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1 IAS Übung Mai 2009 Übung_7_IAS_FS09_final (Lösungen) Seite 1

2 Erklären Sie die Ursachen für die Entstehung von latenten Steuern im IAS-Abschluss. Wann sind latente Steuern anzusetzen? Wie sind diese zu bewerten und auszuweisen? Übung_7_IAS_FS09_final (Lösungen) Seite 2

3 Grundlagen: IAS 12 betrifft nur Ertragssteuern und unterscheidet zwischen 1 tatsächlichem Steueraufwand und 2 latenten Steuern. Übung_7_IAS_FS09_final (Lösungen) Seite 3

4 1 Tatsächliche Steuern sind der Betrag der geschuldeten bzw. erstattungsfähigen Ertragssteuern, der aus dem zu versteuernden Einkommen bzw. steuerlichen Verlust der Periode resultiert (IAS 12.5). Die tatsächlichen Ertragssteuern sind grundsätzlich sofort aufwandswirksam anzusetzen. Soweit sie die aktuelle und frühere Perioden betreffen, aber noch nicht bezahlt wurden, sind sie als Schuldposten anzusetzen. Wurde mehr bezahlt, als bisher geschuldet wird, ist dieser Betrag als Vermögensgegenstand anzusetzen (IAS 12.12). Übung_7_IAS_FS09_final (Lösungen) Seite 4

5 2 Latente Steuern entstehen aufgrund von temporären Unterschieden (temporary differences) zwischen dem Buchwert eines Bilanzpostens und seinem Steuerwert. Voraussetzung ist jedoch, dass es sich um Unterschiede handelt, die sich im Lauf der Zeit wieder ausgleichen. Damit führt der Ansatz latenter Steuern zu einer Berücksichtigung der bereits im Abschluss angelegten, aber noch nicht im tatsächlichen Steueraufwand enthaltenen künftigen Ertragssteuern. Diesen fiktiven Steuern stehen in derselben Periode keine tatsächlichen Steuerzahlungen gegenüber; sie führen aber in künftigen Perioden zu Mehr- oder Minderzahlungen. Latente Steuern sind international ein wesentliches Thema, weil es nur in wenigen Ländern eine Massgeblichkeit der Handelsbilanz für die Steuerbilanz gibt. Dadurch fallen die Rechnungslegung und die steuerliche Gewinnermittlung meist deutlich auseinander. Übung_7_IAS_FS09_final (Lösungen) Seite 5

6 Unterschiede zwischen IAS- Buchwert und Steuerwert Temporäre Unterschiede Permanente Unterschiede Passive latente Steuern Aktive latente Steuern Keine Steuerabgrenzung Aktiva Passiva Aktiva Passiva IAS- Buchwert > Steuerwert IAS Buchwert < Steuerwert IAS- Buchwert < Steuerwert IAS- Buchwert > Steuerwert Übung_7_IAS_FS09_final (Lösungen) Seite 6

7 Beispiel Buchwert des Aktivums > Unterschiede Steuerwert (temporäre zwischen IAS- Bewertungsdifferenz) Buchwert und Steuerwert In der Handelsbilanz wurde das Aktivum weniger stark abgeschrieben als in der Steuerbilanz Der Gewinn in der Handelsbilanz ist grösser als derjenige der Steuerbilanz Temporäre Unterschiede Permanente Unterschiede Entsprechend sind die zu zahlenden Steuern gemäss Handelsbilanz grösser als diejenigen gemäss Steuerbilanz Keine Steuerabgrenzung wenig bezahlte Passive Rückstellung in der Handelsbilanz Aktive für tatsächlich zu latente Steuern (werden in späteren latente Perioden Steuern nachgezahlt) Passive latente Steuern Aktiva Passiva Aktiva Passiva IAS- Buchwert > Steuerwert IAS Buchwert < Steuerwert IAS- Buchwert < Steuerwert IAS- Buchwert > Steuerwert Übung_7_IAS_FS09_final (Lösungen) Seite 7

8 Ansatzvorschriften: Als grundsätzliche Regel gilt eine Bilanzierungspflicht für sämtliche temporären Unterschiede, die zu latenten Steuern führen; ein Wahlrecht existiert nicht. Für aktive latente Steuern gibt es jedoch ein zusätzliches Kriterium, dass erfüllt sein muss: Eine Aktivierung darf nur in dem Umfang vorgenommen werden, in dem es wahrscheinlich (probable) ist, dass ein zu versteuerndes Einkommen verfügbar sein wird, gegen das temporäre Unterschiedsbeträge verwendet werden können. Der Grund für die Differenzierung bei der Bilanzierungspflicht ist, dass die Verpflichtung zu künftigen Steuerzahlungen zwar Schuldposten (liability) entstehen lässt, hingegen das Vorliegen von aktiven latenten Steuern i.d.r. nicht in eine Forderung gegenüber der Finanzverwaltung mündet, sondern nur gegen künftige Steuerzahlungen verrechnet werden kann. Grundsätzlich sind latente Steuern genauso wie tatsächliche Steuern erfolgswirksam zu bilden und aufzulösen. Übung_7_IAS_FS09_final (Lösungen) Seite 8

9 Die Wahrscheinlichkeitsgrenze ist erreicht, wenn eine der folgenden Bedingungen zutrifft: 1. Dasselbe Steuersubjekt weist hinreichend passive latente Steuern gegenüber derselben Finanzverwaltung auf, die sich vermutlich in selben Geschäftsjahr auflösen wie die aktiven latenten Steuern oder zumindest in dieses Geschäftsjahr vor- oder rückgetragen werden können. Diese Bedingung entspricht der Voraussetzung für eine Saldierung aktiver und passiver latenter Steuern (IAS 12.74). 2. Trifft das erste Kriterium nicht zu, ist auf die künftigen zu versteuernden Einkommen abzustellen. Ist es wahrscheinlich, dass diese ausreichen, um die bestehenden Steuervorteile zu nutzen, ist insoweit eine Aktivierung latenter Steuern vorzunehmen. Diese Beurteilung ist unabhängig von künftig erwarteten, weiteren aktiven latenten Steuern anzustellen; für diese ist das Kriterium dann zu prüfen. 3. Das Unternehmen hat Möglichkeiten, steuerpflichtige Gewinne in ausreichendem Umfang durch Sachverhaltsgestaltung zu generieren. Beispiele wären der Verkauf von Vermögen oder die Akquisition eines Unternehmens mit entsprechenden Gewinnen. Dies hängt von den jeweiligen nationalen steuerrechtlichen Regelungen ab. BACKUP Übung_7_IAS_FS09_final (Lösungen) Seite 9

10 Bewertung: IAS 12 schreibt als Berechnungsmethode latenter Steuern die sog. liability method vor, welche die erwarteten künftigen Steuerzahlungen zu jedem Abschlussstichtag originär zu bewerten sucht. Danach ergibt sich der Betrag der latenten Steuern aus den temporären Unterschieden, multipliziert mit den bei Auflösung des Postens erwarteten Ertragsteuersätzen Aus Objektivierungsgründen wird allerdings auf den jeweiligen zum Abschlussstichtag geltenden Steuersatz oder bei bereits beschlossenen Gesetzesänderungen auf den dann geltenden Steuersatz abgestellt (IAS 12.47). Kommen verschiedene Steuersätze zum Tragen, ist ein durchschnittlicher Ertragssteuersatz für das Geschäftsjahr zu schätzen. Dies trifft bei einem progressiven Tarif der betreffenden Ertragssteuer zu. Im internationalen Unternehmen werden die Steuersätze aufgrund der Gewinnentstehung in verschiedenen Ländern divergieren. In diesem Fall ist jeweils der lokale (ggf. durchschnittliche) Steuersatz anzuwenden, der für die im betreffenden Land entstehenden temporären Unterschiede massgeblich ist. Übung_7_IAS_FS09_final (Lösungen) Seite 10

11 Ausweis: Latente Steuern sind in der Bilanz als gesonderte Posten auszuweisen. Wird in der Gliederung in kurzfristige und langfristige Posten getrennt (IAS 1.53), was i.d.r. der Fall ist, sind die latenten Steuern unter den langfristigen Posten auszuweisen. Es erfolgt damit keine Aufgliederung in kurz- und langfristig fällige latente Steuern. Im Anhang sieht IAS 12 eine umfangreiche Liste von Angaben vor, unter anderem: Wesentliche Komponenten des Steueraufwandes bzw. Steuerertrag, Erläuterungen von Annahmen und allfälligen Änderungen der Berechnung, Latente Steuern, die direkt gegen Eigenkapital gebucht wurden, Übung_7_IAS_FS09_final (Lösungen) Seite 11

12 Aufgabe 7 (b) Aufgabe 7 (b) Die L-AG bilanziert zwar nach IAS, ist jedoch zur Steuerbemessung verpflichtet, einen Abschluss nach Schweizer OR/FER zu erstellen. Dabei werden für das Jahr X0 folgende Positionen unterschiedlich angesetzt: 1 Eine Maschine, deren Anschaffungskosten CHF betrugen, wird im IAS-Abschluss über vier Jahre linear abgeschrieben, steuerlich hingegen über fünf Jahre. 2 Pensionsrückstellungen werden im IAS-Abschluss mit CHF ausgewiesen, in der Steuerbilanz lassen sich jedoch nur CHF ansetzen. Die Rückstellungen sind in den kommenden vier Jahren in gleicher Höhe aufzulösen. Das Unternehmen geht von einem Ertragssteuersatz von 30% aus. Berechnen Sie die Höhe der latenten Steuern für die nächsten Jahre und verbuchen Sie die jährliche Veränderung. Übung_7_IAS_FS09_final (Lösungen) Seite 12

13 Aufgabe 7 (b) IAS-Gewinn < StB-Gewinn Aktive latente Steuern (asset, zukünftiger Nutzenzufluss in Form von geringeren Steuerzahlungen) 1 Maschine: Abschreibungen Jahr IAS StB Delta Delta Steuern Latente Steuern Buchung X0-25'000-20'000-5'000 30% -1'500-1'500 Akt. Steuerabgrenzung an Steueraufwand 1'500 X1-25'000-20'000-5'000 30% -1'500-3'000 Akt. Steuerabgrenzung an Steueraufwand 1'500 X2-25'000-20'000-5'000 30% -1'500-4'500 Akt. Steuerabgrenzung an Steueraufwand 1'500 X3-25'000-20'000-5'000 30% -1'500-6'000 Akt. Steuerabgrenzung an Steueraufwand 1'500 X4 0-20'000 20'000 30% 6'000 0 Steueraufwand an Akt. Steuerabgrenzung 6'000 2 Pensionsrückstellungen: Aufwendungen (-) und Erträge (+) Jahr IAS StB Delta Steuersatz Steuersatz Delta Steuern Latente Steuern Buchung X0-500' ' '000 30% -60'000-60'000 Akt. Steuerabgrenzung an Steueraufwand 60'000 X1 125'000 75'000 50'000 30% 15'000-45'000 Steueraufwand an Akt. Steuerabgrenzung 15'000 X2 125'000 75'000 50'000 30% 15'000-30'000 Steueraufwand an Akt. Steuerabgrenzung 15'000 X3 125'000 75'000 50'000 30% 15'000-15'000 Steueraufwand an Akt. Steuerabgrenzung 15'000 X4 125'000 75'000 50'000 30% 15'000 0 Steueraufwand an Akt. Steuerabgrenzung 15'000 Übung_7_IAS_FS09_final (Lösungen) Seite 13

14 Aufgabe 7 (c) Aufgabe 7 (c) Gleicher Sachverhalt wie in Aufgabe 2, jedoch ergeben sich nun die folgenden Unterschiede: 1. 1 Die L-AG aktiviert im IAS-Abschluss Entwicklungskosten i.h.v CHF, was nach OR/FER nicht zulässig ist. Die Entwicklungskosten werden ebenfalls in den kommenden vier Jahren zu gleichen Teilen erfolgswirksam Steuerrechtlich lassen sich Rückstellungen für unterlassene Instandhaltungen (die innerhalb von drei Monaten nach dem Abschlussstichtag nachzuholen sind) i.h.v CHF ansetzen, für die nach IAS ein Passivierungsverbot besteht. Berechnen Sie wiederum die Höhe der latenten Steuern für die nächsten Jahre und verbuchen Sie die jährliche Veränderung. Übung_7_IAS_FS09_final (Lösungen) Seite 14

15 Aufgabe 7 (c) IAS-Gewinn > StB-Gewinn Passive latente Steuern (liability, zukünftiger Nutzenabfluss in Form von höheren Steuerzahlungen) 1 Entwicklungskosten Jahr IAS StB Delta Delta Steuern Latente Steuern Buchung X ' '000 30% 30'000 30'000 Steueraufwand an Pass. Steuerabgrenzung 30'000 X1-25' '000 30% -7'500 22'500 Pass. Steuerabgrenzung an Steueraufwand 7'500 X2-25' '000 30% -7'500 15'000 Pass. Steuerabgrenzung an Steueraufwand 7'500 X3-25' '000 30% -7'500 7'500 Pass. Steuerabgrenzung an Steueraufwand 7'500 X4-25' '000 30% -7'500 0 Pass. Steuerabgrenzung an Steueraufwand 7'500 2 Rückstellungen für unterlassene Instandhaltung Jahr IAS StB Delta Steuersatz Steuersatz Delta Steuern Latente Steuern Buchung X0 0-50'000 50'000 30% 15'000 15'000 Steueraufwand an Pass. Steuerabgrenzung 15'000 X1-50' '000 30% -15'000 0 Pass. Steuerabgrenzung an Steueraufwand 15'000 Übung_7_IAS_FS09_final (Lösungen) Seite 15

16 Weiterführende Literatur: Pellens, Fülbier, Gassen, Sellhorn (2008). Internationale Rechnungslegung. 7. Auflage. Stuttgart: Schäffer-Pöschel (insb. S. 216ff.) Übung_7_IAS_FS09_final (Lösungen) Seite 16

IAS. Übung 7. ) Seite 1

IAS. Übung 7. ) Seite 1 IAS Übung 7 ) Seite 1 Erklären Sie die Ursachen für die Entstehung von latenten im IAS-Abschluss. Wann sind latente anzusetzen? Wie sind diese zu bewerten und auszuweisen? ) Seite 2 Grundlagen: IAS 12

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