Ausscheiden vieler Mitarbeiter reagieren (in %)? Ich werde die benötigten Fachkräfte durch betriebliche Weiterbildung gewinnen. 53 Ich werde versuchen, die benötigten Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt zu rekrutieren. 43 Ich werde mehr Ausbildungsplätze anbieten. 29 Ich muss mittelfristig nicht reagieren, da ich weniger Fachkräfte benötige Die Antworten unterscheiden sich in Abhängigkeit von der Unternehmensgröße. Über 70 Prozent der größeren Unternehmen mit 200 und mehr Beschäftigten sehen in Weiterbildung ein wichtiges betriebliches Instrument. Dagegen sieht nur jeder zehnte Betrieb dieser Größenklasse keinen Handlungsbedarf, mittelfristig auf die Fachkräfteentwicklung zu reagieren. Doch mit sinkender Unternehmensgröße kehrt sich dieses Verhältnis um: In kleinen Betrieben verliert betriebliche Weiterbildung zur Gewinnung von Fachkräften an Bedeutung. Auch einige branchenspezifische Prioritäten zur mittelfristigen Fachkräftesicherung sind auf Basis der Antworten erkennbar: Während z. B. der Verkehrsbereich auf verstärkte Ausbildung setzt (45 Prozent) und Banken/Versicherungen bei betrieblicher Weiterbildung einen Schwerpunkt sehen (66 Prozent), gehen die Unternehmen im Gastgewerbe (49 Prozent) und im Bereich Unternehmensorientierter Dienste (50 Prozent) stärker als andere Branchen davon aus, geeignete Fachkräfte auch weiterhin auf dem Arbeitsmarkt rekrutieren zu können. 3

5 Wie werden Sie mittelfristig auf das altersbedingte Ausscheiden vieler Mitarbeiter reagieren? (Ergebnisse differenziert nach Größenklassen) Größenklassen Ich werde die benötigten Fachkräfte durch betriebliche Weiterbildung gewinnen. Ich werde versuchen, die benötigten Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt zu rekrutieren. Ich werde mehr Ausbildungsplätze anbieten. Ich muss mittelfristig nicht reagieren, da ich weniger Fachkräfte benötige. weniger als % 32 % 15 % 41 % % 43 % 22 % 22 % % 47 % 30 % 12 % % 44 % 38 % 8 % % 46 % 42 % 10 % mehr als % 40 % 42 % 10 % Durchschnitt 53 % 43 % 29 % 18 % Trotz Wirtschaftskrise: Unternehmen sparen nicht an Weiterbildung Ausdrücklich auf das betriebliche Weiterbildungsengagement bezogen geben 93 Prozent der Unternehmen an, angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht an der Qualifizierung ihrer Mitarbeiter sparen zu wollen. 25 Prozent der befragten Unternehmen planen sogar, das betriebliche Weiterbildungsangebot auszubauen. Wie wird sich die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung voraussichtlich auf die Weiterbildung in Ihrem Unternehmen auswirken? mehr Weiterbildung; 25% gleich bleibendes Engagement; 68% weniger Weiterbildung; 7% 4

6 Der Saldo aus Mehr- und Weniger-Antworten beträgt damit 18 Punkte. Ein Vergleich mit dem deutlich niedrigeren Saldo aus dem Vorjahr (minus 13 Punkte) ist aufgrund leicht veränderter Antwortalternativen nur eingeschränkt möglich; insgesamt stimmt die Entwicklung aber optimistisch. Unterschiede nach Regionen und Branchen sind auf Basis der vorliegenden Befragungsergebnisse kaum festzustellen. Signifikant ist jedoch einmal mehr das überdurchschnittliche Engagement größerer Unternehmen. Die Kosten von Weiterbildung sind dennoch eine wichtige Stellschraube, betriebliche Weiterbildung zu fördern oder einzuschränken. Von einigen befragten Unternehmen werden zu hohe Trainingskosten, z.b. durch hohe Personalausfall- oder Seminarkosten bemängelt. Somit bleibt es auch Hausaufgabe für Anbieter und Betriebe, Angebote für betriebliche Weiterbildung so individuell und betriebsspezifisch wie möglich zu gestalten. Berufsspezifische Fertigkeiten besonders wichtig Befragt nach inhaltlichen Schwerpunkten betrieblicher Weiterbildung gibt jedes zweite Unternehmen an, vornehmlich auf berufsspezifische Fertigkeiten seiner Mitarbeiter zu setzen, deutlich vor Fachwissen sowie den sozialen und persönlichen Kompetenzen. Doch ist im Vorjahresvergleich ein Trend hin zu den sozialen und persönlichen Kompetenzen von Beschäftigten erkennbar Auf welche Schwerpunkte sollte beschäftigungssichernde Weiterbildung in der aktuellen wirtschaftlichen Lage vornehmlich setzen (in %)? Fachwissen Berufsspezifische Fertigkeiten Soziale und persönliche Kompetenzen 5

7 Differenziert nach Branchen zeigen sich deutliche Unterschiede in der Schwerpunktsetzung bei der betrieblichen Weiterbildung: Während sich Industrie- und Bauunternehmen insbesondere auf die berufsspezifischen Fertigkeiten ihrer Mitarbeiter konzentrieren, investieren Banken und Versicherungen vor allem in die so genannten soft skills ihrer Beschäftigten. Auf welche Schwerpunkte sollte beschäftigungssichernde Weiterbildung in der aktuellen wirtschaftlichen Lage vornehmlich setzen? Industrie (ohne Bau) Baugewerbe Daseinsvorsorge IT/Medien Handel Gastgewerbe Verkehr Banken/Versicherungen Unternehmensorientierte Dienste Sonstige Dienstleistungen % 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% Fachwissen Berufsspezifische Fertigkeiten Soziale und persönliche Kompetenzen Weiterbildung muss finanzierbar sein und sich lohnen Das Weiterbildungsengagement der Unternehmen steht im Fokus zahlreicher bildungspolitischer Vorschläge. Es überrascht nicht, dass für einen großen Teil der befragten Unternehmen bessere Geschäftserwartungen bei der Entscheidung für noch mehr betriebliche Weiterbildung eine wichtige Rolle spielen und dies somit als häufigste Antwort gegeben wird. Auch der Bedarf an mehr öffentlicher Förderung zählt zu den vergleichsweise oft genannten Punkten, allerdings nur von jedem vierten Unternehmen. In zahlreichen Anmerkungen von Unternehmen wird aber auch darauf hingewiesen, dass öffentliche Förderprogramme nur schwer nutzbar seien: Entweder erfordern sie einen hohen administrativen Aufwand oder sie gehen ganz am Bedarf der Betriebe und ihrer Mitarbeiter vorbei. Insgesamt sind es vor allem Betriebe mit weniger als 20 Beschäftigten, bei denen der Aspekt der Finanzierung eine überdurchschnittlich große Rolle spielt. Darüber hinaus wird auch ein Eigenbeitrag der Mitarbeiter zur eigenen Weiterbildung von vielen Unternehmen als wichtig erachtet. Es spielt dabei weniger die finanzielle Beteiligung der 6

8 Beschäftigten eine Rolle als vielmehr Urlaubs- oder Freizeitverzicht. Jedes dritte Unternehmen betont zudem, dass sich Investitionen in Weiterbildung im Betriebserfolg niederschlagen müssen. Insbesondere kleinere Unternehmen bewerten diesen Aspekt überdurchschnittlich hoch. Diese unternehmerische Zielsetzung ist verständlich, allerdings lässt sich die Relation von Kosten und Nutzen der Weiterbildung nach wie vor nur schwer bzw. mit großem Aufwand beziffern. Unabhängig von der Messung einer Weiterbildungsrendite sorgen sich andere Unternehmen wiederum darüber, Mitarbeiter nach Qualifizierungsmaßnahmen im unternehmen halten zu können. Nur über ergänzende Regelungen wie z.b. Qualifizierungsverträge oder auch Bindungsfristen könne man die Abwerbung qualifizierter Mitarbeiter verhindern und die Chance auf eine Amortisierung von Bildungsausgaben wahren. Unter welchen Voraussetzungen würden Sie mehr in die Weiterbildung Ihrer Mitarbeiter investieren (in %)? (Mehrfachnennungen möglich) bessere Geschäftserwartungen 39 wenn sich die Mehrinvestitionen amortisieren 32 mehr öffentliche Förderprogramme (z. B. WeGebAU) Urlaubs- und Freizeitverzicht der Mitarbeiter 22 mehr Angebote betriebsspezifischer Weiterbildung 19 finanzielle Beteiligung der Mitarbeiter 11 andere 4 mehr Investitionen sind nicht notwendig Der Umkehrschluss: Nur jedes fünfte Unternehmen gibt an, mehr Investitionen in Weiterbildung seien nicht notwendig. Da es sich hierbei vor allem um größere Unternehmen handelt, könnte diese Aussage durch bereits großes Weiterbildungsengagement motiviert sein. 80 Prozent der Unternehmen haben diese Antwortoption jedoch explizit nicht gewählt ein gutes Zeichen für die Perspektiven der betrieblichen Weiterbildung. 7

9 Fragen In den kommenden Jahren werden aus Altersgründen relativ starke Mitarbeiterjahrgänge aus dem Personalstand vieler Unternehmen ausscheiden. Wie werden Sie mittelfristig auf diese Entwicklung reagieren? (Mehrfachnennung möglich) O Ich werde mehr Ausbildungsplätze anbieten. O Ich werde die benötigten Fachkräfte durch betriebliche Weiterbildung gewinnen. O Ich werde versuchen, die benötigten Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt zu rekrutieren. O Ich muss mittelfristig nicht reagieren, da ich weniger Fachkräfte benötige. Wie wird sich die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung voraussichtlich auf die Weiterbildung in Ihrem Unternehmen auswirken? O Mehr Weiterbildung O Weniger Weiterbildung O Gleichbleibendes Engagement Unter welchen Voraussetzungen würden Sie mehr in die Weiterbildung Ihrer Mitarbeiter investieren? O Mehr Investitionen sind nicht notwendig O Bessere Geschäftserwartungen O Finanzielle Beteiligung der Mitarbeiter O Mehr Angebote betriebsspezifischer Weiterbildung O Mehr öffentliche Förderprogramme (z. B. WeGebAU) O Urlaubs- und Freizeitverzicht der Mitarbeiter O Wenn sich die Mehrinvestitionen amortisieren O Andere... Auf welche Schwerpunkte sollte beschäftigungssichernde Weiterbildung in der aktuellen wirtschaftlichen Lage vornehmlich setzen? O Fachwissen O Berufsspezifische Fertigkeiten O Soziale und persönliche Kompetenzen Haben Sie weitere Anmerkungen zum Thema Aus- und Weiterbildung? 8

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