Erwartungen an den Workshop:
Ergebnisse zum Perspektivwechsel :
Konfliktstile: Erklärung der einzelnen Stile Vermeiden/ Flucht Bei diesem Stil wird Situationen mit Konfliktpotential grundsätzlich aus dem Weg gegangen. Die eigene Neutralität hat höchste Priorität. Uneinigkeiten und Unterschiede werden nicht gesehen, nicht gehört und schon gar nicht ausgesprochen. Konflikte werden geleugnet oder als irrelevant herunter gespielt, indem die Personen sich sagen, dass das eigentlich alles nicht so schlimm ist und es sowieso nichts ändert, wenn man es anspricht oder alles nur noch schlimmer macht, weil die Angst vor den unangenehmen Gefühlen bei einer Auseinandersetzung und möglichen Konsequenzen groß ist. Dabei berücksichtigen Personen mit dem vermeidenden Stil die eigenen Interessen als auch die des Gegenübers wenig. Sie ziehen sich aus kontroversen Situationen zurück und übersehen dabei die Notwendigkeit einer offenen Konfliktbearbeitung. Hat sich dagegen eine Person mit dem Konflikt auseinandergesetzt und für sich den Rückzug als bestes Mittel erwogen, kann man dies nicht als vermeidend betrachten, da sie sich mit dem Konflikt auseinandergesetzt hat und ihre Interessen wahrt. Nachgeben Beim Konfliktstil Nachgeben werden Harmonie und Einverständnis angestrebt, bestehende Differenzen eher heruntergespielt, Gemeinsamkeiten dagegen betont. Es gibt einen starken Wunsch nach Zusammenarbeit ohne Konfrontation. Der Gegenpartei wird soweit entgegen gekommen, dass man die eigenen Interessen denen des anderen unterordnet. Die Forderungen der Gegenseite werden hingenommen oder angenommen und eine Problemlösung, die die Interessen beider Seiten gleichermaßen berücksichtigt, nicht angestrebt. Hier geht es im Grunde um eine lose/win- Lösung. Dieser Konfliktstil resultiert aus einem schwach ausgeprägten Interesse für die eigenen Belange und Konzentration auf die Interessen der Gegenpartei.
Nachgeben ist sinnvoll, wenn einem die Beziehung wichtiger ist als die Sache. Die Gefahr ist, wenn man diesen Stil sehr häufig anwendet, dass man immer derjenige ist, der zurücksteckt, seine Interesse nicht durchsetzen kann und hinterher frustriert ist. Personen geben im Konfliktfall aber auch nach, wenn sie im Unrecht sind, dies als faire Lösung empfinden oder sich gezwungen fühlen, dies zu tun. Man kann dann nicht von einem Akt der Selbstaufopferung sprechen. Wenn eine Person im Konflikt nachgibt, um die eigenen Verluste zu minimieren, weil Durchsetzung der eigenen Interessen nicht möglich ist und sie so auf lange Sicht ihr Ziel besser erreichen kann, entspricht dies ebenfalls nicht dem Konfliktstil Nachgeben. Durchsetzen Das Gewinnen und Durchsetzen eigener Ziele ist bei diesem Stil wichtiger, als das Erarbeiten integrativer nachhaltiger Lösungen. Der Konfliktstil Durchsetzen nimmt keine Rücksicht auf das Bedürfnis der Anderen. Dies zieht das Ausfechten von win/lose- Machtkämpfen nach sich. Der eigene Sieg ist wichtig und zwar auf Kosten aller anderen. Basierend auf einer Autorität- Gehorsam- Denkweise wird der Konflikt durch Unterdrückung und Überwältigung der Gegenpartei kontrolliert. Dieser Konfliktstil tritt häufig bei Vorhandensein klarer hierarchischer Strukturen auf. In einem System, das auf Wettkampf beruht, ist dieses Denken stärker verbreitet. Das Leben besteht dann entweder aus Kampf und Sieg oder Niederlage, d.h. Flucht und Unterwerfung. Kompromiss Der kompromissbereite Konfliktstil wird auf der Ausprägung von mittlerem Engagement für die eigenen Interessen und der Interessen der Gegenseite eingestuft. Er basiert auf der Bereitschaft, Vereinbarungen zu treffen, die für beide Seiten akzeptabel sind. Beim typischen Kompromiss kommen sich die Gegner auf halben Weg entgegen. Dies bedeutet, dass keine Partei gewonnen und keine verloren hat (no lose/no win). Es geht hier darum, das mitzunehmen, was man bekommen kann - aber ohne aktivem Einsatz und ohne Streben nach dem effektivsten Ergebnis. Daher wird der Kompromiss von einigen auch als halbherzige Problemlösung im Sinne des faulen Kompromiss gesehen. Andere wiederum sehen ihn als Stil, der zu arbeitsfähigen, wenn auch nicht zu bestmöglichen Resultaten führt. Dennoch kann ein Kompromiss auch die beste Lösung sein, wenn die Kooperation keinen weiteren Lösungsgewinn bringt oder eine Kooperation nicht möglich ist. Kooperation Ein stark ausgeprägtes Interesse, sowohl die eigenen als auch die Interessen der Gegenpartei zu berücksichtigen und einzubeziehen, resultiert in dem kooperativen Konfliktstil. Dieser Stil beinhaltet einen Prozess der offenen Verhandlung mit dem Ziel der Aussöhnung. Vorbehalte, Zweifel und Emotionen, die ein auf Logik aufbauendes Einverständnis verhindern, werden in offener Diskussion angesprochen und aktiv bearbeitet. Statt der Haltung: Das ist dein Problem, können hier beide Parteien ihre Interessen vorbehaltlos vertreten und gemeinsam und kreativ nach befriedigenden Lösungen suchen. So können beide Seiten gewinnen (win/win) und ein optimales Ergebniserzielen, das besser ist, als ein bloßer Kompromiss. Es geht darum, das eigene Denken über die Grenzen von zwei unvereinbaren Alternativen hinausgehen zu lassen. Neue Optionen werden erschlossen und Ressourcen ggf. erweitert. Dieser Konfliktstil umfasst das Zeigen von Einsicht, Eingehen von Zugeständnissen und Austausch von Präferenzen. Der kooperative Stil gilt als Königsweg. Dennoch gibt es keinen Konfliktstil, der immer optimal ist. Beste Aussichten auf gute Konfliktbewältigung haben Menschen, die flexibel zwischen den Stilen wechseln können, da alle Stile Vor- und Nachteile haben und sie je nach Situation unterschiedlich sinnvoll sind. Allerdings stellt eine kooperative Haltung eine günstige und erstrebenswerte Ausgangsposition dar.
Vor- und Nachteile der fünf Konfliktstile:
Konflikte entstehen aufgrund unterschiedlicher Wertvorstellungen und den daraus resultierenden Unterschieden im Wahrnehmen, Denken, Vorstellen, Fühlen und Wollen.Diese differenten Wahrnehmungen führen dazu, dass in einer Konfliktsituation unterschiedliche Ausgänge von den Beteiligten erwartet werden. Somit scheint den Konfliktparteien eine Einigung auf ein gemeinsames Ziel/Ergebnis nicht möglich zu sein. Diese Interpretation spielt sich im Inneren einer Person ab und wird durch verbales und nonverbales Verhalten und Handeln nach außen getragen. Durch Worte und Körpersprache sowie Mimik und Gestik werden die unterschiedlichen Gefühlslagen individuell ausgedrückt. Dies wiederum kann erneut zu Missverständnissen und Konflikten führen. Menschen reagieren unterschiedlich in und auf Konfliktsituationen, was sich durch die Kategorisierung in Konflikttypen verdeutlichen lässt. Dies ist wichtig für die Konfliktprävention und das angemessene und effektive Lösen von Konflikten. Die im Folgenden vorgestellten Konflikttypen lassen sich nicht grundlegend einer Person zuzuschreiben. Eine Person trägt alle Konflikttypen in sich und kann sich je nach Situation unterschiedlich verhalten und unterschiedliche Konflikttypen werden deutlich. Angriffstyp aktiv im Konflikt und vertritt eigene Meinung offensiv kann Gegenüber herausfordern oder auch einschüchtern Angriff ist die beste Verteidigung Verteidigungstyp versucht eigene Position zu rechtfertigen, fällt in Verteidigungshaltung wenig standhaft oftmals verunsichert, geringer Selbstwert Fluchttyp zieht sich gerne schnell zurück und Position der Person ist nicht mehr greifbar typisch ist ausweichen, vermeiden, flüchten Erstarrungstyp Schweigen und Rückzug, Isolation und Starre Personen empfinden existentielle Ängste im Konflikt Rückzug als einzige Chance gesehen Ablenkungstyp Person wirft völlig anderes Thema in Konflikt ein, um abzulenken Eskalationsstufen nach Glasl (1999) (Quelle: http://www.kraus-und-partner.de/sites/default/files/eskalationstufe.jpg; 03.06.2016)
Eskalationsstufen nach Glasl Die neun Stufen des Eskalationsmodels sind in drei Ebenen aufgeteilt: Win win, Win lose, Lose lose. Befindet sich der Konflikt auf der ersten Ebene, ist es noch möglich, ihn so zu beenden, dass beide Parteien als Gewinner daraus hervor kommen. In der Regel entsteht ein Konflikt aus einer Meinungsverschiedenheit, die anfangs harmlos ist, und wenn schnell gelöst, nicht als Konflikt bezeichnet wird. Ist dies jedoch nicht der Fall, überlegen sich die Beteiligten unter Umständen neue Strategien und beginnen Druck auf die Gegenpartei auszuüben. Auf der zweiten Ebene ist dies bereits nicht mehr möglich. In der Regel werden weitere Leute mit einbezogen und der Konflikt weitet sich aus. Es geht nun mehr um Macht und Gewinnen, als um die ursprüngliche Thematik. Ein Beteiligter wird als Verlierer aus dem Konflikt herausgehen. Auf der dritten Ebene verlieren beide Parteien. Der Konflikt ist eskaliert und unmenschlich geworden. Es wird in Kauf genommen, selbst Opfer zu bringen, Hauptsache der anderen Partei wird spürbarer Schaden zugefügt. 1. Ebene: Win win Verhärtung Konflikte beginnen mit Spannungen, beispielsweise gelegentliches Aufeinanderprallen von Meinungen. Es ist alltäglich und wird nicht als Beginn eines Konflikts wahrgenommen. Wenn daraus doch ein Konflikt entsteht, werden die Meinungen fundamentaler. Der Konflikt könnte tiefere Ursachen haben. Polarisation und Debatte Ab hier überlegen sich die Konfliktpartner Strategien, um den Anderen von ihren Argumenten zu überzeugen. Meinungsverschiedenheiten führen zu einem Streit. Man will den Anderen unter Druck setzen. Taten statt Worte Die Konfliktpartner erhöhen den Druck auf den jeweils anderen, um sich oder die eigene Meinung durchzusetzen. Gespräche werden zum Beispiel abgebrochen. Es findet keine Kommunikation mehr statt und der Konflikt verschärft sich schneller. 2. Ebene: Win lose Sorge um Image und Koalition Der Konflikt verschärft sich dadurch, dass man Sympathisanten für seine Sache sucht. Da man sichim Recht glaubt, kann man den Gegner denunzieren. Es geht nicht mehr um die Sache, sondern darum, den Konflikt zu gewinnen, damit der Gegner verliert. Gesichtsverlust Der Gegner soll in seiner Identität vernichtet werden durch alle möglichen Unterstellungen oderähnliches. Hier ist der Vertrauensverlust vollständig. Gesichtsverlust bedeutet in diesem Sinne Verlust der moralischen Glaubwürdigkeit. Drohstrategien Mit Drohungen versuchen die Konfliktparteien, die Situation absolut zu kontrollieren. Sie soll die eigene Macht veranschaulichen. Man droht z. B. mit einer Forderung (10 Mio. Euro), die durch einesanktion ( Sonst sprenge ich Ihr Hauptgebäude in die Luft! ) verschärft und durch das Sanktionspotenzial (Sprengstoff zeigen) untermauert wird. Hier entscheiden die Proportionen über die Glaubwürdigkeit der Drohung.
3. Ebene: Lose lose Begrenzte Vernichtungsschläge Hier soll dem Gegner mit allen Tricks empfindlich geschadet werden. Der Gegner wird nicht mehr als Mensch wahrgenommen. Ab hier wird ein begrenzter eigener Schaden schon als Gewinn angesehen, sollte der des Gegners größer sein. Zersplitterung Der Gegner soll mit Vernichtungsaktionen zerstört werden. Gemeinsam in den Abgrund Ab hier kalkuliert man die eigene Vernichtung mit ein, um den Gegner zu besiegen.