Flexible Ausgangsphase. Klasse Praxis! an der Theodor Storm Gemeinschaftsschule

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1 Konzept Flexible Ausgangsphase Klasse Praxis! an der Theodor Storm Gemeinschaftsschule in Kooperation mit dem JAW und der Theodor Storm Gemeinschaftsschule mit Grundschulteil Danziger Straße Kiel Tel.: Fax: Mail: Internet: 1

2 Inhalt: 1. Grundsätzliche Überlegungen und Zielsetzungen 2. Zielgruppe 3. Umsetzung 4. Ablaufplan 5. Finanzierung 6. Evaluation 2

3 1. Grundsätzliche Überlegungen und Zielsetzungen Das vorliegende Konzept basiert auf dem Handlungskonzept Schule und Arbeitswelt des Ministeriums für Bildung und Frauen und des Ministeriums für Soziales des Landes Schleswig-Holstein. Dessen übergeordnete Ziele sind die Reduzierung des Anteils der Schulabgänger/innen ohne Schulabschluss und die Reduzierung der Jugendarbeitslosigkeit. Ziele der Flexiblen Ausgangsphase, hier auch Klasse Praxis! genannt, sind das Erreichen des Hauptschulabschlusses sowie die Verbesserung der Ausbildungs- und Berufsreife. Im Fokus liegen dabei insbesondere die Stärkung der Beschäftigungsund Motivationsfähigkeit der Jugendlichen. Die folgenden inhaltlichen und strukturellen Ausrichtungen dieser Klasse sind daran orientiert, die Schülerinnen und Schüler durch die Verknüpfung von schulischer Bildung mit praktischen Erfahrungen in der Berufswelt zu motivieren und individuell zu stärken und zu fördern. Folgende Prinzipien liegen der Arbeit in dieser Klasse zugrunde: hohe Praxisanteile fächerübergreifende Berufsorientierung durchgängiges Coaching intensive Elternarbeit 2. Zielgruppe In eine Klasse Praxis! können Schülerinnen und Schüler aus Hauptschul- und Förderschulklassen aufgenommen werden, die lernbereit sind, für sich die Möglichkeit sehen, mit einem zusätzlichen Schuljahr den Hauptschulabschluss zu schaffen, sich vorstellen können, dass ihnen das Lernen leichter gelingt, wenn es eng mit der Praxis verknüpft ist, an einer intensiven beruflichen Orientierung interessiert sind. 3

4 Über die Aufnahme in die Klasse entscheiden die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihren Erziehungsberechtigten und den Lehrkräften auf Grundlage eines Vorstellungsgespräches. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der dieser Klasse verpflichten sich gemeinsam mit ihren Erziehungsberechtigten vertraglich (siehe Anlage) zur aktiven Mitarbeit. Es wird eine Probezeit von 6 Monaten vereinbart. 3. Umsetzung Mit dem Ziel, den Hauptschulabschluss zu erwerben, durchlaufen die Schülerinnen und Schüler die Jahrgangsstufen 8 und 9 in drei Jahren, in Ausnahmefällen in zwei Jahren. Die Klassen sind kleiner und auf eine Lerngruppe von 15 Schülerinnen und Schüler begrenzt. Ein Teil des Unterrichts findet in Doppelbesetzung durch eine Hauptschul- und eine Förderschullehrkraft statt. Dadurch ist eine intensivere Einzelförderung unter Berücksichtigung des individuellen Lerntempos möglich. Um die Berufswahl- und Ausbildungsreife bei den Jugendlichen zu fördern, werden zum einen die unterrichtlichen Inhalte auf das Arbeitsleben und berufliche Tätigkeiten bezogen, zum anderen findet regelmäßig auch Lernen an außerschulischen Lernorten wie z. B. in Werkstätten der beruflichen Bildung statt. Dort erwerben die Schülerinnen und Schüler Grundfertigkeiten in den jeweiligen Berufsbildern und erhalten zugleich einen Einblick in die von Ausbildungsbetrieben geforderten Schlüsselqualifikationen. Darüber hinaus gewinnen sie erste Anhaltspunkte und Erkenntnisse über mögliche berufliche Interessen, Neigungen und Stärken. Ergänzt wird dieses Stärkenprofil durch die Teilnahme an einem viertägigen Assessment, innerhalb dessen der Fokus ebenfalls auf bereits vorhandene Stärken und Fertigkeiten ausgerichtet ist und in Form eines Abschlussberichtes erste Hinweise darauf gibt, welche Berufsfelder möglicherweise in Frage kommen. In regelmäßigen Betriebspraktika erweitern und vertiefen sie diese und knüpfen erste Betriebskontakte, die sie ggf. für ihre Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz nutzbar machen können. Eine individuelle Begleitung dieses Prozesses erfolgt fortlaufend durch das Coaching, in dem sich die Schülerinnen und Schüler Ziele in schulischer und beruflicher Hinsicht setzen und lernen, diese zu verfolgen und zu erreichen. Dieses Instrument dient sowohl einer gerichteten und realistischen Zukunftsplanung und 4

5 Entscheidungsfähigkeit als auch der Stärkung von Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit als wesentliche Faktoren für einen gelingenden Übergang vom Schul- in das Berufsleben. Eine wichtige Ergänzung finden diese Maßnahmen in einer intensiven Elternarbeit. In regelmäßigen individuellen Einzelgesprächen zwischen den Schülerinnen und Schülern, ihren Erziehungsberechtigten und den Lehr- und Coachingfachkräften wird der aktuelle Leistungs- und Entwicklungsstand thematisiert und die nächsten daraus resultierenden Zielsetzungen erörtert. Darüber hinaus werden die Schülerinnen und Schüler den Erziehungsberechtigten an Präsentationsabenden ihre Arbeitsergebnisse aus der Berufsorientierung vorstellen. Die Umsetzung erfolgt unter Einbeziehung und Mitwirkung weiterer Kooperationspartner, wie z.b. der Berufsberatung der Agentur für Arbeit, den Trägern der beruflichen Bildung, den Firmenkooperationspartnern der TSG und dem Regionalen Bildungszentrum (RBZ 1, Außenstelle Steenbek). Weitere Kooperationen werden angestrebt. 5

6 4. Ablaufplan Schulhalbjahr (Zeitschiene) Lehrplanmäßige Unterrichtsanteile Berufsorientierende Maßnahmen Lebenspraktische Komponente (soziale und päd. Aspekte) Klasse 8, 1. Halbjahr Lernstanderhebungen, Wiederholung des Unterrichtsstoffs Klasse 7 - Betriebspraktikum Nr.1 Klassenfindung, Klassenraum (Renovierung und Gestaltung) Festigung sozialer Strukturen, Ist-Zustand Erhebung für jede/n Schüler/in Klasse 8, 2. Halbjahr Fortführung Stoffwiederholung Klasse 7, Einstieg in Lehrplan Klasse 8 - Assessment im JAW (Kompetenzfeststellung) - Werkstattunterricht im bfw am Seefischmarkt ( ) - 2 Berufsfelderprobungen im JAW à 4 Tage - Betriebsbesichtigung Nr.1 Vorbereitung auf eigenverantwortliches Leben, soziales Training, Umgang mit Behörden, Banken und weiteren Institutionen, Klasse 9, 1. Halbjahr Fortsetzung Lehrplan Klasse 8 - BiZ-Besuch - Baupraktikum im Ausbildungszentrum Bau - Betriebspraktikum Nr.2 - Betriebsbesichtigung Nr.2 - Schriftliches Bewerbungstraining Unterrichtsinhalte wie z.b. Benimmregeln, Mobilität, Haushaltsführung, Schuldenprävention, Gesunde Ernährung, Fitness Klasse 9, 2. Halbjahr Einstieg in Lehrplan Klasse 9 - Betriebspraktikum Nr.3 - Betriebsbesichtigung Nr.3 - Gartenbau-Projekt vor Ort Klasse 9+, 1. Halbjahr Fortsetzung Lehrplan Klasse 9, Beginn der Prüfungsvorbereitung - Betriebspraktikum Nr.4 - Betriebsbesichtigung Nr.4 - Einstellungstests und Vorstellungsgespräche üben - individuelle Bewerbungen erstellen Klasse 9+, 2. Halbjahr Intensive Vorbereitung auf die Hauptschulabschlussprüfung (schriftlich und mündlich) - Einstellungstests und Vorstellungsgespräche üben - individuelle Bewerbungen erstellen 6

7 5. Finanzierung Das Projekt ist ein Teil des Handlungskonzeptes Schule&Arbeitswelt und wird finanziert über Mittel des Europäischen Sozialfonds sowie der Bundesagentur für Arbeit, des Ministeriums für Bildung und des Landes Schleswig-Holstein. 6. Evaluation Die Klasse Praxis! wird zum geeigneten Zeitpunkt mit noch zu entwickelnden Instrumenten qualitativ und quantitativ evaluiert. Anhaltspunkte hierfür liefern und der Index für Inklusion. Hierbei werden die aktive Mitarbeit der Schülerinnen und Schüler sowie deren Erziehungsberechtigten angestrebt. Zusätzlich besteht das Angebot des Regionalen Übergangsmanagements Kiel, sich an der Evaluation zu beteiligen 7

8 Anhang: Vertrag zum Besuch der Klasse Praxis! 8

9 Vertrag zum Besuch der Klasse Praxis! in der Theodor Storm Gemeinschaftsschule mit Grundschulteil zwischen Schüler/in geb. am wohnhaft Erziehungsberechtigten und der Schulleitung und den Lehrkräften der Klasse Praxis! Dieser Vertrag gilt (mit einer Probezeit bis zu den Osterferien 2012) ab dem Schuljahr 2011/2012 für drei Schuljahre. Stellt die Klassenkonferenz fest, dass ein Vertragsunterzeichner wiederholt gegen die Inhalte dieses Vertrages verstößt, kann die Teilnahme an der Klasse Praxis! vorzeitig beendet werden. In diesem Fall wechselt die Schülerin/der Schüler in die vorher besuchte Klasse. Inhalt des Vertrages Pflichten der Schülerin/des Schülers Der Umgangston mit Schüler/innen und Lehrer/innen ist immer respektvoll. Die Gesprächsregeln werden konsequent eingehalten. Anweisungen der Lehrkräfte werden uneingeschränkt befolgt. Hausaufgaben zu erledigen ist Pflicht. Rechte der Schülerin/des Schülers Jede/r Schüler/in hat das Recht darauf, respektvoll behandelt zu werden. Jede/r Schüler/in hat das Recht auf störungsfreien Unterricht. Jede/r Schüler/in hat das Recht auf Unterstützung bei Problemen. 9

10 Jede/r Schüler/in hat das Recht auf Hilfe im Unterricht. Probleme in der Klassengemeinschaft (Schüler/innen und Lehrkräfte) werden gemeinsam gelöst. Vorschläge, Anregungen und Kritik der Schülerinnen und Schüler werden ernst genommen. Pflichten der Erziehungsberechtigten Die Erziehungsberechtigten arbeiten mit und unterstützen ihre Kinder nach ihren Möglichkeiten. Die Erziehungsberechtigten melden ihre Kinder im Krankheitsfall vor Unterrichtsbeginn telefonisch ab und entschuldigen Fehltage ihrer Kinder schriftlich und unverzüglich. Die Erziehungsberechtigten verpflichten sich, das Dialogheft einmal wöchentlich zu unterschreiben. Die Erziehungsberechtigten verpflichten sich, die Klassenarbeiten zu unterschreiben. Die Erziehungsberechtigten verpflichten sich, an schulischen Terminen nach Möglichkeit teilzunehmen. Rechte der Erziehungsberechtigten Die Erziehungsberechtigten haben das Recht, sich jederzeit bei den Lehrkräften über ihre Kinder zu informieren. Die Erziehungsberechtigten haben ein Recht darauf, dass ihre Kinder bestmöglich unterstützt werden. Die Erziehungsberechtigten haben ein Recht auf bestmögliche Beratung für die beruflichen Möglichkeiten ihrer Kinder. Vorschläge, Anregungen und Kritik der Erziehungsberechtigten werden ernst genommen. Kiel, Schüler/in Klassenlehrer/in Erziehungsberechtigte/r Förderschullehrer/in Bildungsträger Schulleiter 10

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