Professionelles Beobachten und Einschätzen Dr. Uwe Peter Kanning Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Überblick 1. Soziale Kompetenz und sozial kompetentes Verhalten 2. Systematische Fehler der Personenbeurteilung 3. Professionelle Verhaltensbeobachtung
1. Soziale Kompetenz und sozial kompetentes Verhalten Situation Kompetenzen Verhalten
Sozial kompetentes Verhalten = Verhalten einer Person, das in einer spezifischen Situation dazu beiträgt, die eigenen Ziele zu verwirklichen, wobei gleichzeitig die soziale Akzeptanz des Verhaltens gewahrt wird. Soziale Kompetenz = Gesamtheit des Wissens, der Fähigkeiten und Fertigkeiten, welche die Qualität eigenen Sozialverhaltens im Sinne der Definition sozial kompetenten Verhaltens fördert.
Sozialer Bezugspunkt Die Definition sozial kompetenten Verhaltens setzt eine Berücksichtigung des sozialen Handlungskontextes voraus. Evaluativer Bezugspunkt Die Definition sozial kompetenten Verhaltens beinhaltet immer eine Wertung (kompetent = gut). Temporaler Bezugspunkt Ein und dasselbe Verhalten kann zu verschiedenen Zeitpunkten (in anderen historischen Kontexten) als mehr oder minder sozial kompetent gelten.
Kompetenzvielfalt motivational-emotional Extraversion emotionale Stabilität Prosozialität Wertepluralismus behavioral Durchsetzungsfähigkeit Handlungsflexibilität Kommunikationsstil Konfliktverhalten Selbststeuerung perzeptiv-kognitiv Selbstaufmerksamkeit Personenwahrnehmung Perspektivenübernahme Kontrollüberzeugung Entscheidungsfreudigkeit Wissen
Diagnose von Kompetenzen aufgrund von kompetentem Verhalten Kompetenzen übersituative Gemeinsamkeiten kompetentes Verhalten in Situation A kompetentes Verhalten in Situation B kompetentes Verhalten in Situation C
2. Systematische Fehler der Personenbeurteilung Halo-Effekt tatsächliche Attribute beurteilungsrelevante Attribute
nonverbale Nachricht Brille hohe Stirn dünne Lippen häufiger Blickkontakt Blickkontakt ausweichen verschränkte Arme viel Armbewegung maskuliner Körperbau herbes Parfüm normkonforme Kleidung leichtfertige Deutung intelligent, zuverlässig, fleißig Intelligenz Gewissenhaftigkeit, Distanz wirkt überzeugender Lügen, etwas verbergen wollen Selbstschutz, Ablehnung Leistungsmotivation Führungsstärke Führungsstärke soziale Kompetenz
Erwartungseffekte Erwartung Beurteilungssituation Beobachtung und Beurteilung Verzerrte Wahrnehmung der Situation Übereinstimmung Diskrepanz Verstärkung der Erwartung Auswahl/Bildung einer neuen Erwartung
Probleme unsystematischer Verhaltensbeobachtungen Übergewichtung singulärer Ereignisse starke Anfälligkeit für Emotionen, Sympathie etc. unklare und uneinheitliche Beobachtungskategorien fehlende Protokollierung selektives Erinnern unklare und uneinheitliche Bewertungsmaßstäbe Erwartungseffekte etc. Diagnostisch relevanter Verhaltensbeobachtungen sollten grundlegende Standards erfüllen
3. Professionelle Verhaltensbeobachtung verbindliche Definition der relevanten Kompetenzen Einsatz verhaltensverankerter Beurteilungsskalen Auftreten 1 2 3 4 5 tritt seinem Gegenüber ängstlich entgegen tritt seinem Gegenüber unfreundlich und verschlossen entgegen tritt seinem Gegenüber zurückhaltend entgegen tritt seinem Gegenüber neutral und unverbindlich entgegen tritt seinem Gegenüber selbstbewusst entgegen tritt seinem Gegenüber freundlich und offen entgegen
Bewertung über mehrere unabhängige Beobachtungen hinweg Bewertung über mehrere Beobachter hinweg Schulung der Bebachter systematische Fehler der Personenbeurteilung Erkennen eigener Fehler Grundlagen der Diagnostik praktische Übungen zur Verhaltenbeobachtung praktische Übungen zur Verhaltenbewertung
Literatur Kanning, U. P. (1999). Die Psychologie der Personenbeurteilung. Göttingen. Hogrefe. Kanning, U. P. (2003). Diagnostik sozialer Kompetenzen. Göttingen: Hogrefe. Kanning, U. P. (2004). Standards der Personaldiagnostik. Göttingen: Hogrefe. Kanning, U. P. (2005). Soziale Kompetenzen: Entstehung, Diagnose und Förderung. Göttingen Hogrefe. Kanning, U. P., Hofer, S. & Schulze Willbrenning, B. (2004). Professionelle Personenbeurteilung: Ein Trainingsmanual. Göttingen: Hogrefe.
Professionelles Beobachten und Einschätzen Dr. Uwe Peter Kanning Westfälische Wilhelms-Universität Münster