Vortrag ZIRKUSPÄDAGOGIK

Ähnliche Dokumente
Circus Cabali Die Kleine Kunst e.v. Die 3 Säulen des Circus Cabali

die gemeinde akademie gesundberaten?! Salutogenese und Beratung

Christoph Falschlunger (IMP-Tag )

Die Bedeutung des Spiels in der psychomotorischen Entwicklungsförderung

SUCCESS. Das Erfolgstraining der Soft Skills

Gesundheit und Krankheit. Darlegung der "Sense of Coherence Scale" von Aaron Antonovsky

Spielräume der Psychomotorik als Basis für Bildungschancen

MMI- Fachtagung Gesundheitsförderliche Kita- für Kinder und Erwachsene

Prinzip Nachhaltigkeit PädagogischeÜberlegungen zum professionellen Selbstverständnis von Jugendsozialarbeit an Schulen

Der Sprung ins kalte Wasser Schwimmtraining mit Life-Skills-Programmen

Pfarrkindergarten Fürstenfeld Commendegasse Fürstenfeld

1 Theoretische Grundlagen

Grundlagen der Sportpädagogik (WS 2004/05) Dietrich Kurz Universität Bielefeld Abteilung Sportwissenschaft

Lernwerkstatt Psychomotorik Bewegungs- und Erlebnisraum. Pestalozzischule Eisenberg Aline Klusen. Was ist Ergotherapie.

Salutogenese Fragebogen

Wie viel Gesundheitskompetenz brauchen Gesundheitsberufe?

Leibniz Universität Hannover Weiterbildungsstudium Arbeitswissenschaft

Spiel, Sinnlichkeit und Kreativität in Kinderkrippe, Kindergarten und Hort

2.Themenbereich: Zur Bedeutung der Bewegung für den Menschenanthropologische

Entdecker der Sprache. Begleitung von Kindern unter 3

Grundlagen der Sportpädagogik (WS 2004/05) Dietrich Kurz Universität Bielefeld Abteilung Sportwissenschaft

Psychomotorik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter, Ähnlichkeiten und Unterschiede Hö 05


Handbuch der Psychomotorik

Für eine positive Kultur der Anerkennung:

Ressourcenorientierte Pädagogik in der stationären Erziehungshilfe PD Dr. Eckhart Knab Joachim Klein

Integrativer Kindergarten Heilgenland 1 Suhl

Tutorium. Organisation und Struktur der Vorlesung. Vorlesung. Einführung in die. Block A: Themenliste der Vorlesung

Fachtag psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Schulfach Glück Glück kann man lehren und lernen

Einführung in die Psychomotorik

Wie Beziehung Kinder und Erwachsene stark macht

Auf dem Weg zur Operationalisierung des Befähigungsansatzes

Gesundheit als Führungsaufgabe

Wo ein Wille zur Abstinenz da ist auch ein Weg!?

Lebenskompetenz und Lebensfreude: Zielkategorien pädagogischen Handelns Ernst Fritz-Schubert

PSG I, II, III: Wie geht es der Pflege?

Ganzheitliches Gesundheitsmanagement

Bildungsfelder. Bildungsfelder. Bildungsfelder. Bildungsfelder. Kommunikationsfreudige und medienkompetente Kinder. Starke Kinder

1. Einleitung Das Jugendalter ist typischerweise durch eine Aufbruchstimmung gekennzeichnet, die zu intensiven Gefühlen, starken und unmittelbar

Unser Bild vom Menschen

Motorische Fitness oder pädagogische Spielchen? zum pädagogischen Auftrag des Schulsports. Dr. Michael Pfitzner. Dr.

Lernende Organisation. R. Ulrich, Personalentwickler

Berufliche Schulen des Landes Hessen Lehrplan für die Fachschule für Sozialpädagogik

Lagerungen nach kinästhesiologischen Grundlagen in der Altenpflege

gesundheit & naturwissenschaften kommunikation & medien Bildung & soziales Internationales & wirtschaft Psychomotorik Master of Arts (MA)

«Ich zeig euch, was mir wichtig ist...» Gesundes Aufwachsen im Mediengewimmel

Begriffsdefinitionen

Salutogenese eine Theorie für Gesundheit im Alter?

Psychomotorik. Weiterbildung. Entwicklungsförderung Bildung und Lernen Rehabilitation. Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel

Stressexposition Worin liegen die gesundheitlichen Gefahren?

Beurteilung nach dem lernfeld- und kompetenzorientierten Lehrplan Name der Praktikantin/ des Praktikanten:

FHNW Praxistagung 2014

1. Malteser Versorgungskongress Demenz

Psychomotorik nach B. Aucouturier in der therapeutischen Intervention als Kleingruppe oder in der Einzeltherapie

Ergänzende Inhalte Hort Basale Bedürfnisse befriedigen, z.b. Tanz, Verwandlungskünstler Ich kann alles sein, was ich will

Tagesablauf. Eingewöhnung

Gesundheitsförderung - Ressourcenorientierte Förderung mit dem Pferd

Gestaltungspädagogik in der Sozialen Arbeit

1 vmp-mops e.v. Regensburg

Wie und warum man Glück lernen kann. Dominik Dallwitz-Wegner

Geleitwort Entwicklung der Psychomotorik in Meilensteinen Schulen, Konzepte und Ansätze der Psychomotorik 15

Konzept pädagogisches Reiten

Psychomotorik. Wahrnehmen, bewegen, kommunizieren

Unser Vorschulkonzept

W 5 Gesundheitsförderndes Führen

SALUTOGENESE BASICS FÜR GESUNDE MITARBEITENDE UND EIN GESUNDES MANAGEMENT. Ulrike B. Meyer

Formen, Risiken und Chancen der Partizipation von Kindern in Gutachten bei Gewalt in Familien Was ist notwendig, was sinnvoll, was zumutbar?

Beschluss Nr. 4/2003 vom

Woher Pflegeteams ihre Kraft nehmen. 3. Hamburger Demenzgespräch Sandra Eisenberg Hamburg,

Lern- und Erfahrungsfeld LAUFEN, SPRINGEN, WERFEN - Betrachtung im Verlauf der kindlichen Entwicklung nach Inhaltsaspekten. Primarphase 6-10 Jahre

Ringvorlesung Eröffnungsveranstaltung Stendal, 15. Oktober 2013

Ausbildung von staatlich anerkannten Erziehern und Erzieherinnen an Fachschulen für Sozialpädagogik

Meet The Expert - Bewältigungsstrategien. DGBS Jahrestagung Sep. 2017

FOSUMOS Persönlichkeitsstörungen: Ein alternativer Blick. Felix Altorfer 1

Vortrag zur Einführung der Bildungs-und Lerngeschichten

Psychosoziale Risiken und ihre Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit Herausforderungen für die Mediziner 14. SIZ-Care Forum

Lern- und Erfahrungsfeld LAUFEN, SPRINGEN, WERFEN - Betrachtung aus dem Blickwinkel einer Bildungsphase/Altersgruppe. Kompetenzen in Bezug auf

Breaking - Das tänzerische Element der HipHop-Kultur

Grundlagen für einen gelingenden Anfangsunterricht

VFV Wölbitsch Mario, MSc

Dorfgemeinschaft. Camphill. Rhythmus erleben Balance gewinnen Taktgefühl entwickeln. Hausenhofer Reitprogramm

3malE Bewegungspausen Vorschule, 1.und 2. Klasse

Betriebliche Gesundheitsförderung aus der Sicht einer Fachkraft für Arbeitssicherheit. Rolf Witte

Schulfach Glück. Wie man Glück lehren kann. In Kooperation mit

Lebenswelt. Frühjahrstreffen AKSD. Waldschlösschen, 17. bis 19. März Markus Klein

Resilienz und Achtsamkeit

MH Kinaesthetics Infant Handling

BILDUNGS- UND LERNGESCHICHTEN. Astrid Glückstein Erz.10

Grundriß der Sportpädagogik

Übungsleiter-Ausbildung Kleinkinderturnen im Badischen Turner-Bund (BTB) Grundlehrgang im Turngau. Modul 1 16 UE Überfachliche Inhalte

Eingangsbereich Lebenshilfe Gießen e.v. Chancen und Herausforderungen

Fachvortrag 23. April 2015 KIM soziale Arbeit e.v.

Kinder sind keine Fässer die gefüllt, sondern Feuer, die entfacht werden wollen. Francois Rabelais

Helfen macht müde - was macht wieder munter?

Kulturelle und ästhetische Bildung in der frühen Kindheit Eine Investition für die Zukunft?

Transkript:

Vortrag ZIRKUSPÄDAGOGIK Zwischen Kunst und Pädagogik Zum Selbstverständnis der Zirkuspädagogik Fachtagung der BAG ZP e.v. 10. 12. November 2006 in Gschwend

Gliederung 1. Einstieg in die Thematik 2. Zirkus als Medium der Entwicklungsförderung 3. Fazit: Zum Selbstverständnis der Zirkuspädagogik

1. Einstieg in die Thematik

1. Einstieg in die Thematik Zirkus Roncalli (Quelle: www.manege.at)

1. Einstieg in die Thematik Quelle: www.cirquedusoleil.com Quelle: www.manege.at

1. Einstieg in die Thematik Cirque du Soleil (Quelle: www.cirquedusoleil.com)

1. Einstieg in die Thematik Zirkus Roncalli (Quelle: www.manege.at)

1. Einstieg in die Thematik Quelle: Ballreich/Grabowiecki 1999

1. Einstieg in die Thematik Zirkusformen Kinderschnellzirkus (kurzfristig) Freizeitzirkus (mittelfristig) Dauereinrichtung (langfristig) (vgl. Breuer 2004)

1. Einstieg in die Thematik Quelle: www.google.com (Stand: 09.11.2006)

1. Einstieg in die Thematik Quelle: www.google.com (Stand: 09.11.2006)

1. Einstieg in die Thematik Quelle: www.google.com (Stand: 09.11.2006)

1. Einstieg in die Thematik Zirkus und die Nähe zu anderen Fachgebieten Erlebnispädagogik Sportpädagogik Motopädagogik Spielpädagogik Sozialpädagogik (vgl. Kiphard 1997) Berührungspunkte zu anderen Bereichen z.b. Theater, Tanz, Rhythmus (vgl. Behrens 2003)

1. Einstieg in die Thematik Wenn ich in das Lesen Der Zeit (Eigenname) vertieft bin, merke ich nicht, wie die Zeit (Allgemein-Begriff) vergeht. Fordert mich mein Nachbar auf: Gib mir mal die Zeit kann das zu Missverständnissen führen: Meint er die Zeitung Die Zeit oder die Uhrzeit? (vgl. Seewald 1997)

1. Einstieg in die Thematik Die Art der Betrachtungsweise bei der Bestimmung des Begriffs Zirkuspädagogik ist wichtig! Auch die Art der Gewichtung einzelner Aspekte, die sich aus der Betrachtungsweise ergeben, spielt eine bedeutsame Rolle!

1. Einstieg in die Thematik CIRCUS pädagogik CIRKUS pädagogik ZIRKUS pädagogik

2. Zirkus als Medium der Entwicklungsförderung

2. Zirkus als Medium der Entwicklungsförderung... es gibt keine Handlung ohne Grund, und das, was ein Kind spontan tut, entspricht immer seiner Motivation (vgl. Köckenberger 2000)

2. Zirkus als Medium der Entwicklungsförderung WER / WAS ist Bestandteil zirkuspädagogischer Arbeit? DIE GRUPPE DAS KIND SELBST DAS MATERIAL

2. Zirkus als Medium der Entwicklungsförderung DIE GRUPPE DAS KIND SELBST DAS MATERIAL Sozialerfahrung Körpererfahrung Materialerfahrung

2. Zirkus als Medium der Entwicklungsförderung Erfahrungsfelder in der Zirkuspädagogik Körpererfahrung sich und seinen Körper wahrnehmen, erleben und verstehen. Sozialerfahrung die soziale Umwelt wahrnehmen, wahrnehmen und verstehen Materialerfahrung die materielle Umwelt erleben und verstehen. (vgl. Fischer 2001)

2. Zirkus als Medium der Entwicklungsförderung Erfahrungsfelder in der Zirkuspädagogik Befähigung, über motorische Lernprozesse, sich sinnvoll mit sich selbst, seiner dinglichen und personalen Umwelt kritisch auseinander zu setzen, um adäquat handeln zu können (Handlungskompetenz)! (vgl. Kuhlenkamp 2005)

2. Zirkus als Medium der Entwicklungsförderung Sich-Bewegen als Mensch-Welt-Dialog Entwicklung als subjektive Sinn-Konstruktion ENTWICKLUNG Bewegung als emotional-körperliche Erfahrung Entwicklung als Identitätsbildung (vgl. Fischer 2000) Bewegung als soziales Handlungsmuster Entwicklung als sozial-ökologischer Konstruktionsprozess

2. Zirkus als Medium der Entwicklungsförderung Sagst du`s mir, so vergesse ich es. Zeigst du`s mir, so merke ich es mir vielleicht. Lässt du mich teilnehmen, so verstehe ich es (Chinesisches Sprichwort)

2. Zirkus als Medium der Entwicklungsförderung sense of coherence (Antonovsky 1997) Verstehbarkeit (comprehensibility) Handhabbarkeit (manageability) Bedeutsamkeit, Sinnhaftigkeit (meaningfulness)

2. Zirkus als Medium der Entwicklungsförderung Zirzensische Inhalte als Zugang zum Kind

2. Zirkus als Medium der Entwicklungsförderung Die soziale Umwelt verstehen (Verstehbarkeit) Mitwirkung bei der Entscheidungsfindung, das Erreichen eines Sicherheitsgefühls und das Erleben von Selbstwirksamkeit (Handhabbarkeit); Bedeutungsvolle Beziehungen aufbauen, subjektive Bedeutsamkeit (Bedeutsamkeit) (vgl. Margilat 1998)

2. Zirkus als Medium der Entwicklungsförderung Das Kind erschließt sich seine Umwelt leiblichsinnlich (über den Körper) und agiert dabei über die Bewegung als Akteur seiner eigenen Entwicklung. Aktiv handelnd kann das Kind (Körper-, Material-, Sozial-) Erfahrungen sammeln, sich selbst als Verursacher des Geschehens erleben und demnach Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten gewinnen. (Behrens 2006; vgl. Fischer 2001)

3. Fazit: Zum Selbstverständnis der Zirkuspädagogik

3. Fazit: Zum Selbstverständnis der Zirkuspädagogik Richtlinien zirkuspädagogischer Arbeit 1. Erlebnis- und Persönlichkeitsorientierung anstatt reiner Leistungsorientierung! 2. Prozessorientierung anstatt Produktorientierung! 3. Freie Handlungsmöglichkeiten in offenen Bewegungssituationen (Impulsgebung an den Ressourcen orientiert) anstatt ausschließliches Nachvollziehen genormter Bewegungsabläufe (z.b. nur reines Erlernen von Zirkustechniken)!

3. Fazit: Zum Selbstverständnis der Zirkuspädagogik Zirkuspädagogische Arbeit unterstützt die Persönlichkeitsentwicklung durch Bewegung, Wahrnehmung und Handlung in sozialen Bezügen. Kinder, Jugendliche und Erwachsene setzen sich im Zirkuskontext sinnvoll mit sich selbst, ihrer dinglichen und personalen Umwelt kritisch auseinander!

3. Fazit: Zum Selbstverständnis der Zirkuspädagogik Zirkuspädagogik ist demnach die spielerische Auseinandersetzung mit zirzensischen Inhalten. Das Ziel der Zirkuspädagogik liegt in der Erweiterung der Erfahrungsbereiche (Körper-, Sozial-, Materialerfahrung) im Sinne einer bewegungsorientierten Entwicklungs- und Persönlichkeitsförderung

3. Fazit: Zum Selbstverständnis der Zirkuspädagogik Zirkus Zirkus ist eine besondere Art des Spiels mit den Möglichkeiten, den Herausforderungen an das aktive Subjekt, den Grenzen der Kunst und des Machbaren für den Einzelnen (Schnapp/Zacharias 2000)

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!