7.3 Kostenartenrechnung

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1 7 Internes Rechnungswesen 7.3 Kostenartenrechnung Max Lemberger hat in den letzten Monaten leichte Umsatzzuwächse bei allen Ziegelprodukten festgestellt. Dies ist sicherlich gut. Ob er aber auch wirtschaftlich gearbeitet hat, lässt sich nur erkennen, wenn er den Leistungen auch die verursachten Kosten gegenüberstellt. Dazumuss er zuerst einmal sämtliche Kosten erfassen. Mithilfe einer sinnvollen Ordnung der Kosten kann man auch sehen, welche Arten von Kosten sich besonders auffällig verändert haben und welche Kosten man eindeutig den Leistungen zuordnen kann. In der Vollkostenrechnung hat die Kostenartenrechnung die Aufgabe, sämtliche bei der Leistungserstellung entstandenen Kosten periodengerecht zu erfassen und den Leistungen (Kostenträgern) zuzuordnen. Damit schafft sie die Grundlage für eine kostendeckende Preisermittlung. Um diese Aufgabe erfüllen zu können, muss zuerst geklärt werden: Welche Arten von Kosten sind bei der betrieblichen Leistungserstellung entstanden? In welcher Höhe sind die Kosten entstanden? Wie lassen sich die Kosten gliedern? Mit der sachlichen Abgrenzung hat das Unternehmen alle Kosten und Leistungen ermittelt, es hat sie aber noch nicht aufbereitet. Eine andere Anordnung ist deshalb notwendig, weil die bisherige Gruppierung der Aufwands- und Ertragsarten für die GuV-Rechnung sinnvoll ist, nicht aber für Zielsetzungen der KLR. Um den Betriebsablauf zu steuern oder um marktorientierte Entscheidungen vorbereiten zu können, müssen die Kostenarten neu gegliedert werden Gliederung der Kostenarten Allgemein gilt für die Gliederung der Kostenarten, dass sie eine systematische Erfassung sämtlicher Kosten möglich machen soll. Dabei kann die Kostenartengliederung mehr oder weniger differenziert sein, je nachdem, welcher Zweck verfolgt wird. Gliederungszweck Nach verbrauchten Produktionsfaktoren (Produktionsbezogene Nach betrieblichen Funktionen (Funktionsbezogene Nach der Zurechnung auf Kostenträger (Verrechnungsbezogene Verhalten bei Beschäftigungsänderungen (Beschäftigungsbezogene Materialkosten Personalkosten Kapitalkosten Fremdleistungskosten Zwangsabgaben Kosten der Beschaffung Kosten der Lagerhaltung Kosten der Fertigung Kosten der Verwaltung Kosten des Vertriebs Einzelkosten Unterteilung Gemeinkosten variable Kosten fixe Kosten Mischkosten Beispiele/Beschreibung Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe Löhne, Gehälter, soziale Abgaben kalk. Abschreibungen, kalk. Zinsen Transportkosten, Miete, Werbekosten Steuern, Gebühren, Zölle Bestellkosten Transportkosten, Raumkosten Löhne, Maschinenkosten Gehälter, Büromaterial Fuhrparkkosten Direkte Zurechenbarkeit auf die Kostenträger, z. B. Fertigungsmaterial, Fertigungslöhne Sonderausstattung für ein Erzeugnis keine direkte Zurechenbarkeit auf Kostenträger, z.b.kalkulatorische Abschreibungen von Beschäftigung abhängig von Beschäftigung unabhängig enthalten variable und fixe Kosten

2 Kostenartenrechnung 7 Erfassung der Kostenarten Hier geht man in zwei Schritten vor: 1. Ermittlung der Verbrauchsmenge des Kostenfaktors für den Abrechnungszeitraum (Mengengerüst der Kosten) z. B.Verbrauch an Lehm in Tonnen. 2. Bewertung der Verbrauchsmenge (Wertgerüst der Kosten) z. B.Verbrauch an Lehm in Tonnen Preis je Tonne Bei der Bewertung sind drei Wertansätze möglich: 1. Anschaffungs- oder Herstellungskosten: Die Anschaffungskosten sind die Kosten, die ein Unternehmen bezahlt hat, um die Materialarten zu bekommen. Es sind also vergangenheitsbezogene Werte. Entsprechendes gilt für die Herstellungskosten. Es sind die Kosten, die für die Herstellung der Einsatzgüter im eigenen Betrieb angefallen sind. 2. Wiederbeschaffungskosten: Es sind die Kosten, die ein Unternehmen zu bezahlen hat, wenn es für den Verbrauch eine Ersatzbeschaffung vornimmt. Die Wiederbeschaffungskosten stellen eigentlich die richtige Kostengröße dar, damit der Ersatzbeschaffung der ursprüngliche Zustand wieder erreicht werden soll. 3. Verrechnungspreise: Da die Kosten den normalen Güter- und Diensteverzehr bezeichnen, sollen starke Preisunterschiede bei der Materialbewertung vermieden werden. Dazubietet sich das Arbeiten mit Verrechnungspreisen an. Ein weiterer Vorteil der Bewertung mit Verrechnungspreisen liegt in der Kostenkontrolle (Soll-Ist-Vergleich). Preisunterschiede spielen dann bei höheren oder geringeren Materialkosten keine Rolle mehr. Die Ziegelei Lemberger gliedert ihre Kosten zweckbezogen nach verbrauchten Produktionsfaktoren: Kostenarten Wert Fertigungsmaterial ,00 Energie ,00 Fertigungslöhne ,00 Hilfslöhne ,00 Gehälter ,00 Sozialkosten ,00 Mieten, Leasinggebühren ,00 Kommunikationskosten ,00 Instandhaltungskosten ,00 Betriebliche Steuern ,00 Kalkulatorische Abschreibung ,00 Kalkulatorische Zinsen ,00 Kalkulatorischer Unternehmerlohn ,00 Summe ,

3 7 Internes Rechnungswesen Kostenartenrechnung/Gliederung Aufgabe Zweckbezogene Gliederungsart Wertansätze der Kosten Erfassung und Gliederung sämtlicher Kosten in einer Periode produktionsbezogen (nach Produktionsfaktoren) funktionsbezogen (Einkauf, Produktion, Lager) verrechnungsbezogen (Einzel- und Gemeinkosten) beschäftigungsbezogen (fixe und variable Kosten) Anschaffungs- und Herstellungskosten Wiederbeschaffungskosten Verrechnungspreise 1 Welche Aufgabe hat die Kostenartenrechnung? 2 Woher stammt das Zahlenmaterial, das in der Kostenartenrechnung verwendet wird, und warum gilt die Kostenartenrechnung als die erste Stufe der KLR? 3 Folgende Kosten sind in der Kostenartenartenrechnung ermittelt worden. Kostenarten Gesamt Variabler Teil Fixer Teil Fertigungsmaterial , % 0% Betriebsstoffe , % 0% Energiekosten ,00 90 % 10% Fertigungslöhne , % 0% Gehälter ,00 0% 100 % Sozialkosten ,00 60 % 40% Kalk. Abschreibung ,00 70 % 30% Kalk. Zinsen ,00 0% 100 % Miete, Leasinggebühren ,00 20 % 80% Werbekosten ,00 30 % 70% Instandhaltung ,00 75 % 25% Betriebliche Steuern ,00 15 % 85% a) Ermitteln Sie die Material- und Personalkosten. b) Ermitteln Sie die Höhe der Einzel- und Gemeinkosten. c) Ermitteln Sie die Höhe der variablen und fixen Kosten Ermittlung der kalkulatorischen Kosten für kostenrechnerische Korrekturen Ein Schwerpunkt der Kostenerfassung liegt in der Ermittlung der kalkulatorischen Kosten. Es sind künstlich eingesetzte Kosten, da es dafür aus der Finanzbuchhaltung entweder keine entsprechenden Aufwendungen gibt (Zusatzkosten) oder die Aufwendungen aus der Finanzbuchhaltung kalkulatorisch ungeeignet sind, da sie in anderer Höhe anfallen (Anderskosten). Sie sind wichtig, damit der tatsächliche Werteverzehr (Kosten) auch erfasst wird und den Kostenträgern (Leistungen) zugeordnet werden kann

4 Kostenartenrechnung 7 1. Kalkulatorische Abschreibung als Anderskosten Während bilanziell alle Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens nach steuerrechtlichen Vorschriften abgeschrieben werden, darf kalkulatorisch nur das Anlagevermögen abgeschrieben werden, das dem Sachziel des Unternehmens dient. Dabei muss die kalkulatorische Abschreibung dem tatsächlichen Werteverzehr entsprechen. Bei ihrer Ermittlung muss Folgendes beachtet werden: Tatsächliche Nutzungsdauer des Wirtschaftsgutes. Diese voraussichtliche Nutzungsdauer ergibt sich aus Erfahrungswerten und Herstellerinformationen. Sie liegt in der Regel über den Abschreibungszeiten für die steuerliche Abschreibung. Abschreibung vom Wiederbeschaffungswert für die Substanzerhaltung des Anlagevermögens. Durch die Einbeziehung der kalkulatorischen Abschreibung in den Preis fließen dem Unternehmen bei Deckung der Selbstkosten die Mittel über den Umsatz zu, die es nach Ablauf der Nutzungsdauer zum Erwerb einer neuen Anlage benötigt. Da bilanziell aber nur von den Anschaffungskosten abgeschrieben werden darf (nominelle Kapitalerhaltung), müssen die kalkulatorischen Abschreibungsbeträge, die höher als die bilanziellen sind, versteuert werden. Somit muss zur Substanzerhaltung (reale Kapitalerhaltung) immer ein Teil des versteuerten Gewinns eingesetzt werden. Problematisch ist die Ermittlung der Wiederbeschaffungskosten. Diese Wertgröße muss unter großer Unsicherheit festgelegt werden, da man immer die zukünftigen Preisänderungen zu berücksichtigen hat. Sie kann geschätzt oder über die jährlich zu erwartenden Preissteigerungsraten hochgerechnet werden. Lineare Abschreibung (gleiche Beträge) Während steuerlich meist geometrisch degressiv abgeschrieben wird, da dadurch der Aufwand größer ist und den zu versteuernden Gewinn verringert, wird der tatsächliche Werteverzehr in der Regel durch die lineare Abschreibung ermittelt (Ausnahme bei Leistungsabschreibung). Dabei wird der ermittelte Wiederbeschaffungswert durch die tatsächliche Nutzungsdauer dividiert. Abschreibungsbetrag = Wiederbeschaffungswert/tatsächliche Nutzungsdauer Max Lemberger hat zu Beginn des Jahres einen großen Radlader für ,00 (netto) angeschafft. Steuerlich darf er ihn auf 8Jahre abschreiben. Die tatsächliche Nutzungsdauer beträgt 10 Jahre. Lemberger rechnet mit jährlichen Preissteigerungsraten von 5%. Die bilanzielle Abschreibung im 1. Jahr beträgt ,00,daLemberger degressiv abschreibt. Im 2. Jahr sind es ,00.Nach 8Jahren ist das Fahrzeug auf den Wert null abgeschrieben. Ab dem 8. Jahr erfolgt demnach keine bilanzielle Abschreibung mehr. Der Wiederbeschaffungswert beträgt nach der Zinseszinsformel K =(AK 1 + P/100)^10 K= ,62889 K= ,00 Die kalkulatorische Abschreibung beträgt in allen 10 Jahren: /10 =16.288,

5 7 Internes Rechnungswesen Vergleicht man die Aufwendungen und Kosten im 1., 2. und 10. Jahr, so ergibt sich folgendes Bild: Jahr Neutraler Aufwand Aufwand/Kosten ( ) Zweckaufwand = Grundkosten ( ) Zusatzkosten Kosten/Aufwand ( ) ,90 0,00 2 0, ,90 288, ,00 0, ,90 Im ersten Jahr beträgt der Aufwand (bilanzielle Abschreibung) ,00, die Kosten (kalkulatorische Abschreibung) dagegen nur ,90. Die Aufwendungen sind demnach um 3.711,10 größer als die Kosten. Vergleich bilanzielle Abschreibung und kalkulatorische Abschreibung Kriterien Bilanzielle Abschreibung Kalkulatorische Abschreibung Nutzungsdauer steuerliche AfA-Zeiten tatsächliche Nutzungsdauer Wertansatz Anschaffungswert Wiederbeschaffungswert Abschreibungsverfahren degressiv linear Kapitalerhaltung nominell real Wirtschaftsgüter alle abnutzbaren Anlagegüter nur die betriebsnotwendigen Wirtschaftsgüter des AV 2. Kalkulatorischer Unternehmerlohn als Zusatzkosten In Kapitalgesellschaften wird den Vorstandsmitgliedern oder den Geschäftsführern ein Gehalt für ihre Tätigkeiten bezahlt. Diese Entlohnung ist für das Unternehmen kostengleicher Aufwand. Ein Einzelunternehmer oder ein Gesellschafter einer Personengesellschaft erhält kein Gehalt, wenn er seine Arbeitskraft im eigenen Unternehmen einsetzt. Das Leistungsentgelt dieser Unternehmer ist der Gewinn. Da dieser Gewinn keine Aufwandsgröße sein kann, muss für ihre erbrachte Leistung ein kalkulatorischer Unternehmerlohn in die KLR eingerechnet werden. Diese Zusatzkosten orientieren sich an dem durchschnittlichen Gehalt eines leitenden Angestellten, der eine vergleichbare Aufgabe in einer anderen Unternehmung erfüllt. Beispiel: Max Lemberger setzt das vergleichbare Gehalt mit 8.000,00 pro Monat an. Da die Mitarbeiter 13 Monatsgehälter bekommen, beträgt der jährliche kalkulatorische Unternehmerlohn ,00 = ,00. Pro Quartal sind dies ,00. Da keine entsprechenden Aufwendungen vorliegen, gibt es keinen Zweckaufwand, damit auch keine Grundkosten. Die Zusatzkosten betragen pro Quartal ,00. Neutraler Aufwand Aufwand/Kosten ( ) Zweckaufwand = Grundkosten ( ) Zusatzkosten Kosten/Aufwand ( ) 0,00 0, ,

6 Kostenartenrechnung 7 Alle kalkulatorischen Kosten sind künstlich eingeführte Kosten und müssen dem tatsächlichen Werteverzehr entsprechen. Damit soll erreicht werden, dass alle Kosten, die im Unternehmen angefallen sind, auch erfasst werden. Vielfach wird die Meinung vertreten, dass die kalkulatorischen Kosten zu hoch angesetzt waren, wenn diese Kosten nicht über den Umsatz zurückfließen. Diese Meinung ist bei einer richtigen und angemessenen Kostenermittlung falsch. Nicht die Kosten waren dann zu hoch angesetzt, sondern der Marktpreis ließ eine Kostendeckung nicht zu. Berechnung der kalkulatorischen Kosten Notwendigkeit Kalk. Abschreibung Kalk. Zinsen Kalk. Wagnisse Kalk. Unternehmlohn Ein Schwerpunkt der Kostenartenrechnung ist die Erfassung der kalkulatorischen Kosten. Die Ermittlung dieser Kosten ist notwendig, um den tatsächlichen Werteverzehr zu bekommen. Wiederbeschaffungswert/tatsächliche Nutzungsdauer Verzinsung des betriebsnotwendigen Kapitals Summe der Einzelwagnisse nach Erfahrungswerten Vergleichbares Entgelt als Angestellter 1 Erläutern Sie kurz, warum kalkulatorische Kosten berechnet werden müssen. Erklären Sie das beispielhaft an den kalkulatorischen Abschreibungen und dem kalkulatorischen Unternehmerlohn. 2 Erklären Sie, warum kalkulatorische Kosten bezüglich der Finanzbuchhaltung erfolgsneutral sein müssen. 3 Erklären Sie folgende Aussage: Die bilanzielle Abschreibung dient der nominellen Kapitalerhaltung, die kalkulatorische soll der realen Substanzerhaltung dienen. 4 Eine Maschine mit einem Anschaffungswert von ,00 wird bilanziell geometrisch degressiv über 8 Jahre abgeschrieben. Die tatsächliche Nutzungsdauer beträgt 10 Jahre, der Wiederbeschaffungswert ,00. a) Wie hoch sind bilanzielle und kalk. Abschreibung im 1., 2. und 10. Jahr? b) Wie hoch sind neutraler Aufwand, Zweckaufwand = Grundkosten und Zusatzkosten im 1., 2. und 10. Jahr? c) Wie hoch wäre der Wiederbeschaffungswert, wenn jährlich mit 6% Preissteigerungsrate gerechnet wird? (Zinseszinsformel verwenden). 5 Wie hoch ist der kalkulatorische Unternehmerlohn eines Einzelunternehmers pro Quartal, wenn ein vergleichbarer Angestellter 7.500,00 pro Monat verdient und 13,5 Monatsgehälter bezieht? 6 Für die Berechnung der kalkulatorischen Kosten in einem Unternehmen stehen Ihnen folgende Daten zur Verfügung: Anschaffungskosten (AK) des abnutzbaren AV ,00 ; Wiederbeschaffungskosten des abnutzbaren AV ,00. Steuerliche und tatsächliche Nutzungsdauer 8 Jahre. Steuerlich wird höchstmöglich abgeschrieben. Der Unternehmer arbeitet in der Unternehmung mit. Ein vergleichbarer leitender Angestellter bekommt 13 Monatsgehälter à 6.000,

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