3.3 Ansätze für kommunales Informations- und Wissensmanagement

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1 3.3 Ansätze für kommunales Informations- und Wissensmanagement Im Zuge des allgemein hohen Interesses an Fragen des Wissensmanagements wurde in letzter Zeit auch die öffentliche Verwaltung als Betätigungsfeld entdeckt, wenngleich nicht in einem der Privatwirtschaft vergleichbaren Ausmaß. An dieser Stelle sei unter anderem auf das umfangreiche Werk von Makolm & Wimmer (2005) hingewiesen, welches einen guten Überblick über Wissensmanagement im öffentlichen Bereich gibt. Weitere Publikationen mit Blick auf die kommunale Verwaltung wurden aus wissenschaftlicher Perspektive, in letzter Zeit jedoch auch vermehrt von Unternehmen der Beratungsbranche veröffentlicht. Mit ihrem Grundlagenpapier aus dem Jahr 2001 hat die Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsvereinfachung (KGSt) einen thematischen Vorstoß in diese Richtung unternommen. Da Wissensmanagement sowohl in privaten als auch in öffentlichen Organisationen grundsätzlich vergleichbaren Regeln und Bedingungen unterliegt, spricht sich die KGSt (2001) dafür aus, die in der Privatwirtschaft in den letzten Jahren gewonnenen Erkenntnisse auch für den Umgang mit Wissensmanagement in den Kommunen zu nutzen (s.a. KGSt 2005). Dennoch lassen sich Unterschiede zwischen den Organisationsformen erkennen, die in der jeweiligen Art der Aufgabenwahrnehmung, dem organisationalen Selbstverständnis sowie in ihrem Auftrag begründet liegen. Kommunen unterliegen wie alle Bereiche der öffentlichen Verwaltung nicht der Maxime der Gewinnerzielung und -maximierung und nur im begrenzten Maße einem Wettbewerbsdruck, wenngleich unter dem Eindruck sinkender Steuereinnahmen und wachsender Verschuldung auch im öffentlichen Sektor jegliche Art von Einsparung durch effizienten Ressourceneinsatz gefordert ist (vgl. Klein 2004). Die effektive Nutzung der Ressource Wissen spielt somit auch in Kommunen eine entscheidende Rolle, da für die Mehrheit der Arbeitsplätze der tägliche Umgang mit Information und Wissen von grundlegender Bedeutung ist. Sowohl im privaten wie auch im öffentlichen Bereich bedeutet Wissen Innovation; für Kommunen stellt der Erwerb neuen Wissens die Grundlage für strukturiertes Verwaltungshandeln dar. Der Umgang mit Wissen dient unter anderem dazu, technische, soziale und politische Entwicklungen für die Ausführung von Kontroll- und Überwachungsaufgaben nachzuvollziehen. 71 In der Privatwirtschaft hingegen wird Wissen vor allem genutzt zur aktiven Erhaltung eines Wettbewerbsvorsprungs und zur Entwicklung neuer, marktfähiger Produkte und Dienstleistungen (vgl. Voigt 2005) Dies gilt insbesondere für die technischen Bereiche und die Ordnungsbehörden der Kommunalverwaltungen, wie beispielsweise die Planungsämter sowie die Umwelt- und Baubehörden. 72 Für weiterführende Hinweise zum angeführten Vergleich wird auch auf den Aufsatz von Dössel & Schomann (2003) verwiesen. 53

2 Im folgenden Abschnitt werden insbesondere solche informationstechnisch ausgerichteten Instrumente beleuchtet, die den Wissensmanagementprozess in kommunalen Verwaltungen unterstützen und forcieren können. Dabei wird das technikgetriebene Informationsmanagement als Unterstützung des Wissensmanagements hier in den Mittelpunkt der Betrachtungen gerückt, auch wenn die alleinige Konzentration auf die Informationstechnik zu Recht von vielen Autoren als einseitig kritisiert wird (vgl. beispielsweise Romhardt 2002:29). An dieser Stelle sei diese Sichtweise jedoch erlaubt, da vor allem den im kommunalen Umfeld bestehenden technischen Konzepten und der damit implizit verbundenen Restrukturierung organisationaler Prozesse Rechnung getragen werden soll. Dabei stellt der Einsatz von Instrumenten zur Unterstützung des Wissensmanagements trotz des bereits vorangeschrittenen Technikeinsatzes eine große Herausforderung für die Kommunen dar. Um die diesbezügliche Akzeptanz in den Verwaltungen zu erhöhen und die praktische Umsetzung von Maßnahmen des Wissensmanagements zu gewährleisten, müssen die Gesamtaufgaben und Ziele der Verwaltung sowie die bestehende informationstechnische und organisatorische Infrastruktur berücksichtigt werden (vgl. KGSt 2001:44 und Böhnlein 2005). Es handelt sich bei der Einführung von Instrumenten des kommunalen Informations- und Wissensmanagements um weitreichende und langfristige Entscheidungen, die innerhalb einer heterogenen Organisationsstruktur unter Berücksichtigung der zu leistenden Aufgaben getroffen werden müssen Instrumente des kommunalen Informations- und Wissensmanagements Die Darstellung kommunaler Instrumente zur Steuerung des Informations- und Wissensmanagements macht eine Klassifizierung in die Rubriken Informationssysteme, prozessgesteuerte Handlungssysteme sowie wissensbasierte Lernsysteme notwendig. Bei näherer Betrachtung können die Informationssysteme sowie die prozessgesteuerten Handlungssysteme in Instrumente mit überwiegender Binnenwirkung und solche mit überwiegender Außenwirkung unterschieden werden. Lernsysteme, hier vor allem E-Learning-Angebote, werden in der Regel für interne Zwecke eingesetzt. In den folgenden Abschnitten wird unter Berücksichtigung der Definition in Kapitel 2.1 und 3.1 sowohl von Informations-, als auch von Wissensmanagement gesprochen, da je nach Instrument und Anwendung die in den vorangegangenen Kapiteln definierten Merkmale für die Anwendung des Begriffs Wissen nicht immer erfüllt sind. Die Klassifizierung der Instrumente zur Steuerung des Informations- und Wissensmanagements spiegelt sich in modifizierter Form in der kommunalen Praxis im Rahmen entsprechender Handlungsfelder wider. Abbildung 11 verdeutlicht dies, indem die einzelnen strategisch-instrumentellen Handlungsfelder als Teil des kommunalen Informationsmanagement dargestellt werden. Im Mittelpunkt der 54

3 Betrachtung steht dabei das Spannungsfeld zwischen interner und externer Ausrichtung sowie zwischen der vorwiegend prozessualen und vorwiegend inhaltlichen Ausrichtung der Handlungsfelder. Abb. 11: Ausgewählte strategisch-instrumentelle Handlungsfelder des kommunalen Informationsmanagements Die einzelnen Handlungsfelder werden dabei als operative Stützen des kommunalen Informationsmanagements angesehen. Mit dem Begriff Workflowmanagement werden dabei die nach innen, auf die Arbeitsprozesse gerichteten Instrumente repräsentiert. Im Hinblick auf die Beteiligung der Bürger sind unter dem Begriff E-Governance alle Aktivitäten mit nach außen gerichteter Komponente zu verstehen. 73 Maßgeblich für den Bereich der Lernsysteme und die Wissensverarbeitung und -weitergabe sei hier das E-Learning genannt. Die so gebildeten Kategorien drücken eine vorrangig technikgetriebene Sichtweise aus. Diese begründet sich vor allem in der selektiven Auswahl derjenigen Instrumente zur Steuerung und Bereitstellung von Information und Wissen, die im Rahmen der vorliegenden Arbeit thematisch berührt werden. Im Vergleich zur generalisierenden Darstellung in Abbildung 11 wird nachfolgend auf eine differenziertere Beschreibung der Instrumente und Handlungsebenen des 73 Siehe hierzu auch die Erläuterungen in Kapitel

4 kommunalen Informationsmanagements Wert gelegt. 74 In der Praxis lassen sich dabei die verfügbaren Instrumente aufgrund ihrer heterogenen Einsatzmöglichkeiten und -gebiete zum Teil nicht immer eindeutig voneinander abgrenzen. Im Sinne einer Systematisierung und Steigerung der Effektivität innerhalb der kommunalen IT- und DV-Systemlandschaft ist jedoch ohnehin eine handlungsfeldübergreifende Nutzung möglichst weniger, synergetisch nutzbarer Instrumente anzustreben. Informationsmanagement durch Informationssysteme Informationsmanagement unterstützt das organisationale Wissensmanagement in besonderer Weise. Kommunale Verwaltungen bedienen sich seit jeher einer Reihe von analogen Systemen und Verfahren zur Informationsaufbereitung und Informationsbereitstellung. 75 Durch den flächendeckenden Einsatz der elektronischen Datenverarbeitung sowie der Ausrüstung der Verwaltungen mit breitbandiger Netzwerktechnologie ergeben sich darüber hinaus Möglichkeiten des Einsatzes innovativer digitaler Informationssysteme. Eine diesbezügliche Betrachtung soll im Folgenden zunächst auf den Einsatz internet- und intranetgestützter Informationsportale 76 fokussiert werden. Internet- und intranetgestützte Informationsportale Im Rahmen dieser Arbeit stehen das Informations- und Wissensmanagement und der Informationstransfer mittels intranet- und internetbasierter Portale im Vordergrund der Betrachtungen. Mit dem wissensbasierten Internetportal Virtuelles Umweltamt wird dies in praktischer Hinsicht konkretisiert. 77 Bezüglich der Nutzung internetgestützter Informationsportale muss jedoch einschränkend berücksichtigt werden, dass innerhalb der kommunalen Verwaltung die Verfügbarkeit des Internets noch nicht überall flächendeckend gewährleistet ist. 78 Daher kommt der Nutzung des Intranets hier ebenfalls große Bedeutung für die Vorhaltung und Verbreitung von arbeitsplatzrelevanten Informationen zu. Die Stadt Hagen beispielsweise hat wie viele andere Kommunen neben dem Aufbau eines Virtuellen Rathauses auch eine intranetbasierte Lösung zur Verbreitung von mitarbeiterrelevanten Informationen geschaffen. Hierbei kommen dv-technische Softwarelösun- 74 Eine gute Übersicht zu unterschiedlichen Instrumenten des Wissensmanagements im kommunalen Alltag kann bei Blaich (2003) eingesehen werden, online verfügbar und zuletzt am abgerufen unter: wissens-dienstleister.shtml. 75 Eine gute Übersicht hierzu liefert die Veröffentlichung zum Wissensmanagement der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsvereinfachung (KGSt 2001:44ff.). 76 Weiterführendes zum Einsatz und zum Aufbau von kommunalen Informationsportalen, insbesondere in Bezug zum Virtuellen Umweltamt sind den Kapiteln 2.2 und 4 zu entnehmen. 77 Siehe hierzu Kapitel Im Rahmen der Umfeldanalyse wird in Kapitel 8.1 in diesem Zusammenhang der Frage der Verfügbarkeit des Internets in kommunalen Umweltämtern nachgegangen. 56

5 gen zum Einsatz, die zum Teil aus Datenbankapplikationen sowie Content- Management-Systemen hervorgegangen sind. 79 In der Regel beinhalten diese Angebote jedoch ausschließlich allgemeine Informationen für Auskünfte bei Bürgeranfragen, in den wenigsten Fällen fachspezifische Inhalte mit dem Ziel der Informationsversorgung einzelner Ämter oder Behörden. Um sektorale Fachinformationen beziehen zu können, werden seitens der Verwaltungsmitarbeiter in den Fachämtern häufig webbasierte Fachportale von Landes- und Bundesbehörden, kommunalen Spitzenverbänden von Universitäten, Fachverbänden sowie anderen Fachinstitutionen genutzt. 80, 81 Diese Portale können je nach Ausrichtung unter den Begriffen Governmental Portal oder Departmental Portal subsumiert werden (vgl. von Lucke 2002:13f.). Sie stellen sich in der Regel als verlässliche Informationsquellen für die Mitarbeiter der Verwaltungen dar. Neben diesen webbasierten Informationsangeboten unterhalten die kommunalen Ämter eine Reihe fachbezogener Datenbanken und Softwaresysteme, die Informationen im Hinblick auf verschiedene Umweltmedien für Überwachungstätigkeiten und Aufgaben im Rahmen des langfristigen Umweltmonitorings vorhalten. Einige dieser webbasierten Angebote entwickeln sich zurzeit zu interaktiven Mitarbeiterportalen, die kollektives Wissen personalisiert verfügbar machen und eine dementsprechende technische Infrastruktur vorhalten (vgl. Klein 2004). Dies gilt zunächst insbesondere für Angebote Dritter, in Teilen jedoch auch bereits für verwaltungsinterne Angebote. Ein anschauliches Beispiel für ein interaktiv gestaltetes, personalisiertes Mitarbeiterportal, welches auch kommunale Fachbelange berücksichtigt, stellt das Projekt EUWAS - European Waste Sector Assistant dar. 82 Anhand dieses Projektes wird deutlich, auf welche Weise das Management von Daten und Informationen aus verteilten Datenquellen arbeitsplatz- und personenbezogen gestaltet und ein dementsprechender Informationszugriff erleichtert werden kann. Neben der Bereitstellung strukturierter Informationen unterstützt ein solches interaktives Mitarbeiterportal mit seinen spezifischen Funktionen insbesondere auch die 79 Die Stadt Hagen setzt im Bereich des Intranets sowie im städtischen Callcenter eine Wissensdatenbank ein, die zusätzlich über Komponenten eines Workflow-Management-Systems verfügt. Zukünftig ist geplant, hier ein stadtweites Content-Management-System in Einsatz zu bringen. 80 Exemplarisch sei für den Umweltsektor auf die Internetportale des Bundesumweltministeriums (www.bmu.de), des Umweltbundesamtes (www.umweltbundesamt.de) sowie des Landesumweltamtes NRW (www.lua.nrw.de) verwiesen. Für kommunalspezifische Belange sind unter anderem die Seiten der Kommunalen Gemeinschaftsstelle (www.kgst.de) sowie des Deutschen Städtetages (www.staedtetag.de) relevant. 81 Siehe in diesem Zusammenhang auch die Auswertung der Umfeldanalyse in Kapitel 8.1, in der unter anderem das Nutzungsverhalten bezüglich externer Fachportale untersucht wurde. 82 Es handelt sich hierbei um ein im Rahmen des EU-Programmes econtent teilfinanziertes Projekt mit dem Ziel der Bereitstellung eines arbeitsplatznahen Informationsangebotes. Im Internet ist das multinationale Projekt, an dem die Stadt Hagen als kommunaler Vertreter beteiligt ist, unter erreichbar. 57

6 Kommunikation innerhalb der Mitarbeiter-/Expertenschaft (Eimer & Krause 2005 und Eimer & Palitzsch 2006). Insgesamt lassen sich zurzeit drei Kategorien webbasierter Informationsportale darstellen, die im Rahmen der internen Informationsversorgung seitens der kommunalen Dienststellen von Bedeutung sind: Organisationsinterne intranetbasierte Wissensdatenbanken (zum Teil in Zusammenhang mit der Etablierung von Virtuellen Rathäusern) Organisationsfremde internetbasierte Fachportale Organisationsinterne und -fremde interaktive Mitarbeiterportale Prozessgesteuerte Handlungssysteme Unter prozessgesteuerten Handlungssystemen werden solche strategisch ausgerichteten Instrumente verstanden, die typische, meist wiederkehrende Arbeitsprozesse der kommunalen Verwaltung unterstützen. Diese können entweder einen vorwiegend auf interne, organisationale Prozesse oder aber einen nach außen auf Bürger und Privatunternehmen gerichteten Charakter aufweisen. Während die Außensicht über den Aufbau Virtueller Rathäuser als Teil des E-Government Prozesses realisiert wird, treten im Hinblick auf die Binnensicht beispielsweise der Einsatz von Workflowmanagement- oder Dokumentenmanagementsystemen in den Vordergrund. In jedem Fall zielt der Einsatz von prozessgesteuerten Handlungssystemen auf die Steigerung der Effizienz einer Vielzahl von Verwaltungsdienstleistungen ab (vgl. auch KGSt 2002b:9ff.). Neben dem prozessualen Charakter unterstützen sie - wie im Folgenden aufgezeigt wird - jedoch auch Teile des kommunalen Informations- und Wissensmanagements. Vielfach wird in den Kommunen zurzeit versucht, die einzelnen Facetten und Systeme zu bündeln, um so eine Homogenisierung der Systemlandschaft voranzutreiben und vielfach auftretende redundante System- und Datenhaltungen zu vermeiden Die Außensicht: Instrumente des E-Government In deutschen Kommunen wurden in den letzten Jahren zahlreiche Projekte zur Einführung von E-Government Aktivitäten durchgeführt, wobei insbesondere seitens der Länder entsprechende Fördermittel zur Verfügung gestellt wurden. Die Vorreiter auf diesem Gebiet sind aufgrund ihrer personellen Kapazitäten sowie ihres Aufgabenportfolios zumeist die großen Kommunalverwaltungen. Hier ist der Aufbau von Virtuellen Rathäusern in einigen Bereichen bereits weit vorangeschritten (vgl. KGST 2002b, InitiativeD und Difu 2003, Wegweiser Verlag & Fraunhofer egovernment-zentrum 2004). Jedoch verharren andere Projekte aufgrund ungünstiger Umfeldbedingungen auch weiterhin in ihren Anfängen. Diesbezügliche An- 58

7 haltspunkte unter Berücksichtigung vorhandener Entwicklungen geben beispielsweise Kubicek & Wind (2005). Vorschläge zur Entwicklungen und zum nachhaltigen Betrieb von E-Government-Lösungen unterbreitet auch die KGSt in ihrem Bericht 1/2006 (KGSt 2006). Die einzelnen Entwicklungsstufen des E- Government-Prozesses können unter Berücksichtigung der Funktionen Information, Interaktion und Transaktion insofern charakterisiert werden, als sie den jeweiligen Grad der technischen und inhaltlichen Entwicklung der Angebote widerspiegeln (vgl. KGSt 2002b:9). Die kommunale Verwaltung hat sich zum Ziel gesetzt, die Möglichkeiten des E- Government insbesondere zu nutzen, um die Beziehungen des Bürgers zur Verwaltung, die Beziehungen von Unternehmen zur Verwaltung, die Beziehungen der Verwaltung(en) untereinander effektiver zu gestalten (KGST 2003:20). Dabei umfasst das E-Government insbesondere folgende Aspekte: die Bereitstellung und Nutzung elektronischer Schnittstellen nach außen, zu Bürgern, Unternehmen, anderen Organisationen und Lieferanten, die Verknüpfung interner Prozesse mit den neuen, beziehungsweise neu gestalteten Dienstleistungsangeboten sowie die interne Organisation von Bundes-, Landes- und Kommunalverwaltungen sowie deren Kooperation untereinander (KGSt 2002b:10) Abb. 12: Das Virtuelle Rathaus der Stadt Hagen als E-Government Instrument 59

8 E-Government bedeutet somit weitaus mehr als die Bereitstellung von online- Formularen und von bürgerrelvanten Informationen über das Internet. E- Government greift in interne wie externe Organisationsprozesse ein und erfordert seitens der Verwaltungsmitarbeiter ein prozess- und zielgruppenbezogenes Überdenken tradierter Strukturen und Arbeitsweisen bis hin zu den Kernelementen des Verwaltungsaufbaus als solchem (vgl. beispielsweise Krutoff 2003, Kubicek & Wind 2004 sowie Frick 2004). 83 Unter Berücksichtigung der oben genannten Aspekte erscheinen Entscheidungen im Umfeld von E-Government-Prozessen, auch bezüglich der Auswahl technischer Komponenten für eine geeignete IT-Systemarchitektur, bedeutend und zukunftsweisend. Dies nicht zuletzt, da es sich meist um investitionsintensive Maßnahmen handelt. Neben der Bereitstellung solcher online-transaktionsangebote stellt sich jedoch auch die Frage, wie hoch die Akzeptanz auf Seiten der Bürger ist. Kubicek & Wind (2006) verweisen unter Berufung auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes auf die zum Teil niedrigen Zugriffszahlen, dies insbesondere auch mit Hinweis auf die hohen Investitionskosten. Die Autoren fordern die Einbettung der E- Government-Angebote in ein umfassendes, attraktives Stadtinformationssystem. Die Bereitstellung von umfassenden Hintergrundinformationen kann neben der Aktivierung der Bürger als Kunden auch für den Back-Office-Bereich von großer Bedeutung sein, da auch diese Mitarbeiter von den positiven Effekten für den eigenen Arbeitsbereich überzeugt werden müssen. Die Bereitstellung webbasierter mitarbeiterrelevanter Fachinformationen kann dazu beitragen, den gesamten Verfahrensprozess in seiner Abwicklung transparenter und effizienter zu gestalten und somit auch den internen Nutzen zu kommunizieren. Unter anderem vor diesem Hintergrund ist auch die enge Verzahnung von E-Government mit dem Informations- und Wissensmanagement zu verstehen. Die KGST hat diese Forderung mit Hinweis auf die Verknüpfung von elektronischen Vergabeverfahren mit Aspekten des Wissensmanagements bereits 2002 in ihrer grundlegenden Darstellung zum E- Government Prozess in den Kommunen erhoben (KGSt 2002b:11) Die Binnensicht: Workflowmanagement- und Dokumentenmanagementsysteme Als weiterer Teil des kommunalen Informationsmanagements können softwaregestützte Instrumente wie Workflow- und Dokumentenmanagementsysteme angesehen werden. Die Hauptaufgabe dieser Systeme besteht darin, die Abwicklung von Geschäftsprozessen sowie das strukturierte Ablegen und Auffinden von Daten zu gewährleisten. 83 Siehe hierzu ergänzend auch die Ausführungen zum deutschen Verwaltungssystem in Kapitel

9 Workflowmanagementsysteme Das Workflowmanagement oder auch Arbeitsablauf-Management umfasst die Strukturierung, Ausführung und Steuerung von Geschäftsprozessen. Unter Workflow wird dabei ein Prozess, beziehungsweise ein Vorgang verstanden, der wiederum aus einzelnen Teilprozessen besteht. Die einzelnen Teilprozesse bauen aufeinander auf, wobei Anfang, Ablauf und Ende des Prozesses klar definiert sind. Workflowmanagementsysteme unterstützen die im Rahmen der Geschäftsprozesse anfallenden Tätigkeiten durch Software-Systeme. In der kommunalen Verwaltung fallen eine Vielzahl von strukturierten und wiederkehrenden Vorgängen an, die durch den Einsatz von Workflowmanagementsystemen effizient bearbeitet werden können. Als Beispiel sei auf behördliche Genehmigungsverfahren verwiesen, wie sie im Rahmen des Virtuellen Umweltamtes als sogenannte Step-by-Step-Guides abgebildet werden. 84 Workflowmanagementsysteme unterstützen insbesondere ämter- und abteilungsübergreifende Verwaltungsverfahren durch ein differenziertes Zugriffs- und Rechtesystem und helfen, die Prozesse für alle Beteiligten transparent zu gestalten. In diesem Sinne flankieren sie das kommunale Informationsmanagement in hervorragender Weise und können als Teil desselben angesehen werden. Das Thema Groupware-Systeme soll an dieser Stelle im Hinblick auf die elektronische Unterstützung kooperativen Arbeitens in zeitlich und räumlich voneinander getrennten Gruppen als weitere Facette des prozessualen Informationsmanagements lediglich erwähnt werden. 85 Dokumentenmanagementsysteme Das Thema Workflowmanagement steht inhaltlich in engem Zusammenhang mit dem sogenannten Dokumentenmanagement. Ziel des Dokumentenmanagements, beziehungsweise der dazu entwickelten Dokumentenmanagementsysteme, ist die strukturierte Verwaltung von ursprünglich meist papiergebundenen Dokumenten in elektronischen Systemen. Für die öffentliche Verwaltung steht dabei die Aktenverwaltung im Vordergrund. Der Begriff der elektronischen Akte umschreibt den Prozess der dv-gestützten Archivierung von Dokumenten, die bei Abwicklung von Verwaltungsprozessen anfallen. Beim Bundesministerium des Innern wurde in der Koordinierungs- und Beratungsstelle der Bundesregierung für Informationstechnik 84 Es handelt sich hierbei um strukturierte Darstellungen ausgewählter Genehmigungsverfahren Unterer Wasserbehörden (UWB) in NRW. Zuletzt aufgerufen am unter der URL: = Beispielhaft kann in diesem Zusammenhang die verbreitete phpgroupware angeführt werden, die kostenlos im Netz unter heruntergeladen werden kann, letzter Aufruf am

10 in der Bundesverwaltung (KBSt) hierzu das DOMEA-Konzept 86 für Dokumentenmanagement und elektronische Archivierung in der öffentlichen Verwaltung entwickelt Elektronische Lernsysteme - E-Learning Neben der Informationsbereitstellung und -verarbeitung kommt der kontinuierlichen Aus- und Fortbildung in Kommunen ein hoher Stellenwert zu. Inner- und außerbetriebliches Lernen kann als Teil des organisationalen Wissensmanagements angesehen werden, das unter anderem durch den Einsatz von E-Learning- Angeboten unterstützt werden kann. Wie bereits angedeutet, interessieren sich die Verantwortlichen der kommunalen Aus- und Fortbildung seit einigen Jahren verstärkt für den E-Learning-Markt. An verschiedenen Stellen konnten E-Learning Angebote seitens der kommunalen Mitarbeiter bereits genutzt werden, dies insbesondere in Kooperation mit den jeweiligen kommunalen Studieninstituten. 87 Dabei stehen mit Fortbildungen im EDV-Bereich sowie auch auf dem Gebiet des Neuen kommunalen Finanzmanagements solche Angebote im Mittelpunkt, die von fachbereichsübergreifendem kommunalem Interesse sind. 88 Von einem flächendeckenden E-Learning-Einsatz in kommunalen Verwaltungen kann jedoch nicht gesprochen werden - zum Teil handelt es sich bei den genutzten Systemen bis heute um projektfinanzierte Pilotanwendungen. Eine diesbezügliche Studie der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahr 2002 kommt zu dem Ergebnis, dass E-Learning als Form der Weiterbildung in Verwaltungen von etwa zehn Prozent der Kommunen eingesetzt wird. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA 2004:35) verweist auf weitere Studien, die eine noch geringere Durchdringung in den Verwaltungen aufzeigen: Betrachtet man den Anteil von e- Learnern in den Verwaltungen (einschließlich Hochschulen und Landesbehörden), so nutzten im Jahr 2004 laut einer Studie vom nordmedia elearning Kompetenzzentrum Niedersachsen / MMB (2004) rund fünf Prozent aller Angestellten e- Learning. 89 In die gleiche Richtung weist die Studie von Wegweiser & Fraunhofer egovernment-zentrum (2004), die eine eher verhaltene Annäherung der öffentli- 86 Unter abzurufen, zuletzt am Das Studieninstitut Duisburg bietet beispielsweise unterstützende E-Learning Angebote für die Angestelltenlehrgänge I und II an (s. 88 Das WebKolleg NRW hält für Kommunen ein eigenes Kursangebot vor, das dem Prinzip des Blended-Learning folgt (http://www.webkollegnrw.de/angebote/kommunen/index.html, letzter Aufruf am ). 89 Vgl. hierzu entsprechende Zahlen für deutschen Unternehmen, die im Rahmen der Studie des MMB (MMB 2006) ermittelt wurden: rund 27% der repräsentativ befragten Unternehmen nutzen bereits E-Learning, wobei der Nutzungsgrad mit zunehmender Größe der Unternehmen steigt. 62

11 chen Verwaltung an computergestützte Lernformen aufzeigt: lediglich 14% der Befragten setzen verwaltungsinterne Lernsysteme ein; rund die Hälfte der in der Studie befragten Verwaltungen jedoch sieht auch in Zukunft keine Notwendigkeit, E-Learning-Verfahren einzuführen. Severing (2002) und andere Autoren (beispielsweise Bradshaw et al. 2002) weisen ausdrücklich darauf hin, dass Lernprozesse auf unterschiedlichen Wegen, auch ohne ausgewiesene Lernprogramme, digital unterstützt werden können. Unter dem Eindruck der zögerlichen Nutzung von E-Learning-Angeboten stellen informelle Lernangebote, wie beispielsweise Online-Communities oder auch das Virtuelle Umweltamt Alternativen zum curricularen E-Learning dar, die unter Umständen leichter in den Verwaltungsalltag integrierbar sind. Daher sollen bereits an dieser Stelle die informellen, vorwiegend situativen Lernarrangements in den Kontext lernrelevanter Instrumente für kommunale Verwaltungen gestellt werden. 63

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