Germanistik Anna Mayer Fremdsprachenunterricht und landeskundliche Besonderheiten des Gebrauchs von Routinen und Ritualen aus dem Alltagsbereich:Vergleichsanalyse Deutsch-Russisch Studienarbeit
Universität Gesamthochschule Kassel Wintersemester 2001/2002 Seminar: Interkulturelles Lernen Fremdsprachenunterricht und landeskundliche Besonderheiten des Gebrauchs von Routinen und Ritualen aus dem Alltagsbereich: Vergleichsanalyse Deutsch-Russisch Hausarbeit vorgelegt von Anna Mayer Master-Aufbaustudiengang Dezember 2001
Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung 2. Alltagskultur und Alltagskommunikation 2.1 Landeskundliches Wissen und seine Bedeutung in der Alltagskommunikation 3. Sprachliche Routinen und Rituale (Entstehung, Formen, Rolle, Bedeutung im Fremdsprachenunterricht) 4. Durchgeführte Umfrage: gestellte Fragen, Ziele, die Befragten. 5. Das Anredeverhalten 5.1 Pronominale Anrede 5.2 Nominale Anrede im Deutschen und im Russischen 5.3 Ergebnisanalyse der Umfrage 6. Einleitung und Beendigung der direkten Kommunikation 6.1 Kontakteröffnung Befindlichkeitsfrage Gestik im Deutschen und im Russischen 6.2 Ergebnisanalyse der Umfrage 6.3 Beendigung des Gesprächs 6.4 Abschiedsfloskeln im Deutschen und im Russischen 6.5 Ergebnisanalyse der Umfrage 7. Telefondialoge 7.1 Gesprächseröffnung am Telefon im Deutschen und im Russischen 7.2 Ergebnisanalyse der Umfrage 8. Schlussbemerkung Literaturverzeichnis Anlage 1 (Umfrage in deutscher Sprache) Anlage 2 (Umfrage in russischer Sprache)
1. Einleitung Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist, den Gebrauch einzelner Routinen und Rituale aus dem Alltagsbereich im Russischen und Deutschen zu vergleichen und die landeskundlichen Besonderheiten dieses Gebrauchs in beiden Sprachen zu thematisieren. Des weiteren wollte ich auf Grund bestehender Gebrauchsunterschiede einiger Kultureme gezielt auf die Schwierigkeiten eingehen, welche sich für russische Lerner bei der Wahl verbaler und nonverbaler Kommunikationsmittel im deutschsprachigen Kontext ergeben könnten. In dieser Arbeit werden folgende Routinen und Rituale behandelt: pronominales und nominales Anredeverhalten, Einleitung und Beendigung der Kommunikation, sowie Eröffungssequenzen von Telefondialogen. Die von mir ausgewählten und untersuchten Routinen und Rituale gehören zum Alltagsbereich, sie sind ein wichtiger Bestandteil kommunikativer Handlungen und dadurch ein unentbehrlicher Teil jedes Deutschunterrichts. Die Unterschiede im Gebrauch einzelner Routinen und Rituale sollte die für deren Feststellung ausgearbeitete und durchgeführte Umfrage verdeutlichen. (Siehe 3.) Ihr Ziel war es, allgemeine Tendenzen im Gebrauch ausgewählter Kultureme aus dem deutschen und russischen Alltagsbereich festzustellen. Dafür wurden die Ergebnisse der Umfrage ausgewertet und statistisch erfasst. 2. Alltagskultur und Alltagskommunikation Der Begriff Alltag impliziert Normalität, Wiederholbarkeit, routiniertes Handeln von Individuen auf der Grundlage internalisierter und als gemeinsam vorausgesetzter sozialkommunikativer Bedeutungen. Ein Individuum durchläuft gesteuerte und ungesteuerte Sozialisationsprozesse, die dazu dienen, ein mehr oder weniger unbewusstes Handeln im Rahmen einer Alltagsökonomie herzustellen 1. Der Begriff Alltagskultur verweist auf Strukturierungen, Spielregeln und Verhaltensnormen, die eine Gruppe von Menschen, welche einen auf diese Weise strukturierten Alltag teilen, verbindet. Die Integration der Individuen in alltagskulturelle Kontexte wie Familie, Schule, Beruf, Freizeit geschieht im Rahmen gesteuerter und ungesteuerter Sozialisationsprozesse und erlaubt ihm ein routinemäßiges Handeln. Die dieses Handeln bestimmende Routinen werden verinnerlicht und wirken daher weitgehend unbewusst (Helbig 2001: 1298). 1 Aus psychologischer Sicht ist der Automatismus der Alltagsnormalität Grundlage für die Sicherheit im Verhalten eines Individuums. Die Abweichungen von diesem Verhalten (z.b. bei Fremden) können Angst und Unsicherheit auslösen und auch zu Agressionen führen. (vgl. Helbig 2001: 1297)