Probleme und Möglichkeiten aus Sicht der Forschung

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1 Psychische Erkrankungen und Arbeitsalltag was jetzt? Eine interdisziplinäre Herausforderung Donnerstag, 18. Juni 215 im Thurgauerhof Weinfelden Probleme und Möglichkeiten aus Sicht der Forschung Niklas Baer

2 Fast alle psychisch Kranken sind erwerbstätig Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung, nach psychischen Gesundheitszustand und Land Severe ill-heatlh Moderate ill-heatlh No ill-health Switzerland Norway Australia Netherlands United StatesUnited Kingdom Sweden Denmark Austria Belgium Source: OECD (215), Fit Mind, Fit Job. 2

3 haben aber Probleme bei der Arbeit OECD (215), Fit Mind, Fit Job, OECD Publishing, Paris.

4 Zunahme der Arbeitsunfähigkeiten/Invalidisierungen Veränderung in % 14' 5% 12' 1' 8' 4% 3% 6' 2% 4' 2' 1% aus psychischen Gründen wegen allen anderen Ursachen % Quelle: IV-Statistik

5 Gründe für die Zunahme psychisch bedingter Arbeitsprobleme Um wie viele Prozent ist die Häufigkeit psychischer Erkrankungen in den letzten 5 Jahren angestiegen? a) um 44% b) um 144% c) um 244% Wie viele IV-Rentner/Innen in der Schweiz sind wegen eines Burnouts berentet worden (Stand 213)? a) 13% b) 23% c) 33% 5

6 Macht Arbeit psychisch krank? Erwerbstätige Patienten haben kürzere Behandlungsdauern 8 Behandlungsdauer (in Monaten) Nichterwerbstätig Erwerbstätig Nichterwerbstätig Erwerbstätig Nichterwerbstätig Erwerbstätig Nichterwerbstätig Erwerbstätig Leicht krank Mässig krank ill Deutlich krank Schwer krank und genesen besser 3 GAF-Differenz in Punkten 2 1 Nichterwerbstätig Erwerbstätig Nichterwerbstätig Erwerbstätig Nichterwerbstätig Erwerbstätig Leicht/mässig krank Deutlich krank Schwer krank Quelle: OECD (214), Mental Health and Work: Switzerland.

7 Ersterkrankung bei psychiatrischen IV-Rentnern Alter bei Ersterkrankung

8 Die entscheidenden Störungen bei IV-Rentnern Persönlichkeitsstörung 256 rezidivierende Depression 124 somatoforme Störung 15 somatische Erkrankung Schizophrenie Ängste Polytoxikomanie Belastungsstörung Alkohol Neurasthenie Baer, Frick & Fasel Niklas Baer, Psychiatrie Baselland 8

9 Wen versuchten Arbeitgeber im Betrieb zu halten? 4% 3% 35% 32% 26% 2% 2% 19% 17% 1% 12% 11% % Baer, Frick & Fasel 29 Niklas Baer, Psychiatrie Baselland 9

10 Probleme werden früh bemerkt, aber erst spät bewusst realisiert Problem erstmals wahrgenommen rückblickender Problembeginn vor Stellenantritt seit Stellenantritt < 6 Monate nach Antritt 6-12 Monate nach Antritt 1-2 Jahre nach Antritt 3-5 Jahre nach Antritt Niklas Baer, Psychiatrie BL 1

11 Wie werden solche Situationen gelöst? 1% 9% 8% 7% 6% 5% 4% 3% 2% 1% % Aktuelle Wahrnehmung des Problems - nach Status des Arbeitsverhältnis 15.4% 16.5% 84.6% 83.5% verschärft (4.3%) unverändert (23.2%) 32.% 68.% verbessert (28.2%) 89.4% 1.6% gelöst (44.2%) Arbeitsverhältnis aufgelöst (53%) Arbeitsverhältnis nicht aufgelöst (47%) Baer, Frick, Fasel, 211.

12 Enorme psychiatrische Ressourcen % Psychiater pro 1 Einwohner in OECD-Ländern Frühestes verfügbares Jahr Spätestes verfügbares Jahr 25 Psychiatriebetten pro 1 Einwohner in OECD-Ländern Quelle: OECD (214), Mental Health and Work: Switzerland, Paris: OECD Publishing.

13 aber Psychiater haben selten Kontakt mit AG 5 Stichtag-Patienten bei 12 niedergelassenen Psychiatern im Kanton Bern 42% 23% 35% erwerbstätig, Probleme nicht erwerbstätig erwerbstätig, keine Probleme kein Kontakt mit Chef einmal Kontakt mit Chef mehrmals Kontakt mit Chef 55.9% 19.8% 24.3% Meist geschützte Arbeitsplätze Quelle: Eigene Auswertungen, basierend auf Amsler et al. (212) Befragung der niedergelassenen Psychiater im Kanton Bern

14 Was kann man tun? Arbeitgeber Eigene Wahrnehmung ernstnehmen und mit Kollegen teilen Problem ansprechen: früh, klar, wertschätzend Vorgaben entwickeln und Unterstützung anbieten Wenn Problem weiter besteht/kündigung droht: Bedingungen stellen Behandelnde Behandlung fordern; IV-Meldung Unterstützung durch den Behandelnden fordern Arbeitsprobleme fokussieren / analysieren Pro-Kontra Offenlegung der Probleme gegenüber Vorgesetztem diskutieren Pro-Kontra Arzt-Kontakt zum Vorgesetzten diskutieren Arbeitgeber aktiv unterstützen / Umfeld unterstützen: Was kann er erwarten, was nicht? Welche Arbeitsplatzanpassungen wären hilfreich Was ist im Umgang zu beachten?

15

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