Alkohol im Alter. Herausfordernde Situationen in der Praxis, Pflegefortbildung Dr. med. Brigitte Schüpbach, Alterspsychiatrie, UPD Bern

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1 U N I V E R S I TÄRE PSYCHIATRISCHE D I E N S TE B E R N ( U P D ) D I R E K T I O N AL T E R S P S Y C H I AT R I E Alkohol im Alter Herausfordernde Situationen in der Praxis, Pflegefortbildung Dr. med. Brigitte Schüpbach, Alterspsychiatrie, UPD Bern

2 Inhalt Besonderheiten im Alter Wirkungen und Folgen Häufigkeit Betreuung

3 Akute Wirkung von Alkohol Anregend auf ZNS Hemmend auf ZNS Sehleistung und Blickfeld verengt sich (Tunnelblick) Aufmerksamkeit und Konzentration Kritik- und Urteilsfähigkeit Reaktionsvermögen Koordination, Gleichgewicht, Feinmotorik Schlafrhythmus gestört

4 Physiologische Veränderungen im Alter Folgen Körperwasseranteil Enzymaktivität (ADH) im Magen Abbau in der Leber Erhöhte Rezeptorsensitivität des Gehirns Reservekapazität der Organe Gleichgewichtfunktionen Höhere Alkoholkonzen -tration im Blut Verminderte Verträglichkeit

5 Langzeitfolgen Schädigung des Nervensystems: Wesensveränderungen, organische Persönlichkeitsstörung Korsakoff, Demenz Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Wahnsymptome Polyneuropathie, Epilepsie Organschäden: Leber, Magen, Bauchspeicheldrüse, Gefässe Herzmuskel Infekte und Krebs Unfälle: Frakturen, Schädelhirntrauma, Hirnblutungen

6 Kumulation/Potenzierung von Akutwirkungen Altersveränderungen Alkoholfolgekrankheiten

7 Alkoholkonsummuster Problematischer Konsum und Abhängiger Konsum = Risikokonsum BAG

8 Häufigkeiten Bevölkerung >65j Alkoholkonsum täglich: Männer 41% Frauen 16% Problematischer Alkoholkonsum/Alkoholismus >65j. Männer: 8% Frauen 3% SFA und SGB obsan Rund 60% der alkoholkranken älteren Menschen begannen bereits in der Jugend mit Alkoholmissbrauch, 30% fingen missbräuchliches Trinken im Alter an. Altersalkoholismus Eine Bestandesaufnahme Thomas Meyer und Barbara Willimann

9 Prävalenz Alkoholismus bei Bewohnern von Alters- und Pflegeheimen Problematischer Konsum/Missbrauch von Suchtmitteln (Alkohol und Medikamente): 41% der Männer und 12% der Frauen Alkoholabhängigkeitskrankheit 7,5 % 19,3 % der Männer 3,8 % der Frauen (Weyerer et al. 1999) (Krebs in Suchtmagazin 2003)

10 Schaden Alkohol verursacht 9% der Krankheitslast (burden of desease) in der CH (NPA) 17% aller ärztlich zu behandelnden Verletzungen bei Männern und 12 % bei Frauen sind alkoholbedingt. Davon sind 50% Stürze. Oft führen Stürze zu Verlust der Selbständigkeit. Alkohol im Alter nicht tabuisieren und nicht romantisieren!

11 Early onset Alkoholiker (EOA) Beginn vor dem 25.Lebensjahr Jahrzehntelanger Konsum mit physischen, psychischen und sozialen Folgeschäden Bisher ohne Interventionen wenig Krankheitsverständnis Plötzliche Dekompensation physisch oder psychisch Oder Lange Anamnese von Interventionen und Massnahmen mit St. n. wiederholten Entwöhnungsbehandlungen

12 Neuropsychologische Funktionsstörungen Persönlichkeits und Verhaltensveränderungen Verminderte Kritikfähigkeit, Selbsteinschätzung, Krankheitseinsicht Exekutive Funktionen, Antrieb Affektlabilität/Reizbarkeit Kognitive Beeinträchtigung bis Demenz Korsakow Syndrom Prognose/Reversibilität?

13 Vorgehen Erkennen Genuss ohne Schaden Krankheit Krankheitsverständnis+ Motivation + Betreuung Krankheitsverständnis - Motivation - Eigenverantwortung Sorgfaltspflicht Ziele Massnahmen Massnahmen für Patient und Umfeld

14 Risikofaktoren Abhängigkeitsentwicklung late onset (LOAs) ab ca. 60j sekundärer oder symptomatischer Alkoholismus bei einer zu Grunde liegenden somatischen oder psychiatrischen Erkrankung. Schlafstörungen, Depression durch Umstellung der Lebensumstände Verkleinerung des sozialen Netzes Vereinsamung finanzielle Einbussen nach einschneidenden, negativen Lebensereignissen (z. B. Partnerverlust) Verlust von Autonomie

15 Betreuung im Heim: Verminderung der Konsummenge und Verlängerung der alkoholfreien Perioden, möglichst aber Abstinenz Spezifisch Ziele und Abmachungen vereinbaren Massnahmen überprüfen und ev. Zielvereinbarungen anpassen Rückfälle analysieren Allgemein Beziehungsangebot Isolation abbauen, Kontakte schaffen Soziale Unterstützung Kompetenzen fördern Strukturiertes Tages-/Wochenprogramm / Beschäftigung Behandlung psychischer und somatischer Beschwerden

16 Kritische Aspekte im Heim Uneinheitliche Haltung zum Alkoholkonsum in Heimen: Wo ist die Grenze? Wer ist krank? Wie gross ist die vertretbare Menge? was sind vertretbare Massnahmen und Einschränkungen? Das Team/Heim braucht eine gemeinsame Haltung zur Sucht und hält Regeln ein.

17 Fazit Der ältere Alkoholkonsument verliert die Autonomie wegen des Konsums und nicht wegen der Betreuung. Fortgesetzter Konsum führt zu weiterem Verlust von Selbständigkeit und Lebensqualität. Selbständigkeit und Lebensqualität erhalten heisst also Alkoholkonsum reduzieren oder stoppen. Ausstieg aus dem Alkoholmissbrauch lohnt sich immer. Man kann nur gewinnen.

18 3/2009 3/2010

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