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1 Talentmanagement) in)der)beruflichen) Grundbildung Was)wir)wissen)und)wissen)sollten,)um) ihre)innovationskraft)voranzutreiben Dossier)Berufsbildung)12/1) Prof.)Dr.)Margrit)Stamm

2 Seite2 ) Talentmanagement)) in)der)beruflichen) Grundbildung Was)wir)wissen)und)wissen)sollten,)um) die)innovationskraft)der)berufsbildung) voranzutreiben Prof.)Dr.)Margrit)Stamm OrdinariafürErziehungswissenschaften UniversitätFribourg RueFaucigny2 CHD1700Fribourg Telefon+41(0) Fax+41(0) Dossier)Berufsbildung)12/1) TalentmanagementinderBerufsbildung

3 Seite3 Inhalt) ) Management)Summary)...)9 Schlüsselbotschaften)...)11 Einleitung:)Weshalb)mehr)Augenmass)für)Talent)und)Leistungsexzellenz?)...)15 Briefing)Paper)1:)Was)versteht)man)unter)Talent,)Begabung)und)Leistungsexzellenz?)...)18 Briefing)Paper)2:)(Wie))Wer)sind)die)Leistungsbesten?)...)20 Briefing)Paper)3:)Gibt)es)unentdeckte)Talentreserven?)Das)Beispiel)der)leistungsstarken) Migranten)...)23 Briefing)Paper)4:)Praktische)Intelligenz)...)25 Briefing)Paper)5:)Talentförderung)konkret)...)28 Sechs)Empfehlungen)...)32 TalentmanagementinderBerufsbildung

4 Seite4 TalentmanagementinderBerufsbildung

5 Seite5 Vorwort Fast schleichend hat sich im Verlaufe des Jahres 2011 der LehrD stellenmangel in einen Lehrlingsmangel verd wandelt. Im August 2011warbeispielsweise im Kanton Aargau jede zehnte Lehrstelle nicht besetzt. Hinter dieser Problematik dürften viele Gründestecken.Nebendengeburtenschwachen Jahrgängen, die nun in die Berufsbildung komd menunddemumstand,dassausbildungsbetried be zunehmend der Ansicht sind, vor allem und geeignete Bewerbungen zu erhalten, dürfte es auchanderattraktivitätdesgymnasiums,resp. amschlechtenimagedeshandwerksbeidenjud gendlichen liegen, aber auch an den vergleichsd weiseausserordentlichhohenanforderungenan die Lehrstellensuchenden insgesamt. Degradiert diesertrenddieberufsbildungzueinemsystem zweiterklasse? Ja und nein. Ein eindeutiges Ja gilt im Hinblick auf die Tatsache, dass in den letzten Jahren der Berufsbildung die 10% bis 15% der potentiell bestenauszubildendenandiegymnasienverlod ren gegangen sind. Gemäss dem Bundesamt für Statistik ist diese Tendenz steigend. Nein lautet hingegen die Antwort, weil die Wirtschaft erd kannthat,dassdielehrlingsausbildungeinelohd nende Investition und kein blosser Kostenfaktor darstelltundunserlandaufberufspraktischgut ausgebildetejungemenschenangewiesenist. Um diesen Mangel zu bekämpfen gibt es zwei Möglichkeiten: Man kann noch mehr AuszubilD dende und qualifizierte Arbeitskräfte aus dem AuslandholenodermankanndaseigenePotenD zial besser fördern und BegabungsD und TalentD reservenentdeckenundnutzen.alsreservenzu bezeichnen sind keinesfalls nur die potenziellen Gymnasiasten mit «klugen Köpfen», sondern in erster Linie auch Auszubildende mit «goldenen Händen», d.h. mit praktischen Begabungen in technischen und manuellen Bereichen, die aufd grunddesselektionssystemsdurchdiemaschen «der akademischen Intelligenz» gefallen sind. Dazu gehören häufig auch leistungsstarke MigD ranten. Sie stellen eine der grossen zukünftigen Herausforderungen der beruflichen GrundbilD TalentmanagementinderBerufsbildung dung dar. Will sie sich den AttraktivitätsprobleD menunddenjenigendesfachkräftemangelssteld len,musssiesichineinen«kampfumdietalend te»einlassen. Um nicht falsch verstanden zu werden: Die bed rufliche Grundbildung hat in den letzten Jahren mit grossem Aufwand viel unternommen, um leistungsschwächere Jugendliche auf dem Weg in die Sekundarstufe II zu unterstützen. Dies ist richtig und wichtig, sollten doch viele junge Menschen mit guter Bildung in die Arbeitswelt unddamitindiegesellschaftintegriertwerden. Integration ist dabei das Herzstück der BemüD hungen. Deshalb sind alle Massnahmen zum Case Management mit individuellem Coaching sehrzubegrüssen.dieprioritätensolltenjedoch richtiggesetztwerden. Wasbedeutetdies?DassderBlicknichtzusehr aufdieintegrationsförderungdiesergruppeeind geschränkt bleiben darf, sondern verstärkt, und vor allem systematisiert, auch auf die Gruppe der Begabten, Talentierten und Leistungsbesten gelenkt werden muss. Berufsbildung, Wirtschaft undindustrie,unddamitunserevolkswirtschaft, brauchen beides: ein breites, sorgfältiges BilD dungsangebot für die Leistungsschwachen, aber auch die systematische und selbstverständliche Förderung jener am «oberen Ende der Skala» D ohne, dass dabei von elitärem Gehabe in der Berufsbildung gesprochen wird. Zwar ist das Verständnis für diesen Bereich in den letzten Jahren deutlich gewachsen, und es sind vereind zelt auch hervorragende Projekte lanciert (beid spielsweise «TalentD und Innovationsförderung in der Berufsbildung» mit Schweizer Jugend forscht) und etabliert (beispielsweise «SwissSkiD lls»und«worldskills»)worden.abersiesindled diglicherstegute,leiderabernichtsystematisch betriebeneansätzezurtalentförderung.siesind selektiv, weil nicht alle Auszubildenden die gleid chen Chancen zur Potenzialentfaltung erhalten. WenneineLehrmeisterindasverborgenegoldeD ne Händchen nicht sehen will, dann bleiben BeD gabungen und Ressourcen unentdeckt und und genutzt. VordiesemHintergrundstelltdieaktuelleSorge um den Fachkräftemangel und die Konkurrenz mit den Gymnasien eine enorme HerausfordeD

6 Seite6 rung dar, aber gleichzeitig auch eine grosse Chance.DasGlasnichtalshalbleer,sondernals halbvollanzusehen,kommtdemindiesemdosd sier postulierten Perspektivenwechsel gleich: nämlich,denblickaufden wichtigstenrohstoff unseres Landes auf die talentierten AuszubilD denden und Berufsleute zu legen und dabei verborgenespotenzialzuentdecken,zufördern undherauszufordern. Wer nun als erstes denkt, dass dies wiederum einen Haufen Geld koste, liegt falsch. Denn es gehtumfundamentaleres:umdenaufbaueiner grundsätzlichenhaltung,umdenwillenunddas Interesse, Talente und Begabungen entdecken, anerkennen und fördern zu# wollen. Ohne eine solchehaltungundeinbekenntniszuleistungsd exzellenz in der Berufsbildung, kann auch das grosszügigste Budget wenig Wirksamkeit erzeud gen. Dieses Dossier möchte einen Beitrag leisten, damiteinsolcherperspektivenwechselnichtnur Ausdruck berufsbildungspolitischer Nervosität bleibt. Es stellt das verfügbare Wissen zusamd men, das für eine angemessene Diskussion der FragenzurTalentförderunginderBerufsbildung wichtigist.damitermöglichtesauch,eingeleited te oder geplante Aktivitäten mit dem aktuellen Stand der Wissenschaft in Einklang zu bringen. Denn, was Begabung, Talent oder LeistungsexD zellenz in der Berufsbildung sind, wie sie sich manifestieren, wie nicht und wie die AusbilD dungsverantwortlichen,aberauchindustrieund Wirtschaft, (re)agieren können das sind FraD gen, die manchmal richtig, oft aber auch falsch undsehrofteinseitigbeantwortetwerden. Prof.Dr.MargritStamm Fribourg,imApril2012 TalentmanagementinderBerufsbildung

7 Seite7 Wie)Sie)dieses)Dossier)verwenden)können) Das vorliegende Dossier enthält eine Analyse der aktuell verfügbaren wissenschaftlichen ErD kenntnisse zu Talentförderung und TalentmaD nagementinderberufsbildung.esverfolgtdrei Ziele: (1) einen# bildungs/# und# gesellschaftspoliti/ schen#bezug#herzustellen:vordemhinterd grundvonbegriffenwie«warfortalents» oder «Talentimport» D wie sie aktuell disd kutiert werden (vgl. Briefing Paper 1) will esdiebrisanzderthematikimhinblickauf die Stärkung des Wirtschaftsstandortes Schweiz darstellen. Gerade der harte ind ternationale Wettbewerb, in dem die Schweiz steht, erfordert, dass TalentmaD nagement als grundlegende Aufgabe verd standen wird. Unentdeckte BegabungsreD serven dürften dabei eine zentrale Rolle spielen. (2) Forschungswissen# weiterzugeben: Das Dossier möchte Antworten auf die aktud ellsten Fragen rund um die Thematik ged benundaufzeigen,waswirhierzuausder Forschungwissen.Beispielsweise,werdie begabten, talentierten und leistungsstard kenauszubildendensind,welchemerkmad le sie kennzeichnen, welche Rolle AusbilD dungsbetriebeundberufsfachschulenund Berufsbildungsverantwortlichespielenund was folgedessen ein gutes TalentmanageD mentderberufsbildungausmacht. (3) den# Wissenstransfer# in# die# Praxis# anzure/ gen:# Anhand einiger Empfehlungen will dasdossieraufzeigen,inwelcherichtung und anhand welcher Schwerpunkte TaD lentförderung und Talentmanagement (weiter)entwickeltwerdenkönnen. DasDossierbasiertauffolgendenFragen: WeshalbsolltedieBerufsbildungTalentmaD nagement als Schwerpunktaufgabe versted hen? Was versteht man unter Talent, Begabung undleistungsexzellenz? Wer sind die leistungsbesten AuszubildenD den? GibtesunentdeckteBegabungsDundTalentD reserven? WasbedeutetdiesfürdieBerufsbildung? Zunächst werden in einem Management SumD marydieerkenntnissezudenbehandeltenfrad gen kurz erläutert und zu einzelnen SchlüsselD botschaften verdichtet. Anschliessend wird in einemeinleitendenkapitelgefragt,weshalbes überhaupt mehr Augenmass für Talent und Leistungsexzellenz in der Berufsbildung braucht.solchefragenwerdendannals«bried fingpapers»differenziertbeantwortetundmit spezifischen Literaturhinweisen ergänzt. Jedes Briefing Paper kann als einzelnes Handout kod piert werden. Zum Abschluss werden sechs Empfehlungenformuliert: Empfehlung 1: Ein Bewusstsein für eine Praktikereliteentwickeln. Empfehlung2:Talentförderungalswichtige AufgabederBerufsbildungverstehen. Empfehlung 3: Den Fokus stärker auf die FörderungpraktischerTalentelegen. Empfehlung 4: BerufsbildungsverantwortliD che als Experten der Förderung von LeisD tungsexzellenzverstehen. Empfehlung5:AuswahlDundSelektionsproD zessederberuflichengrundbildungüberard beiten. Empfehlung6:EinenspezifischenFokusauf leistungsstarkemigrantenlegen. TalentmanagementinderBerufsbildung

8 Seite8 TalentmanagementinderBerufsbildung

9 Seite9 Management)Summary) Weshalb)sollte)die)Berufsbildung)TalentX management)als)schwerpunktaufgabe) verstehen? An) der) Schweizer) Berufsbildungsfront) gex schieht) Beachtenswertes) und) HervorragenX des.) Die) Grundlagen) hierzu) sind) aber) nicht) systematisiert.) Einleitung)Seite)15 ObwohlinderSchweizerBerufsbildungEiniges und auch Hervorragendes geschieht, hat sich dergedankenochzuwenigdurchgesetzt,dass dieberufsbildungnebendengymnasieneine ebenso bedeutsame Talentschmiede ist, sie dafür aber mehr als bis anhin Sorge tragen muss. Einer der Gründe liegt möglicherweise indenakteurenderberufsbildungselbst,die dem EliteDBegriff teilweise skeptisch gegend überstehen. Praktikerelite meint aber keine Herkunftselite, sondern eine Leistungselite, diesichdurchleistungsexzellenzauszeichnet. DieberuflicheGrundbildungistdergeeignete Ort,damitsichTalenteentwickelnkönnenund sich Leistungsexzellenz manifestieren kann. EinneuerAufbruchinderBerufsbildungkönnD te und sollte deshalb einen systematischen Aufbau des Talentmanagements beinhalten. IhrHerzstückistdieTalentförderungmiteiner breiten Palette an Massnahmen. GelingensD grundlageistdascommitmentallerberufsbild dungsverantwortlichen, d.h. ein bestimmtes Ausmass,inwelchemsiesichmitderAufgabe der Talentförderung und der ExzellenzentD wicklungidentifizieren. Was)versteht)man)unter)Talent,)BegaX bung)und)leistungsexzellenz?) Im) Alltag) verwendet) man) diese) Begriffe) spontan.) Ihre) Bedeutung) ist) aber) eine) sehr) unterschiedliche.) Je) nachdem,) welches) VerX ständnis) dem) Talentmanagement) zu) Grunde) gelegt) wird,) werden) unterschiedliche) Schwerpunkte)gesetzt.)Dies)kann)zu)Gunsten) oder)zu)ungunsten)gewisser)lernender)sein.) Briefing)Paper)1)Seite)18 Kann Talentförderung mit der viel gelobten «Ausschöpfung der Begabungsreserven», der «Exzellenzförderung» oder der «HerausbilD dungvonexperten»gleichgesetztwerden?ja und nein. Ja, weil es bei allen drei Begriffen um Ressourcen geht, welche den Blick nicht auf die Mängel, sondern auf die Potenziale richten. Nein, weil die Begriffe UnterschiedliD ches meinen und dabei in besonderer Weise aufdieaufgabenderausbildungsbetriebeund Berufsschulen verweisen, wenn sie BegabunD gen, Talente und Leistungsexzellenz fördern wollen und gemäss dem BerufsbildungsgeD setzauchfördernsollen. Sprechen wir von Begabung, dann meinen wir Auszubildende, welche über grundlegend de,oftangeborenefähigkeiten(wieetwaind telligenz) verfügen, die jedoch nicht als LeisD tungsichtbarseinmüssen.talentierteauszud bildende hingegen sind solche, die in bed stimmten Bereichen nicht nur Potenzial, sond dern ein überdurchschnittliches LeistungsD vermögen zeigen und dieses so steigern könd nen,dassdarausleistungsexzellenzwird. Wer)sind)die)leistungsbesten)AuszubilX denden? Die)Forschung)zeigt)durchgängig,)dass)in)der) beruflichen) Bildung) nicht) die) Begabung) (im) Sinne)eines)hohen)intellektuellen)Potenzials)) die) zentrale) Rolle) spielt,) sondern) die) ExperX tise) (im) Sinne) eines) intensiven) und) anx spruchsvollen)übens)und)trainierens).)) Briefing)Paper)2)Seite)20 DieLeistungsbesteninderberuflichenGrundD bildung d.h.diejenigenjugendlichen,welche dielehrabschlussprüfung(lap)alsbesteihres Jahrgangs bestanden haben zeichnen sich durchbesondereprofile aus. Häufig verfügen sie nicht über eine Schullaufbahn, welche durch Klassenwiederholung oder einen RealD schulabschlussgekennzeichnetist Merkmale also,dieüblicherweiseehermitmisserfolgals mit Erfolg konnotiert werden. Andererseits verfügen sie über Persönlichkeitsmerkmale, welche traditionell mit Erfolg gleichgesetzt werden: Motivation, gute Leistungen zu erd bringen, mit Stress umgehen oder Fleiss und ArbeitsidentifikationandenTaglegenzukönD TalentmanagementinderBerufsbildung

10 Seite10 nen. Genauso wichtig ist allerdings das bed triebliche Umfeld: BerufsbildungsverantwortD liche, welche eine Mentorenfunktion überd nehmen,eingutesbetriebsklimasowieeinbed trieb,deranregung,herausforderungundand erkennungbietet. Gibt)es)unentdeckte)Talentreserven?) Ja,)die)gibt)es.)Die)Berufsbildung)hat)nicht)nur) viele) Talente) und) solche,) welche) diese) in) Leistungsexzellenz)weiterentwickeln)können,) sondern) sie) hat) auch) unentdeckte) BegaX bungsreserven.) Das) sind) dies) in) erster) Linie) die)leistungsstarken)migranten.)) Briefing)Paper)3)Seite)23 LeistungsstarkeMigrantensindinderBerufsD bildungnurdeshalbbisherkaumindenblick geraten, weil dieser vorwiegend defizitoriend tiertwarundauchheuteüberweitestrecken noch ist. Unsere Studien zeigen jedoch, dass es viele leistungsstarke Migranten in der BeD rufsbildunggibtunddasssiebesondereprofile aufweisen, auf die wir hellhöriger reagieren sollten.inersterliniesindesdiefamilienvon leistungsstarkenmigranten,welcheeinezentd ralerollebeimausbildungserfolgihrersöhne und Töchter spielen. Ferner haben diese AbD solventen im Vergleich zu leistungsstarken Schweizern mehr Selbstvertrauen, können sich besser organisieren und sind insgesamt der beruflichen Ausbildung gegenüber etwas positiver eingestellt. Die BerufsbildungsverD antwortlichen spielen bei der Förderung leisd tungsstarker Migranten eine herausragende Rolle. Was)bedeutet)dies)für)die)Berufsbildung?) Das) Fazit) aus) diesen) Erkenntnissen) lautet,) dass)die)berufsbildung)stärker)auf)die)praktix sche) Intelligenz) (PI)) setzen) und) sie) ins) ZentX rum)des)talentmanagements)stellen)sollte.)) Briefing)Paper)4)und)5)Seite)25)und)28 Das Gewicht mehr auf die Praktische IntelliD genz zu legen, meint jedoch keinesfalls, eind fach die Praxis wieder stärker zu gewichten. Vielmehr geht es um den Aufbau einer KönD nerschaft, die durch hartes, hochstehendes undangeleitetestrainingentsteht undderen zentralesmerkmaldieprofessionelleintuition darstellt. Talentmanagement ist nichts Anderes als der systematische Aufbau von Könnerschaft. GeD radevordemhintergrundderaktuelleninterd nationalen Entwicklungen zeigt sich seine enorme Bedeutung. Leistungsexzellenz ist in unseremrohstoffarmenlanddaskennzeichen für den war of talents geworden. TalentmaD nagement sollte deshalb systematisiert werd den und auf allen Systemebenen ansetzen. Nur so können die vielerorts bereits regional hervorragend aufgebauten Einzelinitiativen gebündeltwerden. Talentförderung als Herzstück des TalentmaD nagements umfasst eine breite Palette von MassnahmenderinnerenundäusserenDiffeD renzierung, der Zusatzangebote zur KompeD tenzerweiterungsowiederprämierungbereits gezeigter TalentmanagementinderBerufsbildung

11 Seite11 Schlüsselbotschaften)) Weshalb)sollte)die)Berufsbildung)TalentX management)als)schwerpunktaufgabe)verx stehen? DieBerufsbildungist nebendengymnasien eineebensobedeutsametalentschmiede. DieSchweizhatvielejungeMenschenausalD lensozialenschichtenundkulturen,diedas ZeugzurPraktikerelitehaben. EinsystematischesTalentmanagementmuss im Bewusstsein sozialer Verpflichtung aufd gebautwerden,diedasstrebennachchand cengerechtigkeiteinschliesst. EsbrauchteinensystematischenundexpliziD ten Fokus auf die berufliche Grundbildung, imweiterenjedochauchaufdastalentmad nagement während der gesamten beruflid chenlaufbahn.willsichdieschweizdenatd traktivitätsproblemen und denjenigen des Fachkräftemangels stellen, muss sie sich in einen«kampfumdietalente»einlassen. Was)versteht)man)unter)Talent,)Begabung) und)leistungsexzellenz?) Talentförderung hat etwas zu tun mit der «Ausschöpfung der Begabungsreserven», mit «Exzellenzförderung» und der «HerausD bildungvonexperten». Von Begabung spricht man dann, wenn Auszubildendeübergrundlegende,oftangeD borene Fähigkeiten (wie etwa Intelligenz) verfügen,diejedochnichtalsleistungsichtd barseinmüssen. TalentierteAuszubildendesindsolche,diein bestimmten Bereichen nicht nur Potenzial, sondern ein überdurchschnittliches LeisD tungsvermögen zeigen und dieses so steid gernkönnen,dassdarausleistungsexzellenz wird. Wer)sind)die)leistungsbesten)AuszubildenX den? DieLeistungsbestenzeichnensichdurchein Profilaus,dassnichtprimärvonüberdurchD schnittlicherintelligenzoderdurcherfolgreid cheschullaufbahnengekennzeichnetist. Häufig verfügen sie über folgende PersönD lichkeitsmerkmale:motivation,guteleistund gen zu erbringen, mit Stress umgehen oder Fleiss und Arbeitsidentifikation an den Tag legenzukönnen. TalentmanagementinderBerufsbildung IhrbetrieblichesUmfeldzeichnetsichmeist durch ein sehr gutes Betriebsklima sowie durch Berufsbildungsverantwortliche aus, welche ihnen Anregung, Herausforderung undanerkennungentgegenbringen. Gibt)es)unentdeckte)Talentreserven?) Berufsbildung hat nicht nur viele Talente, sondern auch unentdeckte BegabungsreserD ven.essinddiesinersterliniedieleistungsd starkenmigranten. Leistungsstarke Migranten sind eine bisher weitgehend unbemerkte Population in der Berufsbildung. GegenüberleistungsstarkenSchweizernverD fügen sie über mehr Selbstvertrauen, eine bessere Selbstorganisationsfähigkeit und eid ne insgesamt etwas positivere Einstellung der Berufsbildung gegenüber. Die BerufsbilD dungsverantwortlichen spielen dabei eine herausragenderolle. Was)bedeutet)dies)für)die)Berufsbildung?) Insgesamt sollte die Berufsbildung stärker aufdiepraktischeintelligenz(pi)setzenund sie ins Zentrum des Talentmanagements stellen. Gerade weil die Ursachen von Expertise nichtingenetischenanlagenvermutet,sond dern als erlernd und trainierbar erachtet werden, bekommt Talentförderung eine neueperspektive. DerAufbauvonExpertiseresp.Könnerschaft geschieht durch bestimmte Kernelemente, welche Leistungsexzellenz auszeichnen: ersd tens harte, hochstehende und angeleitete TrainingsD und Übungsprozesse, sowie ein gesundes Mass an Intuition; zweitens BeD rufsbildungsverantwortliche, welche solche Prozessegekonntsteuern. Konkrete Talentförderung ist das Herzstück des Talentmanagements. Sie umfasst eine breitepalettevonmassnahmenderinneren und äusseren Differenzierung, ZusatzangeD bote zur Kompetenzerweiterung sowie PräD mierungbereitsgezeigterleistungen.

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13 Seite13 Talentmanagement) in)der)beruflichen) Grundbildung Was)wir)wissen)und)wissen)sollten,)um) ihre)innovationskraft)voranzutreiben Dossier)Berufsbildung)12/1) Jedes)Briefing)Paper)kann)als)einzelnes)Handout)kopiert)werden. TalentmanagementinderBerufsbildung

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15 Seite15 Einleitung:)Weshalb)mehr)Augenmass)für))) Talent)und)Leistungsexzellenz?) Mit grosser Regelmässigkeit kann sich die Schweiz der Qualität ihrer Berufsbildung versid chern. Sowohl an den BerufsweltmeisterD als auchdeneuropameisterschaftenistestradition geworden, dass sie eine Spitzenposition eind nimmt.6goldd,5silberdund6bronzemedaillen waren es im Herbst 2011 an den WorldSkills in London gewesen, was in der Nationenwertung hinter Korea und Japan den 3. Gesamtplatz bed deutete. Ähnliche Ergebnisse erzielte die Schweiz 2007 in Japan und 2009 in Calgary. An den Berufsweltmeisterschaften 2003 in St. GalD lenund2005inhelsinkihattedieschweizsogar denerstengesamtplatzbelegt.diessindschöne Beweisedafür,dassanderBerufsfrontnichtnur Beachtenswertes, sondern Hervorragendes ged schieht. Berufliche)Begabung)und)Talent)hat)in)der) Forschung)immer)noch)blinde)Flecken) TrotzdemerstaunenzweiAspekte:erstens,dass dieberufsweltmeisterschaftengenerell unddie neuesten Ergebnisse der Schweizer Delegation imherbst2011imspeziellen inderpressein keiner Art und Weise die Würdigung erhalten hat, die solchen Ausnahmeleistungen eigentlich angemessenwäre;eserstauntdeshalbzweitens kaum, dass die Gymnasien weiterhin und sehr selbstverständlichalsdietalentschmiedenanged sehenwerden,währenddieberufsbildungimöfd fentlichen Bewusstsein kaum als solche anerd kanntwerden.unddiestrotzderverschiedenen Projekte zur BegabtenD und Talentförderung, welche in letzter Zeit an Berufsschulen und in Ausbildungsbetrieben initiiert worden sind. Exemplarischgenanntseien diefirmabühlerin Uzwil,welcheihreLernendeninsAuslandschickt undsodiemobilitätfördertoderdiefritzgerber Stiftung, welche junge Menschen auch im Handwerk fördert. Zu nennen ist auch das GeD meinschaftsprojekt der Stiftung Schweizer JuD gend forscht (SJf) und des Dachverbandes BeD rufsbildung Schweiz (BCH) «TalentD und InnovaD tionsförderung in der Berufsbildung», das auf nationaler Ebene einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der ProjektD und AbschlussarbeiD teninallenberufenleistet. Insgesamt hat die Begabungsforschung immer nocheinengrossenblindenfleck:diebegabten Auszubildenden in der beruflichen GrundbilD dung.imgegensatzzudengymnasiasten,aber auchzusportlichen,musischenoderkünstlerisch begabten Jugendlichen, geniessen sie verd gleichsweise wenig gesellschaftliche Beachtung. Möglicherweiseliegtdiesunteranderemanden PISADStudien,mitSicherheitaberauchzueinem grossen Teil an der Defizitorientierung der BeD rufsbildungsforschung. Sie hat unseren Blick in ersterliniefürdiesogenanntenrisikojugendlid chen geschärft, welche eine mangelnde AusbilD dungsreifeandentaglegen,zuausbildungsabd brüchentendierenunddamitauchzufehlenden Berufsabschlüssen.DassinsolchenGruppenJuD gendlichemitmigrationshintergrundüberrepräd sentiertsind,isthinlänglichbekannt.zudenurd sachen dieser Situation liegen lange Listen von Erkenntnissen vor. Sie kennzeichnen damit den vorherrschendendefizitärenblickaufkinderund Jugendliche,dersichinzwischeninallenAusbilD dungsbereichenverfestigthat. Sorgenkinder)und)Hoffnungskinder) Obwohl die Beschäftigung mit leistungsschwad chen Jugendlichen nicht nur legitim, sondern ausserordentlich wichtig ist, müssen wir uns doch fragen: Warum beschäftigen wir uns fast ausschliesslich mit den Sorgenkindern unserer Gesellschaft, kaum jedoch mit den HoffnungsD kindern?warumbereitetesunserergesellschaft tiefgründige Probleme, Kopf und Hand miteid nander zu verbinden und das Streben nach handwerklichem Können anzuerkennen und zu fördern? So etwa, wie dies Richard Sennett in seinembuch«handwerk»(2008)aufgenommen hat? DieWurzelndiesesProblemsliegeninderideaD listischenideedesallseitiggebildetenmenschen des19.jahrhunderts.unterihremeinflusswurd de das Gymnasium zum Inbegriff von Bildung schlechthin.darankonntenspäterauchdieklasd sischenberufsbildungstheorieneinesgeorgkerd schensteiners,eduardsprangersodereinesthed odorlittsoffenbarnichtsändern.heute,zubed ginn des 21. Jahrhunderts, gibt es noch immer TalentmanagementinderBerufsbildung

16 Seite16 keinesystematischeverbindungzwischenbegad bung resp. Talent und Beruf. Noch immer wird Begabung mit dem erfolgreichen Besuch des GymnasiumskonnotiertundBegabtenDoderTaD lentförderung deshalb den akademischd intellektuellenbildungsgängenzugewiesen. Schulmüde)als)grosses)Potenzial) FatalfürderartigeAlltagstheorienist,dasssiezu Überzeugungen führen, wonach Begabungen kaum in anforderungsniedrigeren AusbildungsD gängenundinderberufslehrevermutetwerden. DeshalbtrifftunsdieaktuelleEntwicklungrelativ unvorbereitet: Sowohl der Fachkräftemangel, diekonkurrenzsituationzudengymnasien,aber auch das Berufsbildungsgesetz, das die FördeD rung leistungsstarker Lernender gesetzlich verd ankert hat, verlangen nun entsprechende InnoD vationen. Für Berufsbildungsverantwortliche ist essomitzukünftigeinepflicht,sichauchumbed gabte und talentierte Auszubildende zu kümd mern.hierfürsprichtauchdiebislangwenigbed rücksichtigtetatsache:dassnämlichnichtnur wie einleitend dargelegt das Gymnasium zud nehmend weniger gut qualifizierte Jugendliche aufnehmen muss, sondern ebenfalls das UmgeD kehrte:dasseszunehmendschulmüdejugendlid chegibt,welchesichtrotzihrespotenzialsgegen den akademischen Bildungsweg und gezielt für die Realität der Berufslehre entscheiden. Dafür nehmen sie freiwillig sowohl die Strapazen und Unwägbarkeiten der Lehrstellensuche auf sich als auch die Bereitschaft, neue anstrengende undvielleichtauchphysischbelastendetätigkeid tenerbringenzumüssen.diesistangesichtsder sehr unterschiedlichen Zugangswege eigentlich erstaunlich.denndiesesindimvergleichzudend jenigenzumgymnasium dielediglicheinenbed stimmten Notendurchschnitt erfordern sehr anspruchsvoll, zu wenig attraktiv und aus entd wicklungspsychologischer Perspektive auch überfordernd. Trotz des hohen Potenzials gehören schulmüde Jugendliche jedoch häufig nicht ausschliesslich zu den sehr guten, sondern erstaunlich oft zu den mittelmässigen oder schlechten SchülerinD nenundschülern,zuden Underachievern.Das sind Jugendliche, welche signifikant schlechtere Schulleistungen erbringen als man dies von ihnen aufgrund ihres intellektuellen Potenzials erwartenwürde.auchsolchejugendlichesollte TalentmanagementinderBerufsbildung die Berufsbildung gezielt ansprechen und förd dern. WaskanndieSchweizkonkretfürdieFörderung beruflicher Begabung vor diesem Hintergrund tun?einewenigtreffendeantwortwäremitsid cherheit die, dass unser dreigliedriges SchulsysD tem ausreichende Möglichkeiten zur Förderung von Begabungen und Talenten biete, die BeD rufsmatura analog zur gymnasialen Matura die geeignete Fördermassnahme darstelle und die Schweizer Erfolge an den BerufsweltmeisterD schaften weitere Bemühungen erübrigen würd den. Denn solche Argumentationen lassen ausd ser Acht, dass erstens die Formalität einer BeD rufsmaturität noch lange nicht begabungsförd dernde Wirkung garantiert und dass zweitens berufspraktisch interessierte Jugendliche häufig von einem akademisierten Ausbildungsweg, und geachtetihresausreichendenintellektuellenpod tenzials,abstandnehmen. Vor dem aktuellen Hintergrund des FachkräfteD mangelsistdasvielleichtwichtigste,undindied sem Zusammenhang bisher nur unzureichend gewürdigte bildungspolitische Argument von Bedeutung:ImZugederinternationalenAusrichD tung der Berufsbildung bekommt die QualifizieD rung der Fachkräfte eine besondere Bedeutung undzwarnichtmehrnuralszubringerinfürdie Fachhochschulen, sondern vor allem auch als Garantin der Entdeckung beruflichdpraktischer Reserven und der Förderung der beruflichen Qualität des Fachkräftenachwuchses. Dies sind die Gründe, warum Begabung und LeistungsexD zellenzneuzudenkensindundwarumdereind bezug der Umsetzung des BerufsbildungsgesetD zeszwingendist. Berufsbildung)als)zweite)Chance) Die im Berufsbildungsgesetz festgehaltene Pflicht zur Förderung leistungsstarker BerufsD lernender weist der Ausbildung des NachwuchD seseineganzspezifischebedeutungzu.beruflid che BegabtenD und Talentförderung wird damit zu einer wichtigen berufspädagogischen AufgaD be.diequalitätderberuflichenausbildung,die Sicherung von Leistungsexzellenz im BerufsD handwerk,istheutewichtigerdennje.wennder ZugangzudenGymnasienungebrochenstarkist, dannmussdieberufsbildungallesdaransetzen, dasssienichtnurzubringerinfürdiefachhochd schulen, sondern ebenso Garantin der EntdeD ckung beruflichdpraktischer Reserven und der

17 Seite17 FörderungderberuflichenQualitätdesFachkräfD tenachwuchsesbleibt. IndenletztenJahrenistobderstarkenKonzentD rationaufberufsmaturitätundfachhochschulen fasteinwenigvergessengegangen,dasseseine ganze Reihe junger Menschen gibt, die ohne akademische Höherqualifikation als MitarbeiD tende in KleinD, MittelD oder Grossbetrieben erd folgreich sind und das Rückgrat des Betriebs in handwerklichdtechnischer Sicht bilden. AngeD sichts der aktuellen Entwicklung ist anzunehd men, dass Wirtschaft und Industrie zukünftig mehr denn je auf die Möglichkeit angewiesen sind,fachlichbegabtemitarbeitenderekrutieren zu können, die das handwerkliche Metier bed herrschen und die berufliche Ausbildung nicht lediglich als Durchgangsstadium zur FachhochD schule nutzen. Ob sie Abgänger von RealD oder Sekundarschulen sind, spielt dabei eine unbed deutende Rolle. Das belegen auch unsere ForD schungserkenntnisse (Briefing Paper 2 und 3). WesentlichistihreLeistungsexzellenz,diesiein der beruflichen Ausbildung haben entwickeln undunterbeweisstellenkönnen.dieberufsausd bildung wird nämlich und auch dies ist eine starkunterschätztetatsache häufigzur zweid ten Chance von Jugendlichen: einer wenig erd folgreichen obligatorischen Schulzeit kann eine sehrerfolgreicheberufsausbildungfolgen Talentmanagement)für)die)gesamte)BerufsX bildung) DieaktuelleninternationalenEntwicklungenlasD senauchdieschweiznichtunberührt.siebetrefd fen zum einen Fragen der demographischen Entwicklung,zumanderendiemitdemFachkräfD temangel verbundenen Probleme. In demograd phischer Hinsicht steht die Schweiz vor grossen Herausforderungen. Neben Globalisierung, Technisierung und Informationsüberflutung ist es vor allem der demographische Wandel. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, altern die GeD sellschaften weltweit. Dies gilt auch für die Schweiz.DiedemographischenPrognosengehen davonaus,dassimjahr2030jededritteperson über 60 Jahre alt sein wird. Die geistige LeisD tungsfähigkeitälterermenschenistheutejedoch besseristalsjezuvor.neueundgenügendqualid fizierte Mitarbeiter zu finden, wird deshalb zu einer grossen zukünftigen Herausforderung, die zunehmend des Talentmanagements auch älted rermitarbeitenderbedarf. Talentimport ist zusammen mit dem TalentexD port zu einem weltweiten Thema geworden. Manistsicheinig,dassderinternationaleWettD bewerb um Talente intensiver und der war for talents Realität werden. Aktuell beklagen sich besonderskmusdarüber.geradeinkonkurrenz zu den Grosskonzernen können sie selten die gleichen attraktiven Arbeitsbedingungen bieten und somit nicht von den high potentials auf demmarktprofitieren. MehrAugenmassfürdieTalentförderunginder BerufsbildungheisstdemzufolgesowohleinsysD tematischerundexpliziterfokusaufdieberuflid chegrundbildung,imweiterenjedochauchauf das Talentmanagement während der gesamten beruflichen Laufbahn. Die Schweizer BerufsbilD dung lebt nicht nur vom Nachwuchs, sondern ebensosehrvondenvielenberufspersönlichkeid tenmitausserordentlichenfähigkeiten,dienicht an Universitäten geformt worden sind und die im «Land der Hirten, Bauern, Banker und der KMU» soeinzitatausderzeit Unternehmen grossmachen,denenesgelingt,auseinemartid keleinenmarkenartikelvonweltruhmzulancied renundausdemnichtsheraustausendarbeitsd plätzezuschaffen.talentmanagementindiesem SinneverweistaufPlatonsAussage,wonachgeD sellschaftliche Herausforderungen nur bewältigt werden können, wenn sich Menschen mit ausd serordentlichenfähigkeitenfürdaslandeinsetd zen. Empfehlung) 5: Den AuswahlD und SelektiD onsprozess der beruflichen Grundbildung überarbeiten. Weiterführende)Literatur Sennett,R.(2008).Handwerk.Berlin:BerlinVerD lag. Staatssekretariat für Bildung und Wissenschaft. (2011). Internationale Strategien für den TalenD timport.sbfnewsser,07. Stamm, M. (2011). KantiDBoom und LehrlingsD mangel.aargauerzeitung,30.07.,2. TalentmanagementinderBerufsbildung

18 Seite18 Briefing)Paper)1:)Was)versteht)man)unter)TaX lent,)begabung)und)leistungsexzellenz? Verfolgt man in Wirtschaft und Industrie die Entwicklungvonsogenannten Trendbegriffen, d.h.solchenbegriffen,dieimkommensind,von denen aber die wenigsten wissen, was genau darunterzuverstehenist,danngehörenneben der «Qualität» auch insbesondere der Begriff «Exzellenz»dazu.VonoperativerExzellenz,von Business Exzellenz, die erreicht werden soll, ist die Rede. Doch werden sich die wenigsten ged nauerüberlegen,wasmitihmgemeintist.ister identisch mitexpertise,mitbegabungodergar mittalent? Ja und nein. Ja, weil es bei allen drei Begriffen umressourcengeht,welchedenblicknichtauf diemängel,sondernaufdiepotenzialerichten. Nein, weil die drei Begriffe Unterschiedliches meinenunddabeiinbesondererweiseaufdie Aufgaben der Ausbildungsbetriebe und BerufsD schulen verweisen, wenn sie Begabungen, TaD lente und Leistungsexzellenz fördern wollen und gemäss dem Berufsbildungsgesetz auch fördernsollen. Begriffe) Begabung#,Begabung istkeinpräzisegebrauchterbegriff. Häufigsprichtmanvon besondererbegabung, überdurchschnittlicher Begabung, HochintelliD genz, Spitzenbegabung oder besonderer BeD fähigung,manchmalauchvon Hochbegabung. AktuellgehtderTrend,zumindestinÖsterreich undderschweiz,indierichtung besonderebed gabung. Dies vermutlich aus bildungspolitid schengründen,umdasoffenbarelitärtönende Hoch zu vermeiden und der ganzen Thematik dadurch den konservativen Beigeschmack der Elitebildung zu nehmen. Allgemein dürfte jed dochkonsensbestehen,dassderbegriff BegaD bung das gesamte Leistungspotenzial eines Menschen in verschiedenen (auch nichtd kognitivenundnichtdschulischenresp.nichtbed trieblichen) Leistungsbereichen umfasst, das in einemaktivenlerndundentwicklungsprozessin Wechselwirkung zwischen Person und Umwelt entwickelt werden kann. Die klassische BegaD bungsforschung spricht bei einem IQ von 120 TalentmanagementinderBerufsbildung oder 130 Punkten von überdurchschnittlicher Begabung. Talent# TalentwirddefiniertalsgezeigteLeistungineiD nerspezifischendomäne,wobeibereitseinbed stimmtes Niveau erreicht worden sein muss. Solche Domänen liegen auch ausserhalb des kognitivenbereichsundumfassenmusik,kunst, Sport und alle Berufskategorien (bspw. BauD gewerbe / Malerei, Gastgewerbe / HauswirtD schaft,heilbehandlung/sozialberufe,organisad tion/verwaltung,technischeberufeetc.). Akademische#Intelligenz# IntelligenzbezeichnetdiekognitiveLeistungsfäD higkeitdesmenschen.sieumfasstdiefähigkeit zu verstehen, zu abstrahieren, Probleme zu löd sen, Wissen anzuwenden und Sprache zu verd wenden.gemessenwirdsiemitintelligenztests. Die Intelligenzforschung hat in diesem ZusamD menhangmitzweigrossenproblemenzukämpd fen:erstenskannsiedenspäterenberufserfolg nurunbefriedigendvoraussagen.zweitensistes ihr bis heute nicht gelungen, alltagsnahe KomD petenzen in traditionellen Tests angemessen abzubilden. Aufgrund dieser unbefriedigenden Situation sind in den letzten Jahren viele alterd native Intelligenzkonzepte vorgeschlagen word den. Dazu gehören das Konzept der Multiplen Intelligenzen (MI) von Gardner, die Emotionale Intelligenz (EI) und die Soziale Intelligenz (SI) vongolemanunddiepraktischeintelligenz(pi, vgl.zusammenfassendsüess,2007). Praktische#Intelligenz# Allgemein kann man als Praktische Intelligenz (PI)dieFähigkeitverstehen,komplexeProbleme im Alltag zu bewältigen und gute Lösungen für siezufinden.dabeispieltdasstilleoderimplizid te Wissen eine zentrale Rolle. Dieses Wissen wird ausserhalb jeder systematischen InstruktiD ondurchnachahmungunderfahrungnonverbal erworbenundakkumuliert. Expertise# Menschen mit hohem Fachwissen sind noch keine Experten. Wir wissen alle, dass zwar enormesfachwissenvorhandensein,diesesjed doch nur unzureichend angewendet werden

19 Seite19 kann.nurwerüberdiefähigkeitverfügt,hohes Fachwissenauchanwendenzukönnen,wirdals Expertebezeichnet.DasKernstückvonExpertise istdasstillewissenunddieseswiederumdasjed nigederpraktischenintelligenz. Leistungsexzellenz# Aus Talent wird dann Leistungsexzellenz, wenn es zu Höchstleistungen in der bestimmten DoD mäne gesteigert werden kann. Ausgezeichnete Beispiele sind die Medaillengewinner der WorD ldskillsinlondon2011. Begabung,)Wissen)und)Können) Was steckt hinter einer überdurchschnittlichen Leistung eines Auszubildenden, einer SchreineD rin, eines Malermeisters oder ganz einfach hinter den oben erwähnten MedaillengewinD nern?diesefrageisteine,welchemeineswisd sensinderberufsbildungbishernuramrande gestelltwordenist.dabeiistsieeineganzzentd rale,kannmandochargumentieren,dassunsed regesellschaftdiezukünftigenherausforderund gennurbewältigenkann,wennwirtschaftund Industrie unddamitdieberufsbildung stark bleiben.esistdeshalbvonprioritäreminteresse zu wissen, welche Faktoren beim ZustandeD kommenausserordentlicherleistungenbedeutd sam sind. Ist es vor allem eine profunde WisD sensbasis, ist es das Können oder sind es eher dieangeborenenbegabungen? Begabung)oder)Expertise?)Zwei)unterX schiedliche)perspektiven) Nehmen wir zur Beschreibung herausragender Leistungen nachfolgend aufgeführtes Beispiel. Es bildet die Grundlage, um aufzuzeigen, dass BegabungsD und Expertiseforschung zur ErkläD rungdieserleistungunterschiedlicheperspektid veverfolgen: Eine# Gruppe# von# Bergsteigern# versucht,# einen# Gipfel# des# Schwierigkeitsgrades# V# zu# besteigen.# Dieser# Schwierigkeitsgrad# zeichnet# sich# durch# folgende# Details# aus:# Es# braucht# eine# zuneh/ mende#anzahl#an#zwischensicherungen,#und#die# Anforderungen#an#körperliche#Voraussetzungen,# Klettertechnik# und# Erfahrung# sind# erhöht.# Rou/ ten# des# Schwierigkeitsgrads# V# sind# hochalpin# und#zählen#bereits#zu#den#ganz#schwierigen.## Die#Frage#ist:#Welche#Merkmale#zeichnen#solche# Bergsteiger#aus?# Die Begabungsforschung interessiert sich für diemerkmaleoderprädiktoren,überwelche diese Bergsteiger verfügen müssen, um mit TalentmanagementinderBerufsbildung grosser Wahrscheinlichkeit den Gipfel erfolgd reichzuerreichen.sielegtdieseprädiktoren somitbereitsimvorfeldfest.ganzandersdie Expertiseforschung. Sie fokussiert diejenigen Bergsteiger,welchedenGipfelerfolgreichbeD stiegenhabenundfragt somitretrospektiv welche Merkmale diese Experten im GeD gensatz zu den nicht erfolgreichen BergsteiD gern auszeichnen. Daraus folgt logischerd weise, dass BegabungsD und ExpertiseforD schungjeanderefähigkeitenalsgrundlegend erachten:diebegabungsforschungbetontbad sale Fähigkeiten (in diesem Fall körperliche Fitness,intelligentesVerhaltenetc.),diehäuD figangeborenoderdanndurchdieumweltin ihrer Entwicklung angeregt worden sind. Die Expertiseforschung hingegen untersucht vor allem, wie diese herausragende Leistung zud stande gekommen ist, welches Training die Experten absolviert und wie sie LernD und Übungsprozessegestaltethaben. Merkmale)von)Berufskompetenz) Für die Berufsbildung besonders wichtig ist die Erkenntnis der Expertiseforschung, wonachdas praktische Erfahrungswissen das zentrale Merkmal von Berufskompetenz darstellt, d.h. diefähigkeit,mitrealenproblemenerfolgreich umzugehen.vielfachwissenodereinhoherind telligenzquotient,aberauchausgeprägtesüben, garantierennochkeineberuflicheexpertise.wir allekennenleute,dieinwissenschaftlichhochd stehender Weise über ein Problem reden, zu dessen Lösung aber wenig beitragen können. Umgekehrtbeobachtenwirimmerwieder,dass auch viel Übungsarbeit noch keine Experten hervorbringt.diesetatsachewirdinderexperd tiseforschung nicht auf mangelnde Begabung, sondern auf die mangelnde Qualität von Übungsprozessen zurückgeführt. Gerade desd halb spielen Lehrkräfte, Trainer oder BerufsbilD dungsverantwortliche eine wichtige Rolle. NeD bendemfachwissenbrauchtessomitauchsped zifischelernerfahrungen,einengesundenmend schenverstandundaucheineportionintuition. )Empfehlung) 1: Ein Bewusstsein für eine Praktikereliteentwickeln Weiterführende)Literatur Süess,M.(2007).EineIntelligenz vieleintellid genzen?news&science,27d34.

20 Seite20 Briefing)Paper)2:)(Wie))Wer)sind)die)LeisX tungsbesten?) DamitinderberuflichenGrundbildungBegabunD gen überhaupt entdeckt, Talente gefördert und zuleistungsexzellenzentwickeltwerdenkönnen, muss zuerst die grundsätzliche Frage geklärt sein,welchesdennüberhauptdiemerkmaleder Leistungsbestensind.GenaudieserFrageisteine unsererstudiennachgegangen.unterdemtitel «BegabungundLeistungsexzellenzinderberufliD chen Grundbildung» hat sie (a) diejenigen AusD zubildenden während ihrer Lehre untersucht, welcheüberdiebestenbegabungsprofileverfügd ten(«talentpool»)undsiedabeimitdenjenigen mit lediglich durchschnittlichen oder unterd durchschnittlichen Profilen verglichen («VerD gleichsgruppe»). Darüber hinaus hat sie (b) ged fragt,welchesdenndieleistungsbestenlehrabd gängerinnenundlehrabgängerbeiausbildungsd abschlusswarenundüberwelchemerkmalesie verfügten. Die Ergebnisse mögen zwar erstaunen, im WeD sentlichenbestätigensiejedochdieerkenntnisse derexpertiseforschungweiteindeutigeralsdied jenigenderbegabungsforschung. Überdurchschnittlich)begabte)BerufslerX nende)sind)eine)soziale)tatsache) In die berufliche GrundbildungsindimVerlaufe unserer Studie pro Jahr ca. 8% Auszubildende eingetreten, die gemäss der allgemeinen BegaD bungsforschung als «überdurchschnittlich bed gabt»bezeichnetwerdenkönnen.sieverteilten sich auf alle Berufsfelder und keineswegs ledigd lich auf solche, die traditionellindieberufsmad tura einmünden (wie etwa Organisation und VerwaltungoderInformationundKommunikatiD on). Demzufolge sind begabte Auszubildende auchintraditionellenhandwerksberufenzufind den. Viele stammen zudem aus ArbeiterD und Angestelltenmilieus und aus relativ grossen FaD milien, in denen Bildung keinen besonders hod henstellenwerthat. Überdurchschnittlich)begabte)AuszubildenX de)kommen)auch)aus)realschulen) Gemäss unserer Studie ist davon auszugehen, dass etwa 30% der begabten Auszubildenden über einen Realschulabschluss, etwa 35% über TalentmanagementinderBerufsbildung einen progymnasialen Abschluss und der Rest über einen Sekundarschulabschluss verfügt. DaD mit wird klar, dass es unter den Begabten sod wohlakademischalsauchpraktischbegabteund akademischalsauchpraktischinteressiertegibt. Nichterstaunlichistdeshalb,dasslangenichtalD ledieserauszubildendeneineberufsmaturaand strebten. 64% wollten dies nicht oder konnten diesnicht(aufgrundschulischerleistungen). Früher)Minderleister) )heute)in)der)berufsx bildung)erfolgreich) 20% der begabten Auszubildenden sind mit eid nemprofilindieberuflichegrundbildungeinged treten, das sie als «Minderleister» etikettieren lässt: Trotz überdurchschnittlicher Werte im InD telligenztest hatten sie in der obligatorischen Schule, häufig in einem progymnasialen Zug, in DeutschundMathematiknurknappgenügende NotenerzieltundüberzufällighäufigKlassenreD petiert.indenbeidenerstenlehrjahrenkonnten sie jedoch ihre Leistungen sowohl im AusbilD dungsbetrieb als auch in der Berufsschule mard kantsteigern.damitistdieberufsausbildungfür siezueinemneuanfangodergarzueiner zweid tenchance geworden. Begabung)hält)nicht,)was)sie)verspricht) WelcheWirkunghatdiezunehmendeberufliche (AusbildungsD)PraxisaufdieEntwicklungdesTaD lentpools? Seine Leistungsentwicklung ist das unerwarteteergebnisunsereruntersuchung.die inabbildung1dargestelltenergebnissebasieren aufdereinschätzungderschlüsselkompetenzen der Auszubildenden durch ihre BerufsbildungsD verantwortlichen. Wichtig ist dabei, dass diese keinekenntnishatten,obdievonihnenbeurteild te Person dem Talentpool oder der VergleichsD gruppeangehörte. Abbildung 1 verdeutlicht, dass der Talentpool zwar über die ganze Ausbildungszeit hinweg konstante,sogarsichganzleichtsteigerndeleisd tungen erbrachte. Doch war es vor allem die Vergleichsgruppe, welche bis zum dritten LehrD jahr den Talentpool einholte, überflügelte und bei Ausbildungsabschluss dann identische LeisD

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