Wie viele Berufe haben die Menschen?

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1 Wie viele Berufe haben die Menschen? Analysen auf der Grundlage der Scientific Use Files der Mikrozensen zur Mehrfachbeschäftigung Dieter Bögenhold und Uwe Fachinger Vortrag auf der 5. Nutzerkonferenz Forschung mit dem Mikrozensus: Analysen zur Sozialstruktur und zum Arbeitsmarkt 15. und 16. November 2007, Mannheim

2 Gliederung Motivation: Erwerbsstruktureller Wandel Datengrundlage und Operationalisierung Ergebnisse Entwicklung der zweiten Erwerbstätigkeit Regelmäßigkeit der Ausübung Stellung im Beruf Ausgeübter Beruf Einschätzung der Einkommenssituation Fazit und Ausblick

3 Erwerbsstruktureller Wandel In den vergangenen Jahren kam es zu einer erheblichen Expansion der Beschäftigung im Dienstleistungsbereich - überdurchschnittlich bei weiblicher Erwerbstätigkeit. Es erfolgte eine Reduktion der Beschäftigung in den anderen Wirtschaftssektoren. Im Dienstleistungsbereich fand eine Fortsetzung der Reduktion der Arbeitergegenüber der Angestelltentätigkeit statt. Zwischen 1992 und 2006 kam es zu einer Zunahme um rund 4 Millionen nicht sozialversicherungspflichtiger Erwerbstätiger auf 12,8 Millionen.

4 Erwerbsstruktureller Wandel 4,5 Millionen Personen übten im Jahr 2006 eine Teilzeittätigkeit aus Teilzeitbeschäftigung stieg in allen Wirtschaftsbereichen Teilzeitbeschäftigung ist überproportional bei den Frauen ausgeprägt: Im Dienstleistungsbereich 43 vh aller Frauen in Teilzeit (2003). 6,3 Millionen Personen waren im Jahr 2006 geringfügig beschäftigt. Es gab annähernd 4 Millionen Selbständige im Jahr 2004, wovon annähernd Zweidrittel solo-selbständig waren. Expansion der Selbständigkeit im Dienstleistungsbereich und im Baugewerbe.

5 Erwerbsstruktureller Wandel Mehrfachbeschäftigung wird lediglich am Rande thematisiert. Eine neuere Analyse (IAB-Kurzbericht 22/2006) zeigt, dass es seit 2002 zu einer beträchtlichen Zunahme der Mehrfachbeschäftigten gekommen ist. Eingeschränkte Aussagekraft, weil Angaben von sozialversicherungspflichtig und geringfügig Beschäftigten; Zeitraum 2000 bis 2004.

6 Forschungsleitende Fragestellung Neben der grundsätzlichen Entwicklung der Mehrfachbeschäftigung u. a.: in welchen Berufsgruppen kam es zu signifikanten Veränderungen bei der Mehrfachbeschäftigung über den betrachteten Zeitraum von 16 Jahren? gab es eine geschlechtsspezifische Entwicklung? wie ist die Mehrfachbeschäftigung differenziert zwischen abhängig Beschäftigten und selbständig Erwerbstätigen?

7 Datengrundlage Grundsätzlich standen die Scientific Use Files der Mikrozensen aus den Jahren 1989, 1991, 1993, 1995, 1996, 1997, 1998, 2000, 2001, 2002, 2003 und 2004 zur Verfügung.

8 Operationalisierung Auswahl der Erwerbstätigen gemäß den Informationen zur Nutzung des Setups des Mikrozensus Scientific Use Files, z. B. für MZ 2004: EF504=1 and (EF505=1 or EF505=2). Auswahl der Personen mit 2. Erwerbstätigkeit anhand der Frage (Variablen): MZ 1991 Frage 068 (EF91): Üben Sie eine 2. Erwerbstätigkeit aus? MZ 2004 Frage 70 (EF187): Haben Sie in der Berichtswoche (22. bis 28. März) neben Ihrer gegenwärtigen (Haupt-)Erwerbstätigkeit eine zweite Erwerbstätigkeit ausgeübt? Eine zweite Erwerbstätigkeit liegt vor, wenn Sie in der Berichtswoche neben Ihrer Haupterwerbstätigkeit eine weitere Tätigkeit ausgeübt haben, und zwar unabhängig davon, ob Sie diese weitere Tätigkeit regelmäßig oder nur gelegentlich ausüben. Zum Beispiel gilt die Mithilfe in einem von einem Familien- oder Haushaltsmitglied geführten (landwirtschaftlichen) Betrieb neben Ihrer normalen Tätigkeit als zweite Tätigkeit. Zweite Tätigkeiten sind oft sogenannte Nebenerwerbstätigkeiten. Ob Entgelte zu versteuern sind oder nicht, ist hier nicht ausschlaggebend.

9 Entwicklung der zweiten Erwerbstätigkeit Gesamt Anzahl in Tsd Männer 200 Frauen Jahr

10 Entwicklung der zweiten Erwerbstätigkeit in Vomhundert aller Erwerbstätigen 3,5 3,0 Männer 2,5 Anteil in vh 2,0 1,5 1,0 Gesamt Frauen 0,5 0, Jahr

11 Regelmäßigkeit der Ausübung Wie regelmäßig wurde die zweite Erwerbstätigkeit ausgeübt? Bildet sie den Normalfall oder ist sie gelegenheitsbedingt z. B. aufgrund einer entsprechenden Arbeitsnachfrage: Saisonarbeit, oder spezifischer Bedarfe im Haushalt.

12 Operationalisierung Die Regelmäßigkeit der zweiten Erwerbstätigkeit wurde unterschiedlich erhoben: 1991, 1993 und 1995 wurde nach der Arbeitzeit gefragt, die normalerweise geleistet wird sowie nach den tatsächlich in der Berichtswoche gearbeiteten Stunden und Tage. Seit 1996 lautet die Frage: Üben Sie Ihre zweite Erwerbstätigkeit regelmäßig, gelegentlich oder saisonal begrenzt aus? Aus diesem Grund werden nur die Daten der Datensätze für die Jahre 1996 ff. verwendet.

13 Regelmäßigkeit der zweiten Erwerbstätigkeit 80 Anzahl in vh Regelmäßig Gelegentlich Saisonal begrenzt Jahr

14 Stellung im Beruf Welche Stellung im Beruf haben die Personen, die eine zweite Erwerbstätigkeit ausüben? In welcher Stellung im Beruf wird die zweite Erwerbstätigkeit ausgeübt?

15 Operationalisierung Die Stellung im Beruf wurde im Zeitablauf in unterschiedlichen Kategorien erhoben. Durch die Zusammenfassung von Kategorien kann aber eine im Zeitablauf konstante Abgrenzung erreicht werden.

16 100% 80% Struktur der Stellung im Beruf in der ersten Erwerbstätigkeit Frauen Sonstige Angestellte Anteil in vh 60% 40% Arbeiterin / Heimarbeiterin 20% 0% Jahr Selbständige ohne Beschäftigte

17 100% Struktur der Stellung im Beruf in der ersten Erwerbstätigkeit Männer Sonstige 80% Arbeiter / Heimarbeiter Anteil in vh 60% 40% Angestellte 20% 0% Beamte Selbständige ohne Beschäftigte Jahr

18 Struktur der Stellung im Beruf in der zweiten Erwerbstätigkeit Frauen 100% Sonstige Mithelfende Familienangehörige Anteil in vh 80% 60% 40% Angestellte Arbeiterin / Heimarbeiterin 20% Selbständige ohne Beschäftigte 0% Jahr

19 Struktur der Stellung im Beruf in der zweiten Erwerbstätigkeit Männer 100% Sonstige 80% Arbeiter / Heimarbeiter Anteil in vh 60% 40% Angestellte 20% Selbständige ohne Beschäftigte 0% Jahr

20 Analysen zu Berufen und zweiter Erwerbstätigkeit Operationalisierung Definition der Kategorien ist im Zeitablauf nicht konstant. Unterschiedliche Aggregation der Kategorien, daher kann das Erhebungsjahr 1991 nicht berücksichtigt werden. Bei Zeitvergleichen ist man gezwungen, die gröbste Kategorie zu verwenden im vorliegenden Fall die der Jahre 1993 bis 1998 Berufe in der Land-, Tier-, Forstwirtschaft und im Gartenbau, Bergleute, Mineralgewinner, -aufbereiter ( ), Fertigungsberufe ( ), Technische Berufe ( ), Dienstleistungsberufe ( ), Sonstige Arbeitskräfte ( ). Verbleiben die Erwerbstätigen mit der zweiten Erwerbstätigkeit in ihren Berufsfeldern oder findet ein Wechsel statt? Stichwort Nebenerwerbslandwirtschaft

21 Ausgeübter Beruf in der ersten und zweiten Erwerbstätigkeit ausgeübter Beruf im Dientstleistungsbereich ( ) 1. und 2. ausgeübter Beruf im selben Bereich Anteil in vh und 2. ausgeübter Beruf im Dienstleistungsbereich 1. und 2. ausgeübter Beruf im Agrarbereich ( ) Jahr

22 Einschätzung der Einkommenssituation des Haushalts ,0 10,0 Haushalte ohne eine zweite Erwerbstätigkeit 8,0 6,0 Haushalte mit zweiter Erwerbstätigkeit 4,0 2,0 0,0 Unter 300 DM 300 b.u. 600 DM 600 b.u DM 1000 b.u DM 1400 b.u DM 1800 b.u DM 2200 b.u DM 2500 b.u DM 3000 b.u DM 3500 b.u DM 4000 b.u DM 4500 b.u DM 5000 b.u DM 5500 b.u DM 6000 b.u DM 6500 b.u DM 7000 b.u DM 7500 und mehr DM

23 12,0 10,0 Einschätzung der Einkommenssituation des Haushalts 2000 Haushalte ohne eine zweite Erwerbstätigkeit 8,0 6,0 Haushalte mit zweiter Erwerbstätigkeit 4,0 2,0 0,0 u. 300 DM 300 b. u. 600 DM 600 b. u DM b. u DM b. u DM b. u DM b. u DM b. u DM b. u DM b. u DM b. u DM b. u DM b. u DM b. u DM b. u DM b. u DM b. u DM b. u DM b. u DM b. u DM b. u DM b. u DM b. u DM DM oder mehr

24 12,0 Einschätzung der Einkommenssituation des Haushalts ,0 8,0 Haushalte mit zweiter Erwerbstätigkeit Haushalte ohne eine zweite Erwerbstätigkeit 6,0 4,0 2,0 0,0 Unter 150 Euro 150 bis unter 300 Euro 300 bis unter 500 Euro 500 bis unter 700 Euro 700 bis unter 900 Euro 900 bis unter 1100 Euro 1100 bis unter 1300 Euro 1300 bis unter 1500 Euro 1500 bis unter 1700 Euro 1700 bis unter 2000 Euro 2000 bis unter 2300 Euro 2300 bis unter 2600 Euro 2600 bis unter 2900 Euro 2900 bis unter 3200 Euro 3200 bis unter 3600 Euro 3600 bis unter 4000 Euro 4000 bis unter 4500 Euro 4500 bis unter 5000 Euro 5000 bis unter 5500 Euro 5500 bis unter 6000 Euro 6000 bis unter 7500 Euro 7500 bis unter Euro bis unter Euro Euro und mehr

25 Ergebnisse Die Verteilung ist bei Haushalten mit einer zweiten Erwerbstätigkeit stärker gespreizt, d. h. ungleicher verteilt. Sowohl die unteren als auch die oberen Einkommensklassen sind stärker besetzt. Eine zweite Erwerbstätigkeit führt somit nicht zu einer Angleichung der Einkommen bzw. vollständigen Nivellierung der Einkommensungleichheit.

26 Fazit und Ausblick Eine erhebliche absolute Zunahme der Mehrfachbeschäftigung über den Zeitraum von 1989 bis 2004 ist nicht zu festzustellen. Es kam zu geschlechtsspezifischen strukturellen Verschiebungen in der ersten Erwerbstätigkeit. Frauen: Arbeiterinnen gehen verstärkt einer zweiten Erwerbstätigkeit nach; Abnahme bei den Angestellten. Männer: Zunahme bei den Angestellten, Abnahme bei den Arbeitern.

27 Fazit und Ausblick Es kam zu geschlechtsspezifischen strukturellen Verschiebungen in der zweiten Erwerbstätigkeit. Frauen Tätigkeit als mithelfende Familienangehörige hat sich erheblich reduziert; Zunahme in den Tätigkeiten als Angestellte und Selbständige ohne Beschäftigte. Männer Über den gesamten Zeitraum dominiert die Erwerbstätigkeit als Selbständiger ohne Beschäftigte. Der überwiegend ausgeübte Beruf sowohl bei der ersten als auch bei der zweiten Erwerbstätigkeit ist im Dienstleistungsbereich angesiedelt eine zweite Berufstätigkeit aus dem Agrarbereich hat erheblich abgenommen.

28 Fazit und Ausblick Die Einschätzung der eigenen materiellen Situation ist bei den Personen, die eine zweite Erwerbstätigkeit ausüben, ungleicher verteilt.

29 Fazit und Ausblick Haushaltssituation ist zu berücksichtigen, da Arbeitsangebotsentscheidungen im Haushaltkontext erfolgen. Wirtschaftsbereiche sind zu beachten. Erfolgt durch die zweite Erwerbstätigkeit eine (zusätzliche) Absicherung sozialer Risiken handelt es sich um eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit?

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