45.1 Bilanz und Folgerungen zum Bachelorstudium

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1 Die Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengängen war von einigen Schwierigkeiten begleitet, die 2009 zu heftigen Protesten bei Studierenden führten. Mittlerweile ist die gestufte Studienstruktur an den deutschen Hochschulen fest etabliert. Deshalb ist es Zeit für eine Zwischenbilanz aus der Perspektive der Studierenden, die zugleich Adressaten, Betroffene und Experten sind: Wie bewerten sie die Studierbarkeit der gestuften Studiengänge? Wie gut sehen sie sich in der Lage, die Leistungsanforderungen zu erfüllen? Welche Erwartungen haben sie an das Studium? Und wie zufrieden sind sie mit den erworbenen Kompetenzen? Der nachfolgende Auszug zu Befunden im Bachelorstudium stammt aus dem Bericht Das Bachelor- und Masterstudium im Spiegel des Studienqualitätsmonitors. Entwicklungen der Studienbedingungen und Studienqualität 2009 bis 2012 (Bargel/Heine/Multrus/Willige, Forum Hochschule 2/2014; DZHW) Bilanz und Folgerungen zum Bachelorstudium Der Studienqualitätsmonitor, der seit 2007 in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (früher: HIS Hochschul-Informations-System GmbH, Hannover) und der AG Hochschulforschung (Universität Konstanz) durchgeführt wird, ermöglicht es, für die Zeitreihe von 2009 bis 2012 das Bachelorstudium in seiner Entwicklung wie seinem gegenwärtigen Zustand auf den Prüfstand zu stellen. Die Untersuchung liefert aufschlussreiche Befunde zu zentralen Bereichen der Studienqualität wie Studierbarkeit und Studieneffizienz, Lehrevaluation und didaktische Prinzipien, Ressourcen und Unterstützung sowie Studienertrag und Studienbilanz. Die Befunde lassen einige allgemeine Schlussfolgerungen zu, hinsichtlich der erkennbaren Trends und Verbesserungen im Bachelorstudium, der Stärken und Schwächen des Studienangebotes und der Lehrqualität sowie der vorhandenen Schwierigkeiten und Beeinträchtigungen. Einige Stärken im Bachelorstudium Das Bachelorstudium weist einige Stärken auf. An erster Stelle dieser Stärken steht die inhaltliche Qualität der Lehre, d.h. die Anerkennung der Fachkompetenz der Lehrenden. Dies zeigt sich auch im Studienertrag, der bei den Fachkenntnissen am höchsten eingestuft wird. Hinzukommt, dass in der Beratung durch die Lehrenden der Austausch über fachliche Inhalte besonders gut evaluiert wird. Da Fachkenntnisse das Kernstück der Qualifikation darstellen, ist der hohe Standard bei ihrer Vermittlung besonders beachtenswert. Ganz überwiegend gute Einschätzungen geben die Studierenden zur Erreichbarkeit und Zugänglichkeit der Lehrenden ab; ebenfalls werden deren Engagement und gute Vorbereitung oft anerkannt. Die Fachberatung der Lehrenden schneidet ebenso gut ab. Es herrscht in den Fachbereichen überwiegend ein gutes soziales Klima; auch die Beziehungen zu den Lehrenden werden günstiger erlebt. Einige didaktische Aspekte der Lehre und Bereiche der Lehrorganisation stellen sich ebenfalls als Stärken heraus. Darunter fallen die gute Präsentation des Lehrstoffes und die dadurch erreichte Stoffeffizienz, die den Lehrenden gut geschrieben werden. Angemessene Anforderungen bestätigen die Studierenden ganz überwiegend beim fachlichen Niveau, beim Verstehen von zugrundliegenden Prinzipien und der Analyse von komplexen Sachverhalten. In den Lehrveranstaltungen bestehen zudem für die allermeisten Studierenden gute Diskussionsmöglichkeiten. Die Beratungsangebote der Lehrenden und die allgemeinen Beratungsangebote an den Hochschulen weisen kaum Mängel auf: Sie sind flächendeckend vorhanden und bei einem Besuch wird das Beratungsanliegen durchweg zufriedenstellend erfüllt. Die Rückmeldungen der Studierenden, die solche Beratungsangebote in Anspruch genommen haben, sind mehrheitlich positiv. 1

2 Einen hohen Standard weist die sächlich-räumliche Ausstattung auf, sowohl die Gestaltung wie die technische Ausstattung der Räume sind überwiegend zufriedenstellend. Mit Angebot und Nutzung der neuen Medien, insbesondere dem W-LAN-Zugang an den Hochschulen für den eigenen PC, sind mittlerweile 70% der Studierenden zufrieden. Den Hochschulen und Lehrenden wird überwiegend eine gute Nutzung audiovisueller Medien in den Lehrveranstaltungen bescheinigt. Die Gesamtsituation des Studiums wird an den Fachhochschulen deutlich besser beurteilt. Das macht sich vor allem bei der Betreuung bemerkbar, beim Praxisbezug und dem Erwerb praktischer Kenntnisse. Als eine Stärke der Universitäten erweist sich die Vermittlung methodischer Kenntnisse und der Forschungsbefähigung. Bilanz zu den Verbesserungen im Bachelorstudium Insgesamt kann eine Verbesserung der Studiensituation und ihrer Bedingungen im Bachelorstudium bilanziert werden. Die Studierenden äußern sich häufiger zufrieden mit den Studienbedingungen, beurteilen Aspekte des Studiums und der Qualifizierung häufiger als gut und registrieren eine bessere Studienqualität in vielen Bereichen. Dies ist ein wichtiger Aufschwung, denn am Anfang der betrachteten Zeitreihe (2009) war die Zufriedenheit der Bachelorstudierenden mit vielen Bereichen ihres Studiums, etwa den Anforderungen und Studienmodalitäten, der Organisation und den Services außerordentlich gering. Die Studierbarkeit wird 2012 an Universitäten günstiger beurteilt als noch Vor allem die Wahlmöglichkeiten und die Erfüllbarkeit der Vorgaben werden häufiger als gut bezeichnet; hinzu kommen etwas bessere Bewertungen der überfachlichen Qualifikation. An Fachhochschulen ist dagegen nur eine geringe Verbesserung der Studierbarkeit festzustellen, die nunmehr ähnlich wie an den Universitäten eingeschätzt wird. Insgesamt bleibt aber das Grundproblem im Bachelorstudium bestehen: eine zu große Stoffmenge (Pensum) bei zu geringen Wahlmöglichkeiten (Selbständigkeit). Die besseren Studienbedingungen schlagen sich in geringeren Schwierigkeiten der Studierenden bei der Studienbewältigung nieder. Die Studierenden berichten seltener von größeren Schwierigkeiten im Studium, und zwar in allen Bereichen. In stärkerem Maße sind Probleme wegen des Studienpensums und wegen der Studienfinanzierung zurückgegangen. Die Studienqualität hat sich in manchen Teilen deutlich verbessert, vor allem im Hinblick auf den Aufbau und die Gliederung des Studiums. Außerdem werden die Beratung und Betreuung sowie die didaktischen Aspekte der Lehrqualität positiver beurteilt. Auch hier sind die Verbesserungen an den Universitäten stärker als an den Fachhochschulen ausgefallen. Tendenziell mehr Studierende beurteilen organisatorische und didaktische Aspekte des Lehrangebots als gut. Die didaktischen Prinzipien werden von den Lehrenden etwas besser eingehalten und die Anforderungen sind für die Studierenden etwas häufiger angemessen. Sowohl an den Universitäten wie an den Fachhochschulen können Verbesserungen der Studienverhältnisse konstatiert werden. Sie fallen an den Universitäten zumeist stärker aus, etwa bei den Beratungsleistungen, den Forschungs- und Praxisbezügen oder der Studierbarkeit. Allerdings war das Ausgangsniveau der Qualität und Zufriedenheit mit den Studienbedingungen und Lehrverhältnissen an den Fachhochschulen bereits 2009 deutlich höher. Dieser Vorsprung hat sich in den letzten Jahren zwar verringert, besteht aber weiterhin, so bei der Beratung und Betreuung oder bei den Praxisbezügen. Im Zeitraum von 2009 bis 2012 ist alles in allem eine gewisse Angleichung der Studienverhältnisse im Bachelorstudium an den beiden Hochschularten festzustellen. Weiterhin Schwächen und Mängel im Bachelorstudium Trotz aller Verbesserungen im Bachelorstudium und der höheren Zufriedenheit der Studierenden mit vielen Studienaspekten darf nicht übersehen werden, dass Studienbedingungen, 2

3 Lehrveranstaltungen und Studienerträge noch nicht als zufriedenstellend angesehen werden können. Eine Reihe von Schwächen konnte auch durch das Bachelorstudium, entgegen manchen Erwartungen oder Versprechen, nicht ausgeräumt werden. Viele Bereiche weisen größere Mängel auf: über die Hälfte der Studierenden beurteilt sie nicht als gut oder zufriedenstellend, d.h. eine Mehrheit ist damit unzufrieden. Zunehmend stellen sich viele Verzögerungen im Laufe des Bachelorstudiums ein und die Quote der Abbruchsabsichten ist unverändert geblieben. Die Organisation der Lehrangebote weist inhaltliche und zeitliche Abstimmungsprobleme auf. Ebenso ist die Eingangsbetreuung oft noch unzureichend ausgestaltet, es bestehen zu viele Anmeldepflichten und unübersichtliche Prüfungsmodalitäten. All diese Bedingungen führen zu Verzögerungen im Studium und verstärken Abbruchserwägungen. Die Studierbarkeit der Studiengänge im Bachelorstudium ist weiterhin unzureichend, trotz mancher Verbesserungen: Die Vorgaben der Studienpläne sind überwiegend zeitlich nicht erfüllbar, die Anforderungen an die Stofffülle oftmals übertrieben, zugleich sind die Lehrveranstaltungen zu wenig inhaltlich abgestimmt. Andere Studienbedingungen beeinträchtigen ebenfalls die Studierbarkeit: wie das Fehlen von guter Betreuung in der Eingangsphase, der Ausfall von Lehrveranstaltungen oder ein unzureichender Zugang zur Fachliteratur. Die Studierenden erhalten ihrem Urteil nach zu wenige Möglichkeiten für die Wahl von Kursen oder Modulen. Die Ansprüche an eine eigene Studiengestaltung sind für viele von ihnen zu gering ausgeprägt. Anregungen und Vorschläge der Studierenden werden zu selten in den Lehrveranstaltungen von den Lehrenden verlangt oder aufgenommen. Auch gelingt es den Lehrenden zu wenig, die Studierenden für den fachlichen Stoff zu motivieren. Es besteht ein beträchtlicher Mangel an Rückmeldungen seitens der Lehrenden. Zum einen fehlt es an Erläuterungen zu den einzelnen studentischen Leistungen wie Klausuren, Hausarbeiten oder Tests. Aber noch mehr vermissen die Studierenden Rückmeldungen zu ihrer allgemeinen Lernentwicklung im Studium, um Orientierung zu gewinnen, den weiteren Studienweg mit größerer Klarheit angehen zu können oder eigene Schwerpunkte zu setzen. Forschungsorientierung und die Vermittlung wissenschaftlicher Methodik werden in Lehre und Studium zu häufig vernachlässigt. Der Forschungsbezug in der Lehre, die gesonderte Veranstaltung oder die eigene, studentische Forschungserfahrung werden zu wenig hergestellt und angeboten. Der Unterricht in wissenschaftlicher Methodik erscheint unzureichend und es gibt zu selten gute Angebote zum Erlernen wissenschaftlichen Arbeitens. Dies hat einen geringeren Ertrag bei den Kenntnissen wissenschaftlicher Methoden zur Folge. Den Studierenden wird Interdisziplinarität und Internationalität in der Lehre nicht genügend nahegebracht oder von ihnen gefordert. Sowohl das fachübergreifende Denken als wichtige Qualifizierung noch die Auslandstauglichkeit, als Befähigung zu Studium und Arbeit im Ausland, werden stärker gefördert. Dies hat eine größere Zurückhaltung bei der Aufnahme eines Auslandsaufenthaltes oder einer Studienphase im Ausland zur Folge. Ebenso bemängeln die Studierenden, dass zu wenige Bezüge zu anderen Fächern hergestellt werden. Berufsqualifizierung und Beschäftigungsbefähigung werden vor allem an Universitäten unzureichend vermittelt. Es fehlt an Praktikumsplätzen und einer guten Begleitung der Praktika, aber auch die Praxisbezüge im Studium sind zu selten und wenig überzeugend. Außerdem vermissen die Studierenden Möglichkeiten, überfachliche Qualifikationen zu erwerben. Insofern sehen sie sich oftmals in Schlüsselqualifikationen zu wenig gefördert. Trotz anderweitig guter Ausstattung an Räumen, Beratung und Services ist ein Mangel unübersehbar: Es handelt sich um Räumlichkeiten für eigenständiges Lernen der Studierenden an den Hochschulen, die sie alleine oder in Gruppen (Tutorien) nutzen können. Sie werden 3

4 von den Bachelorstudierenden vermisst; ihr Ausbau könnte auch zu ihrer besseren Einbindung und zur eigenständigen Auseinandersetzung mit dem fachlichen Lehrstoff beitragen. Vor allem an Universitäten, zunehmend auch an Fachhochschulen, sind allzu große Studierendenzahlen problematisch. Stärkere Überfüllung führt zu Beeinträchtigungen bei der Beratung und Betreuung und mindert die Qualität der Lehrveranstaltungen, vor allem die Einbeziehung der Studierenden. Sie zeigt sich auch im ausfallenden Besuch wichtiger Lehrveranstaltungen wegen zu hoher Anmeldezahlen. All dies verringert den Studienerfolg und beeinträchtigt den Studienertrag. Problematische Haltungen unter den Studierenden Angesichts des Bildungsauftrags der Hochschulen und den Aufgaben in der Lehre erscheinen einige Erwartungen der Studierenden an das Studium und seinen Ertrag problematisch: Das gilt für die häufige Geringschätzung der Kenntnisse wissenschaftlicher Methoden, für das verbreitete Desinteresse an Forschungsbezügen im Studium, die Zurückhaltung gegenüber Fragen der ethischen Verantwortung oder das Ausblenden einer internationalen Orientierung und Auslandstauglichkeit. Auf der anderen Seite scheint die Ausrichtung am Praxisbezug und dem Erwerb einer Beschäftigungsbefähigung in vielen Fällen übertrieben und einseitig. Die Studierenden begeben sich damit in eine sie letztlich irritierende Abhängigkeit von Signalen und Konjunkturen des Arbeitsmarktes. Sie setzen alles daran, die vermeintliche Anforderungen zu erfüllen, um sich die versprochene Employability zu sichern. Bei nicht wenigen Studierenden ist eine derartige Ausrichtung zu beobachten, was entscheidend zum Stress bei der Studienbewältigung beiträgt, über den viele von ihnen klagen. Eine Unterlassung vieler Studierender ist bei der Nachfrage nach Beratung zu erkennen: beim Besuch der Sprechstunde und der Zentralen Studienberatung oder der Nutzung eines informellen Beratungsgesprächs. Es ist eine relativ geringe Inanspruchnahme der Beratungsangebote und der Hilfestellungen von Services zu erkennen, die teilweise sogar nachgelassen hat. Obwohl die Kommilitonen, die solche Beratungen und Services genutzt haben, von deren Leistungen fast durchweg überzeugt sind, bleiben viele andere Studierende ihnen fern und besuchen sie nicht. Solche studentische Zurückhaltung ist gegenüber manchen Ämtern ebenfalls zu beobachten, etwa dem Auslandsamt. Prioritätenliste der Folgerungen für eine Verbesserung der Studienqualität Auf der Grundlage der Stellungnahmen jener Studierenden, die einen Bachelor als Abschluss anstreben, ergibt sich eine Reihe von Anregungen und Hinweisen für Bemühungen und Maßnahmen, die als vordringlich zu bezeichnen sind, damit die Studierverhältnisse sich merklich und nachhaltig verbessern können. Sie richten sich an die Hochschulpolitik und Hochschulleitungen ebenso wie an die Lehrenden und Studierenden, freilich in den einzelnen Punkten mit unterschiedlichem Gewicht. Punkt 1: Überfüllung abbauen. Um die vorhandene Überfüllung als Folge steigender Studierendenzahlen zu verringern, ist eine Verstärkung im Personalbereich mit mehr Personalstellen nötig. Den nachteiligen Folgen der Überfüllung, nicht nur in den Lehrveranstaltungen, sondern vor allem bei der Beratung und Betreuung durch die Lehrenden, kann nicht allein mit organisatorischen Maßnahmen entgegengewirkt werden. Die Universitäten noch mehr als die Fachhochschulen sind auf Unterstützung seitens der Hochschulpolitik angewiesen, um einen hinreichenden Lehrbetrieb zu ermöglichen. Punkt 2: Forschungsbezug herstellen, Praxisbezüge stärken. Der Forschungsbezug scheint vielfach in Vergessenheit geraten zu sein, dabei erhöht er am stärksten den subjektiven Studienertrag bei den Kenntnissen und Kompetenzen. Sowohl Forschungs- als auch Praxisbezüge sind nicht ausreichend im Studium verankert. Diesen beiden Grundbausteinen der 4

5 Hochschulausbildung muss mehr Gewicht zukommen, sowohl als Einbindung in der Lehre als auch als Möglichkeit für eigene Erfahrungen. Punkt 3: Aktivierung und Engagement der Studierenden erhöhen. Die stärkere Einbeziehung und Motivierung der Studierenden in den Lehrveranstaltungen sollte von den Lehrenden mehr Beachtung erfahren. Mehr interaktive Formen der Lehrvermittlung wären von großem Vorteil. Denn das studentische Engagement ist maßgeblich verantwortlich für eine positive Lehrqualität, für Lernfortschritte und Zufriedenheit bis hin zu höheren Studienerträgen. Punkt 4: Geeignete Rückmeldungen an die Studierenden. Von den Lehrenden müssten viel mehr als bislang Rückmeldungen an ihre Studierenden gegeben werden, zum einen über deren einzelne Leistungen in Hausarbeiten, Referaten und Klausuren/Tests, zum anderen über deren Lernfortschritte und Leistungsstand im Studium allgemein, auch für weitere Wege und die Wahl von Schwerpunkten. Punkt 5: Räumlichkeiten für das eigenständige Arbeiten. Soweit möglich sollten von den Hochschulen und Fachbereichen den Studierenden Räumlichkeiten für eigenes Arbeiten und Studieren eingerichtet oder eröffnet werden. Diese Räumlichkeiten und Arbeitsplätze sollten in größerem Umfang individuelles Studieren ermöglichen ebenso wie Tätigkeiten in studentischen Gruppen und Tutorien. Punkt 6: Überzogene Anforderungen reduzieren. Weitere Schritte zu einer effizienten Studierbarkeit bleiben wichtig: zeitliche und inhaltliche Abstimmungen bei Kursen und Modulen, mehr Wahlmöglichkeiten und bessere Prüfungstransparenz. Diese Aspekte der Organisation der Lehre definieren zu großen Teilen die Studierbarkeit der Studiengänge. Sie sind von Hochschulen und Fachbereichen zu erbringen, sie wären ebenso bei der Akkreditierung von Studiengängen stärker zu beachten. Die Mitwirkung und Unterstützung aller Beteiligten ist erforderlich Die Hochschulen und Fachbereiche bemühen sich, auch in der ersten, grundständigen Studienstufe eine qualitativ hochwertige wissenschaftliche Ausbildung zu bieten, an deren Ende der Bachelor als Abschluss steht. Dazu bedarf es eines inhaltlich ausgereiften, abgestimmten Lehrangebots und einer guten Vermittlung des Lehrstoffes. Die grundlegenden Bausteine von Praxisbezug und Berufsvorbereitung, von Forschungsbezug und Allgemeinbildung sollten gleichermaßen Beachtung in der Lehre finden. Gleichzeitig muss eine gute Betreuung in vielfältiger Weise vorhanden sein, die sich in besonderer Weise der Studieneingangsphase annimmt. Hinzu kommen als bedeutsame Rahmenbedingungen die Ausstattung der Fachbereiche und Serviceeinrichtungen der Hochschulen, mehr und mehr auch im Bereich des E- Learning oder neuer Studienformen. Damit diese Erwartungen und Ansprüche erfüllt werden können, müssen alle Beteiligten ihren Verantwortungen gerecht werden. An den Hochschulen sind das nicht allein die Leitungen und Lehrenden mit ihren vielfältigen Leistungen in der Lehre, ebenso wichtig sind für ein gutes Studieren die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Ämter und Services, der Bibliotheken und Beratungseinrichtungen. Um günstige Studienverhältnisse herzustellen, kommen Rahmenbedingungen hinzu, die nicht durch die Hochschulen und Fakultäten gewährleistet werden können, sondern Aufgabe der Hochschulpolitik bleiben: die finanzielle Ausstattung, die Baumöglichkeiten oder die Betreuungsrelation zwischen Lehrenden und Studierenden. Aufforderungen an die Studierenden Um gute Studienbedingungen herzustellen und eine hohe Studienqualität zu erreichen, sind nicht allein die Lehrenden gefordert, sondern die Studierenden müssen dazu ebenfalls beitragen. Sie sollten sich deshalb nicht in die Kundenrolle drängen lassen, sondern aktiv an der Gestaltung des Studiums und der Lehre mitwirken. Es ist für sie und ihr Studium wichtig, Engagement zu entwickeln und Motivation aufzubauen. Zu verlangen wäre ein größeres In- 5

6 teresse an Wissenschaft und Forschung, mehr Neugier und Innovationsbereitschaft. Manchmal scheint das Missverständnis vorzuliegen, dass Forschung und Wissenschaftsmethodik für das Bachelorstudium wenig bedeutsam seien. Die Studierenden sollten die vorhandenen Beratungsangebote und Serviceeinrichtungen häufiger in Anspruch nehmen, denn es dient ihrer besseren Orientierung im Fach und an der Hochschule. Auch die Auslandsämter oder Praktikumsbüros sollten sie häufiger aufsuchen und deren Rat und Hilfe einholen. Solche vermehrte Nutzung ist angebracht für Fragen des Auslandsstudiums oder anderer Auslandsaufenthalte, für die Vorbereitung von Prüfungen und für die möglichen Berufsperspektiven, besonders für den Übergang zum Masterstudium oder andere Formen der Weiterbildung. Studierende registrieren und würdigen die Bemühungen und Verbesserungen Die Studierenden registrieren Bemühungen um eine bessere Studienqualität und kommen zu günstigeren Urteilen über die Studienbedingungen im Bachelorstudium. Das beziehen sie vor allem auf ihre Lehrenden, denen sie eine deutlich bessere Zugänglichkeit und Erreichbarkeit attestieren. Bedeutsam erscheint, dass das Gesamtmaß an Zufriedenheit unter den Studierenden sich zwischen 2009 und 2012 deutlich erhöht hat. Sie erkennen an, dass sich die Studienbedingungen verbessert haben, was sich ebenfalls in ihrer Bilanz zur Studienqualität niederschlägt. Bemühungen der Hochschulen und Lehrenden, aber auch der Hochschulpolitik, um Verbesserungen der Studienbedingungen und der Lehre lohnen sich. Sie haben in den letzten Jahren offenbar dazu beigetragen, die problematische Studiensituation im Bachelorstudium zu entspannen. Es ist somit angebracht, die eingeschlagenen Wege zur Verbesserung der Studienbedingungen fortzuführen und Programme und Projekte für eine weitere Verbesserung der Lehre einzuführen und zu etablieren. Frank Multrus / Tino Bargel Quelle: AG Hochschulforschung, Universität Konstanz, Studierendensurvey, News 45.1/3.14 6