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1 LEADER 2006 : S. 4-8 Herausgeber:

2 Editorial IMPRESSUM LEADERforum Das Magazin der Deutschen Vernetzungsstelle Jahrgang 9, Ausgabe 3/2006 Erscheinungsweise April, August, Dezember Auflage ISSN Bezug kostenfrei Liebe Leserinnen, liebe Leser, wir sind nicht alleine! Im Rhythmus der Planung des EU-Förderriesen bewegen sich auch Partner-Programme wie KULTUR, EQUAL oder JUGEND in AKTION. Sie werden verändert oder wie LEADER in andere Programme integriert (ab S. 36). Schön zu wissen, aber wo sind eigentlich die Berührungspunkte? Sie liegen vor allem im transnationalen Bereich, da alle Programme hier Kooperationsmöglichkeiten bieten, die ergänzend zu den Inhalten ländlicher Regionalentwicklung genutzt werden können. Sei es ein Künstleraustausch mit Festival und Bildhauertreffen oder die Bildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen im internationalen Kontext. Geschickte Projekt- und Finanzplanung kann hier auf der regionalen Ebene Projektinhalte auch außerhalb des Rahmens, den die ELER-Verordnung für LEADER steckt, berücksichtigen. Damit wird vor Ort zusammengeführt, was zusammen gehört. Nicht auf den ersten Blick sichtbar sind die Anregungen und Ideen für die eigene Arbeit, die aus einer anderen Perspektive entstehen können. Kulturpädagogische Ansätze können Museumsverbünde inspirieren, EQUAL-Projekte für kleine und mittlere Unternehmen Hinweise geben, wie diese Akteure zukünftig besser in LEADER einzubinden sind. Klar ist, Informationsaustausch und gemeinsame Gespräche sind Voraussetzung für Kooperationen. In Deutschland haben rund 35 LAGs transnational und rund 50 LAGs gebietsübergreifend kooperiert. Schon heute ist absehbar, dass es Projekte in diesem Bereich geben wird. Die Generaldirektion Landwirtschaft und ländliche Entwicklung der Europäischen Kommission schlägt vor, bei der Gruppenauswahl kooperationswillige Regionen bevorzugt auszuwählen; und die Länder folgen diesem Vorschlag. In einigen Fällen, wie in Bayern oder Nordrhein-Westfalen, sollen sogar die konkreten Partner schon im Entwicklungskonzept benannt werden. Neben der Frage, ob Kooperationen nicht generell für Partner auch außerhalb von LEADER offen sein sollten, um auch inhaltlich ein breites Spektrum abdecken zu können, bleibt zu klären, wie neue Gruppen ohne LEADER-Kontakte das bewerkstelligen sollen und wie sichergestellt wird, dass die ausgewählten Partner in den anderen Mitgliedsstaaten später auch tatsächlich als Aktionsgruppen bestätigt werden (s. ab S. 18). Richtig Klarheit über die neue Förderperiode wird es erst ab Mitte nächsten Jahres geben. Wir hoffen, dass wir auch mit diesem Heft Licht in den ELER-Dschungel bringen können und werden Sie auch 2007 immer auf dem Laufenden halten und bei Ihrer Arbeit vor Ort unterstützen. Das Team der Deutschen Vernetzungsstelle wünscht allen Lesern ein schönes Weihnachtsfest und einen erfolgreichen Start in das neue Jahr! Herausgeber und Redaktion, Bonn, Isabell Friess, Dr. Jan Swoboda (V.i.S.d.P.) Redaktionelle Mitarbeit Silvia Richter, mediamondi, Richter & Karge GbR, Agentur für interkulturelle Kommunikation, Berlin, Tel. (0 30) Gestaltung kuhl-design, Druck Druck Verlag Kettler GmbH, Bönen/Westfalen Fotos Die Abbildungen und Fotos wurden der Redaktion mit freundlicher Genehmigung der Autoren überlassen oder entstammen dem Bilderarchiv der Deutschen Vernetzungsstelle LEADER+ (Nutzungsrechte an Fremdgrafiken sowie eigene Fotos). Bezugsadresse und Redaktionsanschrift in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung Deichmanns Aue Bonn Tel. (02 28) Fax (02 28) Anmerkungen der Redaktion Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Abbildungen wird keine Haftung übernommen. Die Urheberrechte liegen beim Herausgeber. Eine Genehmigung zur Zweitverwertung auch in Auszügen in Wort, Schrift und Bild erteilt die Redaktion gern gegen Nennung der Quelle und Belegexemplar. Wir wissen, dass in der ländlichen Regionalentwicklung Frauen wie Männer gleichermaßen aktiv sind. Doch als Zugeständnis an die Lesbarkeit der Texte haben wir uns darauf geeinigt, alle Personengruppen in der männlichen Form anzugeben. Wir hoffen, dass sich damit auch alle Akteurinnen angesprochen fühlen. Die EU-Initiative LEADER fördert seit 1991 modellhaft innovative Aktionen im ländlichen Raum. Lokale Aktionsgruppen erarbeiten mit den Akteuren vor Ort maßgeschneiderte Entwicklungskonzepte für ihre Region. Ziel ist es, die ländlichen Regionen Europas auf dem Weg zu einer eigenständigen Entwicklung zu unterstützen und die erfolgreichen Ansätze in die Mainstream-Programme zu übernehmen. Für LEADER+ stehen in der Laufzeit von 2000 bis 2006 in Deutschland 247 Millionen Euro als Gemeinschaftsmittel aus dem Europäischen Ausrichtungs- und Garantiefonds der Landwirtschaft (EAGFL) bereit in Preisen von Nähere Informationen zu LEADER unter Das aktuelle LEADERforum und alle Ausgaben ab 2001 finden Sie auch Online unter: 4 LEADER forum

3 News Neues aus der Vernetzungsstelle Rückblick auf LEADER+ Wie schon bei LEADER II, gibt die Deutsche Vernetzungsstelle LEADER+ auch zum Ende der jetzigen Förderperiode einen Best Practice Band heraus. Hierfür wurden aus allen deutschen LAGs die besten Projekte zu den Themen Bildung, Kultur, Öffentlichkeitsarbeit, Soziales/Kommunikation, Tourismus, Umwelt und Natur, Unterstützung von Betrieben, Produkte im Lebensmittelbereich, Produkte im Non-Food-Bereich und Kooperation gesammelt. Auf über 200 Seiten werden die Projekte, ihre Besonderheiten, Finanzierungsmodelle etc. vorgestellt. Der Projektband gibt nicht nur einen guten Rückblick auf die Förderperiode , sondern wird vor allem den zukünftigen LAGs dabei helfen, LEADER kennen zu lernen und erste Projektideen zu sammeln. Der Best Practice Band kann unter bestellt werden. Mit Bayern und Sachsen zur Grünen Woche 2007 Vom 19. bis zum 28. Januar 2007 findet in Berlin wieder die Internationale Grüne Woche (IGW) statt. Wie auch in den Vorjahren hat die Deutsche Vernetzungsstelle LEADER+ einen Stand in der Halle 21.B. Mit von der Partie sind die LAGs Aue-Schwarzenberg und Oberwiesenthal und Ostallgäu. Vom Wurzelrudi auf Entdeckungstour über ein Käseinformationszentrum bis hin zum Bier-Käse- Taler werden die LAGs ihre herausragenden LEADER-Projekte aus der Region vorstellen. Isabell Friess Tel. (02 28) Drei und vier sind da! Umgang mit Ehrenamtlichen und Arbeitsgruppen von innen so heißen die letzten beiden LEADER+ Filme. Während bei der ersten DVD die Projektstrukturen und bei der zweiten DVD die Aspekte der Partizipation im Vordergrund standen, setzt sich Teil drei mit dem Ehrenamt als Rückgrat der regionalen Entwicklungsarbeit auseinander. Der Film geht den Fragen nach, was die Ehrenamtlichen antreibt, wie das Verhältnis zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen aussehen kann und was Hindernisse und Stolpersteine ehrenamtlicher Arbeit sind. Verdeutlicht wird, wo die Probleme liegen und wie ein günstiges Klima fürs Ehrenamt entstehen kann. Die angemessene Anerkennung der Arbeit ist dabei ein zentrales Moment. Dazu gehört vor allem, dass alle Akteure partnerschaftlich zusammenarbeiten. Dann wird das Ehrenamt zu einer Bereicherung des Entwicklungsprozesses. Partner gesucht Weitere Gesuche finden Sie in der Europäischen Kooperationsbörse unter und auf unserer Webseite unter Bedarfsgesteuerte Transportsysteme im ländlichen Raum italienisches Unternehmen sucht Kooperationspartner. Nähere Informationen unter Die südungarische LAG Transdanubien sucht Kooperationspartner zu den Themen Ernährungs- und Gesundheitstourismus, Gebäudeumnutzung, regionale Produkte und deren Herstellung bzw. Vermarktung. Adél Gölcz Tel. +36 (0) Die Arbeit im Lenkungsteam, in thematischen oder Projektarbeitsgruppen ist kein Selbstläufer. Deswegen zeigt der vierte Film an Beispielen aus der LEADER-Praxis wie die gemeinsamen Ziele präsent bleiben, Interessen ausgeglichen und die Fähigkeiten und Bedürfnisse der Beteiligten berücksichtigt werden können. Der aktive Umgang mit Konflikten, ein funktionierender Informationsfluss, aber auch eine gute Vernetzung im Team sind Voraussetzungen für die erfolgreiche Gruppenarbeit. Für LEADER-Akteure (LAGs, Projektträger oder zuständige Verwaltungen) ist eine DVD kostenlos für weitere Exemplare bzw. alle anderen Interessierten werden je 7,50 Euro pro DVD berechnet. Stefan Kämper Tel. (02 28) Die italienische LAG Abruzzo Italico, östlich von Rom, sucht Kooperationspartner zu den Themen Biomasse, ländlicher Tourismus und Verarbeitung von Frischmilch. Fausto Ruscitti Tel. +39 (0) Netzwerk ländlicher Festivals und Parties, Netzwerk Erwachsenenbildung und Natur in Verbindung mit Internet und Jugendlichen hierzu suchen finnische LAGs Kooperationspartner. Nähere Informationen auf der Webseite des Contact Point unter 5

4 Web»Suchmaschine«- Informationen aus dem World Wide Web Kaum weiße Flecken auf der Mobilitäts- Landkarte W EBKRITIK VON S TEFAN K ÄMPER Zur Lösung konkreter Probleme in der (politischen) Praxis ist aktuelles Wissen oft erst über geeignete Tools des Wissenstransfers zugänglich. Das Forschungs-Informations-System (FIS) Mobilität, Verkehr und Stadtentwicklung ist so ein Werkzeug. Ursprünglich als Fach- Informationsportal für den Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung gestartet, bietet es heute zu den genannten Themen eine interessante und gut strukturierte Sammlung, die für jeden Interessierten nach Anmeldung komplett zugänglich ist. Verantwortlich für die Inhalte des vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung koordinierten Portals ist eine Reihe namhafter Forschungsinstitutionen. Neben einer Fülle von sektoralen Themen die Bandbreite reicht von einzelnen Verkehrsträgern über Fragen der Mobilität bis zur Infrastruktur werden auch übergreifende Themen mit Raumbezug präsentiert. Nimmt man beispielhaft die»wissenslandkarte«mobilitätssicherung im ländlichen Raum, findet der Benutzer etwa Informationen zu ÖPNV im ländlichen Raum, Differenzierte Bedienung und Mobilitätsmanagement sowie zu vielen weiteren Themen. Die Inhalte des übersichtlich und ansprechend gestalteten FIS kann sich der Benutzer über verschiedene Wege erschließen. Der intuitiv einfachste Einstieg gelingt über die»wissenslandkarten«, die als Mindmaps ein Sachgebiet mit seinen zentralen Aspekten grafisch und kontextorientiert darstellen. Im Zentrum der Karte lässt sich über einen einleitenden Synthesebericht eine Zusammenfassung zu ihrem Inhalt aufrufen. Weitere Elemente der Karte sind Links zu Textdokumenten zum Thema und zu anderen Sachgebieten. Praktisch ist der Kontext-Bereich am rechten Rand der Seite. Hier sind Links zu den Dokumenten des FIS sowie zu weiteren Syntheseberichten, aber auch zu Projekt-Informationen und zu teilweise direkt abrufbaren Publikationen mit Quellenangaben, Autor, Stand des Wissens etc. zu finden. Neben der Suche über Wissenslandkarten bietet das FIS auch ein umfangreiches Register von»sachgebieten«und eine»stichwortsuche«zum gezielten Auffinden von Informationen an. Zu den oben erwähnten Dokumenten gibt es außerdem Informationen über Personen, Körperschaften, Rechtsvorschriften und Statistiken sowie ein Glossar. Diese Fülle von Informationen ist die Stärke des FIS knapp 600 Wissenslandkarten, über Syntheseberichte und eine noch höhere Zahl ausgewerteter Publikationen können zurzeit abgerufen werden. Diese Beiträge sind vielfältig miteinander vernetzt, sodass Themen immer wieder in neue Zusammenhänge gestellt werden. Leider ist die Navigation dabei nicht immer konsistent. Um sich das FIS optimal zu erschließen braucht man Zeit und sollte auf jeden Fall die angebotenen Suchstrategien kombinieren. Interaktivität wird beim FIS großgeschrieben. Die Macher legen Wert auf eine rege Beteiligung der Nutzer bei der Auswahl und Bewertung der Themen. So kann jeder Bericht direkt kommentiert werden. Besonders positiv hervorzuheben ist auch die Möglichkeit, direkt mit dem Koordinations-Team in Kontakt zu treten. Die verschiedenen Hilfefunktionen sind ebenfalls gut nutzbar. Alle registrierten Nutzer erhalten den monatlich erscheinenden Newsletter, der über neue Inhalte des FIS informiert, aber auch Fragen und Anregungen von außen aufgreift. Um einen Einstieg in Themen rund um Mobilität, Verkehr und Raumstruktur zu finden und einen Überblick über den Stand des Wissens zu erhalten, ist ein auch für Praktiker empfehlenswertes Angebot. Zusammen mit den weiterführenden Informationen gibt es gute Anregungen für die eigene Arbeit. Bleibt zu hoffen, dass es auch über die Projektlaufzeit hinaus bestehen bleibt. 6 LEADER forum

5 Web / Rückblick Neues auf ( )«: Informationen zum Stand der ELER-Entwicklungspläne für den ländlichen Raum in den Bundesländern sind unter»eler in den Ländern«zu finden. Die ersten Pläne sind bereits bei der EU-Kommission eingereicht (s. Dossier in diesem Heft). aktualisierte Informationen unter anderem zu den Programmen KULTUR ( ) und LIFE+. Eine Übersicht laufender EU- Programme mit aktuellen Bewerbungsfristen ist ebenfalls zu finden. >> Europa >> EU-Programme»Regionen«In der»projektdatenbank«sind die Daten weiter ergänzt und aktualisiert worden; zurzeit sind über Beschreibungen von LEADER+ Projekten nachzulesen.»vernetzungdvs-termine«informiert über die Veranstaltungen der Vernetzungsstelle. Eine Vorankündigung zweier Veranstaltungen im Frühjahr kann hier abgerufen werden (s. S. 8). In der Rubrik»Publikationen«finden sich unter»vorträge online«die Folienvorträge der LEADER-Tagung Kapital für die Zukunft (s.u.). LEADER+ in Deutschland - ausgewählte Projekte, diese Publikation mit 100 LEADER+ Projekten aus unterschiedlichen Themenfeldern kann bestellt werden; ebenso die mittlerweile auf vier DVDs angewachsene Filmreihe. Ihre Meinung zählt! Befragung der Nutzer von leaderplus.de Auch in der kommenden Förderphase wollen wir nutzerorientiert Informationen im Web anbieten. Deshalb fragen wir in den nächsten Wochen die Besucher von leaderplus.de nach ihrer Meinung. Sagen Sie uns, was Ihnen an der Website gefällt und was nicht. Welche Inhalte sind für Sie sinnvoll, welche fehlen? Lässt sich gut auf der Website navigieren? Antworten auf diese und mehr Fragen sind für uns wichtig, um das Internetangebot weiter zu entwickeln. Sagen Sie uns jetzt Ihre Meinung und gestalten Sie das Webangebot für die nächsten Jahre mit! Fragebogen direkt unter: Stefan Kämper, Tel. (02 28) , Kosten und Mehrwert von Regionalmanagements VON JAN SWOBODA Finanzierungsmodelle und -instrumente für Regionalmanagements und Projekte in der aktuellen Phase des Umbruchs und der Neuausrichtung stieß das eher trockene Thema auf großes Interesse. 230 Besucher nahmen an der Tagung teil, die am 24. Oktober 2006 im Rahmen der Euregia in Leipzig stattfand. Den Auftakt machten Untersuchungsergebnisse, gewonnen an 13 LEADER- Gruppen aus Bayern: LAGs mit kleinem und großem Budget, mit Erfahrung aus LEADER II und ohne. Die Fakten: Die durchschnittlichen jährlichen Kosten des Regionalmanagements pro Einwohner lagen bei ca. 1,40 Euro und pro Mitarbeiter bei ca Euro. Jeder Mitarbeiter warb Mittel in Höhe von ca Euro jährlich ein. Durchschnittlich waren zwei Mitarbeiter pro LAG beschäftigt. Je Einwohner konnten etwa 12 Euro in Projekte investiert werden. Die prozentualen Kosten des Managements zu den eingeworbenen Mitteln liegen damit bei nur 8,4 Prozent. Regionalmanagement rechnet sich also. Das liegt auch daran, dass verschiedene Finanzquellen genutzt wurden beispielsweise INTERREG, Städtebau- und Denkmalförderung, aber auch Stiftungen und die Managements nicht auf LEADER beschränkt waren. Auch der hessischen Sicht auf die Funktion einer Anschubfinanzierung von Regionalforen liegt dieser Ansatz zugrunde. Es wurde erläutert, dass Eigenmittel durch Einnahmen ersetzt und von ihnen sogar überstiegen werden können. Selbst erwirtschaftete Mittel müssen nicht automatisch als förderschädlich betrachtet werden. Obwohl Regionalforen als Unternehmen im EU-Sinne angesehen werden können, ist ihre Arbeit gemeinwohlorientiert und greift überwiegend nicht in den Wettbewerb ein. Nach dem Altmark-Urteil des Europäischen Gerichtshofes, bei dem es um die gemeinwohlbezogenen Leistungen eines Energieversorgers ging, können diese Art von Unternehmen sogar Gewinne erzielen, ohne den Subventionsregeln des Wettbewerbsrechts zu unterliegen. Anschließend wurden verschiedene Finanzierungskonzepte vorgestellt. Ein Thema waren mehrstufige Umlagesys- LEADER forum

6 Rückblick / Ausblick teme mit Sockelbetrag für Kommunen, gestaffelten Mitgliedsbeiträgen unterschieden nach Unternehmen, Vereinen, Privatpersonen und Fördermitgliedern sowie Kommunalumlagen untergliedert nach Einwohnern innerhalb und außerhalb der Region. Empfehlung hier: Frühzeitig über das Finanzierungssystem informieren und Mitglieder möglichst breit als Basis einbinden! Die Professionalisierung am Markt, die Umsetzung regions- oder teilregionsbezogener Dienstleistungen, zum Beispiel das Event- und Kampagnen-Management, waren ein weiteres Thema. Fragen waren: Über welche Kompetenzen verfügt das Team, mit welchen Projekten sind wir konkurrenzfähig? Problematisch ist dabei, dass andere, weniger kommerzielle Prozesse häufig vernachlässigt werden müssen und die Akteursbasis verloren geht. Als möglicher Zwischenweg wurde diskutiert, Mittel im Rahmen der Regionalentwicklung über Dienstleistungen für Kommunen einzuwerben, zum Beispiel in den Bereichen Tourismus, Kultur, Ausbildung und Prozessteuerung. Wie verschiedene, an Regionalentwicklungsprozessen beteiligte Institutionen, die Wirtschaftsförderung, LEADER+, Naturparke und Regionen Aktiv zusammengeführt werden können, wurde anschließend vorgestellt. Eine Möglichkeit ist die Gründung eines Regionalverbundes mit den Akteuren, die Bündelung der Regionalmanagements in einer Einrichtung und deren Finanzierung aus einer Hand im Rahmen einer Kooperationsvereinbarung mit vertraglich geregelten Leistungen. Aus Sicht einer der Bewilligung vorgeschalteten Stelle in Hessen wurde erläutert, mit welchen Änderungen zukünftig zu rechnen ist. Mehr LAGs bedeuten mehr Wettbewerb oder/und mehr Synergien, aber auch mehr und neue Gebietskulissen eine Chance für neue Allianzen und Kooperationsprojekte. Das Fortschreiben der REKs könnte in Bezug aufeinander stattfinden. Veränderungen stehen an VON JAN SWOBODA Ob alt oder in Vorbereitung: Jede LAG muss sich jetzt Gedanken über die Ausrichtung der zukünftigen Arbeit und die Gestaltung des Übergangs machen. Erfahrene LAGs können Zwischenbilanz ziehen: War unsere Arbeit wirklich am Entwicklungskonzept orientiert, was waren die Fragestellungen aus der Region, wie liefen unsere Projekte? Welche Erfahrung haben wir mit den Prozessen und den beteiligten Akteuren, auch bei der Zusammenarbeit innerhalb der LAG gemacht? Aber ebenso: Wie schließen wir LEADER+ ab, was wollen wir beibehalten und was ändern, auch vor dem Hintergrund eines neuen Projektspektrums? Gruppen in Vorbereitung machen sich Gedanken zu Organisationsaufbau und Entscheidungsstrukturen einer LAG, über die Gebietsdiagnose, Entwicklungsziele, Handlungsfelder und Schwerpunkthemen also über den Start des Entwicklungsprozesses. Zwei Seiten einer Medaille: einerseits Strukturen an einen neuen Prozess anpassen, andererseits unbelastet in einen Prozess starten. Unterstützung in beiden Fällen bieten zwei aufeinander aufbauende Workshops: Wir werden die genannten Themen aufgreifen, Grundlagen vermitteln, in Kleingruppen Erfahrungen und neue Ansätze reflektieren und gemeinsam Prozessdesigns entwerfen. Die Einladungen zu beiden Workshops erhalten Sie Ende Januar. Termine: 28. Februar/1.März und 25./26. April 2007, maximal 40 Teilnehmer. Jan Swoboda Tel. (02 28) Im zweiten Teil der Veranstaltung wurden Regionalfonds als flexible Instrumente zur Projektfinanzierung diskutiert. Für Banken sind sie wegen der geringen Einlagen und oft schwierigen Handhabung häufig unattraktiv. Beispiele aus den Bereichen Risikokapital, Soziales und Landwirtschaft oder auch zur Vergabe von Kleinkrediten zeigten, wie Fonds trotzdem installiert werden können. Die Fonds waren regional oder kommunal orientiert, von Banken oder Bürgern verwaltet, aber immer maßgeschneidert. Wie diese teilweise komplizierten Konstruktionen mit Pilotcharakter im Aufbau begleitet werden können, wurde ebenfalls vorgestellt. 8 LEADER forum Foto: DVS

1. Geschlecht Weiblich Männlich. 2. Alter Älter 15 20; 21 30; 31 40; 41 50; 51 60; 61 70; 71 80; älter 80

1. Geschlecht Weiblich Männlich. 2. Alter Älter 15 20; 21 30; 31 40; 41 50; 51 60; 61 70; 71 80; älter 80 Entwurf für einen Fragebogen zur Fortschreibung des Regionalen Entwicklungskonzeptes (REK) der Leader-Region Wesermünde-Süd Wie soll sich unsere Region bis 2020 und darüber hinaus entwickeln? Die Leader-Region

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