Tumorscreening. Christoph Rochlitz

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Transkript:

Tumorscreening Christoph Rochlitz

Screening kann schaden! Direkte Komplikationen des Tests Follow-up Tests und deren Komplikationen verlängertes/intensiviertes Follow-up unnötige Biopsien Unnötige Behandlungen Chirurgie, Chemotherapie, Radiotherapie Angst Verbrauch von Ressourcen

Mamma

Ziele des Brustkebsscreening mit Mammographie Flächendeckende Untersuchung von >70% Frauen vom 50.-70. Lebensjahr Frühzeitige Erkennung und Behandlung einer zum Zeitpunkt der Untersuchung unerkannten Erkrankung

Durchmesser bei Entdeckung gelegentliche Palpation: 3cm regelmässige Palpation: 2cm Screening Mammographie: <1.5cm

Screening - Effect Metastasen früh spät Entdeckt durch Screening Palpapler Knoten Tumoren <1cm metastasieren in <<10%!

Warner, NEJM 2011

Falsch-Negative 1 von 714 Breast Dichte Equipment Erfahrung

Warner, NEJM 2011

Alternativen zum Mammographie Sreening?

Zervix

80 70 60 50 Uterus Breast Pancreas Ovary Stomach Lung & Bronchus Colon & Rectum 40 30 20 10 0 1930 1940 1950 1960 1970 1980 1990 1997

Drei wichtige Veränderungen Start mit 21 Ca. selten, abnorme Befunde häufig, CIN1 meist spontan regredient, Konsequenzen schwerwiegend (Fertilität) jährliches Screening obsolet Stopp Screening mit 65-70

* if 3 consecutive tests negative if 3 consecutive tests negative + 10 years negative Sawaya, NEJM 2009

Sensitivität HPV vs. Pap: 95 vs. 55% Kombination 100%

Offene Fragen Effekt HPV Vakzination Ersatz Pap-Smear durch HPV Test Kontrolle von Screening-Schäden

Schaden Studie an 350,000 Frauen Screening von 1,000 Frauen für 35 Jahre = 1 vermiedener Todesfall an Zervix Ca. pro vermiedener Todesfall 150 pathologische Ergebnisse 80 zusätzliche Tests 50 Behandlungen Quelle: NCI 2011

Kolorektal

60-70 % im Kolon 30-40 % im Rectum

5-Jahres-Überlebenszeit 100 % 95 % 0 40 %

Hämoccult Test 18 28% Kolonoskopie 64 90% Pignone et al. Ann Intern Med. 2002

Vorsorgeuntersuchung: Wann?

Screening des kolorektalen Karzinoms mit Koloskopie FAZIT: 70 % aller kolorektalen Karzinome können verhindert werden

Verschiedene FOBT-Tests Peroxidase-Aktivitätsnachweis: Hemoccult Immunochemische Verfahren (Antikörper): Hexagon OBTI

Immunologische Tests Ihr Test Einfach und hygienisch Klare Resultate Testqualität gut Resultat negativ Testqualität gut Resultat positiv

Screening ab 50 Jahre!

PSA, DRE, Ultraschall

76.693 Männer Incidence of prostate cancer death/10.000 person-years 2.0 vs. 1.7 (zuungunsten screening group!) Andriole et al., NEJM 2009

162.000 Männer Vermeidung 1 Todesfall Prostata Ca. NNS 1410 NNT 48

Lunge

2011 Raucher (30 PY+) Ex-Raucher für max. 15 y. 55-74 Jahre alt 26.722 low-dose CT vs. 26.732 Rö-Thorax a.p. Jährlich für 3 Jahre

Aber..! Mindestens ein positiver Test in 24% vs. 7% NNS 320 (nur Todesfälle durch Bronchial Ca.!) 95% der positiven Resultate waren falsch positive (PPV = 5%)

(1) das Geld nicht für Screening, sondern für Prävention einsetzen, da auf diese Weise pro Franken viel mehr Menschenleben gerettet werden könnten als bei jeder anderen Konstellation (2) Mammographie, Colonoskopie und Zervixabstrich wählen, da so mit dem geringsten Ressourcenverbrauch das günstigste Ergebnis bei höchster Evidenz erreicht würde (3) auf keinen Fall auf das CT-Screening bei Rauchern verzichten, da dies die Gruppe mit der höchsten Inzidenz und Prävalenz des gesuchten Tumors ist, weshalb eine relativ niedrige NNT zu erwarten ist (4) alles daran setzen, das Geld aufstocken zu lassen, damit mindestens 5 Tumoren abgedeckt sind (Mammographie, Colonoskopie, Zervixabstrich, PSA, CT Lunge); man sollte zum Ausgleich dafür einige der teuren Onkologika nicht mehr finanzieren

Zusammenfassung

Mammographie Jährlich ab (40-) 50 Reduktion Mortalität: 15-40%!!! Abdeckung durch Kassen in der Schweiz???

Pap Smear Zervixkarzinom 1970-1995: Mortalität 40% mögliche Reduktion bei sehr guter Adhärenz, 1-3 J. Intervall: >90%

Kolonoskopie und andere irgendwas besser als gar nichts! Risikoreduktion: 10-90%

PSA eigentlich nicht! aber vielleicht doch manchmal?

Low-dose CT effektiv extrem hohe Zahl an positiven CTs teuer, hohe NNS, niedriger PPV

Danke fürs Zuhören

Schopper D. et al, Eur J Cancer 2009: exzellente Reviews über Pros und Cons des Mammographie-Screening unter besonderer Berücksichtigung der Situation in den verschiedenen europäischen Ländern Warner E., NEJM 2011: Konsequenzen des Mammographie Screenings anhand eines Fallbeispiels mit Vergleich verschiedener gebräuchlicher Guidelines Sawaya GF, NEJM 2009: was verändern die neuen Zervix Ca. Screening Guidelines im Zeitalter des molekularen HPV Screenings? Liebermann DA, NEJM 2009: niemand zweifelt am Wert des Screening für kolorektale Karzinome - aber was ist die beste Methode für den individuellen Probanden?

National Lung Screening Trial Research Team, NEJM 2011: die erste überzeugende Arbeit, die eine Reduktion der Mortalität am Bronchial Ca. aufzeigt. Aber der Preis - in vielerlei Hinsicht - ist hoch! Andriole, NEJM 2009 und Schröder, NEJM 2009: eigentlich sollte mit diesen beiden randomisierten Studien an insgesamt 240.000 Männern die Frage nach dem Wert des PSA- Screenings endgültig beantwortet sein. Oder doch nicht?