Zu Theorie und Praxis des Übersetzens in der Übersetzerausbildung - DeepDyve

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1 Open Feedback Dialog Widgets New! Login Feedback Enter a sentence, or cut and paste a paragraph Refine Zu Theorie und Praxis des Übersetzens in der Übersetzerausbildung SINNER, CARSTEN Lebende Sprachen, Volume 47 (3) de Gruyter Jan 1, 2002 Save Publisher Copyright ISSN D.O.I. Walter de Gruyter Copyright 2009 Walter de Gruyter /les Hatim, Basil (1997): Communicaüon across cullures: translation theory and contrastive text linguistics. Exeter: University of Exeter Press. Interkuhurelle Kommunikation (1994): (Themenheft) LiLi Jg. 24: 93. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. Kadrie, Mira / Kaindl, Klaus / Pöchhacker, Franz (HG.)(2000): Translationswissenschaft. Festschrift für Mary Snett-Hornby zum 60. Geburtstag. Tübingen: Stauffenburg. Keim, Lucrecia (1994): Interkuhurelle Interferenzen in der deutsch-spanischen Wirtschaftskommunikation. Frankfurt u.a.: Lang. Kupsch-Losereit, Sigrid (1995):,,Übersetzen als transkultureller Verstehens- und Kommunikationsvorgang: andere Kulturen, andere Äußerungen.** Salnikow, Nicolai (HG.): Sprachtransfer - Kulturtransfer. Text, Kontext und Translation. Frankfurt: Lang, Kupsch-Losereit, Sigrid (1997):,,Übersetzen: ein integrativ-konstruktiver Verstehens- und Produktionsprozess." Drescher, Horst W. (HG.): Transfer. Übersetzen - Dolmetschen - Interkulturalität. 50 Jahre Fachbereich Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Germersheim. Frankfurt: Lang, Kupsch- Losereit, Sigrid (1999):,,Vom Ausgangstext zum Zieltext oder: Dokumentarisches vs. Instrumentelles Übersetzen." Bernecker, Roland / Umlauf, Joachim (HG.): Die Übersetzung in der Unterrichtspraxis. Akten eines DAAD-Fachseminars in Nantes. Münster: Nodus Publikationen, Markstein, Elisabeth (1992):,,Die kulturelle Kompetenz des Übersetzers und Dolmetschers." Folia Translatologica l, Niemeier, Susanne et al. (HG.)(1998): The cultural context in business communication. Amsterdam: Benjamins. Nies, Fritz (1986):,,Titel- Verschandelung, oder Ist es auch Unsinn, hat es doch Methode." Kortländer, Bernd / Nies, Fritz (HG.): Französische Literatur in deutscher Sprache - eine kritische Bilanz. Düsseldorf: Droste, Nord, Christiane (1993): Einführung in das funktionale Übersetzen. Am Beispiel von Titeln und Überschriften. Tübingen: Francke. Pöckl, Wolfgang (1995):,,Nationalstile in Fachtexten? Vom Tabu- zum Modethema." Fachsprache. Internat. Zeitschrift f. Fachsprachenforschung, -didaktik und Terminologie 17, Raible, Wolfgang (1987):,,Sprachliche Höflichkeit. Realisierungsformen im Deutschen und im Französischen." ZFSL 47, Rey, Joelle (2000):,,La traduction des textes scientifiques: structure textuelle et processus cognitifs." Target 12:1, Schmitt, Peter Axel (1999): Translation und Technik. Tübingen: Stauffenburg. Snell-Hornby, Mary / Honig, Hans/ Kußmaul, Paul / Schmitt, Peter A. (HG.) Seite 1 von 20

2 (21999): Handbuch Translation. Tübingen: Stauffenburg. Stolze, Radegundis (1998):,,Stereotype - Bilder - Texte - Übersetzungen. Beobachtungen an Werbetexten in Brasilien und Deutschland." LESXLIII:3, Traduction comme moyen de communication interculturelle (2000: II): Romanica Wratislaviensia XLVI Trumpp, Eva Cassandra (1998): Fachtextsorten kontrastiv. Englisch deutsch -französisch. FFF 51. Tübingen: Narr. Witte, Heidrun (2000): Die Kulturkompetenz des Translators. Begriffliche Grundlegung und Didaktisierung. Tübingen: Stauffenburg. Wotjak, Gerd (1993):,,Interkulturelles Wissen und zweisprachig vermittelte Kommunikation." Revista de Filologia Alemana l, Zojer, Heidi (2001):,,Der Interkulturalität auf der Spur. Folgt der Interkulturellen Kommunikation und der Interkulturellen Germanistik nun die Unterkulturelle Übersetzung?" LES XLVL2, Anmerkungen Zur Begriffsgeschichte von IK und zur Polemik gegen eine,,interkulturelle Übersetzung" s. Zojer 2001: Das Adjektiv,,interkulturell" eignet sich daher nicht, um eine Unterscheidung für ein Sprach- und Kommunikationsverständnis zu bezeichnen, das Kultur bereits impliziert und auch von der Verträglichkeit verschiedener Kommunikationssysteme (Sprachen)Mausgeht. 3 Zur näheren Bestimmung eines so verstandenen Kulturbegriffs vgl. Clifford Geertz 1983: Fachtermini aus Kunst und Kultur - hier sei das Fachvokabular der Musik erwähnt - sind häufig internationalisiert und lexikalisch-semantisch deckungsgleich. 5 Besonders ersichtlich wird das bei folgenden Metonymien, in denen eine Übertragung vom Herkunftsbereich»Tierwelt* auf Eigenschaften der Menschen4 vorliegt: Vom de. Kamel,Dummkopf, Trottel* unterscheidet sich die französische Bildsprache, da ein chameau ein»bösartiger, unangenehmer Mensch4 ist, und eher buse bzw. becasse den /Trottel1 bzw. die,dumme Gans, Schnepfe* bezeichnen. 6 Zu Beispielen aus dem Alltagsleben vgl. Elisabeth Markstein So kann z. B. die formale Beibehaltung von chinesischen Argumentationsschemata, in denen das Argument der Begründung folgt, vom deutschen Leser als nicht kohärent empfunden oder falsch interpretiert werden. Die in Frankreich üblichen Glückwünsche zum Namenstag bonne fste (souhaiter a qn. sä fete) erfolgen in Deutschland üblicherweise zum Geburtstag. Hochgradig differenziert ist die fr. Briefschlussformel, die eine Unterscheidung der Briefpartner sowohl nach Geschlecht, Alter, sozialer Stellung als auch nach Vertrautheitsgrad erlaubt, während im De. aus der Schlussformel meist nur der Bekanntheitsgrad ersichtlich wird:,mit besten, freundlichen, herzlichen Grüßen*. 8 Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Die Anrede mit,,du" ist im Sp. üblicher als im De. 9 Zu kooperativem vs. kompetitivem Verhandlungsstil oder Sprecherwechsel vgl. Keim 1994:121,177ff. und 258ff. Allgemein zur Interaktion in der internationalen Wirtschaftskommunikation Andersen 1997 und Niemeier et al Zu Textsortenkonventionen vgl. Kapitel D im Handbuch Translation : Zu kulturell geprägten Textsortenkonventionen Hatim 1997 und Fix et. al. (HG.) Die Übersetzung multimedialer Texte und ihrer Kulturgebundenheit behandeln mehrere Aufsätze in Kadric et al. (HG.) 2000: Aderkas 2000 untersucht Kultureme und kognitive Bildverarbeitung in span. und de. Fachtexten. 11 Vgl. Rey 2000 und Clyne 1991 zu den Denk- und Vertextungsmustern in en. und de. Wissenschaftstexten. 12 Zu Titelübersetzungen allgemein: Christiane Nord 1993 und Fritz Nies 1986: In der Übersetzung werden heute Eigennamen im Spanischen hispanisiert, im Deutschen und Russischen fremd belassen, vgl. Markstein 1992: 33. Und wie soll man Liszts Präludium und Fuge auf B-A-C-H ins Englische übersetzen, wo das de. B ein en.,b fiat* und das de. H ein,b* ist? Hier wird wohl eine metasprachliche Erklärung notwendig. 13 Vgl. Kupsch-Losereit Ursache für interkulturelle Seite 2 von 20

3 Missverständnisse können auch unterschiedliche Kontextualisierungshinweise sein wie z.b. Proxemik, Prosodie (Tonhöhe, Lautstärke, Geschwindigkeit, Akzent etc.), Blickkontakt, Varietäten-Sprachwahl, lexikalische Variation, spezielle Formulierungen. Diese Phänomene, die in den je eigenkulturellen Kontexten erworben und konventionalisiert worden sind, entziehen sich der bewussten Steuerung, vgl. Kupsch-Losereit Das Themenheft,,Interkulturelle Kommunikation**, LiLi 1994, behandelt hierzu die Kommunikation in Institutionen. 15 Witte 2000: 54, die damit auf die Notwendigkeit des Wissens über Selbst- und Fremdbilder der jeweiligen Arbeitskulturen hinweist. 16 Vgl. Stolze Zu negativen Auswirkungen solcher Stereotype auf Geschäftsbeziehungen vgl. Andersen 1997: Bspe. dazu in Bassnett et al. (HG.)1998. Zur Konstruktion des Fremden in der Übersetzung vgl. Hammerschmid et al. (HG.) GARSTEN SINNER Zu Theorie und Praxis des Ubersetzens in der Ubersetzerausbildung 0 Die Diskussion über die Qualität und die Praxisnähe der Universitäten Dolmetscher- und Übersetzerausbildung und über das Verhältnis von Übersetzungswissenschaft und -lehre wird seit vielen Jahren ununterbrochen geführt.1 Wenn sich auch in der universitären Übersetzerausbildung im letzten Jahrzehnt zweifellos vieles zum Besseren verändert hat, sind noch lange nicht alle Probleme gelöst, welche Lebende Sprachen Nr. 3/2002 die Anpassung der Ausbildung an die sich stetig verändernden und erweiternden Anforderungen an das Übersetzungswesen aufwirft. Um- oder Neuorientierung bzw. Modernisierung der Studiengänge und stärkere Ausrichtung der Ausbildung auf das spätere Berufsleben sind einige der Forderungen, die dabei wiederholt geäußert werden. Umgekehrt werden immer wieder Stimmen laut, die die Dolmet101 Gefühl" spricht,,,solange man nicht das richtige Wort hat". Der Übersetzer weiß in der Regel durchaus, wann die Qualität einer seiner Übersetzungen nicht den (eigenen) Ansprüchen gerecht wird, ist aber angesichts der äußeren Umstände - v. a. Zeitdruck und Bezahlung - mitunter nicht in der Lage oder nicht bereit, dies zu vermeiden.8 Die Verschärfung des Wettbewerbs hat eine stärkere Auslandsorientierung der Industrie zur Folge; dieser wachsende Druck wird auf den Übersetzermarkt weitergegeben, der sich im Bemühen um Kostensenkung ebenfalls zunehmend ins Ausland orientiert (Zeumer 1999:.32); durch die Entwicklung der technischen Möglichkeiten der Datenbe- und -Verarbeitung, -speicherung und -Übertragung wird diese Tendenz zusätzlich gestützt. Neben dem steigenden Übersetzungsaufkommen, das in immer kürzerer Zeit und iri besserer Qualität zu bewältigen ist, ist auch ein Anstieg der Erwartungen der Kunden an die Kommunikations- und Sachkompetenz der Übersetzer zu beobachten (Zeumer 1999: 62). Es ist sicher nicht falsch, dass der höhe Prozentsatz von Studienabbrüchen bzw. Wechseln des Studiengangs mit der unzureichenden Vorinformation bzw. Berufsberatung für Abiturienten zusammenhängt, wie dies Kapp (1991: 8) erläutert, dies ist aber sicher ein nahezu allgemeines Problem der sprachbezogenen Studiengänge, in denen an manchen Instituten Abbruchquotem bis zu 70 % registriert werden. Die berufliche Umorientierung nach Studienabschluss ist aber m. E. noch immer auch auf die während des Studiums vermittelte - realitätsferne - Vorstellung von der Arbeitsweise eines Übersetzers zurückzuführen.9 Die Übersetzung einer Vielzahl relativ kurzer Texte aus den unterschiedlichsten Themenbereichen und verschiedenster Textgattungen in,,erträglichem" Zeitumfang kennzeichnet den Übersetzüngsunterricht an vielen Ausbildungsstätten; die Übersetzung mehrerer hundert Seiten Wartungsanleitungen oder von Maschinenbaukatalogen ist hinsichtlich des Lerneffekts sicherlich nicht effektiver als die Übersetzung einiger weniger (aber typischer) Seiten, käme aber der beruflichen Realität entschieden Seite 3 von 20

4 näher. Der zeitliche Aufwand, der mit der Korrektur studentischer Arbeiten dieses Umfangs verbunden ist, macht entsprechende Aufgaben in der Ausbildung jedoch schwierig. Roinila (1997: 204) fordert längere Übersetzungstexte auch zur Erhöhung der Schreibkompetenz zukünftiger Übersetzer. Allerdings weist Honig (1995) auf die Auswirkungen von Antipathie gegenüber bestimmten Textinhalten auf übersetzerische Strategie und die Motivation hin, was gerade bei längeren Texten zu Problemen führen kamf; dennoch wird dieser Motivationsverlust beim Übersetzen der Übungstexte in Hinblick auf die zukünftigen Berufsbedingungen eher den Umständen der späteren berufliche Anforderungen gerecht als,,geduldschonende Texthäppchen". Das Durchspielen von umfangreichen Übersetzungsprojekten vom ersten Kundenkontakt bis zum Abschluss des Projektes mit der Rechnungsstellung, wie Freigang (1997) es für die Saarbrücker Übersetzerausbildung beschreibt, bereitet die Studenten entschieden besser auf das Berufsleben vor als bloßer Übersetzungsunterricht, da es eine intensive Beschäftigung mit den jeweils behandelten Themen erforderlich macht (vgl. Freigang 1997: 91). Auch die realitätsferne Klausursituation in Übersetzungsprüfungen kann durch Einbeziehung solcher Projekte bzw. durch eine umfangreichere Übersetzungshausaufgabe, die in einer mündlichen Prüfung zu verteidigen ist, an die tatsächlichen Arbeitsbedingungen angenähert werden (Freigang 1997: 89). Recht zweifelhaft ist beispielsweise die-in der Übersetzerausbildung noch immer verbreitete Praxis der Übersetzung von mehr oder weniger ailgemeinsprachlichen Artikeln aus Tages- und Wochenzeitungen, die von der Textsorte und vom Textumfang her sehr stark von den im Berufsleben meist zu übersetzenden Texten abweichen, und selbst Texte Lebende Sprachen Nr. 3/2002 zu beispielsweise technischen Themen gehen häufig über populärwissenschaftliches Niveau nicht hinaus.10 Nur ein verschwindend niedriger Teil der Übersetzungen im beruflichen Alltag ist jedoch im Bereich allgemeinsprachlicher oder populärwissenschaftlicher Texte anzusiedeln. Ca. 50% der übersetzten Texte stammen aus den Bereichen Handel und Industrie; davon entfallen allein 33 % auf Maschinenbau und Kfz und immerhin noch 13 % auf den Bereich Elektrotechnik (vgi. Zeumer 1999: 63; Schmitt 1999b: 6). Dennoch wird Elektrotechnik in vielen Universitäten, an denen Übersetzung unterrichtet wird, nach wie vor nicht als Ergänzungs-, Neben- oder Schwerpunktfach angeboten. Der wünschenswerte Praxisbezug und die Übersetzungs- bzw. Auftragsfrequenz in der Berufspraxis als Kriterien für die Textauswahl (vgl. Kußmaul 1999; Schmitt 1999c: 359; Groß 2000:176) gehen nach wie vor in nur unzulänglichem Maße in die Lehrpläne des Übersetzungsunterrichts ein, obwohl sich diese Vorgehensweise an den Einrichtungen, an denen sie praktiziert wird, zweifellos bewährt hat. Angesichts der sich immer stärker ausgliedernden Arbeitsbereiche bzw. der sich fachlich erweiternden beruflichen Anforderungen an Übersetzer wird die Gliederung der Übersetzungsausbildung in Module gefordert. Eine modulare Ausbildungskonzipierung wird den unterschiedlichen Anforderungen an Übersetzer sicherlich eher gerecht, da die Diskussion theoretischer Modelle und praktischer Modulteüe, welche die kommunikativen Verfahren trainieren, den Berufsalltag besser widerspiegeln und sich in diesem Sinne auch hervorragend ergänzen (vgl. die Darstellung in Roiss 1999). Allerdings muss in diesem Zusammenhang auch gesagt werden, dass man in Deutschland in dieser Hinsicht erheblich weiter ist als in vielen anderen Ländern (wie beispielsweise in Spanien: dort folgen die Studienpläne der Übersetzerinstitute zum Teil noch den didaktischen Richtlinien von vor 25 Jahren; vg! Vega Cerauda 1998:48). Die Verwissenschaftlichung der Disziplin,,,eine Folge der Bemühungen um eine der Seite 4 von 20

5 späteren Berufspraxis angemessene Ausbildungskonzeption" (Kapp 1991:11), befindet sich seit langem im Schussfeld der Kritiker, die mit dem immer größer werdenden Abstand von Theorie und Praxis argumentieren.11 Sie wird u.a. damit in Zusammenhang gebracht, dass die Übersetzungswissenschaft mancherorts auch von Linguisten betrieben wird, die nur selten selbst praktisch tätig sind oder waren.12 Dass dies nach wie vor ein Problem zu sein scheint, lässt sich daran ablesen, dass in der vom Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer herausgegebenen Broschüre,,Übersetzen & Dolmetschen" bei der Beschreibung der verschiedenen deutschen Hochschulen, welche die Ausbildung von Übersetzern und Dolmetschern anbieten, extra hervorgehoben wird, dass an der Universität Leipzig,,besonderer Wert auf die ausgewogene Verbindung von Theorie und Praxis gelegt [wird] - nahezu alle Lehren? den sind oder waren auch als Praktiker tätig" (BDÜ 1998: 12). Nur selten werden in übersetzungswissenschaftlichen Veröffentlichungen derart praxisrelevante Empfehlungen formuliert wie in Schmitt (1999e), der fundierte Hinweise auf spezifische Translationsprobleme mit genau formulierten Empfehlungen für die Sprachmittler verbindet.13 Nicht selten distanzieren sich die Übersetzungslehrer - im günstigsten Fall aktive Übersetzer - ausdrücklich von den Theorien der mit der übersetzungswissenschaftlichen Lehre betrauten Kollegen, womit den Studenten schon früh das Gefühl gegeben wird, dass die Übersetzungswissenschaft nicht mehr als ein notwendiges Übel sei, mit dem man sich eben arrangieren müsse. Viele hauptberufliche Übersetzer kritisieren die universitäre Übersetzerausbildung als zu theorielastig,14 und manche Berufseinsteiger klagen über ungenügende Vorbereitung auf das, was außerhalb des universitären Lehrbetriebs plötzlich auf sie zukommt bzw. von ihnen erlebende Sprachen Nr. 3/2002 wartet wird: Übersetzungstheorien hin oder her, die Auftraggeber wollen,,output", und wer den nicht in der vorgegebenen Zeit und dennoch ansprechender Qualität bieten kann, hat das Nachsehen. Die zentralen Problembereiche der Übersetzungstätigkeit werden mittlerweile in zahlreichen übersetzungswissenschaftlichen Modellen und Theorien ausführlich behandelt, die allerdings durch ein terminologisches Durch- und Gegeneinander charakterisiert sind.15 Fast jedes Modell bringt eine lange Liste neuer Termini, die mehr oder weniger einleuchtend gegen die existierenden Modelle und ihre Terminologie abgegrenzt werden. Wenn sich auch manche der Theorien gegenseitig auszuschließen scheinen - die Kritik an den Vertretern anderer Theorien ist mitunter weit von sachlicher Argumentation entfernt -, so ist doch eine relative Mindestübereinstimmung der in den Theorien berücksichtigten Punkte auszumachen, welche in den meisten der einschlägigen Arbeiten, insbesondere den Einführungen in die Übersetzungswissenschaft, durchscheinen. Auch wenn die Grundpositionen mitunter völlig gegensätzlich zu sein scheinen, herrscht doch Einigkeit beispielsweise hinsichtlich der moralischen Verpflichtungen des Übersetzers und der Bedeutung der Übersetzungskontexte (Auftraggeber, Zweck usw.) für die Übersetzung. 2 Einige der hinsichtlich ihrer Praxisnähe etwas zweifelhaft anmutenden (und darum häufig kritisierten) Inhalte des theoretischen Übersetzungsunterrichts bzw. der Einführungen in die Disziplin werden nachfolgend genauer untersucht, um zu zeigen, dass die praktische Ausrichtung des Übersetzungsunterrichts zwingend einer Übersetzungstheorie bedarf, die den beruflichen Alltag in allen, also auch den von den prinzipiell wünschenswerten bzw. anzustrebenden Arbeitsweisen abweichenden Ausprägungen, berücksichtigt. 2.1 Der Frage nach dem Zweck einer Übersetzung wird zu Recht besondere Bedeutung beigemessen. Entsprechend wird vom Übersetzer verlangt, sich beim Auftraggeber16 der Übersetzung nach ihrem Zweck Seite 5 von 20

6 und nach den Rezipienten des Zieltextes zu erkundigen und dem entsprechend zu arbeiten (vgl. z. B. Nord 1991:9f; Reiß/Vermeer 1984:101), wobei diese Empfehlungen so weit gehen, dass der Übersetzer gar,,beim Initiator einer Übersetzung auf möglichst detaillierte Angaben über den Z[iel]S[prache]- Empfänger drängen" soll (Nord 1991:10). Gerade Berufsanfänger arbeiten häufig für Agenturen, bestenfalls nur so lange, bis sie sich einen eigenen, genügend großen Kundenstamm aufgebaut haben, häufig aber aus ökonomischen oder praktischen Gründen noch über längere Zeit hinweg. Vor allem bei der Arbeit mit Übersetzungsagenturen gilt, dass der Übersetzer nur selten direkten Kontakt zum Auftraggeber hat, viel zu streng werden die Kundenkarteien gehütet: Kundenkarteien sind ein in vielen Branchen teuer gehandeltes Gut. Welche Bedeutung eine in langen Jahren aufgebaute Kundenkartei für einen Übersetzer hat, verdeutlicht die Tatsache, dass bei Verkäufen von Übersetzungsagenturen neben der Büroeinrichtung, Mietoder Pachtübernahmen, technischer Ausrüstung (dazu gehören auch Datenbanken, auftraggeberspezifische Glossare, Wörterbücher usw.) zwar auch der eingeführte Firmenname, in erster Linie aber die Kundenkartei gekauft wird. Der Verkaufspreis wird dabei auch anhand der sicher zu erwartenden Einkünfte errechnet, d. h. auf der Grundlage der durchschnittlichen Jahresumsätze, und somit letztendlich anhand der durch die Übernahme der Kartei zu erwartenden Einkünfte. Bei solchen Verkäufen ist es naturgemäß schwierig, den tatsächlichen Wert einer derartigen Kundenliste einzuschätzen, da nicht ohne weiteres nachvollziehbar ist, wie aktuell eine Liste ist und inwiefern sie sich mit dem Kundenstamm der zum Verkauf stehenden Firma deckt. Es liegt darum vcrstäiidlicherweise nicht im Interesse vieler Agenturen, direkte Kommunikation zwischen Übersetzer und Auftraggeber zu ermöglichen, um sicherzustellen, auch in Zukunft als Vermittler der Dienstleistung einzutreten. Die Frage nach dem Zweck einer Übersetzung muss also von der Agentur beantwortet werden, die aber meist auch nur grobe Vorstellungen davon hat, was genau der eigentliche Auftraggeber im Einzelnen mit der Übersetzung beabsichtigt. Der Übersetzer wird schon aus ökonomischen Beweggründen die Annahme einer Übersetzung nicht von dieser Information abhängig machen können, selbst wenn der genaue Zweck unklar bleibt. Es ist zu betonen, dass gerade Übersetzungsagenturen oft um jeden Preis vermeiden, den Auftraggeber mit Nachfragen des Übersetzers,,zu belästigen". Jeder Übersetzer dürfte sich darüber im Klaren sein, dass er nicht der einzige ist, der den jeweiligen Auftrag übernehmen kann, und dass die Agenturen im Normalfall den schnellsten, billigsten und unproblematischsten Übersetzer bei Folgeaufträgen bevorzugen werden; als,,unproblematisch" gilt dabei leider häufig derjenige, der keine Sachfragen stellt; wer es tut, stellt sozusagen noch seine Übersetzerkompetenz in Frage.17 Dies ist also in erster Linie ein Problem des stiefmütterlichen Verhältnisses zwischen Auftraggebern, Übersetzungsagenturen und Übersetzern, auf das hier aber nicht mehr weiter eingegangen werden kann.18 Wenn aber, wie wir gesehen haben, bei Nord (1991: 10) von,,drängen" die Rede ist, muss man vielleicht daran erinnern, dass es im Normalfall der Übersetzer ist, der auf diq Auftragserteilung angewiesen ist, während die Agentur - außer bei,,exotischen" Sprachen oder Themen - aus einer dem Arbeitsmarkt entsprechend großen Liste in Frage kommender Übersetzer wählen kann. Natürlich ist es wünschenswert, alles nur Mögliche in Erfahrung zu bringen, es ist aber illusorisch, es als Conditio sine qua non zu postulieren, denn nicht selten ist es verlorene Liebesmühe, bei den Auftraggebern genauere Angaben erhalten zu wollen:,,der Bedarfsträger ist kein Experte für Translation. Wenn er beschreiben soll, wie denn der Text, den er braucht, nun aussehen soll, ist er schlicht überfordert" (Holz-Mänttäri 1986: Seite 6 von 20

7 368). Oft genug hängt die spätere Verwendung der Übersetzungen - Publikation bzw. Weiterverbreitung, interner Gebrauch, Adaptation usw. - auch vom Inhalt des Textes ab, über den der Auftraggeber selbst ja nicht immer genau informiert ist.19,,drängen" ist dann natürlich unbequem, denn es bedeutet Mehrarbeit für die Agenturen und ist darum nicht immer taktisch klug: Es ist zweifellos leichter, einen Auftraggeber durch wiederholtes Drängen zu verlieren als durch eine dürftige Übersetzung; dasselbe gilt leider auch für das Mahnen bei Nichteinhaltung von Zahlungsterminen. Nicht alle Übersetzer können es sich erlauben, Übersetzungsaufträge abzulehnen; Legionen von Gelegenheitsübersetzern erschweren die Situation der hauptberuflich arbeitenden Übersetzer, da sie auch Aufträge annehmen, deren Tarife und Arbeitsbedingungen für die auf die Übersetzungen angewiesenen Übersetzer meist nicht mehr zumutbar sind, wenn sie nicht aus Liebhaberei übersetzen wollen Eine sehr häufig geäußerte Forderung ist, der Übersetzer solle zwar in den Text möglichst nicht verändernd eingreifen, aber fehlerhafte Texte korrigieren, und zwar möglichst nach Rücksprache mit dem Autor des ausgangssprachlichen Textes oder dem Auftraggeber der Übersetzung (ausführlich dazu bei Schmitt 1999e: ). Dies hängt damit zusammen, dass nicht alle Texte halten, was sie zu versprechen scheinen, denn,,der Übersetzer macht immer wieder die Erfahrung, wie ungenau oder vage, ja wie unlogisch Originaltexte in sprachlicher und argumentativer Hinsicht sein können, ganz zu schweigen von sachlichen Fehlern" (Koller 1992: 27). Nord (1991: 17) zufolge,,kann es durchaus vorkommen, dass die Intention des Senders im Text nicht voll104 Lebende Sprachen Nr. 3/2002 Arbeitsleistung (und evtl. auch Fachkenntnis) hinaus.24 Fischer (1998:165) beispielsweise ist der Auffassung, die Übersetzung eines operativen Textes mache eine entsprechende Ausrichtung auf die Zieltextkonsumenten erforderlich; dem ist natürlich grundsätzlich zuzustimmen. Nut seiner Anregung, die deutsche Übersetzung einer Informationsbroschüre über Barcelona hätte die deutsche Zielgruppe stärker berücksichtigen und z. B. ergänzende Bemerkungen über das Vorhandensein einer Beethoven-Büste im Palau de la Musica enthalten können, verlangt er m. E. etwas zu viel vom Übersetzer. Sicherlich ist eine solche Bearbeitung lobenswert, man wird sie aber von keinem Übersetzer als selbstverständlich verlangen können, da dies für die Übersetzer bedeuten würde, sich solche Informationen systematisch aneignen zu müssen. Es sind wohl eher die Autoren, die sich bei der Erstellung der Texte fragen sollten, welche möglichen Zielgruppen der Text hat bzw. haben könnte. Im gegebenen Beispiel heißt das, dass die Autoren bereits an eine mögliche deutsche Übersetzung - an die Zielgruppe,,deutsche Touristen" - hätten denken müssen. Ergänzungen wie die von Fischer geforderten nimmt ein erfahrener Übersetzer ohne mit der Wimper zu zucken eigenmächtig vor, ohne beim Auftraggeber nachzufragen, da er weiß, dass der Eingriff im Interesse des Auftraggebers ist. Allerdings bewegt sich dieses Eingreifen stets im Rahmen des Möglichen. Ist der Eingriff unkompliziert - der Übersetzer kennt den Sachverhalt und kann die Wissensunterschiede bei Lesern des ausgangssprachlichen und des zielsprachlichen Textes beurteilen - so wird die Wissensdifferenz direkt ausgeglichen; müsste der Übersetzer selbst aber erst nachschlagen, in die Bibliothek gehen usw., so unterbleibt die Korrektur eher.25 Bei stark fehlerhaften oder mangelhaften Texten, so einige Autoren, muss der Übersetzer sogar so weit gehen, einen völlig neuen Text zu produzieren, wozu er sich, im Fall von Bedienungsanleitungen, die Funktionen sogar von einem Fachmann erklären lassen und dann den Text erstellen soll.26 Dabei wird aber vergessen, dass der Übersetzer im Normalfall weder die Maschine noch einen Fachmann zur Erläuterung ihrer Funktionen zur Hand hat und sich häufig sogar Seite 7 von 20

8 freuen würde, wenigstens eine Zeichnung oder einen Bauplan zur Verfügung zu haben, um im konkreten Fall vielleicht zu entscheiden, ob eine Maschine nun Knöpfe, Hebel oder Schalter hat. Auch hier wird von den Theoretikern der Faktor Zeit oft nicht berücksichtigt.,,bearbeitung" geht in den verschiedenen Beispielen, die von den Autoren gegeben werden, von kleinen ausbessernden Eingriffen bis zur völligen Neustrukturierung oder Abfassung eines neuen Textes. Es ist unbedingt zu hinterfragen, bis zu welchem Punkt eine als Bearbeitung definierte Neubearbeitung oder Neuformulierung eines Textes (noch) Aufgabe eines Übersetzers ist und inwiefern es nicht vielmehr Sache des Auftraggebers sein sollte, sich um eine entsprechende Weiterbearbeitung der Übersetzung zu kümmern, da es sich dabei ja eher um die Arbeit von Technikern der Zielkultur (im Falle technischer Übersetzungen) bzw. von Lektoren handelt - und um einen vom Übersetzen getrennt zu behandelnden (und bei der Preisermittlung getrennt zu berechnenden) Arbeitsschritt. Nord (1991: 32) zufolge muss der Übersetzer in Fällen nicht verwendbarer Ausgangstexte,,vom Initiator anderes A[usgangssprachliches]-Material anfordern oder den Übersetzungsauftrag als Übersetzungsauftrag ablehnen",27 womit sie also die Unterscheidung des Übersetzungsauftrags vom Bearbeitungsauftrag fordert. Vor allem die genauere Definition der als unbrauchbar, stark fehlerhaft oder mangelhaft zu bezeichnenden Texte sollte bei der Forderung nach Überarbeitung - ob als Teil der Übersetzung oder unabhängig von ihr - aber gut überdacht werden, da genau genommen ein großer Teil der technischen Texte diesen Kategorien zugeordnet werden könnte: Die GutachLebende Sprachen Nr. 3/2002 ter der tekom28 beispielsweise entschieden beim 4. tekomwettbewerb für technische Dokumentation 1997, die Qualität der beurteilten Bedienungsanleitungen29 Rechtfertige keine Prämierung. Bedeutet dies, dass alle diese Bedienungsanleitungen bei der Übersetzung von einem verantwortungsbewussten Übersetzer neu bearbeitet oder neu geschrieben werden sollen? 2.4 Die genauere Darstellung der Aufgaben und der Arbeitsweisen des Übersetzers ist also dringend erforderlich. Sie wird zudem durch die immer stärker um sich greifende Praxis, neben der Übersetzung auch die Einrichtung des Textes vom Übersetzer machen zu lassen (,,Wir möchten es druckfertig"), möglich geworden durch die modernen Textverarbeitungsprogramme, Desktop Publishing usw., immer dringender. Sollen Übersetzer beispielsweise die Arbeit der Grafiker, Layouter usw. übernehmen? Und wenn dem so ist: Wie wird diese zusätzliche Dienstleistung in Rechnung gestellt? Eine kurze Anfrage bei einem Grafiker oder Layouter zeigt schnell, wie viel Geld die Auftraggeber auf Kosten der Übersetzer sparen können. Bisher ist nicht einmal die Übersetzung an sich, ohne weitere Bearbeitung also, in allgemein gültigen Tarifen geregelt. Die Berufsbezeichnung Übersetzer ist nach wie vor nicht an eine universitäre Ausbildung oder an die Zugehörigkeit zu Berufsverbänden gebunden, was natürlich auch die Etablierung von Mindesthonoraren erschwert.30 Der berufliche Jntrusismus - sporadische oder auch kontinuierliche Ausübung des nicht erlernten Berufs ist daher eines der Hauptprobleme des Übersetzerberufs, und gerade im Bereich der Fachübersetzung drängen Absolventen nichtsprachlicher Studiengänge, allerdings mit spezialisierten Fremdsprachenkenntnissen in bestimmten, eingegrenzten Bereichen, auf den Markt (vgl. dazu auch Zeumer 1999: 63). Ohnehin werden in Deutschland nur rund 40 % des gesamten Übersetzungsbedarfes von Übersetzern bzw. Dolmetschern erledigt, was auch damit zusammenhängt, dass ein Großteil des Aufkommens, v. a. Korrespondenz und eher repetitive Textvorlagen wie Angebote und Verträge, firmenintern durch Sachbearbeiter bewältigt wird (Schmitt 1999b: 6). Fehlende Organisation behindert die effektive Einschränkung Seite 8 von 20

9 der übersetzerischen Betätigung,,berufsfremder" Personen und damit einhergehend die Etablierung stabiler Preis-Leistungs-Verhältnisse.31 Die Berechnung der über die Übersetzung hinausgehenden Leistungen bewegt sich daher ebenfalls in einem Undefinierten Raum, und immer mehr Übersetzer sehen sich gezwungen, solche Dienstleistungen zu übernehmen, wenn sie keine Aufträge verlieren wollen.32 In vielen Ländern Europas haben es fehlende Organisation in Berufsverbänden und ungenügende Kooperation der verschiedenen Übersetzervereinigungen darüber hinaus bisher unmöglich gemacht, diesbezügliche Absprachen zu treffen.33 Die Forderung solcher Zusatzleistungen als selbstverständliche Aufgabe des Übersetzers ist also unbedingt in Relation zu setzen mit der Realität des zumindest innereuropäisch mittlerweile hochflexiblen und sehr mobilen Arbeitsmarkts. 2.5 Die falsche Einschätzung der beruflichen Realität seitens mancher Übersetzungswissenschaftler führt aber nicht nur zu übertriebenen Forderungen hinsichtlich der über die Übersetzung hinausgehenden Aufgaben, sondern spiegelt sieh bereits in der Darstellung der einzelnen Arbeitsschritte der Übersetzung wider, insbesondere in der Beschreibung der Textanalyse.34 Sicher ist die Forderung nach einer übersetzungsrelevanten Analyse gerechtfertigt, jeder professionelle Übersetzer wird sich jedoch fragen, wieviel Zeit die verschiedenen Autoren für ihre doch recht umfangreiche Analysen veranschlagen. Eine kurze Lektüre reicht meist aus, um die Entscheidung zu treffen, ob eine Übersetzung gemacht werden.39 Gerade bei technischen Texten und insbesondere bei als schwierig geltenden Sprachen wie Deutsch bevorzugen es viele Firmen sogar, die Übersetzungen von Muttersprachlern anfertigen zu lassen, bei denen sie sicherzugehen glauben, dass der ausgangssprachliche Text bis ins kleinste Detail verstanden wird. Der sprachliche Ausdruck in der Zielsprache ist dabei für die Auftraggeber oft zweitrangig, wichtig ist ihnen, dass der ausgangssprachliche Text sicher übersetzt wird. Gerade fachspfachliche Texte werfen nämlich häufig sprachliche Probleme auf: Die deutschen Komposita stellen z.b. eine besondere Schwierigkeit der meist als,,sprachlich unkompliziert" unterschätzten Fachtexte dar (vgl. Schmitt 1986 und Allignol 1998). Diese Sorge um das Verständnis des Ausgangstextes wird nachvollzieh3 Einige Bereiche des Übersetzeralltages werden in der bar, wenn man bedenkt, dass gerade technische Texte häufig Übersetzerausbildung und der Übersetzungswissenschaft von sprachlich nicht unbedingt versierten Fachleuten genur in Ansätzen berücksichtigt. Neben der Frage nach der schrieben werden (vgl. Koller 1992: 27), deren MutterspraÜbersetzung in die Fremdsprache (FS) und der Übersetzung che zudem nicht unbedingt die Sprache ist, in der sie schrei40 von Texten, die nicht in der Ausgangssprache vorliegen, wird ben. Fischer (1998) verweist auf die besondere Bedeutung im Folgenden vor allem auf die Aussparung der nicht der Er- der Übersetzung in die FS in der Tourismusbranche vor alstellung gedruckter Texte dienenden Übersetzung sowie lem in Gebieten, in denen kleine bzw. selten gelernte Sprachen gesprochen werden, und verteidigt die Berücksichtieher pragmatisch-praktischer Inhalte eingegangen. gung dieser traduccio inversa im Übersetzüngsunterricht Finanzieller und terminlicher Druck machen es, wie Nicht nur, dass auch in Deutschland Übersetzungen aus der gezeigt werden konnte, häufig unmöglich, die von der Über- Mutter- in die Fremdsprache nicht gänzlich unüblich sind, setzungstheorie postulierten Methoden im Berufsalltag zu nicht weniger als 27 % der Übersetzer in Deutschland gaben berücksichtigen, um so mehr, wenn der Übersetzer aus- in Umfragen zu Beginn der 90ef Jahre sogar an, zumindest schließlich vom Übersetzen lebt. Ebenso verhält es sich bei gelegentlich aus einer FS in eine andere FS zu übersetzen der Übersetzung in die FS (auch Seite 9 von 20

10 ,,Hinübersetzen" oder,,ak- (Schmitt 1999b: 8-9). Die unreflektierte Ablehnung der tives Übersetzen"), die in der Übersetzungswissenschaft mit Übersetzung in die FS in der Übersetzungstheorie bzw. in Abstand behandelt und entsprechend auch in der Didaktik der Übersetzungsdidaktik heißt m. E. nichts anderes, als den bzw. der Übersetzerausbildung selbst nur eingeschränkt bzw. zukünftigen Übersetzern die Vorbereitung auf mögliche Fastiefmütterlich behandelt wird.36 Roiss (2000:167) hebt unter cetten ihrer berufliche Realität vorenthalten zu wollen. Die Verweis auf Snell-Hornby/Kadric (1995: 16) hervor, dass Übersetzung in die FS gehört darum zu den Bereichen, die Fragen der Didaktik zwar verstärkt das Interesse der Über- die Übersetzungswissenschaft nicht der FS-Didaktik überlassetzungswissenschaftler wecken, sich dies aber auf die Her- sen sollte. Übersetzung beschränkt und wissenschaftlich^-didaktische Arbeiten im Bereich der Hin-Übersetzung eher spärlich ge- 3.2 Vielfach ohne es zu wissen werden die meisten techsät sind.37 Zwar wird die Übersetzung in die FS unterrichtet nischen bzw. Fachübersetzer zudem gelegentlich auch mit und ist Bestandteil der Zwischen- und Diplomprüfungen, der Texten konfrontiert, die nicht in der Ausgangssprache vorpraktische Zweck dieser Übersetzungsübungen, von Erliegen (d.h. nicht in der Sprache, in der sie geschrieben wurhöhung der fremdsprachlichen Kompetenz abgesehen, wird den). Ein besonderer Fall von Originaltexten sind in der aber meist auch den Studenten selbst nicht deutlich. Vilde- technischen Übersetzung nämlich neben den von Nichtmutbrand (1997: 228) fragt gar, ob,,das durchschnittlich reprä- tersprachlern verfassten Texten die vermeintlichen aussentative Niveau der studienabschließenden Leistungen im gangssprachlichen Originaltexte, die aber selbst bereits Fach»Übersetzen in die Fremdsprache* tatsächlich mit einer Übersetzungen aus anderen Sprachen sind. Solche Texte ver^ entsprechenden, die Leistungen sanktionierenden Hochlangen vom Übersetzer besondere Anstrengungen, um so schuldiplomierung vereinbar" sei. Das ausschließliche Über- mehr, wenn nicht von Anfang an klar ist, dass der vom Aufsetzen in die Muttersprache ist sicher das Ideal, entspricht traggeber vorgelegte Text kein,,normaler" ausgangssprachliaber nicht der Realität des Arbeitsalltages eines freiberufli- cher Originaltext ist.42 chen Übersetzers. In staatlichen oder internationalen InstituDiese Übersetzungsweise kommt dem parallelen Übersettionen ist diese Praxis natürlich üblich, der private Markt hat zen aus mehreren Sprachen, das oft vorn Auftraggeber mit aber andere Gesetze, wie ein Blick in die Stellenanzeigen der Korrektur der bereits existierenden Übersetzungen verzeigt. Die Übersetzungen in die FS gehören für viele Überbunden wird, sehr nahe: Der Übersetzer erhält mehrere Aussetzer zum Berufsalltag. In manchen Ländern, Dänemark gangstexte, d.h. ein und denselben Text in verschiedenen beispielsweise, kann ein Übersetzer sich grundsätzlich nicht Sprachen, ohne dabei unbedingt zu wissen, welcher das Oridarauf spezialisieren, nur in die Muttersprache zu überset- ginal ist. Ein solches,,paralleles" Übersetzen verlangt neue zen,,,da der Übersetzermarkt eine solche Spezialisierung Arbeitstechniken, die krass von dem abweichen, was im nicht zulassen würde" (Hansen 1996: 63), und dasselbe gilt Übersetzüngsunterricht vermittelt wird. Einen Sonderfall auch für die Spezialisierung auf bestimmte Fachgebiete. Bei dieses parallelen Übersetzens stellen die Fälle dar, in denen einer Umfrage unter 40 Teilnehmern eines Übersetzerkollq- der Übersetzer aus einer Sprache A in eine Sprache B überquiums (Forum de l'associacio de Traductors Digitals) setzt und dabei nicht nur andere Übersetzungen einsehen wurde vom Verfasser 1998 u.a. nach Übersetzungen in die FS kann - dies kann oft eine große Hilfe sein -, sondern sich an gefragt, wobei 90% der Informanten angaben, gelegentlich einer bereits Seite 10 von 20

11 existierenden Übersetzung des Ausgangstextes oder häufig in die FS zu übersetzen bzw. übersetzt zu ha- in einer Sprache C orientieren muss: d. h. es werden Übersetben.38 Sicherlich wird kaum jemals jemand einen lite- zungen im Hinblick auf eine,,musterübersetzung" gemacht, rarischen Text in die FS übersetzen, aber es ist beispielsweise wobei eine bereits existierende Übersetzung des zu übersetnicht ungewöhnlich, dass technische Übersetzungen aus dem zenden Textes - beispielsweise ins Englische - in ZweifelsfälDeutschen ins Spanische von deutschen Muttersprachlern len (Terminologie usw.) dann immer Vorrang hat.43 Diese überhaupt angenommen werden kann - und zu welchem Preis. Ich bezweifle, dass bei einem solchen Querlesen meist nur ein Überblättern, um die Schwierigkeit des Textes abschätzen zu können - Einzelheiten wahrgenommen werden. Nach Annahme der Übersetzung folgt eine genauere Sichtung des Textes und eine Planung der Übersetzung - auf die einzelnen Arbeitsschritte will ich hier nicht eingehen, da hierfür sicher jeder Übersetzer seine eigene Methode hat und schließlich die Übersetzung. Wenn aber Vermeer (1986: 42) gar von einer vierten (!) Ausgangstextlektüre spricht, so wage ich einzuwenden, dass sich ein hauptberuflicher Übersetzer eine solch intensive Vorbereitung - sicher ideal und wünschenswert - keinesfalls leisten kann.35 Lebende Sprachen Nr. 3/2002 Arbeitsweise ist z. B. bei der Übersetzung von Software weit verbreitet, wo zu den mitunter fabrikähnlichen Arbeitsbedingungen, d.h. Übersetzen im Akkord, noch die obligatorische Verwendung firmeninterner Glossare kommt.44 Solche Glossare enthalten auch die zur Norm gewordenen Übersetzungsfehler aus den Vorgängerversionen. Bei dieser Art von Übersetzung ist häufig eine Leitsprache - meist Englisch vorgegeben, die in Zweifelsfällen und bei Terminologieneubildung stets Vorrang hat. Diese Arbeitsweise führt zu der für den Übersetzer normalerweise nur schwer über längere Zeit hinzunehmenden,,übersetzung wider besseres Wissen", dann nämlich, wenn aus Gründen der Kohärenz bestimmte Elemente stets gleich übersetzt werden müssen, auch wenn längst deutlich geworden ist, dass eine andere Übersetzung besser gewesen wäre (vgl. dazu Gröndal 1997 und Schmitt 1986: 273ff). Bei der Verwendung von Vergleichstexten muss ebenfalls immer damit gerechnet werden, dass diese Fehler enthalten könnten, beispielsweise wenn man vom Auftraggeber Vergleichstexte bekommt, um Terminologiekohärenz zu gewährleisten. Die früher von anderen Übersetzern verwendete Terminologie muss in solchen Fällen oft auch dann übernommen werden, wenn sich die Vergleichsübersetzungen als sachlich falsch herausstellen.45 führungs- und Chemieunterricht absolvieren müssen, weiß kaum ein Absolvent einer Übersetzerfakultät, wie man einen Übersetzungspreis kalkuliert und einen Kostepvoranschlag ausarbeitet. Die wenigsten Absolventen der Übersetzerfakultäten wissen, wie man einen Verlag bzw. Kunden anspricht und für sich einnimmt.bzw. erst interessiert, wie man ein Exposo erstellt, wie ein Übersetzungsvertrag aussieht, wie man sich rechtlich absichert und was man beispielsweise von Klauseln zu halten hat, die den Übersetzer zum Schweigen über die übersetzten Texte verpflichten, ihm verbieten, Originaltexte oder Übersetzungen auf Disketten zu speichern oder - selbst für Nachfragen an Übersetzerkollegen auch nur auszugsweise in s zu versenden.49 4 Zwischen den übersetzungswissenschaftlichen Theorien sowie der Übersetzerausbildung einerseits und ihrer späteren praktischen Anwendbarkeit im Berufsalltag andererseits liegen zwar heute nicht mehr Welten, wie dies noch vor wenigen Jahren der Fall gewesen ist, dennoch widersprechen einige der den zukünftigen Übersetzern mitgegebenen Kriterien der beruflichen Wirklichkeit derart, dass der praktische Wert der entsprechenden theoretischen Ansätze und Seite 11 von 20

12 die Zweckmäßigkeit ihrer Berücksichtigung in der Übersetzerausbildung in Frage gestellt werden. Für die Ausbildung von Übersetzern ist darum die Beschäftigung von Dozenten, die aktiv als Übersetzer tätig sind, unerlässlich, zudem sollten längere Praktika in unabhängigen Übersetzungsbüros, in Übersetzungsabteilungen größerer Firmen, bei selbstständigen Übersetzern usw. in verschiedenen Arbeitsbereichen und in verschiedenen Stadien der Ausbildung zum Curriculum oder gegebenenfalls bereits zu den Vorbedingungen für die Aufnahme der Übersetzerausbildung gehören. 3.3 Zu den erstaunlicherweise in der Literatur und in der Ausbildung besonders spärlich behandelten Bereichen gehört die Übersetzung von Comics46, Video-, Kino- und Fernsehfilmen, CD- ROMs, Videospielen, Computerprogrammen und ähnlichen nicht in gedruckter Form veröffentlichten Medien. Dies verwundert um so mehr, wenn man bedenkt, dass diese Bereiche, die quantitativ immer mehr an Bedeutung gewinnen, schon seit längerem zu den wichtigsten Betätigungsfeldern der Übersetzer zählen.47 Das Übersetzen von Drehbüchern und Filmen, Untertitelung oder Ausarbeitung von Einsprechtexten wird gezwungenermaßen häufig von Quereinsteigern erledigt. Da eine gezielte Vermittlung der notwendigen Arbeitstechniken vielerorts nicht zur Über- Bibliographie setzerausbildung gehört, müssen Praktika in Synchronstu- AUignol, Ciaire:,,Die zusammengesetzten Wörter: Eine Schwierigkeit bei der Übersetzung technischer Fachtexte aus dem Deutschen ins dios dieses Defizit wettmachen. Übersetzerstudenten werfranzösische". Lebende Sprachen 2 (1988), den also gegen besseres Wissen nur auf einen Teil der mögli- Arntz, Reiner:,,Perspektiven und Probleme einer praxisbezogenen chen Betätigungsfelder vorbereitet. Auch maschinelle ÜberÜbersetzerausbildung". Lebende Sprachen 3 (1985), setzungshilfen wie Translators Workbench usw., Desktop BDÜ [=Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.v.] Landesverband Berlin (Hrsg.) (1997): Dolmetscher und Übersetzer in Berlin. Publishing und dergleichen den Anforderungen des moderberlin: BDÜ Landesverband Berlin. nen Übersetzeralltags gerecht werdende Ausbildungskom- BDÜ (Hrsg.) (1998): Übersetzen & Dolmetschen. Bonn: BDÜ Bundesponenten werden in den meisten theoretischen Arbeiten verband. zum Übersetzen und in den Einführungen in die Überset- BDÜ (Hrsg.) (1999): Erfolgreich selbständig als Dolmetscher und Übersetzer. Ein Leitfaden für Tübingen: Stauffenburg. zungswissenschaft nach wie vor allenfalls angeschnitten, mit- Beeby Lonsdale, Allison: Existenzgründer. inversa". In: Hurtädo Albir,,La traduccion unter sogar ausdrücklich nicht berücksichtigt, wobei zu den (1996), nicht ausreichend berücksichtigten Gesichtspunkten auch Buhl, Silke; Heidrun Gerzymisch- Arbogast (Hrsg.) (1999): Fach-TextÜbersetzen: Theorie - Praxis - Didaktik. Mit ausgewählten Beiträgen des die Nachbearbeitung von maschinell übersetzten Texten Röhrig gehört, die rasend schnell an Bedeutung gewinnt.48 Die in desaarbrücker Symposiums St. Ingbert:Filipetto:Universitätsverlag. Prada, Jose" Manuel; Süvia Konnet; Celia,,De nada". Vasos zwei parallelen Ausgaben (katalanisch und spanisch) ercomunicantes l (1996), 90^-91. scheinende spanische Tageszeitung El Periodico möge die Didaoui, Mohammed:,,Qualitätslektorat". Übersetzt von Peter A. Schmitt. In: Snell-Hornby et al. (1999), Tragweite der Entwicklung illustrieren: In einem vor wenicay:,,english: Axes for a target language". In: Grosrnan et al. gen Jahren technisch so gut wie unmöglichen Unterfangen Dollerup, (2000), wird diese Zeitung hauptsächlich automatisch übersetzt und Drescher, Horst W. (Hrsg.) (1997): Transfer. Übersetzen - Dolmetschen Interkulturalität. Frankfurt/M. et al.: Peter Lang. anschließend nachkorrigiert. Zwar finden sich Hinweise auf zu vermittelnde Aspekte Fischer, Martin B.:,,Defensa i il-lustracio de la traduccio inversa Seite 12 von 20

13 cataläalemany: El text turistic com a exemple präctic". Zeitschrift für Kawie Urheberrecht, Vertragsrecht, Haftung, Verantwortung talanistik 11 (1998), des Übersetzers als Dienstleister usw. in verschiedenen Cur- Fleischmann, Eberhard; Wladimir Kutz; Peter A. Schmitt (Hrsg.) (1997): ricularmodellen (vgl. Freihoff 1999:28), ein Bück auf die StuTranslationsdidaktik: Grundfragen der Übersetzungswissenschaft. Tübingen: Narr. dienpläne der einzelnen Lehrinstitute zeigt aber, dass für die Karl-Heinz:,,Zum Stellenwert SoftwarelokalisierungsproVermittlung dieser Inhalte keine eigenen Lehrveranstaltun- Freigang, in der Übersetzerausbildung11. von Fleischmann et al. (1997), jekten In: gen angeboten werden, womit sie zwangsläufig allenfalls im Rahmen allgemeiner Veranstaltung berücksichtigt werden Freihoff, Roland:,,Ausbildung: Curriculare Modelle'*. In: Snell-Hornby et al. (l 999), können. Die fehlende Vorbereitung auf die nichtsprachliwill". Die Zeit chen Aspekte der Übersetzung illustriert die schwierige Be-. Gröndal, Boris:,,Jeder, wie er Irena KovaCiC; 11. Juli 1997,62. Grosman, Meta; Mira Kadric; Mary Snell- Hornby (Hrsg.) ziehung zwischen Ausbildung und Berufspraxis besonders (2000): Translation into Non-Mother Tongues. In Professional Practice deutlich. Während Friseurlehrlinge in der Ausbildung Buchand Training. Tübingen: Stauffenburg. Lebende Sprachen Nr. 3/2002 Groß, Richard:,,Übersetzen in die fremde Sprache? leicht gesagt! - Wie man's aber vielleicht trotzdem noch unterrichten kann". In: Grosman et al. (2000), Hansen, Doris:,,Zum Übersetzen von Kulturspezifika in Fachtexten". In: Kellctat(1996), Honig, Hans (1995): Konstruktives Übersetzen. Tübingen: Stauffenburg. Holz-Mänttäri, Justa (1984): Translatorisches Handeln. Theorie und Methode. Helsinki: Suomalainen Tiedcakademia. Holz-Mänttäri, Justa:,,Translatorisches Handeln - theoretisch fundierte Berufsprofile". In: Snell-Hornby (1986), Horn- Helf, Brigitte:,,Der fachsprachliche Ausgangstext - ein,heiliges Original*? Anmerkungen zu einem Trugbild". In: Fleischmann et al. (Hrsg.) (1997), 464-^74. House, Juliane (1997): Translation Qitality Assessment. A Model Revisited. Tübingen: Narr. Hurtado Albir, Amparo (Hrsg.) (1996): La ensenanza de la traduccion. Castello: Universität Jaume I. Kapp, Volker:,,Probleme von Theorie und Praxis in der Ausbüdung zum Übersetzer und Dolmetscher". In: ders. (1991), Kapp, Volker (Hrsg.) (31991): Übersetzer und Dolmetscher. Tübingen: Francke. Kelletat, Andreas F. (Hrsg.) (1996): Übersetzerische Kompetenz. Beiträge zur universitären Übersetzerausbildung in Deutschland und Skandinavien. Frankfurt am Main et al.: Lang. Kern, Jürgen:,,BDÜ informiert den Bundespräsidenten: Probleme der Dolmetscher und Übersetzer". MDÜ Mitteilungsblatt für Dolmetscher und Übersetzer 3 (1997), 1-3. Koller, Werner (41992): Einführung in die Übersetzungswissenschaft. Völlig neu bearbeitete Auflage. Wiesbaden: Quelle & Meyer. Kovaöiö Irena:,,Translating via English äs a relay language: The case of subtitling". In: Grosman et al. (2000), Krings, Hans P. (1997): Texte reparieren. Empirische Untersuchungen zum Prozeß der Nachredaküon von Maschinen-Übersetzungen. Tübingen: Narr. Kußmaul, Paul:,,Textauswahlkriterien: Allgemeinsprachliches Texte". In: Sneil-Hornby et äl. (1999), Laurence, Janet (1994): The Craft of Food and Cookery Writing. London: Allison & Busby. Lederer, Marianne (1994): La traduction aujourd'hui - le modele interpretatif. Paris: Hachette. Neubert, Albrecht:,,Übersetzungswissenschaft und Übersetzungslehre: Spannungen und Chancen, Hemmnisse und Möglichkeiten, Ge^ gensätze und Gemeinsamkeiten, Isolation und Gemeinsamkeit". In: Fleischmann et al. (1997), Neunzig, Willy; Martin Kreutzer:,,Fundamentes de una teoria ludologica de la traduccion". Vasos comunicantes 10 (1997), Nord, Christiane (21991): Textanalyse und Seite 13 von 20

14 Übersetzen. [Theoretische Grundlagen, Methode und didaktische Anwendung einer übersetzungsrelevanten Textanalyse]. Neu bearbeitete Auflage. Heidelberg: Julius Groos. Pfetsch, Helga:,,Die Lust am Übersetzen". In: Török (1999), Querini, Silvia:,,Gracias". Vasos comunicantes 7 (1996), Reiß, Katharina (1983): Texttyp und Übersetzungsmethode. Heidelberg: Julius Groos. Reiß, Katharina; Hans J. Vermeer (1976): Grundlegung einer allgemeinen Translationstheorie. Tübingen: Max Niemeyer Verlag. Roinila, Pauli:,,Muß der Übersetzer auch noch schreiben können? Aspekte zur Übersetzungskompetenz und zu ihrer Entwicklung". In: Fleischmann et al. (1997), Roiss, Silvia:,,Motivationsstrategien für die Übersetzung aus der Muttersprache Spanisch in die Fremdsprache Deutsch". In: Grosman et al. (2000), Schmid, Annemarie:,,Übersetzerausbildung und Übersetzeralltag". In: Snell-Hornby (1986), Schmitt, Peter A.:,,Die»Eindeutigkeit* von Fachtexten: Bemerkungen zu einer Fiktion". In: Snell-Hornby (1986), Schmitt, Peter A.:,,Comics und Cartoons: (k)ein Gegenstand der Übersetzungswissenschaft?". In: Drescher (1997), Schmitt, Peter A.:,,Berufspraxis: Berufsbild". In: Snell-Hornby et al (1999), 1-5. (=1999a) Schmitt, Peter A.:,,Berufspraxis: Marktsituation der Übersetzer". In: Snell-Hornby et al. (1999), (=1999b) Schmitt, Peter A.:,,Textauswahlkriterien: Fachtexte". In: Snell-Hornby et al. (1999), (=1999c) Schmitt, Peter A.:,,Qualitätsmanagement". In: Snell- Hornby et al (1999), (=1999d) Schmitt, Peter A. (1999): Translation und Technik. Tübingen: Stauffenburg. (=1999e) Schreiber, Michael (1993): Übersetzung und Bearbeitung. Zur Differenzierung und Abgrenzung des Übersetzungsbegriffs. Tübingen: Narr. Snell-Hornby, Mary:,,Übersetzen, Sprache, Kultur". In: dies. (1986) Snell-Hornby, Mary (Hrsg.) (1986): Übersetzungswissenschaft. Eine Neuorientierung. Tübingen: Francke. Snell- Hornby, Mary; Mira Kadric (Hrsg.) (1995): Grundfragen der Übersetzungswissenschaft. Wiener Vorlesungen von Katharina Reiß. Wien: Snell- Hornby, Mary; Hans G. Honig; Paul Kußmaul; Peter A. Schmitt (Hrsg.) (1999): Handbuch Translation. Zweite, verbesserte Auflage/ Tübingen: Stauffenburg. Stein, Dieter (1980): Theoretische Grundlagen der Übersetzungswissenschaft. Tübingen: Narr. Stolze, Radegundis:,,Zur Bedeutung von Hermeneutik und Textlinguistik beim Übersetzen". In: Snell-Hornby (1986), Tietze, Rosemarie; Burkhart Kroeber:,,Neue Wege der Übersetzerförderung". In: Török (1999), Török, Imre (1999): VS-HANDBUCH. Ein Ratgeber für Autorinnen und Autoren, Übersetzerinnen und Übersetzer.'Gotüngen: Steidl. Vega Cernuda, Miguel Angel:,,Hacia una recalificacion del perfil del traductor". Hieronymus complutensis 3 (1996), Vermeer, Hans J.:,,Übersetzen als kultureller Transfer". In: SnellHornby (1986), Vildebrand, Moderier,,Die Hin-Übersetzung-Nutzen und Grenzen". In: Fleischmann et al. (1997), Whitelaw, Stella (1996): How to Write Short-ShortStories. London: Allison & Busby. Wilss, Wolfram:,,Die Bedeutung des Übersetzens und Polinetschefis in der Gegenwart". In: Kapp (1991), Wilss, Wolfram (1996): Übersetzungsunterricht. Eine Einführung. Begriffliche Grundlagen und methodische Orientierungen. Tübingen: Narr. Zeumer, Jutta:,,Anforderungen der Praxis an den Fachübersetzer", in: Buhl/Gerzymisch-Arbogast (1999), Zimmermann, Klaus:,,Die Krise der Lusitanistik (und Romanistik): ein Diskussionsbeitrag". Lusorama 33 (Juni 1997), Anmerkungen Vgl. schon Schmid (1986), Kapp (1991), Neubert (1997). Vgl. beispielsweise die Diskussionen anlässlich des hochschulpolitischen Tages im Rahmen von Romania in Jena. Vgl. auch Zimmermann (1997) über die,,lücke zwischen Forschungsgegenständen und den-erfordernissen der Praxis" in der Romanistik. Seite 14 von 20

15 3 An der Humboldt-Universität zu Berlin wurde nach Streichung des Studiengangs Dolmetschen beispielsweise ein neuer, modular aufgebauter Studiengang,Interkulturelle Fachkommunikation - Übersetzen Und Dolmetschen* (IFK) entwickelt. 4 V$. dazu schon Arntz (1985) und SnelKHornby (1986: lof). 5 Vgl. Schmitt (1999e: 11-12) zum Zusammenspiel von Rückgang des Übersetzungsbedarfs durch wachsende Verbreitung von Fremdsprä^ chenkenntriissen in der Bevölkerung einerseits und steigendem Textaufkorhmen, höherem Zeitdruck und gestiegener Komplexität der zu übersetzenden Texte infolge der,,lawine technischer Innovationen" in den letzten Jahrzehnten andererseits. 6 Vgl. die Unterscheidung der Marktpräsenz von Übersetzungsbüros und Freelancern bzw. Einzelübersetzern bei Zeumer (1999) und die Übersicht über Jahresumsätze von Übersetzungsbüros bei Schmitt (1999b: 6). 7 Vgl. Didaoui (1999) zur Unterscheidung verschiedener Sonderfälle des Qualitätslektorats (wie Selbstkorrektur, Top-down-Korrektur, Gegenlesen, Fachlektorat, Sprachlektorat usw.) und Schmitt (1999d: 397) zur Unterscheidung des Quälitätslektorats in Sprachlektorat und Fachlektorat. Einzelübersetzer müssen sich häufig mit Selbstkorrektur begnügen. 8 Snell-Hornby (1986:10; Fußnote) weist darauf hin, dass eine schlechte Übersetzung leicht zu erkennen ist, eine gute Übersetzung dagegen immer von der jeweiligen Funktion abhängig sei. Die Frage nach dem Grund für niedrige Qualität wird in der Ubefsetzüngskritik dagegen gern ausgelassen; in diesem Zusammenhang scheint mir die Perspektive Kollers bedeutsam, der die Übersetzung auch als ein Resultat der äußeren Bedingungen der Übersetzung erkennt, diese dabei allerdings nicht als Rechtfertigungsgrund zulässt:,,der Zeit- und ökonomische Druck, unter dem viele Übersetzer arbeiten müssen, führt auch bei qualifizierten Übersetzern zu kaum zu rechtfertigenden Resultaten" (Koller 1992: 20). Eigentlich widerspricht er sich mit dieser letzten Äußerung, da Zeitdruck als,,verursacher" schlechter Leistung die schlechten Resultate erklärt und somit unter Umständen eben auch rechtfertigt. Vgl. dazu auch den offenen Brief der Verlegerin von Edl ciones B (Barcelona), Silvia Querini (1996), in dem sie den Übersetzern für ihre Arbeit dankt, und die Antwort von de Prada et al. (1996), die Querinis idealisierende Darstellung des Übersetzeralltags als realitätsfern kritisieren. 9 Zur Realitätsferne des Übersetzungsunterrichts vgl. auch SnellHornby (1986: 26f); zu beachten ist freilich, dass sich seit 1986 (vielleicht auch stimuliert durch das Memorandum des Koordinierungsausschusses Praxis und Lehre; cf. vieles zum Besseren geändert hat. 10 Für Groß (2000: 176) ist die Verwendung unzähliger verschiedener Texte zu allen nur möglichen Themen zur Hervorbringung von Allroundübersetzern,,gnadenlos praktizierte Textophagie". 11 Vgl. dazu Koller (1992: 13), der die Frage nach dem Verhältnis von Theorie und Praxis der Übersetzung als,,dauerbrenner in der übersetzungswissenschaftlichen Debatte" bezeichnet. 12 Vgl. Koller (1992: 14). Kern (1997: 2) kritisiert, die Ausbildung der Übersetzer auf Hochschul- und Fachh^chschulebene läge vielfach Lebende Sprachen Nr. 3/2002,,noch in den Händen von Philologen, die berufsfremd und praxisfern sind, sofern sie den eigenständigen Beruf des Übersetzers nicht selbst ausüben und die Anforderungen der Praxis an den heutigen Berufsübersetzer nicht aus persönlicher Erfahrung kennen". 13 Vgl. beispielsweise die Problemanalysen und Empfehlungen bei Schmitt (1999e: 57-58, 64-65, 85-87, , ,196, 202, 208, usw.). 14 Kern (z.b. 1997: 2) monierte als Präsident des Bundesverbandes der Dolmetscher und Übersetzer wiederholt die,,akademische Überfrachtung" der Ausbildung - sehr zum Verdruss der einschlägigen Institute, die in seinen theorie- und wissenschaftsfeindlichen Äußerungen eine Schädigung der konzertierten Bemühungen um eine solide Seite 15 von 20

16 Ausbildung und Anerkennung der Diplomstudiengänge sehen. 15 Stein (1980) lamentiert über den (damals noch) rudimentären Zustand der übersetzungswissenschaftlichen Theorienbildung. 16 Die Ablehnung des Ausdrucks,,Auftraggeber" durch Holz-Mänttäri (1984) mit der Begründung, man könne einen Übersetzer nicht beauftragen, translatorisch zu handeln, sondern lediglich ein Produkt bei ihm anfordern, ist m. E. erstens Haarspalterei und zweitens symptomatisch für eine Translationswissenschaft, die die Position und Möglichkeiten des Übersetzers durchgehend überschätzt. 17 Berücksichtigen sollte man hierbei, dass die Vergabe der Übersetzungen an die Übersetzer meist vom Verwaltungs- bzw. Sekretariatspersonal der Agenturen vergeben wird, die nicht die Leistung beurteilen (können), sondern Einhaltung von Terminen, Erreichbarkeit usw. berücksichtigen; zudem suchen diese Kräfte den Übersetzer nach den Erfahrungen, die sie selbst in der Vergangenheit mit den in den Karteien eingetragenen Freiberuflern im Hinblick auf den eigenen Arbeitsaufwand gemacht haben. 18 So hat es gute Gründe, dass beispielsweise in dem vom BDÜ Landesverband Berlin (1997) herausgegebenen Verzeichnis von Mitgliedern, die freiberuflich Aufträge übernehmen, ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass enge Zusammenarbeit zwischen Auftraggeber und Übersetzer Voraussetzung für gute Leistungen sind. 19 Der Zweck der Übersetzung ist bei Literaturübersetzungen naturgemäß leichter nachzuvollziehen als bei technischen bzw. Fachübersetzungen. 20 Die meisten literarischen Übersetzer haben ein zweites berufliches Standbein, was angesichts lächerlich niedriger effektiver Stundenlöhne nicht verwundert: Kern (1997: 3) spricht von Dumpingpreisen bis hinunter zu zwei DM (!), und sogar renommierte Verlage vergeben mitunter Übersetzungen zu solchen Bedingungen. Vgl. dazu auch die Angaben zum,,jahresbudget eines angesehenen Literaturübersetzers" bei Tietze/Kroeber (1999:322f). 21 Der Übersetzer muss also nicht nur einen kulturellen Filter zwischen Ausgangstext und Zieltext stellen und den Ausgangstext aus der Perspektive der Zielkulturrezipienten sehen (House 1997), sondern allein schon aus Selbstschutz einen Fehlerfilter anwenden und den Zieltext selbst ebenfalls aus der Perspektive der Zielkulturrezipienten beurteilen. 22 Bedeutungsleere im Sinne des die Reißschen Kategorien des operativen, expressiven und operativen Texttypes (vgl. Reiß 1983) ergänzenden inflativen Texttypes (texto inflativo), den Neunzig/Kreutzer (1997: 11-12) auf sehr humorvolle, aber doch treffende Art beschreiben als,,texte, die eine informative Funktion zu haben scheinen, obwohl sie über nichts informieren, oder eine operative Funktion, obwohl sie zu nichts gut sind, oder schließlich eine expressive Funktion, auch wenn sich die Autoren für Poeten halten, aber nichts sagen" (Übersetzung des Autors). 23 Vgl. z.b. Holz- Mänttäri (1984; 1986), Vermeer (1986), Koller (1992) und Schreiber (1993) sowie die mit mehreren Bearbeitungsbeispielen veranschaulichte Darstellung bei Nord (1991: 28-33). Schmitt (1999e: ) geht sehr ausführlich auf Übersetzungsprobleme aufgrund von Ausgangstextdefekten ein. 24 Vgl. Wilss (1996) zur Frage, wieviel Fachwissen von einem Übersetzer erwartet werden kann. 25 Die neuen Medien (Internet, CD-ROM usw.) ermöglichen schnellere Recherchen, und dank sind auch Nachfragen bei Berufskollegen, die früher schon allein aus Zeit- und Kostengründen seltener waren, heute selbstverständliches Hilfsmittel bei der Übersetzung. 26 Vgl. Holz-Mänttäri (1984) und Nord (1991: 30). Die Forderung nach Neuvertextung wird von Venneer (1986: 41)-mit der Erwartungshaltung des Textrezipienten begründet, wobei auch hier die Situation des Übersetzers aus dem Kontext herausgehoben scheint. Zumindest lässt die Anmerkung, unter Übersetzern sei noch manche auch ethisch Seite 16 von 20

17 interessante Aufklärungsarbeit zu leisten, diese Schlussfolgerung zu. Es ist es jedoch m. E. viel eher angebracht, diese Aufklärungsarbeit bei den Auftraggebern zu leisten. 27 Sie veranschaulicht dies mit dem Beispiel einer unzureichenden und fehlerhaften englischen Bedienungsanleitung. 28 Europas größter Fachverband für technische Kommunikation und Dokumentation. 29 Es handelt sich um Bedienungsanleitungen von Küchenmaschinen im Preissegment bis DM 300,-. 30 Die existierenden Berufsverbände geben keine Tarifempfehlungen, sondern verweisen auf die,,üblichen" Honorarsätze. Die,,Berufs- und Ehrenordnung" des BDÜ (1997:48) beispielsweise sieht vor:,,bei der Lcbende Sprachen Nr. 3/2002 Bemessung des Entgelts für ihre berufliche Tätigkeit müssen sich Dolmetscher und Übersetzer an die gesetzlichen Bestimmungen halten. Sie bewerten im übrigen ihre beruflichen Leistungen nicht unter den üblichen Honorarsätzen in der Absicht, durch planmäßiges und gezieltes Unterbieten Mitbewerber zu verdrängen".,,so ist es nicht verwunderlich, dass am Markt nicht allein professionelle Kräfte tätig sind, sondern sich auch eine große Zahl von Laien, Amateuren und sonstigen Sprachliebhabern tummelt" (Kern 1997:1). Die Tatsache allein, dass viele Sprachen nicht an Universitäten gelehrt bzw. im Rahmen der Übersetzungsausbildung nicht angeboten werden und möglicherweise so selten gefragt sind, dass die Auftragslage eine kontinuierliche Arbeit als Übersetzer unmöglich macht, zeigt sicherlich, wie schwierig die Unterscheidung,,professionelle Kraft" und,,amateur" ist. Der BDÜ nimmt nur Dolmetscher und Übersetzer auf, die ein Übersetzer- oder Dolmetscherdiplom, eine vor einem staatlichen Prüfungsamt abgelegte Prüfung oder eine gleichwertige Prüfung vorweisen können. Die Übergabe der Übersetzungen auf Diskette oder per Modem ist mittlerweile die Regel; immer häufiger verlangen die Auftraggeber,,druckfertige" Dokumente, womit klar ist, dass die Übersetzung nur mehr einen Teil der Arbeit ausmacht. Durch die neuen Technologien eröffnen sich stärker als je zuvor internationale Perspektiven, es gehört mittlerweile für viele Übersetzer zum Alltag, dass ihre Auftraggeber Tausende von Kilometern entfernt sind und die zu übersetzenden Texte via Modem, Fax usw. ins Haus kommen. Das Internet internationalisiert den Arbeitsmarkt, und das Preisgefälle in Europa bzw. weltweit trägt dazu bei, dass immer mehr Übersetzungen in Billigländer der Übersetzung,,ausgelagert" werden. Ein gutes Beispiel für den fehlenden Zusammenhalt der verschiedenen Übersetzervereinigungen bzw. Interessenverbände sind die Diskussionen zwischen den beiden Übersetzer-Vereinen ATIC und TRIAC in Barcelona, die es trotz gleicher oder ähnlicher Zielsetzung (Schaffung eines Berufsverbandes und Verbesserung der Arbeitsbedingungen, Fortbildung, soziale Absicherung usw.) bisher nicht geschafft haben, ihre Kräfte zu vereinen und gemeinsam für die staatliche Anerkennung eines Beruf s Verbandes einzutreten. Vgl. dazu Reiß/Vermeer (1976), Stolze (1986), Vermeer (1986), Nord (1991), Wilss (1996). Abgesehen davon wäre eine viermalige Lektüre beispielsweise eines mehrere Hundert Seiten umfassenden Medikamentenkatalogs nicht nur über die Maßen zeitraubend und unerträglich nervenaufreibend, sondern sicher auch kaum ergiebig. Zwangsläufig provoziert diese Forderung auch die Frage, wie dann beispielsweise bei der Übersetzung von Spielfilmen gearbeitet werden soll. Mehr als eine, maximal zwei konzentrierte Sichtungen des Materials dürften übertrieben sein, zudem ist aber zu bezweifeln, dass ein Übersetzer viermaliges Ansehen z.b. eines US-amerikanischen Action-Filmes - das sind etwa sechs Stunden - unbeschadet übersteht. Vielleicht deuten die zahlreichen Hinweise auf mehrmalige Lektüre des zu übersetzenden Textes doch auch darauf hin, dass die Autoren in erster Linie an die Übersetzung literarischer Texte (die eine mehrmalige Lektüre tatsächlich verdienen) denken; sollte dies so sein, so bleibt es Seite 17 von 20

18 leider oft unbenannt. Vgl. die Darstellung bei Fischer (1998) sowie Lederer (1994). Das steigende Interesse an der Übersetzung in die FS ist an der Zunahme von einschlägigen Veröffentlichungen wie Snell-Hornby et al. (1999) abzulesen. Vgl. dazu auch Anmerkung 31. Auch hier finden sich Ausnahmen. So wurden beispielsweise einige der in den letzten Jahren in Spanien veröffentlichten galicischen und katalanischen Übersetzungen deutscher Prosa und Poesie von deutschen Übersetzern gemacht, darunter Übersetzungen von Autoren wie Brecht (Bertolt Brecht: Terror i miseria del Tercer Reich. In: Teatre Complet, II. Übersetzung ins Katalanische von Heike van Lawick. Barcelona: Diputacio de Barcelona, 2001), Brinkmann (Brinkmann, Rolf Dieter: A maquina de facer zume de laranxa. Unha antoloxia. Auswahl und Übersetzung von Franck Meyer. Santiago de Compostela: Edicions Positivas, 1998) oder Hesse (Hermann Hesse: Siddhartha. Übersetzung ins Galicische von Franck Meyer. Vigo: Galaxia, 1999). Schriftsteller wie Samuel Beckett und Vladimir Nabokov haben Teile ihres Werkes selbst übersetzt (vgl. Dollerup 2000:61). So schreibt Koller (1992:29),,,daß immer mehr Wissenschaftler, deren Muttersprache eine kleine Sprache ist, ihre Arbeiten in einer Weltsprache abfassen"; dasselbe gilt natürlich auch für Techniker in multinationalen Konzernen usw. Innerhalb eines Jahres wurden dem Verfasser von Niederländern in deutscher Sprache geschriebene Bedienungsanleitungen von Kesselreinigungsvorrichtungen, von Dänen in deutscher Sprache geschriebene Buchführungs-Software und von Polen in deutscher Sprache abgefasste Betriebsanleitungen von Tiermehlsterilisierungsapparaturen zur Übersetzung ins Spanische vorgelegt, da die spanischen Muttersprachler die mit Interferenzen der jeweiligen Sprachen gespickten Texte nicht verstanden. Der Text über die Reinigung von Heizkesseln beispielsweise war teilweise nur unter Zuhilfenahme eines Niederländisch-Wörterbuches zu deuten. Auch die schlechte Lesbarkeit der zu übersetzenden Dokumente macht es oft genug notwendig, Muttersprachler mit der Übersetzung zu beauftragen. Per Fax übermittelte oder mehrfach kopierte Texte beisptels109 weise sind häufig nur unter Schwierigkeiten zu entziffern, was von den Auftraggebern nicht immer als Problem erkannt wird. 41 Vgl. auch Bceby Lonsdale (1996:60f.). 42 (2000: 49) unterscheidet indirekte Übersetzung und RelayÜbersetzung, wobei sie allerdings darauf hinweist, dass Relay-Dolmetschen, von wo sie den Terminus Rclay-Übersetzung übernimmt, häufig zugleich auch indirekt ist:,,indirect translation Starts from an intermediary (e.g. English) version that was in the first place produced for a specific culture or linguistic Community (in this case an English-speaking one) with all the pertaining consequences of adapting to the target culture; in relay interpreting [!], on the other hand, the go-betweeii Interpreter is aware, at the time of interpreting, of his specific responsibility: (s)he is addressing his/her own target (RL) audience, but at the same time his/her Speech is the unique source from which his/her colleague(s) can work into T[arget]L[anguage](s)". 43 Vgl. die Kritik von Horn- Helf (1997) an der,,hochachtung vor dem.heiligen Original*" (1997:464) bei der Übersetzung von Fachtexten. 44 Beispielsweise Arbeit als freier - also selbst versicherter - Übersetzer mit Projektvertrag, wobei in der Übersetzungsfirma und im Schichtsystem in vorgegebenen Arbeitszeiten und,,gegen die Uhr" gearbeitet wird. Paradebeispiele sind hier die Arbeitsbedingungen in Spanien und Irland. Insbesondere bei der Softwarelokalisierung wird häufig nach Stundenvorgaben mit Mindestübersetzungsleistung gearbeitet, wobei der Übersetzungsvorgang vor allem bei rechnergestützter Übersetzung stark auf ein monotones,,herunterübersetzen" von einzelnen, nur nacheinander aufrufbaren Zeilen reduziert ist. Zur Berücksichtigung der Softwarelokalisierung in der Übersetzerausbildung vgl. Freigang (1997). Dem Aspekt der fehlerhaften und Seite 18 von 20

19 darum nicht verwendbaren Vergleichstexte wird in der Debatte Über die Didaktik des Übersetzens leider kaum Beachtung geschenkt; vgl. dazu Fischer (1998:155). Schmitt (1997: 629) weist darauf hin, dass bei rund 500 ComicNeuerscheinungen in Deutschland jährlich mindestens Seiten zu übersetzen seien, was bei einem weit über dem für literarische Übersetzungen gezahlten Zeilenpreis von ca. 2 DM einen jährlichen Gesamtauftragswert von gut einer Million DM ausmache, der beispielsweise bei Ehapa ausschließlich an freiberufliche Übersetzer gehe. Vgl. dazu die Anmerkungen zur Bedeutung der Übersetzung nichtgedruckter Texte und der Synchronisation bei Wilss (1991:14). Vgl. dazu Krings (1997).,, Einen guten Einblick in einige der angesprochenen Fragestellungen gibt das Handbuch von Török (1999), darin insbesondere die Beiträge von Pfetsch sowie Tietze/Kroeber. Sehr hilfreich ist der 1999 vom BDÜ herausgegebene Leitfaden für Dolmetscher und Übersetzer, in dem die wichtigsten Voraussetzungen für die Existenzgründung und Themen wie Aufbau des Auftraggeberstammes, Werbung, Akquisition usw. besprochen werden. Dieser Leitfaden enthält auch Musterrechnungen, Vorlagen für Mahnungen usw. Auch Autorenratgeber wie beispielsweise How to Write Short-Short Stories von Whitelaw (1996) oder The Craft of Food and Cookery Writing von Laurence (1994) sind bei der Bewältigung der genannten Fragen eine große Hilfe, da sie den zukünftigen Autoren - und entsprechend den Übersetzern - oftmals minutiös vorzeichnen, wie man die einzelnen Hürden auf dem Weg zu einer Veröffentlichung meistert. Ein relativ großer Teil dieser Informationen ist auch für Übersetzer interessant. UWE MÜGGE Möglichkeiten für das Realisieren einer einfachen Kontrollierten Sprache Es ist in Fachkreisen bekannt, dass viele internationale Großunternehmen Kontrollierte Sprachen einsetzen. Beispiele für derartige Unternehmen sind Caterpillar, Siemens und BMW. Es ist dagegen kaum bekannt, dass es kostengünstige Regelwerke und Werkzeuge für das Arbeiten mit einer Kontrollierten Sprache gibt. Ich möchte mit diesem Artikel kurz in dieses spannende Thema einführen und verschiedene Möglichkeiten für das Realisieren einer einfachen Kontrollierten Sprache zeigen. 4. Sentences 5. Procedures 6.DescriptJveWriting 7. Warnings and Caütiqns 8. Puhctuation arid Word Count* 9. Writinq Practices SubSection: ms and Temet of Verb* The Active Voice How lo Describe an Action l Was ist eine Kontrollierte Sprache? 1.1 Eine breite Definition i Summaiy of the Rules Im Folgenden biete ich eine breite Definition für KontrolRULE3.1 lierte Sprachen: Kontrollierte Sprachen sind aus der AllgeUse only»hose form«of the verb lhat are fisted in the Dictionary (Part 2) meinsprache der jeweiligen natürlichen Sprache abgeleitet. RULE3.2 Use the approved form«of the verb to make only: The Infinitive The Im Unterschied zur Allgemeinsprache gelten in der Kontrolimperative The simple present tense The simple past tense The future lierten Sprache engere Regeln für zulässige Wörter und grammatikalische Konstruktionen. Beispiel: In Simplified English, der Kontrollierten Sprache Abb. 1: Ansicht von Regeln für Simplified English im AECMA Simdes Verbands der Europäischen Luftfahrtindustrie AECMA, plified English Rules Viewer (ASSET). sind nur 950 Wörter sowie zusätzlich firmenspezifische Fachwörter zulässig. Für die Satzbüdung gelten 55 Regeln. Ab- Automatisiertes Lektorieren von Texten bildung l zeigt Regeln für Simplified English im AECMA Standardisiertes und automatisiertes Bewerten von Texten Simplified English Rules Viewer (ASSET). nach objektiven Kriterien 1.2 Absichten für das Entwickeln von Kontrollierten Sprachen Zu den Absichten für das Entwickeln von Kontrollierten Sprachen gehören u. a.: Einführen einer universellen Sprache Leichtes Erlernen von Fremdsprachen Leichtes Verstehen von Texten Standardisiertes und automatisiertes Erstellen von Texten Seite 19 von 20

20 Standardisiertes und automatisiertes Erstellen von Übersetzungen afttile* on!? thöse form* of the verb that are listed in the Dictionary (Part 2). m rule3.2 Ute the approved formt of the verb to make only: The Infinitive The imperative f - «-- -- ^ particjp e on rulelä Ute the past participle c y a, an adjective: either with a noun or after the verfaß rule3.4 Do not ' the past paiticiple with a form of the verb HAVE to make an unaooro^ J tcüonaiy View 3. VERBS 1.3 Ziele für Kontrollierte Sprachen in der Technischen Dokumentation Leichte Verständlichkeit Technische Dokumentationen beschreiben Produkte und Verfahren und leiten Personen beim Bedienen und Warten von Produkten an. Die leichte Verständlichkeit von Technischen Dokumentationen ist besonders aus zwei Gründen wichtig: strengere Anforderungen aus Gesetzen und Normen entscheidendes Kaufkriterium vf * Lebende Sprachen Nr. 3/2002 Enter a sentence, or cut and paste a paragraph About DeepDyve Why DeepDyve Publishers Widgets News & Events Blog Privacy Policy Terms of Service Site Map 2011 DeepDyve, Inc. Seite 20 von 20

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