Value Based Management Vorlesung 1 Anwendungsbereiche, Anforderungen und Instrumente der wertorientierten Steuerung: Überblick PD. Dr. Louis Velthuis 28.10.2005 Wirtschaftswissenschaften PD. Dr. Louis Velthuis Seite 1
Anwendungsbereiche und Instrumente des VBM (1) Value Based Management (Wertorientierte Unternehmensführung ) Ausrichtung aller Maßnahmen des Managements (Planung, Steuerung, Rechnungslegung) auf das Ziel der Steigerung des Marktwertes des Eigenkapitals der Unternehmung (Shareholder Value). Hauptanwendungsbereiche des VBM Value Based Management beinhaltet eine wertorientierte Integration von - Planung (ex ante Bewertung) - Performancemessung (ex post Kontrolle) - Managemententlohnung (Incentivierung) - Bereichssteuerung (koordinierte Steuerung) Wertorientierte Steuerung Ausrichtung der internen Steuerung (insb. Rechnungswesen/Controlling) hinsichtlich seiner Entscheidungsunterstützungs- und Verhaltenssteuerungsfunktion auf Werterzielung bzw. Wertschaffung. Wirtschaftswissenschaften PD. Dr. Louis Velthuis Seite 2
Anwendungsbereiche und Instrumente des VBM (2) Value Based Management Orientierung am Shareholder Value Anwendungsbereiche Verfahren und Instrumente Integrierte Konzepte Theoretische Fundierung Eigenkapitalgeber als Zielträger Marktwertmaximierung als Ziel Ermittlung des Shareholder Value Planung Steuerung Performancemessung Managemententlohnung Bereichssteuerung Rechnungslegung DCF-Verfahren Wertorientierte Kennzahlen Ergänzende Instrumente Werttreiber Wertorientierte Anreizinstrumente Verrechnungspreise Budgets Balanced Scorecard EVA-Ansatz CVA-Ansatz ERIC-Ansatz Risikoangepasste Kennzahlen Wirtschaftswissenschaften PD. Dr. Louis Velthuis Seite 3
Wertorientierte Kennzahlen als Hauptinstrument Wertorientierte Kennzahlen als Hauptinstrument des VBM Für die wertorientierte Planung, Performancemessung, Managemententlohnung sowie Bereichssteuerung stellt sich das Problem der zielkonsistenten Erfassung von Wertbeiträgen. Zur Erfassung von Wertbeiträgen dienen wertorientierte Kennzahlen. Wertorientierte Kennzahlen: Überblick Wertorientierte Kennahlen gliedern sich in - Rentabilitätskennzahlen - Wertbeitragskennzahlen - Aggregierte Wertkennzahlen Wirtschaftswissenschaften PD. Dr. Louis Velthuis Seite 4
Wertorientierte Kennzahlen Überblick (1) Rentabilitätskennzahlen Rentabilitätskennzahlen dienen der Messung der relativen Perioden-Werterzielung - Return on Invested Capital (RoIC) - Cash Flow Return on Investment (CFRoI) Wertbeitragskennzahlen Wertbeitragskennzahlen in Form von Residualgewinnen dienen der Messung der absoluten Perioden-Werterzielung - Economic Value Added (EVA), - Economic Profit (EP), - Cash Value Added (CVA), - Earnings less Riskfree Interest Charge (ERIC) Aggregierte Wertkennzahlen Aggregierte Wertkennzahlen dienen der Messung des Gesamtwerts - Discounted Cashflow (DCF), - Market Value Added (MVA) Wirtschaftswissenschaften PD. Dr. Louis Velthuis Seite 5
Wertorientierte Kennzahlen Überblick (2) Wertorientierte Kennzahlen Darstellung Diskussion Verhaltenssteuerung Entscheidungsunterstützung Wertkennzahlen (DCF, MVA) Wertbeitragskennzahlen (EVA, CVA) Rentabilitätskennzahlen (ROIC, CFRoI) Kennzahlenbestandteile (NOPAT, Kapital) Wirtschaftswissenschaften PD. Dr. Louis Velthuis Seite 6
Wertbeitragskennzahlen Steuerung über absolute Wertbeitragskennzahlen Absolute Wertbeitragskennzahlen dienen insbesondere der Steuerung des effizienten Kapitaleinsatzes in allen Hauptanwendungsbereichen des VBM. Sie werden bestimmt, indem vom Gewinn G (vor Zinsen) Kapitalkosten auf das Gesamtkapital GK verrechnet werden. RGt = Gt i GKt 1 Die Vorgabe von Kapitalkosten dient in der...... Planung der adäquaten Bewertung des Kapitaleinsatzes... Managemententlohnung der Incentivierung des optimalen Kapitaleinsatzes... Performancemessung der internen und externen Kontrolle des Kapitaleinsatzes... Bereichssteuerung der koordiniertnen Steuerung des dezentralen Kapitaleinsatzes Wirtschaftswissenschaften PD. Dr. Louis Velthuis Seite 7
Spitzenkennzahlen in der Praxis Shareholder Value-Spitzenkennzahlen bei DAX 100-Unternehmen Spitzen-Kennzahlen Rentabilitätskennzahlen Wertbeitragskennzahlen 2000 40% 42% 2003 21% 61% Quelle: KPMG, Untersuchung 2000 und 2003. Shareholder Value-Orientierung ist stark verbreitet! Tendenz geht von renditeorientierten Kennzahlen hin zu absoluten Wertbeitragskennzahlen. Wirtschaftswissenschaften PD. Dr. Louis Velthuis Seite 8
Integrierte VBM-Konzepte Integrierte kennzahlenbasierte VBM-Konzepte werden von Unternehmensberatungen angeboten: Konzept Economic Value Added Economic Profit Cash Value Added Earnings less Riskfree Interest Charge EVA EP CVA ERIC Unternehmensberatung Stern Stewart McKinsey BCG KPMG Wirtschaftswissenschaften PD. Dr. Louis Velthuis Seite 9
Ergänzende Instrumente: Überblick Ergänzende wertorientierte Instrumente Zur Entscheidungsunterstützung bzw. zur Verhaltenssteuerung dienen weitere Instrumente insb.: - Werttreiber - Wertorientierte Anreizsysteme - Verrechnungspreise - Budgets - Balanced Scorecard - Risikoadjustierte Renditekennzahlen Werttreiber Werttreiber (Value Drivers) dienen als Basis für die wertorientierte Planung: Schätzung des Cashflows auf Basis der Werttreiber: Umsatzwachstum; Gewinnmarge; Erweiterungsinvestitionen in Anlagevermögen; Investitionen in das Umlaufvermögen; Cashflow-Steuersatz; Kapitalkosten Wirtschaftswissenschaften PD. Dr. Louis Velthuis Seite 10
Wertorientierte Anreizsysteme Wertorientierte Anreizsysteme Wertorientierte Anreizsysteme dienen der Verhaltenssteuerung im Sinne der Shareholder Anreizkompatible Entlohnung soll gewährleisten, dass der Manager nur dann einen Bonus bekommt, wenn er für die Shareholder Wert erzielt Aktienkursorientiert real: AOP Belegschaftsaktien Kennzahlenorientiert Basis: Wertbeitragskennzahlen (EVA, CVA) virtuell: Stock Appreciation Rights Phantom Stocks Basis: Rentabilitätskennzahlen (ROIC, CFRoI) Wirtschaftswissenschaften PD. Dr. Louis Velthuis Seite 11
Verrechnungspreise und Budgets Verrechnungspreise Verrechnungspreise dienen der Steuerung (insb. Koordination) des innerbetrieblichen Leistungsverkehrs gemäß des marktwirtschaftlichen Prinzips Verrechnungspreise sollen so festgelegt werden, dass bei Maximierung des Bereichserfolgs der Unternehmenserfolg (bzw. Unternehmenswert) maximiert wird Budgets Budgets dienen der Steuerung nachgelagerter Entscheidungs-Bereiche insb. durch die Einengung des Handlungsspielraums. Kapital soll durch Budgetvorgabe effizient auf die Bereiche verteilt werden. Wirtschaftswissenschaften PD. Dr. Louis Velthuis Seite 12
Balanced Scorecard und Risikoadjustierte Kennzahlen Balanced Scorecard Ergänzung finanzwirtschaftlicher um nicht-finanzielle Perspektive Schaffung eines Gleichgewicht zwischen (häufig nur kurzfristig orientierten) finanziellen und (längerfristig orientierten) nicht-finanziellen Kennzahlen Risikoadjustierte Renditekennzahlen Erweiterung traditioneller Kennzahlen zur Berücksichtigung finanzieller Risiken. Einsatz in der Risiko- und Eigenkapitalsteuerung, vor allem in Banken. Investition bzw. Zuteilung von Risikokapital (Eigenkapital) soll gesteuert werden. Wirtschaftswissenschaften PD. Dr. Louis Velthuis Seite 13
Zentrale Anforderung Ziel der Shareholder Value-Orientierung Ausrichtung aller Maßnahmen des Managements auf die Zielsetzung der Shareholder. Als Zielsetzung gilt es hierbei, den (intrinsischen) Marktwert (nicht den Marktpreis bzw. Börsenkurs) des Eigenkapitals zu maximieren. Anforderung der Zielkonsistenz Verwendete Instrumente sollen konsistent mit der Zielsetzung der Wertsteigerung sein. Anforderung der Shareholder Value-Orientierung dient primär als übergeordnete Zielsetzung zur Überprüfung, inwieweit sich eine Kennzahl überhaupt für die wertorientierte Planung, Performancemessung, Managemententlohnung sowie Bereichssteuerung eignet. Wirtschaftswissenschaften PD. Dr. Louis Velthuis Seite 14
Konkretisierung des Ziels der Shareholder Value-Orientierung Konkretisierungsbedarf Allgemeine Zielsetzung der Shareholder Value-Orientierung muss für die einzelnen Anwendungsbereiche von Value Based Management in unterschiedlicher Weise konkretisiert werden. Spezifische Anforderungen für die Anwendungsbereiche Anwendungsbereich Planung Performancemessung Managemententlohnung Bereichssteuerung Anforderung Zielkongruenz Vergleichbarkeit Anreizkompatibilität Zurechenbarkeit Wirtschaftswissenschaften PD. Dr. Louis Velthuis Seite 15
Anforderungen an die Planung sowie an die Managemententlohnung Ziel der wertorientierten Planung Realisation wertsteigernder Investitionen und Unterlassung wertsenkender Investitionen Anforderung der Barwertidentität Bewertungskalkül bei der Investitionsplanung muss im Einklang mit der Bewertung aus Sicht der Shareholder stehen Ziel der Managemententlohnung Entscheidungen von Managern sollen wertorientiert im Sinne der Shareholder gesteuert werden. Anforderung der Anreizkompatibilität (Win-Win-Kriterium) Der Manager erzielt nur dann einen finanziellen Vorteil (bzw. Nachteil), wenn gleichzeitig die Shareholder einen finanziellen Vorteil (bzw. Nachteil) erzielen. Wirtschaftswissenschaften PD. Dr. Louis Velthuis Seite 16
Anforderungen an die Performancemessung sowie an die Bereichssteuerung Ziel der Performancemessung Werterzielung soll kontrolliert werden (Info über Bereichs- bzw. Unternehmenserfolg) Leistung des Managements soll im relativen Vergleich mit einer Benchmark beurteilt werden Anforderung der Vergleichbarkeit Performancemaß soll den tatsächlich erzielten Wertbeitrag und die Benchmark eine adäquate Alternativverzinsung angeben Ziel der Bereichssteuerung Bereiche sollen wertorientiert gesteuert werden. Anforderung der Zurechenbarkeit Adäquate Zurechnung von verursachten Erfolgskomponenten sowie Kapitalkosten, um eine adäquate Performancemessung und Managemententlohnung auf Bereichsebene zu gewährleisten Wirtschaftswissenschaften PD. Dr. Louis Velthuis Seite 17
Vorlesungsüberblick (1) Vorlesung Vorlesung 1 Vorlesung 2 Vorlesung 3 Vorlesung 4 Vorlesung 5 Vorlesung 6 Vorlesung 7 Vorlesung 8 Datum 28.10. 04.11. 11.11. 18.11. 25.11. 02.12. 09.12. 16.12. Thema Anwendungsbereiche, Anforderungen und Instrumente der wertorientierten Steuerung: Überblick Shareholder-Bewertung von Cashflows Grenzen traditioneller Kennzahlen Wertorientierte Kennzahlen und Konzepte Wertorientierte Kennzahlen und Konzepte Risikoangepasste vs. risikofreie Kapitalkosten als Werthürde Bedeutung und Grenzen von Conversions Cashflow-Bestimmung und Prognose Wirtschaftswissenschaften PD. Dr. Louis Velthuis Seite 18
Vorlesungsüberblick (2) Vorlesung Vorlesung 9 Vorlesung 10 Vorlesung 11 Vorlesung 12 Vorlesung 13 Vorlesung 14 Vorlesung 15 Datum 06.01. 13.01. 20.01. 27.01. 03.02. 10.02. 17.02. Thema Kapitalkostenbestimmung Aktienkursorientierte Vergütung Balanced Scorecard Wertorientierte Bereichssteuerung über Verrechnungspreise Wertorientierte Bereichssteuerung über Budgets Risikosteuerung: Kennzahlen und Konzepte Fragestunde/Wiederholung Wirtschaftswissenschaften PD. Dr. Louis Velthuis Seite 19
Basisliteratur Gillenkirch, R./Velthuis, L. J.: Value Based Management, in: Gabler Lexikon Corporate Finance, Breuer, W./Schweizer, T. (Hrsg.), Wiesbaden 2003 Velthuis, L. J.: Entwurf eines integrierten Value Based Management-Konzepts auf Basis des Residualgewinns, in: Wertorientierte Unternehmenssteuerung: Festschrift für Helmut Laux, Gillenkirch/Schauenberg/Schenk-Mathes/Velthuis (Hrsg.), Berlin u.a. 2004, S. 295-324; Velthuis, L. J.: Value Based Management auf Basis von ERIC, Working Paper Series Finance & Accounting No. 127, Universität Frankfurt, März 2004 oder Velthuis, L. J./Wesner, P.: Value Based Management, Stuttgart 2005. Wirtschaftswissenschaften PD. Dr. Louis Velthuis Seite 20