Kleine Lautschriftkunde

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Einführung in die Sprachwissenschaft des Deutschen. Phonetik, Phonologie. PD Dr. Alexandra Zepter

Transkript:

Kleine Lautschriftkunde Arbeitsgruppe BAYDAT Bayerische Dialektdatenbank Institut für Deutsche Philologie Am Hubland 97074 Würzburg Tel.: 09 31 / 888 56 31 Fax.: 09 31 / 888 46 16 E-Mail: info@bayerische-dialekte.de Internet: www.bayerische-dialekte.de 21. November 2003 1 Unsere Lautschrift: Teuthonista 1.1 Welche Beziehung haben Laut und Buchstabe? 1.1 Welche Beziehung haben Laut und Buchstabe? Mit der gewöhnlichen Alphabetschrift kann die Lautung einer Sprache schriftlich wiedergegeben werden. Allerdings besteht zwischen Lauten und Buchstaben keine eindeutige Beziehung, weil sich im Laufe der Sprachgeschichte oftmals Aussprache und Schrift unterschiedlich entwickelt haben. So wird im heutigen Deutsch die so genannte Auslautverhärtung, das ist die Aussprache von <b, d, g> im Auslaut als [p, t, k], in der Orthographie nicht wiedergegeben: Das <g> in Tag und Tages wird zwar unterschiedlich artikuliert, also [ta:k] aber [ta:ges], trotzdem werden beide Wörter mit <g> geschrieben. Diese gleiche Schreibweise bei verschiedenen grammatischen Formen eines Wortes soll als Leseerleichterung die Verständlichkeit fördern. Ein Laut wird auch nicht immer genau durch einen Buchstaben wiedergegeben: hängt 4 Laute aber 5 Buchstaben; schön 3 Laute aber 5 Buchstaben; Stufe 5 Laute und 5 Buchstaben. Die Beispiele schön und Stufe zeigen auch, dass der Laut +s durch mehrere Buchstaben wiedergegeben werden kann: <sch> oder <s>, letzterer allerdings nur in der Kombination <st> und <sp> geschrieben. 1.2 Wozu brauchen wir eine Lautschrift? Weil zwischen Laut und Buchstabe keine eindeutige Beziehung besteht, ist die normale Alphabetschrift nur bedingt zur genauen schriftlichen Wiedergabe der Lautung einer Sprache geeignet. Zur präzisen Erfassung und Verschriftlichung lautlicher Phänomene, etwa für wissenschaftliche Zwecke, sind genauere phonetische Transkriptionssysteme erforderlich. 1

Bayerische Dialektdatenbank BayDat - Kleine Lautschriftkunde 2 2 Teuthonista, die Lautschrift für dialektologische Zwecke Wer sich ausführlicher orientieren möchte, der sei verwiesen auf: Rudolf HOTZENKÖCHERLE, Einführung in den Sprachatlas der deutschen Schweiz, Band B, Fragebuch, Aufnahmeschlüssel, Transkriptionsprotokolle, Bern 1962, S. 79-95 und Peter WIESINGER: Das phonetische Transkriptionssystem der Zeitschrift Teuthonista, In: Zeitschrift für Mundartforschung 31, 1964, 1-20. Die Teuthonista-Lautschrift verwendet die Buchstaben des normalen lateinischen Alphabets. Zusätzlich verwendet sie diakritische Zeichen. Diakritische Zeichen sind kleine Zeichen, die an ein alphabetisches Schriftzeichen angehängt oder mit ihm kombiniert werden können, um bestimmte lautliche Unterscheidungen auszudrücken. So dient zum Beispiel ein untergesetzter Punkt zur Markierung der geschlossenen Aussprache eines Vokals, z. B. e 2 für <e> in Klee und ein untergesetzter Haken der Markierung der offenen Aussprache eines Vokals, z.b. 5e für <e> in Fett. 2.1 Vokale Qualität Phonetische Notation Diakritische Zeichen Extrem geschlossen i e a o 1o u 1u 2 unterges. Pkte. Geschlossen 1 i 1 e 1 a 1 o 1 1o 1 u 1 1u 1 untergesetzter Pkt. Neutral 2 i 2 e a 2 o 2 2 1o u 2 2 1u kein Zeichen hline Offen 5i 5e 5a 5o 15o 5u 15u 1 unterges. Haken überoffen 6i 6e 6a 6o 16o 6u 16u 2 unterges. Haken Lippenrundung 1j 1e 1a 1o 1o 1u 1u 2 überges. Pkte. Extreme Lippenrundg >j >e >a >o >o >u >u 4 überges. Pkte. Entsprechungen der deutschen Standardlautung (nach SIEBS) Ein Punkt (gilt auch für Kürzen): sieben See Baden Boden Öl Mut Mühle Ein Haken (gilt auch für Längen): Zipfel Bett satt Kopf öffnen Buckel Mütze Die oben dargestellten Lautwerte können noch differenzierter dargestellt werden durch Übereinanderstellung der Zeichen. So kennzeichnet ein e mit einem übergestellten i den Übergang zwischen e-reihe und i-reihe. Das untenstehende Zeichen ist dabei das favorisierte Zeichen. Daneben erlaubt die Einklammerung des diakritischen Zeichens ebenfalls verfeinerte Aussagen zum Grad der Offen-Geschlossenheit eines Vokals. 2.2 Reduktionsvokale Vokale, deren Schallumfang zwar vermindert, aber deren Eigenton dennoch gewahrt ist, d.h. quantitativ reduzierte Vokale können mit hochgestellten Vokalzeichen dargestellt werden. Eine quantitative wie qualitative Reduktion wird durch Einsetzen eines Reduktionsvokals C oder @, das heißt eines Schwa-Lautes, wiedergegeben. Bsp.: m[adl@ 2.3 Diphthonge Diphthonge, d.h. die Kombination zweier Vokale in unmittelbarer Abfolge innerhalb einer Silbe, werden durch die Kombination der beiden Vokale wiedergegeben. Aida: [PaP[jd[a] kein Diphthong, beide Vokale am Wortanfang werden mit Glottisschlag gesprochen Seife: [s!aifc] Diphthong, die betonten Vokale werden ohne Glottisschlag gesprochen.

Bayerische Dialektdatenbank BayDat - Kleine Lautschriftkunde 3 2.4 Quantität Die Längenverhältnisse werden wie folgt bezeichnet: Qualität Notation Phonologische Notation Diakritisches Zeichen Länge immer [j [e [a [o [u übergesetzter Querbalken Halblänge immer!j!e!a!o!u übergesetzter Zirkumflex Kürze ausnahmsw. ]j ]e ]a ]o ]u übergesetzter Bogen Kürze bleibt im Allgemeinen unbezeichnet, nur in besonderen und unerwarteten Fällen wird der übergesetzte Bogen geschrieben. 2.5 Akzent Die Angabe des Wortakzents erfolgt nur in den Fällen, in denen die Betonung von der deutschen Erstbzw. Stammsilbenbetonung abweicht. z.b. [be t[on], [tu n 5el] 2.6 Besonderes Nasalität wird mit Tilde gekennzeichnet [ban % [anc] Zentralisierte Vokale sind mit einem oder zwei Aufstrichen markiert [milx] 2.7 Konsonanten Die Konsonantensymbole entsprechen denen des lateinischen Alphabets. Die wichtigsten Sonderzeichen sind: Phonetische Notation Erklärung Beispiel Transkript [X] palataler Reibelaut (ich-laut) mich [mix] [Z] postpalataler Reibelaut (ech-laut) Blech [bl 5eZ] [x] velarer Reibelaut (ach-laut) Dach [dax] [N] velarer Nasal Hang [han] [+s] stimmloser alveolarer Reibelaut Tisch [ti+s] [h] Hauchlaut, Behauchung Kuchen [k h [uxcn] [v] denti-labialer Reibelaut Fuchs [vuks] [B] bilabialer Reibelaut Wasser [BasCr] [5l] interdentaler Liquid (fränkisches l) [L] alveolar-velarer Liquid (Kölner oder Englisches l) [\] retroflexer Liquid (Amerikanisches r) 2.8 Verschluss- und Reibelaute Fortisierung/Lenisierung Betrifft hauptsächlich die Schreibung von Plosiven und Frikativen <b, d, g, p, t, k>: Ein oder zwei untergesetzte x deuten auf Lenisierung, d.h. weichere Aussprache hin, ein oder zwei untergesetzte senkrechte Striche auf Fortisierung, d.h. härtere Aussprache. Lockerung des Verschlusses: Ein Übergang zwischen Verschluss- und Reibelaut, z.b. zwischen [b] und [w] wird mit einer Tilde durch die Ober- bzw. Unterlänge des Verschlusslautzeichens markiert.

Bayerische Dialektdatenbank BayDat - Kleine Lautschriftkunde 4 2.9 Nasale und Liquide Grundzeichen sind: [m, n, N, l] 3 Dieth-Schrift, die Lautschrift für nicht sprachwissenschaftliche Dialekttranskription Für das vollständige Regelwerk zur Dieth-Schreibung vgl.: Eugen DIETH, Schwyzertütschi Dialäktschrift. Dieth-Schreibung, 2. Aufl., bearb. und hg. von Christian Schmid-Cadalbert, Aarau/Frankfurt a.m./salzburg 1986. Für sprachwissenschaftliche Zwecke ist eine Verschriftung von Mundart mittels Teuthonista- oder IPA- Lautschrift der Normalfall. Im alltäglichen Dialektschreiben, in Sachtexten, auch in einzelnen wissenschaftlichen Texten, bei denen zwar die Mundartlautung erwünscht ist, aber nicht unbedingt die präzise Erfassung der genauen Artikulation im Vordergrund steht, verwendet man die Dieth-Lautschrift. Hierbei handelt es sich um eine Lautschrift, die ohne komplizierte diakritische Zeichen und ohne Sonderzeichen auskommt. Dieth-Schreibung ist hauptsächlich lautnahe Schreibung, die die jeweils eigenen Wortbilder eines Dialekts veranschaulichen soll. Daher gilt die generelle Regel: Die Schreibung richtet sich grundsätzlich nach dem Sprechen, dem Hören und dem Empfinden. Abweichungen vom gegenwärtigen standardsprachlichen Schriftbild sind daher nicht weiter störend. Die Dieth-Schrift verwendet die Buchstaben des lateinischen Alphabets. <h> als Zeichen kommt nur dann zur Anwendung, wenn es wirklich einen Lautwert vertritt. <h> dient also nie als Längenzeichen. 3.1 Die Länge eines Vokals wird durch Doppelschreibung ausgedrückt Bsp. Neebel, Fraage, Bluume 3.2 Klangfarbe der Vokale Geschlossen: e è ä offen a à o 3.3 Diakritische Zeichen ` Gravis für Offenheit Tilde für Nasalierung. untergesetzter Punkt bei Vokalisierung Aigu für fremde Akzente 3.4 Grundregel für die Transkription Schreibe jedes Wort dem standarddeutschen Vorbild so ähnlich wie möglich, jedoch soll jedes Zeichen eindeutig interpretierbar sein.

Bayerische Dialektdatenbank BayDat - Kleine Lautschriftkunde 5 4 IPA, die Lautschrift für alle Fälle In vielen Sprachen und Dialekten ist die Beziehung zwischen Buchstaben und Lautwerten unterschiedlich. So repräsentiert der Buchstabe <g> in verschiedenen europäischen Sprachen ganz unterschiedliche Lautwerte. Z.B.: Deutsch: <Gustav>, Französisch: <gendarme>, Italienisch <gelato>. Um in Wörterbüchern oder Sprachlehrwerken die Aussprache von Sprachen beschreiben zu können, ist eine einzelsprachunabhängige, international verwendbare lautliche Umschrift notwendig. In einer solchen Lautschrift ist jedem Sprachlaut nur ein Zeichen zugeordnet. Die IPA-Schrift ist von der International Phonetic Association entwickelt worden. 5 Erklärung wichtiger sprachwissenschaftlicher Begriffe zur Transkription, Phonetik und Phonologie 5.1 Überblick zur Terminologie der phonetischen Beschreibung Zur genaueren Information vgl. Duden, Aussprachewörterbuch. Mannheim 1977 oder SIEBS, Deutsche Aussprache, Berlin 1969. 5.2 Wichtige Fachwörter: Auslautverhärtung: Im Auslaut von Tonsilben und am Wortende werden die stimmhaften Verschluss- und Reibelaute [b, d, g, v, z] stimmlos gesprochen: Kalb [kalp]. Diakritisches Zeichen: Um möglichst genau die gesprochene Sprache wiederzugeben, benutzt man zusätzlich zu den Grundzeichen der Lautschrift so genannte diakritische Zeichen. Diese modifizieren die Grundwerte der Lautschrift, z.b. Tilde für Nasalierung. Diphthonge: Ein Diphthong ist eine Kombination aus zwei Vokalen, bei deren Artikulation sich die Artikulationsorgane merklich bewegen. Der Ausgangspunkt der Gleitbewegung entspricht nicht dem Endpunkt und es lassen sich artikulatorisch keine zwei einzelnen Vokale identifizieren. Fortisierung/Lenisierung: Dieses Begriffspaar bezieht sich auf den Grad der artikulatorischen Energie bei der Produktion von Plosiven und Frikativen. Glottisschlag (Knacklaut): Der Glottisschlag tritt im Deutschen als Grenzsignal vor einem Vokal im Anlaut betonter Silben auf. Außerdem kommt er zwischen zwei Vokalen vor. Der Glottisschlag ist das hörbare Geräusch, das durch den Glottisverschluss mit anschließender plötzlicher öffnung entsteht. Dabei wird das Schwingen der Stimmbänder mit einem Knacklaut eingeleitet. z.b. verreisen vs. vereisen. Konsonant: Ein Konsonant wird mit oder ohne Stimmbänder-Beteiligung gebildet= stimmhaft/stimmlos. Er ist charakterisiert durch die Hemmstelle der Luft bei der Lauterzeugung. Lautschrift oder phonetische Umschrift: mehr oder weniger lautgetreue konventionalisierte Wiedergabe gesprochener Sprache durch eine eigene phonetische Schrift. Nasalität: Durch Senkung des Velums (Gaumensegels) kann die Luft ganz oder teilweise durch die Nasenhöhle entweichen.

Bayerische Dialektdatenbank BayDat - Kleine Lautschriftkunde 6 Offene/geschlossene Artikulation eines Vokals: Bezieht sich auf den Öffnungsgrad des Kiefers bei der Artikulation eines Vokals. Kurzvokale werden in der Regel offener und Langvokale in der Regel geschlossener artikuliert. Quantität: Die Artikulationsdauer ist bei den Konsonanten im Deutschen irrelevant. Bei Vokalen hingegen unterscheidet ein kurz gesprochenes [a] wie in Bann die Bedeutung von dem Wort Bahn mit langem a-vokal [a:]. Reduktionsvokal = Schwa-Laut: (hebr. Schewa, Name für das Vokalzeichen des unbetonten e- Lautes). Auch: Murmelvokal, Neutralvokal, Zentralvokal. Mit neutraler Zungenstellung produzierter, d.h. mittelhoher zentraler Vokal, wie z.b. in den unbetonten dt. Endsilben -e, -en. Silbischkeit: Bezeichnet Laute, die eine Silbe bilden. Transkription: Wiedergabe von lautsprachlichen Äußerungen in spezieller phonetischer Lautschrift. Vokal: Sprachlaut, der artikulatorisch durch eine freie Passage der Luft gekennzeichnet ist. Zentralisierung: Verlagerung der Zungenlage bei der Vokalartikulation in den mittleren Bereich in Richtung Schwa-Laut, wie bei dem unbetonten e in den dt. Endsilben. Zusammengestellt von Sabine Krämer-Neubert, September 2003 Text-Satz mit L A TEX 2ɛ, Roland Baumann, November 2003