Handel und Entwicklung

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1 Handel und Entwicklung Oliver Schwank, März 2009 Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung Global Studies

2 . Überblick 1. Einführung Stylized Facts 2. Freihandel vs Protektionismus 3. Exportorientierung vs Importsubstitution 4. Handel und die Produktionsstruktur 5. Handel und Globale Ungleichgewichte Neomerkantilismus am Ende?

3 1. Einleitung In keinem Zweige der politischen Ökonomie herrscht so große Verschiedenheit der Ansichten zwischen den Theoretikern und Praktikern, wie in betreff des internationalen Handels und der Handelspolitik. Zugleich gibt es keine Frage auf dem Gebiete dieser Wissenschaft, die [..] von so hoher Bedeutung wäre. Friedrich List (1928: 49)

4 1. Einleitung Anteil der Güterexporte am Bruttoinlandsprodukt, weltweit Exporte/ BIP 4,6 7,9 9,0 5,5 10,5 17,2 19,4 Source: Maddison (2001, 362) und WTO (2007, 244) Globalisierte Volkswirtschaft schon in der Zwischenkriegszeit Starker Anstieg seit den 1970er Jahren Interindustrieller Handel vs Intraindustrieller Handel

5 1. Einleitung East Asia & Pacific Sub-Saharan Africa Latin America & Caribbean South Africa Korea, Rep

6 2. Freihandel vs Protektionismus Smith/Ricardo (Freihandel erhoeht die Wohlfahrt) vs. Hamilton/List (Temporaerer Schutz zum Aufbau der Industrie) Kosmopolitische Oekonomie: Arbeitsteilung Spezialisierung fuehrt zu erhoehter Produktion Internationale Ebene: komparativer Kostenvorteil Statische Wohlfahrtsgewinne

7 2. Freihandel vs Protektionismus Hamilton/List: Produktivkraft einer Oekonomie entscheidend fuer ihre Entwicklung Aufbau von Industrie, Diversifizierung wuenschenswert Neue Industrien (infant industries) sind nicht von Beginn wettbewerbsfaehig Argument fuer Schutzzoelle Kurzfristiger Wohlfahrtsverlust ueberwogen von groesserer Dynamik in der mittleren und langen Frist

8 2. Freihandel vs Protektionismus Empirische Erfahrung der Industrielaender UK, USA, Deutschland usw. haben Industrien im Aufbau unterstuetzt Ausnahmen Schweiz und Hong Kong Schluesselbegriffe Komparativer Kostenvorteil Skalenertraege und dynamische Skalenertraege bzw. Lerneffekte

9 3. Exportorientierung vs Importsubstitution Mainstream (Freihandel als Voraussetzung fuer Entwicklung) vs. Importsubstitution / strategische Handelspolitik Wachstum in Ostasien (Korea, Taiwan) als Bestaetigung fuer Freihandelshypothese herangezogen Abbau von Handelsschranken fuehrt zu Anstieg von Exporten und Wachstum

10 3. Exportorientierung vs Importsubstitution Theoretisches Argument: Abbau von Zoellen Importe (Inputs, Konsumgueter) guenstiger Wettbewerbsfaehigkeit steigt, Spezialisierung auf Gueter mit komparativen Kostenvorteilen Empirie: Ostasien 4,2 4,0 4,4 Lateinamerika 3,4 0,4 0,1 Mittlerer Osten 4,7 0,5-1,1 Südasien 1,8 2,5 2,7 Subsaharisches Afrika 1,9-0,6-0,6

11 3. Exportorientierung vs Importsubstitution Importsubstituierende Entwicklung gescheitert? Prinzip: Stufenweise industrielle Entwicklung, beginnend mit einfachen Konsumguetern / Eigenproduktion statt Import Moegliche Probleme Leistungsbilanzprobleme (Import von Vorleistungen) Beschraenkter heimischer Markt Erschoepfung der Strategie beim Uebergang zur Produktion langlebiger Konsumgueter/ Maschinen

12 3. Exportorientierung vs Importsubstitution Auch asiatische Laender betrieben aktive Industrie- und Handelspolitik Importsubstitution und Exportorientierung in der Praxis oft kombiniert Handelspolitik einer industriepolitischen Strategie untergeordnet Unterschied ab den 1970er Jahren vor allem makrooekonomische Flexibilitaet

13 3. Exportorientierung vs Importsubstitution Asiatisches Modell: Gesamtoekonomische Koordinierung der Handels-, Industrie-, Forschungs- und Bildungspolitik Ausgewaehlte Sektoren durch Importzoelle, beguenstigte Vorleistungen, billige Kredite usw. unterstuetzt Unterstuetzung an die Erreichung bestimmter Performance-Standards geknuepft Stufenweise Priorisierung von Sektoren

14 3. Exportorientierung vs Importsubstitution Exportorientierung und Importsubstitution kein zwingender Gegensatz Entscheidend fuer Wachstum ist die Produktionsstruktur Strukturwandel Beeinflusst durch die Einbindung in den Weltmarkt Erfolgreiche Laender haben diese aktiv gestaltet, komparative Vorteile aufgebaut

15 4. Handel und Produktionsstruktur Entscheidend fuer Wachstum ist die Produktionsstruktur Strukturwandel Ungleichheiten in der globalen Oekonomie sind persistent stabile Hierarchie Ungleiches Spielfeld Entwicklung neuer Aktivitaeten (Innovation) schwierig Hohe Einstiegskosten (dynamische Skalenertraege) Ungleicher Zugang zu Kapital Makrooekonomische Assymetrien

16 4. Handel und Produktionsstruktur Innovation bedarf Unterstuetzung Zoelle, Importsubstitution, Industriepolitik Linkages zum Rest der Oekonomie sind entscheidend Nachfrageseitig (zb Vorleistungen) Angebotsseitig (verbesserte Infrastruktur, Agglomerationsvorteile)

17 4. Handel und Produktionsstruktur - Strukturwandel Starke geringe Lerneffekte Lerneffekte Starke Linkages Deep (innovations, learning, agglomeration effects through linkages, spillovers, institution building) Labour-absorbing (simple technology, but strong linkages, absorption of large numbers of workers) Geringe Linkages Short breath (high tech sectors, but few linkages to other sectors, competitiveness on firm level only) Shallow (little learning low tech, few linkages and spillovers to other sectors e.g. ressource based industries)

18 5. Handel und Globale Ungleichgewichte Aktuelle Krise steht im Zusammenhang mit globalen Ungleichgewichten Defizitlaender vs Ueberschusslaender / Exportorientierte Wachstumsstrategien weiter moeglich?

19 5. Globale Ungleichgewichte

20 5. Handel und Globale Ungleichgewichte Current Account Balances (Billions of U.S. dollars) Country or region Industrial 31, United States Japan Germany Developing China 7,2 20, Africa , ,6 19,9 Eastern Europe

21 5. Globale Ungleichgewichte Zufluss von Devisen Leistungsbilanz: Güterexport Dienstleistungsexport Einkommen aus Ausland Empfangene Transfers Vermögensübertragungen: Empfangene Kapitalbilanz: Kapitalimporte Abnahme Währungsreserven Statistischer Fehler (+/-) Abfluss von Devisen Güterimport Dienstleistungsimport Einkommen an Ausland Geleistete Transfers Geleistete Kapitalexporte Zunahme Währungsreserven

22 5. Handel und Globale Ungleichgewichte Exportueberschuesse spiegeln sich in Leistungsbilanzdefiziten anderer Laender wider Kapitalimporte/ Verschuldung Einbruch in der Nachfrage der Defizitlaender Anpassung auf Nachfrage- oder Angebotsseite moeglich

23 5. Handel und Globale Ungleichgewichte Neomerkantilistische Strategie (Erzielung von Exportueberschuessen) damit an Grenze gestossen Staerkung der inlaendischen Nachfrage Ausgleich des globalen Nachfrageausgleichs Abbau der Handelsbilanzueberschuesse aus verteilungspolitischen Gruenden wuenschenswert

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