Politik. Brigitte Vrochte

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Transkript:

Politik Brigitte Vrochte Die ökonomische Lehre von Aristoteles - Eine Analyse der aristotelischen Theorie der Ökonomik zum Nachweis, welche Bedeutung Ökonomie heute haben könnte Studienarbeit

Institut für Philosophie/LMU München Hauptseminar: Ethik und Politik von Aristoteles Wintersemester 1999/2000 Die ökonomische Lehre von Aristoteles Eine Analyse der aristotelischen Theorie der Ökonomik zum Nachweis, welche Bedeutung Ökonomie heute haben könnte Brigitte Vrochte

Inhaltsverzeichnis 1 Einleitung... 3 1.1 Voraussetzungen der aristotelischen Theorie... 3 2 Die ökonomische Lehre des Aristoteles... 6 2.1 Der Begriff: Ökonomie... 6 2.2 Der Oikos - das Haus als natürliche Einheit... 7 2.3 Die zum Haus gehörenden Teil-Gemeinschaften... 7 2.4 Bedeutung des Hauses und seiner Leistung für die Polis... 8 3 Die Ökonomie und Erwerbskunst... 8 3.1 Der Besitz und Reichtum als Teil der Ökonomie... 8 3.1.1 Bestimmung des Besitz und Reichtum... 8 3.2 Die natürliche Erwerbskunst... 10 3.3 Verschiedene Arten der Verwendung... 11 3.4 Die Chremantistik ihre Entstehung... 12 3.5 Bedeutung für die Polis: Gerechter Tausch als gesellschafts-politische Voraussetzung... 15 3.6 Zusammenfassung: Ökonomie und Arten der Erwerbskunst... 17 4 Paradigmenwechsel: Die modernen Nationalökonomie... 18 4.1 Bedeutung der ökonomischen Lehre des Aristoteles für die moderne Nationalökonomie... 19 5 Schluss... 21 6 Literaturverzeichnis... 23 2

1 Einleitung Die Bundesrepublik schätzt sich glücklich, weil fünf Weise die politische Lage und Regierungsweise in einem halbjährlichen Gutachten analysieren. Sie verteilen Lob und Tadel an Notenbank und Tarifpartner, erstellen Prognosen und offerieren politische Handlungsvorschläge. Bei diesen Weisen handelt es sich nicht um Philosophen oder Politikwissenschafter, sondern um Ökonomen. Nicht nur auf nationaler Ebene, sondern auch auf der internationalen Ebene hat sich die Gewichtung von Politik und Ökonomie verändert. An Stelle des bisher ideologisch geführten Ost-West-Konflikts ist die Globalisierung getreten. Deren Hauptakteure sind nicht mehr nur Nationalstaaten bzw. deren Regierungen, sondern weltweit operierende Großkonzerne. Ihre Ziele konzentrieren sich auf die Steigerung ihres Umsatzes und die Übernahme konkurrierender Anbieter. Aufgrund der Dominanz der Ökonomie wird deshalb vielerorts von einer Aufhebung des Politischen gesprochen. Bereits der Vater der politischen Wissenschaften und der Ökonomie, der griechische Philosoph Aristoteles, analysierte das Verhältnis zwischen Politik und Ökonomie, benannte Ursachen und Folgen für die Dominanz der Ökonomie über die Politik und gab Ratschläge zur Behebung in seinem Werk Politik. Zum besseren Verständnis des Aristoteles werden im ersten Kapitel zunächst seine Grundannahmen vorgestellt. Das zweite Kapitel erörtert seine ökonomische Lehre, mit dem Haus und dessen zugehörigen Teile und deren Bedeutung für die Polis. Die Trennung zwischen der Ökonomie und Chremantistik stellt den wesentlichen Teil seiner ökonomischen Lehre dar, die im dritten Kapitel beschrieben wird. Zunächst werden dazu zentrale Begriffe geklärt, insbesondere der Unterschied zwischen Gebrauchs- und Tauschwert. Abschließend wird die Bedeutung im Hinblick auf die Polis expliziert. Im fünften Kapitel werden die wesentlichen Unterschiede zwischen der modernen Nationalökonomie und der aristotelischen Lehre aufgezeigt. Der Schluß faßt die Ratschläge des Vater der Ökonomie zusammen und bezieht diese auf die Gegenwart. 1.1 Voraussetzungen der aristotelischen Theorie Die Frage, welches das beste Wirtschaftssystem ist, ist mit der Frage verwandt, welche Welt die beste aller möglichen ist. Die Antworten sind abhängig von dem Weltbild, das jemand 3